AKUSTISCHE ROHRDIAGNOSE · VIRTUELLER VERSUCH · VERSION 3.2 · 10.09.2026

Rohrstrecke und dynamischer Netzwerkzwilling

Netzwerkrechnungen0
Relativer Echo-RMS-Fehler–
Korrelation · unverrückte Kurven–
Geprüfte / gewählte TopologieGerade

Impuls im Rohr verfolgen

Startzustand
0,0 ms
Die Farbe zeigt den berechneten Schalldruck. Zeitlupe und Zeitregler ändern keine Laufzeit in der Rechnung.

Dauerbetrieb · Belag kommt und geht, Seitenrohr schaltet zufällig

Nicht aktiv

Die Referenzanlage verändert sich von selbst; jeder Zyklus ist ein vollständiger sichtbarer Abgleich. Unterlagert: der unveränderte Edge-Abgleich. Überlagert: die KI greift nur bei beharrlich zu hohem oder stetig steigendem Restfehler ein und übergibt ein Korrekturpaket, das die Edge prüft. Türkis: Referenzanlage. Orange: Zwilling.

Belag · Referenz und Korrektur im Zwilling · %

Belag ReferenzanlageKorrektur im Zwilling

Restfehler je Zyklus · %

Edge vor KI-EingriffNach dem ZyklusZiel
ZyklusReferenz: Klappe · x · Aᵦ/A · BelagEdge (vor KI): Klappe · x · Aᵦ/A · FehlerKI: Auslöser → Paket → EntscheidungFehler nach ZyklusRechnungen
Noch kein Überwachungslauf.

Eingangsimpuls und Quellenverformung · Pa

Sollimpuls U/2Gefilterte einlaufende Welle E/2

Zurücklaufende Impulse am Lüfterport · Pa

RohrreferenzNeu berechnetes Netzwerk

Sende-/Empfangs-Kreuzkorrelation

Senden ↔ RohrantwortSenden ↔ Netzwerkantwort

Abgleichverlauf · relativer Fehler in %

Jeder getestete ParametersatzBisher kleinster Fehler

Volumenströme beider Modelle · L/s

Akustische Wechselgrößen

Kein stationärer Lüfter-Förderstrom. Einlass positiv ins Rohr; Auslässe positiv nach außen. Kompressibilität speichert Luft: Ein- und Auslassströme müssen während des Impulses nicht gleich sein.

Noch keine Rechnung. Die Zahlen folgen dem Zeitregler.

MessortRohrreferenzNetzwerk
Einlass––
Hauptauslass––
Seitenrohr-Auslass––
RohrreferenzNetzwerkzwilling

Nach Rechenende lassen sich alle tatsächlich berechneten Versuche mit ihren Schaltungswerten und Druckwellen erneut ansehen.

Elektrische Schaltung · reale Werte der Knotenmatrix

Schallgeschwindigkeit c313 m/s
Abschluss R/Z₀1,94
Abzweigposition–
Querschnitt Aᵦ/A–
Belag-Korrektur (KI → Edge)keine
Knotenmatrix und Einheiten anzeigen

C ṗ = −B Q − G p + iₛ; L Q̇ = Bᵀ p − R Q. Der Löser wertet die dünn besetzte Matrix aus und integriert alle Zustände mit RK4. K0 ist der Bezugsdruck; es ist kein Rohrort.

Prüf- und Rechenprotokoll

Bereit. Noch keine Ergebnisaussage.

Schnelleinstieg · Das Projekt auf einen Blick

Prof. Dr.-Ing. Ralph Wystup

Aufgabe und Ziel

Eine Rohrstrecke aus Quelle, Rohr und Last soll anhand ihrer Impulsantwort erkannt werden. Öffnet sich ein Seitenrohr, soll der Netzwerkzwilling dessen Position und Querschnitt selbst finden. Hier wird zunächst die numerische Machbarkeit geprüft; später folgt der reale Lüfterversuch.

Wie der Vergleich funktioniert

Dieselbe Anregung geht in zwei getrennte Rechnungen: ein räumliches Rohrmodell und eine elektrische RL/C-Laufzeitkette. Der Optimierer verändert die Netzwerkparameter und berechnet die Antwort jedes Mal neu. Die tatsächlich verwendeten Bauteilwerte sind in der Schaltung sichtbar.

In drei Schritten ausprobieren

  1. Starten: Überlagerte KI auf „Aus“ lassen, Anlage einstellen oder stehen lassen und „Abgleich starten“ anklicken.
  2. Vergleichen: Türkis zeigt das Rohrmodell, Orange den Netzwerkzwilling. Impulse, Volumenströme und Restfehler verfolgen. Eine hohe Korrelation allein bedeutet noch keine genaue Übereinstimmung.
  3. Variieren: Klappe schließen, Position ändern oder einen Belag einstellen und erneut starten. Mit Zeitlupe und Zeitschieber einzelne Zeitpunkte, mit dem Iterationsregler frühere echte Rechenschritte ansehen. Überlagerte KI auf „An“: Das Netz wird eingelernt, danach verändert sich die Referenzanlage von selbst (Belag kommt und geht, Klappe schaltet zufällig), und der Zwilling folgt Zyklus für Zyklus, bis „Abbrechen“ gedrückt wird.

Der Seitenzweig kann bei der Suche springen: Angezeigt wird der gerade berechnete Kandidat, auch wenn er später verworfen wird. Am Ende erscheint das gewählte Ergebnis.

Volumenströme: Angezeigt werden Einlass, Hauptauslass und Seitenrohrauslass für beide Modelle in L/s. Es sind zeitabhängige akustische Wechselgrößen, kein dauerhafter Förderstrom. Die Werte gehören zum angezeigten Rechenzeitpunkt.

Wo die KI vorgesehen ist

Zwei Ebenen: Der Abgleich ist die unterlagerte Edge-Ebene, ein einfacher Optimierer, der dauernd laufen kann und die Klappe selbst erkennt. Darüber liegt seit Stufe 3 eine überlagerte KI. Sie greift nur ein, wenn der Restfehler der Edge beharrlich zu hoch ist oder stetig ansteigt, etwa weil in der Referenzanlage ein Belag wächst. Dann schlägt ein in dieser Datei eingelerntes kleines neuronales Netz ein Korrekturpaket (Belaggröße, Belagort) vor; der Vorschlag ist ein Startpunkt, der mit wenigen physikalischen Rechnungen nachgeschärft wird. Die Edge prüft das Paket mit einem eigenen Abgleich und übernimmt es nur bei deutlicher Verbesserung. Zum Vergleich steht eine klassische Belagsuche zur Wahl. Später soll die Edge-KI Messung und Ansteuerung unterstützen; ein Server-Agent soll weitere Versuche und Filterung koordinieren. Das Netz entscheidet nie allein; maßgeblich bleibt der Rohsignalvergleich der Edge.

Rechenmodell und Bedienung

Projekt und Methodik: Prof. Dr.-Ing. Ralph Wystup

Aufgabe ist der sichtbare numerische Abgleich eines räumlichen Rohrmodells mit einem diskreten elektrischen Netzwerk. Referenz und Netzwerk lösen die linearen eindimensionalen akustischen Gleichungen. Mittlere Luftströmung, nichtlineare Klappenkennlinien und ein vermessenes Lüfterkennfeld sind hier noch nicht enthalten.

Mathematisches Referenz-Rohrmodell

Die Referenz ist eine räumliche Rechnung der linearen, eindimensionalen Rohrakustik, nicht eine vorgegebene Echokurve. Ihre Unbekannten sind zwei gegenläufige Druckwellen. Das elektrische Netzwerk wird getrennt aus Druckknoten, Trägheiten und Widerständen aufgebaut. Beide Verfahren beschreiben dieselben physikalischen Grundgleichungen; sie sind numerisch unterschiedlich, aber keine voneinander unabhängigen physikalischen Theorien. FEMM wird hier nicht verwendet.

Die folgenden Gleichungen beschreiben den tatsächlich eingebetteten Rechenkern pipe_engine.js, mit Volumenstromauswertung Stand 10.09.2026. Die Abschnitte lassen sich einzeln aufklappen. Sämtliche Formeln sind offline in dieser HTML-Datei enthalten.

1 · Erhaltungsgrößen und Herleitung der partiellen DGL

In jedem geraden Rohrabschnitt sei x die Längskoordinate, A der konstante freie Querschnitt und ρ₀ die Ruhedichte. Der kleine Schalldruck p(x,t) ist die Abweichung vom Ruhedruck, nicht der absolute Luftdruck. u(x,t) bezeichnet die Teilchengeschwindigkeit; Q(x,t) = A u(x,t) ist der akustische Volumenstrom. Er kann sein Vorzeichen wechseln und ist nicht der stationäre Fördervolumenstrom eines Lüfters.

Aus der Massenerhaltung folgt nach Linearisierung um ruhende Luft und bei konstantem Querschnitt:

∂ρ′/∂t + ρ₀ ∂u/∂x = 0

Mit der linearen Zustandsgleichung p = c²ρ′ und u = Q/A ergibt sich:

∂p/∂t = −(ρ₀c²/A) ∂Q/∂x. (1)

Die lineare Impulsbilanz enthält hier zusätzlich eine angenommene, örtliche Geschwindigkeitsdämpfung β ≥ 0:

ρ₀ ∂u/∂t = −∂p/∂x − ρ₀βu

Multiplikation mit A/ρ₀ liefert die zweite Entwicklungsgleichung:

∂Q/∂t = −(A/ρ₀) ∂p/∂x − βQ. (2)

Bei abschnittsweise konstanten Koeffizienten: Gleichung (1) nach t ableiten, Gleichung (2) nach x ableiten und einsetzen:

∂²p/∂t² = −(ρ₀c²/A) ∂/∂x [−(A/ρ₀) ∂p/∂x − βQ]
= c² ∂²p/∂x² + (ρ₀c²/A)β ∂Q/∂x
= c² ∂²p/∂x² − β ∂p/∂t.

Damit lautet die gedämpfte Wellengleichung, auch eine Form der Telegraphengleichung:

∂²p/∂t² + β ∂p/∂t − c² ∂²p/∂x² = 0. (3)

Gelöst wird nicht nur diese einzelne Druckgleichung, sondern das zugehörige gekoppelte System für Druck und Volumenstrom. Querschnittssprünge und Abzweige erhalten eigene Kopplungsbedingungen. Die konstante Dämpfung β = 6 s⁻¹ ist eine Modellannahme; sie ersetzt keine frequenzabhängige thermoviskose Wandverlustrechnung.

Größen und feste Grunddaten des Demonstrators
GrößeBedeutung / Standardwert
p; QSchalldruck in Pa; akustischer Volumenstrom in m³/s
ρ₀; c1,2 kg/m³; Referenz: 343 m/s
D; A0,1 m; A = πD²/4 ≈ 0,007854 m²
ℓ; ℓᵦHauptrohr 6 m; angeschlossenes Seitenrohr 2 m
xⱼ; r = Aᵦ/AIm Standardfall 3 m; 0,55. Beide sind an der Referenz einstellbar.
2 · Zerlegung in hin- und rücklaufende Wellen

Mit der auf Volumenstrom bezogenen, verlustlosen Kennimpedanz Z₀ = ρ₀c/A werden die Druckkomponenten definiert:

w⁺ = (p + Z₀Q)/2;   w⁻ = (p − Z₀Q)/2
p = w⁺ + w⁻;   Q = (w⁺ − w⁻)/Z₀. (4)

Durch Einsetzen von (1) und (2) folgt:

∂w⁺/∂t + c ∂w⁺/∂x = −(β/2)(w⁺ − w⁻)
∂w⁻/∂t − c ∂w⁻/∂x = +(β/2)(w⁺ − w⁻). (5)

Ohne Dämpfung ist w⁺ entlang x − ct = konstant und w⁻ entlang x + ct = konstant. So entstehen Laufzeiten aus der räumlichen Ausbreitung. Mit Dämpfung koppeln die rechten Seiten beide Komponenten. Z₀ ist dabei die verwendete charakteristische Skalierung, nicht die exakte komplexe Impedanz einer beliebig verlustbehafteten realen Leitung.

Hintergrund zur akustischen Impedanz und ihrer elektrischen Analogie: UNSW – Acoustic compliance, inertance and impedance.

3 · Tatsächliche Anregung, Quellenrand und Anfangszustand

Es wird kein idealer Diracstoß eingespeist. Ein zeitlich begrenztes Rechenfenster enthält einen Gauß-Sollimpuls U mit Maximum 20 Pa bei t₀ = 5 ms und Breite σ = 1,2 ms:

U(t) = 20 Pa · exp[−½ ((t − t₀)/σ)²].

Eine Quellen-Trägheit soll näherungsweise τ dE/dt + E = U erfüllen. Tatsächlich implementiert ist folgende diskrete Filterrekursion, also eine Abtastnäherung an die glatte Anregung:

f = 1 − exp(−Δt/τ),   E₋₁ = 0
Eₖ = (1 − f)Eₖ₋₁ + f U(tₖ),   tₖ = kΔt. (6)

Der Gaußimpuls besitzt einen kleinen, nicht exakt nullen Anfangswert. Das erste E₀ ist deshalb bereits fU(0). Das ist kein behaupteter analytischer Nullstart der Filtergleichung. Die Laufzeitfelder beider Modelle starten dagegen mit null Druck und null Volumenstrom.

Am Eingangsport gilt eine Druckquelle mit reellem Serienwiderstand Zₛ = Z₀:

p(0,t) + Zₛ Q(0,t) = E(t)
⇒ w⁺(0,t) = E(t)/2
pPort = E/2 + w⁻;   QPort = (E/2 − w⁻)/Z₀. (7)

Die rücklaufende Komponente erzeugt an diesem idealisierten Quellenrand keine zusätzliche zurückgesendete Welle. Beide Löser erhalten denselben Verlauf Eₖ; Zₛ wird jeweils aus dem eigenen c berechnet. Das Modell enthält damit eine angenommene Anpassung, keine vermessene Lüfterimpedanz. Ob ein realer Lüfter den Impuls senden und über seine Stellgröße empfangen kann, bleibt experimentell zu klären.

4 · Rohrabschluss, Reflexion und Seitenabzweig

Am Rohrende ist der nach außen gerichtete Volumenstrom positiv. Für den reellen Lastwiderstand ZL gilt p = ZLQ. Einsetzen von (4) ergibt:

w⁻ = γw⁺,   γ = (ZL − Z₀)/(ZL + Z₀)
ZL = Z₀(1 + γ)/(1 − γ). (8)

Der Hauptabschluss hat in der Referenz γ = 0,5, also ZL = 3Z₀. Der Seitenabschluss hat γᵦ = −0,5, also ZLᵦ = Z₀ᵦ/3 und Z₀ᵦ = Z₀/r. Das Seitenende ist somit kein ideal druckfreies Ende; jenes hätte γ = −1. Eine reale frequenzabhängige Abstrahlungsimpedanz ist nicht enthalten. Allgemeiner Hintergrund: COMSOL – Randbedingungen der Rohrakustik.

Der ideale Abzweig hat kein eigenes Punktvolumen. Für jeden angeschlossenen Rohrport j sei aⱼ die zum Abzweig laufende und bⱼ die vom Abzweig weglaufende Druckkomponente. Alle Ports haben denselben Druck pJ. Aus Druckgleichheit und Volumenstrombilanz:

pJ = aⱼ + bⱼ,   Qaus,j = (bⱼ − aⱼ)/Zⱼ
Σⱼ Qaus,j = 0
⇒ pJ Σⱼ(1/Zⱼ) = 2Σⱼ(aⱼ/Zⱼ)
⇒ pJ = 2Σⱼ(aⱼ/Zⱼ) / Σⱼ(1/Zⱼ),   bⱼ = pJ − aⱼ. (9)

Die beiden Hauptrohrports haben Zⱼ = Z₀, der Seitenport Z₀/r. Deshalb verwendet das Programm exakt:

pJ = 2(a₁ + a₂ + ra₃)/(2 + r). (10)

Trifft zunächst nur aus dem vorderen Rohr ein Impuls ein, ist die erste Druckreflexion −r/(2+r). Bei r = 0,55 beträgt sie −0,215686… . Die erste Hin-/Rücklaufzeit zum Abzweig ist 2xⱼ/c, zum Hauptabschluss 2ℓ/c. Spätere Mehrfachreflexionen entstehen durch wiederholten Transport und Anwendung derselben Randbedingungen, nicht durch eine vorgefertigte Liste von Echos.

„Klappe geschlossen“ entfernt das Seitenrohr unmittelbar am Abzweig vollständig. „Geöffnet“ verbindet das ganze Seitenrohr mit seinem Abschluss. Es gibt weder einen verbleibenden geschlossenen Rohrstutzen noch ein Modell für Teilöffnung, mechanische Klappenbewegung während des Impulses oder Strömungsdruckverluste einer realen Klappe.

5 · Räumliches Gitter und tatsächlich ausgeführte Zeitschritte

Die Funktion reference() verwendet eine Charakteristikenrechnung mit Courant-Zahl cΔt/Δx = 1. Das Ausgabezeitgitter wird durch source() festgelegt:

Δt = ℓ/(Nref · 343 m/s),   Nref = 240
Δx = crefΔt;   nⱼ = max(2, round(ℓⱼ/Δx))
ℓⱼ,effektiv = nⱼΔx. (11)

Hier bezeichnet cref die im Referenzmodell eingestellte Schallgeschwindigkeit, im Dashboard 343 m/s. Im Standardfall sind Δt ≈ 72,886 µs und Δx = 25 mm. Das gerade Rohr hat 240 Transportzellen. Beim mittigen Abzweig entstehen 120 + 120 + 80 Zellen für Vorderrohr, Hinterrohr und Seitenrohr. Die effektiv diskretisierten Längen stehen im Export unter reference.actualLengths; bei nicht gitterpassenden Vorgaben können sie durch Rundung von den Wunschlängen abweichen.

Pro Schritt werden zunächst die aktuellen Portsignale ausgelesen und die Randwerte berechnet. Dann werden w⁺ um eine Zelle nach rechts und w⁻ um eine Zelle nach links transportiert. An einem Rand tritt der eben berechnete Quellen-, Reflexions- oder Abzweigwert ein. Bezeichnen a* und b* diese transportierten Komponenten, folgt der lokale Dämpfungsschritt:

η = exp(−βΔt)
w⁺neu = ½[(a* + b*) + η(a* − b*)]
w⁻neu = ½[(a* + b*) − η(a* − b*)]. (12)

Damit bleibt p im lokalen Dämpfungsschritt unverändert, während Q mit η multipliziert wird. Dieser Teil löst ∂Q/∂t = −βQ exakt. Die Abfolge „Transport, dann Dämpfung“ ist jedoch eine Operatoraufspaltung erster Ordnung, keine exakte Lösung der vollständigen gedämpften PDE. Gitter-, Rand- und Aufspaltungsfehler bleiben zu prüfen. Der verlustlose Transport auf diesem passenden Gitter ist dagegen bis auf Rundungsfehler exakt.

Die Zeitschleife umfasst ceil(85 ms/Δt) + 1 Ausgabepunkte. Jeder vierte Druckzustand wird für die Animation gespeichert; die Portsignale werden in jedem Schritt berechnet. Die Zeitlupe spielt diese Zustände ab. Sie verlangsamt weder die physikalische Schallgeschwindigkeit noch die berechneten Echozeiten.

6 · Empfangssignal, Korrelation und Zielfunktion

Die Referenz gibt die am Eingang ankommende Welle yref = w⁻ aus. Im Netzwerk wird derselbe Anteil aus ynet = pPort − E/2 bestimmt. Optional kommt ausschließlich zum synthetischen Messsignal ein reproduzierbares Gaußrauschen hinzu:

ymess,k = yref,k + εₖ
εₖ: Mittelwert 0, Standardabweichung s = 0,1 Pa · n%.

Eine Reglereinstellung von 0,5 % bedeutet somit 0,05 Pa Standardabweichung, bezogen auf 10 Pa. Das rauschfreie Ergebnis bleibt separat gespeichert. Der feste Zufallsstartwert beträgt 23091.

Für jeden Parametersatz θ wird das gesamte Netzwerk neu über die Zeit integriert. Der Abgleich minimiert die Fehlerquadratsumme, ohne Zeitverschiebung oder Amplitudennormierung der Modellkurve:

SSE(θ) = Σₖ [ymess,k − ynet,k(θ)]²
NRMSE = √[SSE / Σₖ ymess,k²]. (13)

Summiert wird vom Index floor(12 ms/Δt) bis zum letzten Sample. Die als 12–85 ms bezeichnete Echoauswertung beginnt also am unmittelbar vorhergehenden Gitterpunkt und endet am ersten Gitterpunkt bei oder nach 85 ms. Der feste Beginn reduziert den Einfluss des diskreten Quellenport-Einschwingens; das vollständige Zeitdiagramm bleibt sichtbar. Für verschwindende Nenner enthält der Code eine kleine numerische Schutzschwelle.

Die angezeigte prozentuale Korrelation ist die zentrierte Pearson-Korrelation der beiden Rückläufe bei unveränderter Zeitlage im selben Fenster. Das eigene Sende-/Empfangsdiagramm zeigt dagegen:

K(j) = Σᵢ [(Eᵢ/2) yᵢ₊ⱼ] / Σᵢ(Eᵢ/2)²,   Verzögerung = jΔt. (14)

Dabei laufen nur gültige überlappende Samples in die Zählersumme ein; angezeigt werden positive Verzögerungen bis ungefähr 60 ms. Diese Kreuzkorrelation unterstützt die Laufzeitanalyse. Sie ist nicht die Zielfunktion des Fits und garantiert keine Rauschunterdrückung oder eindeutige Rekonstruktion.

7 · Bezug zur dynamischen Netzwerkmatrix und Aussagekraft

Die Schreibweise der Grundgleichungen als Leitungsgleichungen ergibt direkt:

∂p/∂x = −L′ ∂Q/∂t − R′Q,   ∂Q/∂x = −C′ ∂p/∂t
L′ = ρ₀/A;   R′ = βL′;   C′ = A/(ρ₀c²);   G′ = 0. (15)

Für jedes Netzwerkelement der Länge h gilt L = L′h, R = R′h und C = C′h. L und R liegen auf der Verbindung zwischen zwei Druckknoten; C/2 wird jeweils gegen den Bezugsdruck an beide Endknoten gestempelt. Die akustischen Einheiten sind L: Pa·s²/m³, R: Pa·s/m³ und C: m³/Pa. Es handelt sich um eine elektrische Analogie mit Druck als Spannung und Volumenstrom als Strom, nicht um unskalierte Henry-, Ohm- und Farad-Angaben.

Mit B als Inzidenzmatrix (+1 am Anfang, −1 am Ende einer orientierten Kante), diagonalen Speichermatrizen C und L, Kantenwiderständen R und den Quellen-/Abschlussleitwerten G entsteht:

C ṗ = −B Q − Gp + iₛ
L Q̇ = Bᵀp − RQ. (16)

Hier ist iₛ nur am Quellenknoten ungleich null und beträgt E/Zₛ. Am Abzweig summieren sich die Kapazitätsbeiträge der angrenzenden halben Rohrzellen. Anders als beim idealen volumenlosen Referenzpunkt besitzt das diskrete Kontrollvolumen dort deshalb einen Speicherterm. Ein gemeinsamer Druckknoten verbindet weiterhin drei verteilte RL/C-Leitungen; es sind nicht drei konzentrierte RLC-Reihenschwingkreise.

Das Netzwerk verwendet RK4-Zeitintegration mit internen Schritten Δtint ≤ 0,24 min(h)/c. Seine Quelle wird zwischen Ausgabesamples linear interpoliert. Intern wird Q mit einem festen Bezugswiderstand skaliert; dadurch ändern sich weder Gleichungen noch physikalische Einheiten der exportierten Portgrößen. Bei jeder Modellbewertung werden Matrixkoeffizienten und Zustandsantwort neu berechnet. Es gibt keine Übernahme der Referenz-Druckverteilung in den Netzwerklöser.

Das Modell besitzt im geraden Standardfall 121 Druck- und 120 Strömungszustände, also Ordnung 241. Mit dem mittigen Seitenrohr sind es 161 Druck- und 160 Strömungszustände, also Ordnung 321. Der räumlich kontinuierliche Rohransatz selbst ist kein System mit nur drei dynamischen Freiheitsgraden.

Als Gegenprüfungen dienen die analytischen verlustlosen Reflexionen und die Gitterverfeinerung. Ohne Parameteranpassung fällt der Echo-RMS-Unterschied bei gleichen physikalischen Daten im geraden Rohr von 15,7325 % bei 40 Netzwerkzellen auf 0,4572 % bei 240 Zellen. Das sind Diskretisierungsabweichungen, kein pauschales „numerisches Rauschen“.

Grenze der Aussage: Zwei getrennte Löser für dieselben vereinfachten Gleichungen prüfen die numerische Umsetzung. Ihre Übereinstimmung beweist noch nicht, dass Lüfteranregung, reale Klappen, Leckortung oder stationäre Auslassvolumenströme unter Versuchsbedingungen ausreichend erfasst sind. Der jetzige Fit wählt nur zwischen geradem Rohr und genau einem Seitenrohr; er rekonstruiert keine beliebige Rohrnetztopologie. Ein gemeinsamer Fehler in den physikalischen Annahmen kann von beiden Verfahren geteilt werden.

Angezeigte Volumenströme beider Modelle

Für jedes Modell werden Einlass, Hauptauslass und – falls vorhanden – Seitenrohrauslass ausgewertet. Die Werte stammen aus den eigenen berechneten Zuständen des jeweiligen Modells. Einlass positiv ins System, Auslässe positiv aus dem System:

Referenz: Qein = (w⁺ − w⁻)/Z₀;
Qaus = (1 − γ)w⁺Ende/Z₀.
Netzwerk: Qein = (E − pPort)/Zₛ;
Qaus = pEnde/RLast.

Am Seitenrohr werden dessen eigener Querschnitt, Kennwiderstand und Abschluss verwendet. Diese Auswertung ändert keine DGL, Randbedingung oder Fit-Zielfunktion. In der Übersicht werden die drei Orte nebeneinander verglichen; das zusätzliche Diagramm zeigt ihren wählbaren Zeitverlauf. Bei der Iterationsrückschau gehören die Netzwerkströme zum damals geprüften Parametersatz, nicht zum späteren Endergebnis.

Die Tabellenwerte sind echte Zeitsamples: Ausgewählt wird der letzte berechnete Zeitpunkt bei oder vor der Position des Zeitreglers; der genaue Zeitpunkt wird genannt. Die Anzeige rechnet m³/s in L/s um (Faktor 1000). Im JSON bleiben flow für den Einlass, outletFlow für den Hauptauslass und branchFlow für den Seitenrohrauslass in m³/s erhalten. Bei nicht vorhandenem Seitenrohr ist dessen Beitrag in den Daten null; die Oberfläche zeigt „kein Seitenrohr“ statt einer angeblichen Messung.

Die Ströme sind akustische Wechselgrößen um den ruhenden Ausgangszustand. Während eines Impulses speichert die kompressible Luft Masse; deshalb müssen der zeitgleiche Einlassstrom und die Summe der Auslassströme nicht gleich sein. Ein stationärer Lüfter-Förderstrom oder ein bereits messgerätefreier Dauerbetrieb wird damit nicht nachgewiesen. Dafür fehlen weiterhin das mittlere Strömungsmodell sowie kalibrierte Lüfter-, Klappen- und Auslasskennlinien.

Netzwerkverfahren

Fortführung des Kanten-/Knotenrezepts aus Ritz_Verfahren / ANLEITUNG_Netzwerk_statt_FEM, Abschnitte 2–3: Welle → L auf Kanten, C gegen K0; Dämpfung → R in Reihe. Für jedes Rohrelement: L = ρ Δx/A, R = β L, C = A Δx/(ρc²). Jede Elementkapazität wird hälftig an die beiden Endknoten gestempelt. Am Systemabzweig werden die Beiträge der angeschlossenen Elemente addiert. Die ideal druckgleiche Verbindungsstelle lässt sich durch einen gemeinsamen Netzwerkknoten koppeln; zusätzliche Knoten in den Rohrabschnitten bleiben erhalten. Die Schaltung ist eine RL-Längskette mit Quer-C. Der gezeigte Ausschnitt enthält tatsächliche Elemente der aktuellen Netzliste.

Anregung und Messung

Ein Gaußimpuls mit σ = 1,2 ms wird durch einen Tiefpass mit der eingestellten Zeitkonstante τ verformt. Das ist eine einstellbare Quellenannahme, keine gemessene Lüfterkennlinie. Der gleiche Spannungsquellenverlauf E(t) treibt beide Modelle. Die Quellenimpedanz ist an Z₀ = ρc/A angepasst. Am Eingangsport wird der Rücklauf als p − E/2 bestimmt. Referenz-Schalldruck und Netzwerk-Schalldruck werden separat berechnet. Der Echoabgleich verwendet das fest ausgewiesene Fenster 12–85 ms; so beeinflusst der lokale Einschaltfehler der diskreten Quellenkapazität den Echo-Fit weniger. Im ganzen Zeitdiagramm wird nichts ausgeblendet.

Automatischer Abgleich

Jeder Versuch löst das Netzwerk erneut. Zunächst werden Laufzeit und Abschluss des geraden Rohrs gesucht. Reicht der Fehler nicht aus, werden Kandidaten für einen Seitenzweig geprüft; anschließend optimiert Nelder–Mead dessen Position und Querschnitt gemeinsam mit c und dem Abschluss. Ein zusätzlicher Zweig wird nur bei deutlicher Fehlerreduktion (mindestens 20 % SSE) und kleinerem BIC gewählt. Laufzeiten allein bestimmen nicht sämtliche Bauteile eindeutig. Daher sind Hauptrohrlänge 6 m, Durchmesser 0,1 m, ρ = 1,2 kg/m³, Seitenrohrlänge 2 m, β = 6 s⁻¹ sowie dessen Abschluss Rᵦ/Z₀ᵦ = 1/3 hier bekannte Daten. Die Netzwerkelemente ändern sich aus den optimierten physikalischen Größen. Es erfolgt keine Skalierung oder Verschiebung der ausgegebenen Kurven.

Kreuzkorrelation Senden/Empfangen wird als eigene Laufzeitauswertung gezeigt. Der Optimierer minimiert die quadratische Abweichung der unveränderten Rücklaufsignale. Rauschen, Gitterfehler und mangelnde Identifizierbarkeit können einen Restfehler hinterlassen. „Rechenende“ bedeutet deshalb nicht automatisch „Ziel erreicht“. Die Genauigkeit auf synthetischen Daten ist kein experimenteller Ortsgenauigkeitsnachweis. Volumenströme im Export sind akustische Wechselgrößen, keine stationären Auslassvolumenströme.

Stufe 3 · Belag in der Referenzanlage und überlagerte KI

Die Referenzanlage kann einen Belag tragen: eine örtlich begrenzte Verengung mit glattem Profil um das Belagzentrum xc, halbe Länge b = 0,6 m, Querschnittsminderung d im Zentrum. Wirksamer Querschnitt A(x) = A₀·[1 − d·w(x)] mit w(x) = ½·[1 + cos(π(x − xc)/b)] innerhalb |x − xc| < b, Dämpfung β(x) = β₀·[1 + 3·d·w(x)] für die rauere Oberfläche. Die Referenz rechnet das Profil in acht Abschnitten auf dem 25-mm-Raster mit der Charakteristikenmethode auf einem Rohrgraphen; bei d = 0 entsteht exakt die Rechnung der Version 2.1.

Unterlagerte Ebene (Edge): der unveränderte Abgleich mit seinen vier Größen c, γ, Position und Querschnitt. Er läuft in jedem Zyklus, erkennt die Klappe selbst und kennt keinen Belag. Sein Zwilling kann jedoch ein Korrekturpaket tragen: Belaggröße und Belagort werden als feste Zellen mit vermindertem Querschnitt und erhöhter Dämpfung in die RL/C-Kette eingebaut (L = ρΔx/(A·f), C = A·f·Δx/(ρc²), R = β·L mit f = 1 − d·w). Die Edge optimiert weiterhin nur ihre vier Größen. Ohne Korrektur ist dieser Zwilling bitgenau der Zwilling der Version 2.1.

Überlagerte Ebene (KI): Sie erhält nach jedem Zyklus das Ergebnispaket der Edge (Restfehler, Topologie, vier Parameter, Rechnungen) und greift nur ein, wenn der Restfehler in zwei aufeinanderfolgenden Zyklen über dem Ziel liegt, einmal mehr als das Dreifache des Ziels erreicht oder über vier Zyklen stetig ansteigt. Dann fordert sie das Signalpaket an und schlägt eine Korrektur vor: entweder mit einem kleinen neuronalen Netz (128 Eingänge aus dem gemittelten Rücklauf, 32 verdeckte Neuronen, Ausgänge Klappe, Position, Querschnitt, Abschluss, Belaggröße, Belagort; eingelernt in dieser Datei aus eigenen Referenzfällen zufälliger Anlagen, Vorgabe 1500, mit einem Fünftel so vielen getrennten Kalibrierfällen; gerade Rohre und Seitenrohre an verschiedenen Stellen, Belag bis zur eingestellten Größe an Orten im eingestellten Bereich); sein Vorschlag ist ein gelernter Startpunkt, der mit höchstens 16 sichtbaren physikalischen Rechnungen (Nelder–Mead über d und xc bei festgehaltenen Edge-Parametern, Phase „Netzvorschlag verfeinern“) nachgeschärft wird. Zum Vergleich steht eine klassische Belagsuche ohne Startpunkt (acht sichtbare Rasterkandidaten, dann dasselbe Nelder–Mead-Verfahren bis 60 Rechnungen). Übergeben wird in beiden Fällen nur Belaggröße und Belagort.

Prüfung vor Übergabe: Die Edge rechnet einmal mit dem vorgeschlagenen Paket, sichtbar als Phase „KI-Korrektur prüfen“. Ein kleines Paket (unter 10 %) wird bei bestehender Korrektur zusätzlich gegen „kein Belag“ geprüft, damit ein verschwundener Belag die alte Korrektur wieder aufhebt. Nur wenn sich die Fehlerquadratsumme mindestens halbiert oder das Ziel erreicht wird, übernimmt der Zwilling das bessere der geprüften Pakete; sonst bleibt er unverändert, und die Ursache gilt als außerhalb des Belagmodells. Nach einer übernommenen Korrektur beginnt die Trendbeobachtung neu. Ein Netzvorschlag außerhalb des Lernbereichs wird nicht geprüft, sondern zurückgewiesen. Vor jedem Zyklus schätzt die überlagerte Ebene den Rauschboden allein aus der Messung (Streuung im Fenster vor dem ersten möglichen Echo, bezogen auf die Signalleistung). Auslöser, Zielerreichung und Übernahme beziehen sich auf den rauschbereinigten Modellfehler, die Wurzel aus Gesamtfehler² minus Rauschboden², gegen das eingestellte Ziel; als erreicht gilt außerdem ein Gesamtfehler unter dem 1,25-Fachen des Bodens. Ein Paket wird übernommen, wenn sich dieser Modellfehler im Quadrat mindestens halbiert oder das Ziel erreicht ist. So behält das Ziel seine Bedeutung als Modellfehler, und Rauschen allein löst keine Eingriffe aus; Gesamtfehler, Rauschboden und Modellfehler stehen nebeneinander im Protokoll und in der Tabelle. Rückfallweg: Das Netz ist für Quellen-Trägheiten von 0,3 bis 3 ms eingelernt (Lernfälle mit zufälliger Trägheit in diesem Bereich). Meldet es eine Messung als außerhalb seines Lernbereichs, oder sieht es keinen Belag, obwohl die Edge das Ziel verfehlt und keine Korrektur trägt, übernimmt die klassische Belagsuche den Vorschlag; die Edge prüft ihn wie jeden anderen. Die Tabelle nennt den Weg, über den das Paket entstand.

Impulsmittelung und Nachweisgrenze: Mehrere Impulse je Messung (Regler „Impulse je Messung“) werden gemittelt; die Anlage ändert sich innerhalb einer Messung nicht, der Rauschboden sinkt mit der Wurzel der Impulszahl. Ein Belag ist eine sanfte Verengung über 1,2 m und wirft bei träger Quelle (langer Wellenlänge) nur wenig zurück, das Seitenrohr als abrupter Knoten dagegen kräftig; deshalb bleibt die Klappe bei Rauschen erkennbar, während der Belag im Rauschen verschwinden kann. Die Seite berechnet dafür die Nachweisgrenze: den kleinsten Belag, dessen Echoänderung das 1,5-Fache des vorhergesagten Rauschbodens übersteigt, aus Quellen-Trägheit, Rauschen und Impulszahl. Liegt sie über dem größten eingelernten Belag, startet die KI nicht und nennt die nötige Impulszahl. Im Dauerbetrieb plant die KI die Messung selbst (Fall B des Prüfkonzepts): Wird ein Eingriff verworfen, während der Rauschboden mehr als 40 % des Restfehlers ausmacht, verdoppelt sie die Impulse für die nächste Messung bis höchstens 16; bei klarem Befund kehrt sie zur eingestellten Zahl zurück. Zyklen, deren wahrer Belag unter der Nachweisgrenze liegt, sind in der Tabelle als solche gekennzeichnet.

Fairer Vergleich: Netz und klassische Belagsuche liefern dasselbe Paket, werden von derselben Edge geprüft und mit denselben Rechnungen gezählt. Der Vorteil des Netzes ist ein gelernter Startpunkt: wenige Verfeinerungsrechnungen statt einer Rastersuche, kein neues Erkennungsvermögen; die Klappe erkennt in beiden Fällen die Edge. Referenz und Zwilling teilen dieselbe vereinfachte Akustik; der Nachweis gilt für das Verfahren, nicht für die reale Anlage. Dort ersetzt ein gemessenes Sende- und Empfangssignal die Referenzrechnung, die Quellenübertragungsfunktion, Temperatur, Dämpfung und die tatsächliche Belagform müssen bestimmt und das Netz mit dem angepassten Zwilling neu eingelernt werden.

Dauerbetrieb: Mit eingeschalteter KI verändert sich die Referenzanlage von Zyklus zu Zyklus von selbst. Der Belag wächst und geht wieder zurück (zufällige Richtungswechsel, Schrittweite je Zyklus einstellbar, Obergrenze der eingelernte Belag); ist er verschwunden, kann der nächste an anderer Stelle im eingelernten Bereich entstehen. Das Seitenrohr öffnet und schließt unabhängig davon mit einstellbarer Wahrscheinlichkeit, jeweils an zufälliger Position (Raster 0,25 m) mit zufälligem Querschnitt (Raster 5 %). Ein neuer Zustand folgt erst, wenn die Rechnung des vorigen abgeschlossen ist, wahlweise mit Pause; die Zyklen sind Zeitraffer. Jeder Zyklus ist ein vollständiger sichtbarer Abgleich; Tabelle und Diagramme halten Referenz, Edge-Ergebnis, KI-Eingriff, Paket, Entscheidung und Rechnungen fest. Verschwindet der Belag, schlägt die KI die Aufhebung der Korrektur vor, und die Edge prüft auch das.

Zusatzdokument · Adaptive Signalverarbeitung und Agentensteuerung

Projekt und Methodik: Prof. Dr.-Ing. Ralph Wystup

Dieser Abschnitt greift eine weitergehende Anforderung auf. Ihr Kern ist ein iterativer Lernprozess: Ein zunächst grober Netzwerkzwilling soll die Übertragungsfunktion der Strecke liefern, damit Signalverarbeitung und weitere Versuche gezielter werden und die Modellschätzung verbessert werden kann. Dieser nächste Entwicklungsschritt wird hier beschrieben; er ist noch nicht als adaptive Filterschleife im Simulator implementiert.

Die folgende fachliche Einordnung trennt Vorschläge, Grenzen und bereits nachgerechnete Funktionen.

Umsetzungsstand des Zusatzdokuments
InhaltStand dieser HTML
Verformter Sendeimpuls und echte ReflexionenBerechnet: angenommener Quellen-Tiefpass, räumlicher Wellentransport und getrennte Netzwerkantwort.
Kreuzkorrelation und ModellanpassungBerechnet: Korrelation zur Laufzeitauswertung; Optimierung anhand der unveränderten Rücklauf-Zeitreihen.
Geänderte Rohrstruktur erkennenBerechnet: Auswahl zwischen geradem Rohr und einem Seitenrohr. Kein beliebiges Rohrnetz und keine KI-Agentensteuerung.
Übertragungsfunktion aus dem ZwillingAus der Zustandsmatrix ableitbar; eine entsprechende Frequenzgang-Auswertung ist noch nicht eingebaut.
Wiener-/Tikhonov-Entfaltung, Vorverzerrung, ChirpsAls Erweiterung dokumentiert; nicht im aktuellen Rechenlauf enthalten.
Agent wählt Modell, Filter und nächste AnregungVorgeschlagene Architektur, noch nicht implementiert oder experimentell bestätigt.
Kleines neuronales Netz für Struktur und StartwerteAls einfachere erste KI-Stufe vorgeschlagen; noch nicht trainiert oder eingebaut.
Übertragungsfunktion aus der dynamischen Knotenmatrix

Für eine festgehaltene Topologie und feste Parameter θ besitzt das lineare Netzwerk die Form Mż = K(θ)z + b(θ)E. Hier enthält z die Druck- und Volumenstromzustände, M die Speicherkoeffizienten und K die Kopplungs-, Verlust- und Abschlussglieder. Bei verschwindenden Anfangszuständen folgt durch Laplace-Transformation:

[sM − K(θ)]Z(s) = b(θ)E(s)
⇒ Z(s) = [sM − K(θ)]⁻¹b(θ)E(s).

Wählt der Zeilenvektor dᵀ den Quelldruckknoten aus, ist der im Dashboard verwendete Rücklauf y = dᵀz − E/2. Seine modellierte Übertragungsfunktion lautet daher:

Hθ(s) = Y(s)/E(s)
= dᵀ[sM − K(θ)]⁻¹b(θ) − ½.

Das ist eine Ableitung aus demselben Netzwerk, keine frei gewählte Glättung einer Messkurve. Für die Auswertung wäre für jeden Frequenzpunkt s = iω ein lineares Gleichungssystem zu lösen; eine volle inverse Matrix muss nicht gebildet werden. Der Quellen-Tiefpass von U nach E und ein später gemessener Sensorfrequenzgang sind davon getrennte Übertragungsfunktionen. Sie dürfen nicht mehrfach eingerechnet werden. Bei einer Topologieänderung muss auch H neu bestimmt werden.

Was eine adaptive Filterung leisten kann – und was nicht

Eine regulierte Entfaltung ist grundsätzlich plausibel. Für eine klar definierte Messkette Y(ω) = H(ω)X(ω) + N(ω) kann beispielsweise die Tikhonov-Lösung mit Identitäts-Regularisierung verwendet werden:

X̂ = arg minX (|HX − Y|² + λ|X|²)
⇒ X̂ = [H*/(|H|² + λ)]Y,   λ > 0.

Der Stern bezeichnet komplexe Konjugation. Die Regularisierung begrenzt die Verstärkung bei schwachem H; λ muss zur Rauschstärke und Skalierung passen. Ein Wienerfilter benötigt entsprechende Signal-/Rauschspektren. Das allgemeine Prinzip ist etwa in der Dokumentation zur Wiener–Hunt-Entfaltung beschrieben; deren Bildbeispiele sind kein Validierungsnachweis für diesen Rohrversuch.

Vor der Umsetzung ist festzulegen, was entfaltet werden soll: Quelle, Sensor oder Strecke. Die komplette Echo-Übertragungsfunktion des bereits angenommenen Rohrmodells blind zu invertieren, kann gerade die diagnostisch gesuchten Reflexionen unterdrücken und die eigene Annahme bestätigen. Die Rohmessung bleibt deshalb unverändert erhalten; die Modellgüte muss weiterhin gegen diese Daten und zusätzlich gegen unabhängige Prüfversuche beurteilt werden.

Vorverzerrung ist nur innerhalb der zulässigen Lüfteransteuerung, Signalbandbreite und Amplitude sinnvoll. Ein Chirp kann über längere Sendezeit mehr Energie in die nutzbare Bandbreite bringen. Seine Kreuzkorrelation beziehungsweise sein Matched-Filter kann eine schmalere Antwort als die lange Sendewellenform liefern. Das Grundprinzip zeigen Beispiele zur Pulskompression in Radar und Sonar; hier müsste es mit der akustischen Quellen- und Sensorkette geprüft werden.

Keine dieser Maßnahmen stellt nicht vorhandene Bandbreite oder im Rauschen verlorene Information beliebig wieder her. Eine garantierte millimetergenaue Ortung, vollständige Rauschbeseitigung oder ein Überwinden physikalischer Grenzen folgt daraus nicht. Die elektrische Kabelanalogie des Zusatzdokuments ist eine methodische Anregung; MHz-/Nanosekundenbeispiele sind keine Betriebsdaten des Luftrohrs.

Vorgesehene iterative Untersuchung und Aufgaben des Agenten
  1. Reale beziehungsweise unabhängig simulierte Sende- und Empfangssignale ungefiltert speichern, einschließlich Zeitbasis und Betriebspunkt.
  2. Ein erstes Netzwerk anhand dieser Signale identifizieren; dabei Parameterunsicherheit und alternative Topologien festhalten.
  3. Aus dem Netzwerk den Frequenzgang bestimmen. Quellen- und Sensoranteile getrennt kalibrieren; nutzbare Bandbreite und Rauschen abschätzen.
  4. Begrenzte Filterung oder eine bessere nächste Anregung auswählen. Dieselbe Verarbeitung auf verglichene Signale anwenden und Filterparameter protokollieren.
  5. Das Netzwerk erneut anpassen und mit unveränderten Rohdaten sowie nicht zum Fit verwendeten Prüfimpulsen vergleichen. Eine Verbesserung der gefilterten Kurven allein genügt nicht.
  6. Nur nachgewiesene Verbesserungen übernehmen. Bei unklarer Struktur mehrere Hypothesen behalten, einen weiteren Versuch auslösen oder die Unsicherheit ausweisen.

Ein späterer Agent kann diesen Ablauf koordinieren: Versuchsfolge wählen, Rechenprogramme aufrufen, Modellwechsel vorschlagen und Grenzen überwachen. Die deterministischen Feld-/Netzwerklöser und die Messdaten liefern dabei weiterhin die Ergebnisse. Ein Sprachmodell ersetzt weder Erhaltungsgleichungen noch eine numerische Prüfung. Das heutige Nelder–Mead-Verfahren mit begrenzter Topologiesuche ist kein bereits eingebauter KI-Agent.

Auch klassische Identifikationsverfahren können mit Modellbanken, Umschaltlogik oder Neustarts auf Struktursprünge reagieren. Ein KI-Vorteil muss gegen solche Vergleichsverfahren gemessen werden; er ist nicht durch die Architekturbezeichnung bewiesen. Erkennungszeiten, Ortsgenauigkeit, Rechenlast auf einem Edge-Gerät und laufende Kosten bleiben Prüfgrößen.

Langfristiges Projektziel bleibt ein sich anpassender digitaler Zwilling zur Diagnose und zur Abschätzung von Auslassvolumenströmen mit reduzierter Dauersensorik. Die aktuelle Akustiksimulation allein liefert noch keine stationären Fördervolumenströme und keinen Nachweis, dass ein einziger Sensor oder eine reine Motor-Stellgrößenauswertung ausreicht.

Einstieg mit einem selbst eingelernten neuronalen Netz

Für eine erste lernende Erweiterung ist kein Sprachmodell-Agent erforderlich. Ein kleines neuronales Netz könnte aus Sende-/Empfangssignalen oder deren Merkmalen zunächst die Rohrklasse (gerade oder mit einem Seitenrohr) und geeignete Startwerte für Position, Querschnitt, Schallgeschwindigkeit und Abschluss schätzen. Klassifikation und Regression aus Beispieldaten sind typische Aufgaben eines kleinen mehrschichtigen Netzes; die Grundlagenbeschreibung zu überwacht trainierten neuronalen Netzen erläutert diese Unterscheidung.

Der vorgeschlagene Ablauf lautet: Empfangssignal → gelernter Modellvorschlag → vorhandener numerischer Abgleich → Prüfung der neu berechneten Antwort gegen Rohdaten. Das neuronale Netz würde die physikalische Rechnung nicht ersetzen. Die aktuell sichtbare Parametervariation bleibt das nachvollziehbare Vergleichsverfahren und der Rückfallweg bei schlechten Vorschlägen.

„Selbst einlernen“ bedeutet hier zunächst automatisierte Erzeugung vieler Trainingsbeispiele mit dem unabhängigen Referenzlöser: Rohrzustand und Parameter werden variiert, Signale berechnet, die bekannten Erzeugungsparameter dienen als Lernziele. Quellen-Trägheit und Rauschen müssen ebenfalls variieren. Trainings-, Abstimmungs- und Testfälle sind nach ganzen Parameterkonfigurationen zu trennen; lediglich neue Rauschrealisierungen derselben Fälle genügen nicht als unabhängiger Generalisierungsnachweis. Beim späteren Erkennen eines Testfalls darf das Netz dessen Erzeugungsparameter nicht erhalten.

Zu prüfen wären Erkennungsquote, Parameterfehler, nachfolgender Rohsignalfehler und benötigte Modellrechnungen – jeweils gegen den unveränderten bisherigen Optimierer. Ein Geschwindigkeitsschub oder eine bessere Robustheit wird nicht vorweggenommen. Synthetisches Training ersetzt keine Prüfung an echten Messungen; systematische Fehler der Referenzphysik können sonst mitgelernt werden.

Ein anschließendes Nachlernen am realen Prüfstand benötigt verlässliche Kalibrierfälle oder ein geprüftes physikalisches Lernkriterium. Die ungeprüfte eigene Vorhersage immer wieder als „Wahrheit“ zu trainieren, wäre eine Selbstbestätigung, kein Nachweis. Ein trainiertes kleines Netz könnte später zusammen mit seinen Gewichten in die All-in-one-Datei eingebettet werden. Aktueller Stand (Version 3.1, 10.09.2026): Ein kleines neuronales Netz ist als überlagerte Ebene der Stufe 3 in dieser Datei eingebaut. Es wird in der Datei selbst aus eigenen Referenzrechnungen eingelernt und schlägt nur ein Korrekturpaket für den Belag vor, das der unveränderte Abgleich prüft, bevor es übernommen wird. Ein Agent kann später zusätzlich Versuche und Modellwechsel koordinieren; das ist eine separate Ausbaustufe.

All-in-one und Quellen

Grafiken, Rechenkern und Worker sind eingebettet. Die heruntergeladene HTML-Datei funktioniert ohne Server und ohne Bibliotheksdownload. Die Animation liest berechnete Druckzustände; die Zeitlupe verändert nur die Wiedergabe.

Grundlagen: UNSW: akustische Inertanz, Kompressibilität und Impedanz; Randbedingungen der Rohrakustik. FEMM stellt nach seiner Dokumentation keinen solchen transienten Rohrakustik-Löser bereit. Grundlage des Projekts: Beschreibung vom 08.09.2026, Fassung ____2.

Vollständiges Manuskript mit Herleitungen, Beweisen und Bildern; Quelle Manuskript/MANUSKRIPT_Rohrdiagnose.md. Als PDF herunterladen.

Akustische Rohrdiagnose mit einem dynamischen Netzwerkzwilling

Aufgabe, Ansatz, Methode und Beweisführung — von der Impulsantwort zur Identifikation von Seitenrohr und Belag, mit einer überlagerten lernenden Ebene

Prof. Dr.-Ing. Ralph Wystup

11. September 2026

0. Worum es geht, in einem Absatz

Ein Lüfter bläst in eine Rohrstrecke. Ob sich irgendwo ein Seitenrohr geöffnet hat und ob sich das Rohr zusetzt, soll nicht mit Sensoren entlang der Strecke, sondern aus einer einzigen Messung am Einlass erkannt werden: Man schickt einen kurzen Druckimpuls hinein und hört auf das Echo. Ein Netzwerkzwilling, eine elektrische Kettenschaltung aus Induktivitäten, Widerständen und Kapazitäten, wird so lange verändert, bis sein Echo dem gemessenen gleicht. Seine Bauteilwerte sind dann die Antwort: Position und Querschnitt des Seitenrohrs, Schallgeschwindigkeit, Abschluss. Darüber liegt eine lernende Ebene, die einen langsam wachsenden Belag erkennt und dem Zwilling als Korrektur übergibt. Dieses Manuskript leitet die Physik und die Rechenverfahren geschlossen her, beweist die Eigenschaften, auf denen das Verfahren beruht, und belegt jede Aussage mit Rechnungen aus der ausgelieferten Datei ebm_Retrofit_AllInOne_Abgleich.html (Version 3.2). Wo die Physik eine Grenze setzt, wird sie benannt und quantifiziert.

1. Aufgabe

1.1 Die Anlage

Das Referenzsystem ist ein gerades Rohr der Länge ℓ=6m\ell = 6\,\mathrm{m} mit Querschnitt A0=π(0,1m)2/4A_0 = \pi (0{,}1\,\mathrm{m})^2/4, am Anfang eine Quelle mit Innenimpedanz, am Ende eine Last. Bei xsx_s kann sich ein Seitenrohr der Länge 2m2\,\mathrm{m} mit Querschnitt Aβ=𝜚A0A_\beta = \varrho\,A_0 öffnen („Klappe”). Im Hauptrohr kann ein Belag wachsen: eine sanfte Verengung um ein Zentrum xcx_c mit Halbbreite b=0,6mb = 0{,}6\,\mathrm{m},

A(x)=A0(1−dw(x)),w(x)=12(1+cosπ(x−xc)b)(|x−xc|<b),A(x) = A_0\,\left(1 - d\,w(x)\right),\qquad w(x) = \tfrac12\left(1+\cos\frac{\pi (x-x_c)}{b}\right)\quad (|x-x_c|<b),

und w(x)=0w(x) = 0 außerhalb dieses Bereichs, mit der Querschnittsminderung d∈[0,0,5]d \in [0, 0{,}5] im Zentrum. Die rauere Oberfläche erhöht die Dämpfung dort auf β(x)=β0(1+3dw(x))\beta(x) = \beta_0\,(1 + 3\,d\,w(x)).

Die Referenzanlage: Quelle mit Innenimpedanz, 6-m-Hauptrohr mit Belag, Seitenrohr bei 3 m mit eigenem Abschluss, Last. Gemessen wird nur am Port: das Echo y = p - E/2.

1.2 Was gemessen wird und was gesucht ist

Gemessen wird der Druck p(t)p(t) am Einlass (Port) während und nach einem Impuls E(t)E(t) der Quelle. Da die Quelle mit ihrer Innenimpedanz Z0=ρc/A0Z_0 = \rho c/A_0 angepasst ist, läuft genau E/2E/2 in das Rohr hinein (Beweis in 3.3), und die zurücklaufende Welle ist

y(t)=p(t)−12E(t).y(t) = p(t) - \tfrac12 E(t).

Gesucht sind aus y(t)y(t) allein: die Schallgeschwindigkeit cc (Temperatur), der Reflexionsfaktor γ\gamma der Last, ob ein Seitenrohr offen ist und wenn ja dessen Position xsx_s und Querschnittsverhältnis 𝜚\varrho, und schließlich Größe dd und Ort xcx_c eines Belags. Der Identifizierer darf den Zustand der Referenzanlage nicht kennen; er erhält nur EE, yy und die bekannten Grunddaten (Länge, Querschnitt, Länge des möglichen Seitenrohrs).

1.3 Warum ein Zwilling und nicht eine Formel

Für ein gerades Rohr mit einer Reflexion ließe sich die Laufzeit direkt ablesen. Mit Seitenrohr, Last und Belag überlagern sich viele Echos, die Quelle verschleift den Impuls, und Rauschen kommt hinzu. Der Weg über ein Modell, das dieselbe Physik rechnet und dessen Parameter man so lange verstellt, bis das Echo passt, trennt die Frage „welche Physik” von der Frage „welche Zahlen”. Die Physik wird einmal hergeleitet und geprüft; die Zahlen findet ein Optimierer. Das ist der Ansatz dieses Manuskripts.

2. Ansatz

Zwei voneinander unabhängige Rechenwege lösen dieselbe Wellengleichung:

  1. Die Rohrreferenz rechnet die Anlage mit der Charakteristikenmethode auf einem feinen Gitter (240 Zellen auf 6 m, Zellweite 2,5 cm). Sie spielt die Rolle der echten Anlage: Aus ihr kommt das „gemessene” Echo, dem Messrauschen zugesetzt wird. Später tritt an ihre Stelle die reale Messung.
  2. Der Netzwerkzwilling ist eine RL/C-Kettenschaltung mit 120 Zellen, die im Zustandsraum mit einem Runge-Kutta-Verfahren gelöst wird. Seine Parameter sucht der Abgleich.

Dass beide Wege bei gleichen Parametern dasselbe Echo liefern, ist kein Zufall, sondern wird in Abschnitt 3.5 bewiesen: Die Kettenschaltung ist die räumliche Diskretisierung derselben Gleichungen. Der Abgleich passt also keine Kurve an eine Kurve, sondern eine Physik an eine Physik. Über dem Abgleich (der „Edge”) liegt eine überlagerte Ebene, die nur bei beharrlich zu hohem Modellfehler eingreift und den Belag als Korrekturpaket vorschlägt, entweder aus einem kleinen neuronalen Netz oder aus einer klassischen Suche; die Edge prüft jeden Vorschlag, bevor sie ihn übernimmt.

Architektur: Referenzanlage, unterlagerte Edge, überlagerte KI, Prüfung und Messplanung. Die KI sieht nie den wahren Zustand der Anlage.

3. Physik der Rohrstrecke

3.1 Die linearen Gleichungen

Für kleine Störungen in ruhender Luft (Dichte ρ=1,2kg/m3\rho = 1{,}2\,\mathrm{kg/m^3}, Schallgeschwindigkeit cc) gelten Impuls- und Kontinuitätsgleichung mit dem Druck p(x,t)p(x,t) und dem Volumenstrom Q(x,t)=AvQ(x,t) = A\,v:

ρA∂Q∂t=−∂p∂x−ρβAQ,∂p∂t=−ρc2A∂Q∂x.\frac{\rho}{A}\,\frac{\partial Q}{\partial t} = -\frac{\partial p}{\partial x} - \frac{\rho\beta}{A}\,Q, \qquad \frac{\partial p}{\partial t} = -\frac{\rho c^2}{A}\,\frac{\partial Q}{\partial x}.

Der Term ρβQ/A\rho\beta Q/A ist ein Wandreibungsverlust mit der Zeitkonstante 1/β1/\beta (β=6s−1\beta = 6\,\mathrm{s^{-1}}). Differenziert man die zweite Gleichung nach tt und setzt die erste ein, folgt die verlustbehaftete Wellengleichung

∂2p∂t2+β∂p∂t=c2∂2p∂x2.\frac{\partial^2 p}{\partial t^2} + \beta\,\frac{\partial p}{\partial t} = c^2\,\frac{\partial^2 p}{\partial x^2}.

Die Größe Z=ρc/AZ = \rho c/A heißt Wellenimpedanz. Sie hat die Einheit Pas/m3\mathrm{Pa\,s/m^3} und verknüpft in einer laufenden Welle Druck und Volumenstrom.

3.2 Charakteristiken und der Beweis der exakten Fortpflanzung

Satz 1. Ohne Verluste (β=0\beta = 0) sind die Größen a=12(p+ZQ),b=12(p−ZQ)a = \tfrac12\,(p + Z Q), \qquad b = \tfrac12\,(p - Z Q) längs der Geraden x−ct=constx - ct = \text{const} bzw. x+ct=constx + ct = \text{const} konstant.

Beweis. Mit Z=ρc/AZ = \rho c/A lauten die Gleichungen ∂tQ=−(A/ρ)∂xp\partial_t Q = -(A/\rho)\,\partial_x p und ∂tp=−(ρc2/A)∂xQ\partial_t p = -(\rho c^2/A)\,\partial_x Q. Dann ist ∂ta+c∂xa=12(∂tp+Z∂tQ)+c2(∂xp+Z∂xQ)=12(−ρc2A∂xQ−c∂xp)+c2(∂xp+ρcA∂xQ)=0,\partial_t a + c\,\partial_x a = \tfrac12\left(\partial_t p + Z\partial_t Q\right) + \tfrac{c}{2}\left(\partial_x p + Z\partial_x Q\right) = \tfrac12\left(-\tfrac{\rho c^2}{A}\partial_x Q - c\,\partial_x p\right) + \tfrac{c}{2}\left(\partial_x p + \tfrac{\rho c}{A}\partial_x Q\right) = 0, analog ∂tb−c∂xb=0\partial_t b - c\,\partial_x b = 0. Eine Funktion mit ∂ta+c∂xa=0\partial_t a + c\,\partial_x a = 0 hat die Form a(x−ct)a(x - ct). ▫\square

Die Rohrreferenz nutzt genau das: Auf einem Gitter mit Δx=cΔt\Delta x = c\,\Delta t (Courant-Zahl 1) ist die Fortpflanzung ein reines Verschieben um eine Zelle je Zeitschritt, ohne Interpolation, also exakt. Nur der Verlust wird getrennt behandelt.

Satz 2 (Verlustschritt). Wirkt in einem Zeitschritt Δt\Delta t nur der Verlustterm, so bleibt pp unverändert und QQ zerfällt um η=e−βΔt\eta = e^{-\beta\Delta t}. In den Wellengrößen heißt das a′=12[(a+b)+(a−b)η],b′=12[(a+b)−(a−b)η].a' = \tfrac12\left[(a+b) + (a-b)\,\eta\right], \qquad b' = \tfrac12\left[(a+b) - (a-b)\,\eta\right].

Beweis. Aus ∂tQ=−βQ\partial_t Q = -\beta Q folgt Q(t+Δt)=ηQ(t)Q(t+\Delta t) = \eta\,Q(t); pp hat keinen Verlustterm. Mit p=a+bp = a + b und ZQ=a−bZQ = a - b ist a′=12(p+ηZQ)a' = \tfrac12(p + \eta ZQ), b′=12(p−ηZQ)b' = \tfrac12(p - \eta ZQ). ▫\square

Die Referenz rechnet je Zeitschritt: Verschieben (exakt), dann Verlustschritt (exakt für den Verlust allein). Die Aufspaltung ist von erster Ordnung in Δt\Delta t; bei βΔt=6⋅7,3⋅10−5≈4⋅10−4\beta\Delta t = 6\cdot 7{,}3\cdot 10^{-5} \approx 4\cdot 10^{-4} ist der Aufspaltungsfehler vernachlässigbar. Genau diese beiden Zeilen stehen im Rechenkern pipe_engine.js und, mit Segmenten unterschiedlichen Querschnitts, im Belagmodul.

3.3 Randbedingungen, hergeleitet aus Druck und Volumenstrom

Quelle mit Innenimpedanz. Die Quelle liefert am Port p=E(t)−Z0Qp = E(t) - Z_0 Q (Thévenin). Mit p=a+bp = a + b und Q=(a−b)/ZQ = (a-b)/Z und angepasster Innenimpedanz Z0=ZZ_0 = Z folgt E−(a−b)=a+bE - (a - b) = a + b, also a=12E(t).a = \tfrac12\,E(t). Die einlaufende Welle ist die halbe Quellenspannung, unabhängig von dem, was zurückkommt: Das Echo bb wird von der angepassten Quelle vollständig geschluckt und nicht erneut reflektiert. Deshalb ist y=p−E/2=by = p - E/2 = b das reine Echo (Bild 1).

Last. Am Rohrende gilt p=RQp = R\,Q. Mit a+b=R(a−b)/Za + b = R\,(a - b)/Z folgt ba=γ=R−ZR+Z.\frac{b}{a} = \gamma = \frac{R - Z}{R + Z}. Ein offenes Ende (R→0R \to 0) reflektiert mit −1-1, ein geschlossenes (R→∞R\to\infty) mit +1+1; die Referenz verwendet γ=0,5\gamma = 0{,}5, also R=3ZR = 3Z. Das Seitenrohr endet mit Rβ=Zβ/3R_\beta = Z_\beta/3, also γβ=(1/3−1)/(1/3+1)=−12\gamma_\beta = (1/3 - 1)/(1/3 + 1) = -\tfrac12.

Knoten (Abzweig). An einem Knoten, in den mm Leitungen mit Impedanzen ZiZ_i münden, ist der Druck gemeinsam, und die Summe der Volumenströme ist null. Läuft auf Leitung ii die Welle wiw_i zum Knoten hin und rir_i von ihm weg, so ist pJ=wi+rip_J = w_i + r_i und Qi=(wi−ri)/ZiQ_i = (w_i - r_i)/Z_i in den Knoten hinein. Aus ∑iQi=0\sum_i Q_i = 0: ∑i2wi−pJZi=0⇒pJ=2∑iwi/Zi∑i1/Zi,ri=pJ−wi.\sum_i \frac{2 w_i - p_J}{Z_i} = 0 \quad\Longrightarrow\quad p_J = \frac{2\sum_i w_i/Z_i}{\sum_i 1/Z_i},\qquad r_i = p_J - w_i. Für den Abzweig mit Hauptrohr (ZZ) vor und hinter dem Knoten und Seitenrohr (Z/𝜚Z/\varrho) ergibt das pJ=2(avor+bhinter+𝜚bβ)/(2+𝜚)p_J = 2\,(a_\mathrm{vor} + b_\mathrm{hinter} + \varrho\, b_\beta)/(2 + \varrho), die Formel der Version 2.1. Das Belagmodul verallgemeinert sie auf beliebig viele Segmente unterschiedlichen Querschnitts; bei d=0d=0 entsteht bitgenau die alte Rechnung (Prüfung in 8.1).

Reflexion am Abzweig. Trifft nur von vorn eine Welle aa ein, ist rvor=pJ−a=2a2+𝜚−a=−𝜚2+𝜚ar_\mathrm{vor} = p_J - a = \dfrac{2a}{2+\varrho} - a = -\dfrac{\varrho}{2+\varrho}\,a: Der Abzweig reflektiert negativ (Druckabfall) und frequenzunabhängig. Für 𝜚=0,55\varrho = 0{,}55 sind das −21,6%-21{,}6\,\% der einlaufenden Amplitude. Dieser Satz wird in Abschnitt 5 wichtig: Das Seitenrohr bleibt bei jeder Impulsform gleich gut sichtbar, der Belag nicht.

3.4 Die Quelle

Der Sollimpuls ist eine Gaußglocke U(t)=20Pa⋅exp[−12((t−5ms)/1,2ms)2]U(t) = 20\,\mathrm{Pa}\cdot\exp[-\tfrac12((t-5\,\mathrm{ms})/1{,}2\,\mathrm{ms})^2]. Die Quelle folgt ihm mit einer Trägheit erster Ordnung, τĖ+E=U\tau\,\dot E + E = U, diskret Ek=Ek−1(1−f)+UkfE_k = E_{k-1}(1-f) + U_k f mit f=1−e−Δt/τf = 1 - e^{-\Delta t/\tau}. Die Quellen-Trägheit τ\tau (0,2 bis 20 ms) ist ein Regler der Seite; sie bestimmt die Bandbreite des Impulses und damit, wie fein die Rohrstrecke abgetastet wird (Bild 3, links).

Links: Sollimpuls und die tatsächlich einlaufende Welle bei \tau = 0{,}7 ms. Rechts: das Echo der Referenz, das Echo des abgeglichenen Zwillings und das Echo des Startzustands (gerades Rohr).

3.5 Der Netzwerkzwilling: Kettenleiter aus RL/C-Zellen

Herleitung der Bauteile. Man teile das Rohr in Zellen der Länge Δx\Delta x und integriere die Impulsgleichung über eine Zelle und die Kontinuitätsgleichung über einen Knoten: ρΔxAdQkdt=pk−pk+1−ρβΔxAQk,AΔxρc2dpkdt=Qk−1−Qk.\frac{\rho\Delta x}{A}\,\frac{dQ_k}{dt} = p_k - p_{k+1} - \frac{\rho\beta\Delta x}{A}\,Q_k, \qquad \frac{A\Delta x}{\rho c^2}\,\frac{dp_k}{dt} = Q_{k-1} - Q_k. Das sind genau die Gleichungen einer Kettenschaltung mit L=ρΔxA,R=βL,C=AΔxρc2,L = \frac{\rho\,\Delta x}{A}, \qquad R = \beta L, \qquad C = \frac{A\,\Delta x}{\rho c^2}, Druck als Knotenspannung, Volumenstrom als Zweigstrom, Quelle mit Innenwiderstand Z0Z_0 und Last RL=Z(1+γ)/(1−γ)R_L = Z\,(1+\gamma)/(1-\gamma) (Bild 2). Ein Seitenrohr ist eine zweite Kette am Knoten der Position xsx_s mit AβA_\beta statt AA und Abschluss Zβ/3Z_\beta/3. Der Belag ist in den Zellen um xcx_c ein verminderter Querschnitt A0(1−dw)A_0(1-d\,w), also größeres LL und kleineres CC, und ein größeres RR.

Der Kettenleiter: je Zelle eine Längsinduktivität mit Verlustwiderstand und eine Querkapazität gegen den Bezugsdruck K0. Alle eingezeichneten Werte der Seite stammen aus dieser Netzliste.

Zustandsraum. Mit dem Knotenvektor 𝐩\mathbf p, dem Zweigvektor 𝐪\mathbf q, der Inzidenzmatrix 𝐁\mathbf B (Zeile Knoten, Spalte Zweig), der Diagonalmatrix der Kapazitäten 𝐂\mathbf C, der Lastleitwerte 𝐆\mathbf G, der Induktivitäten 𝐋\mathbf L und Widerstände 𝐑\mathbf R gilt (modifizierte Knotenanalyse) 𝐂𝐩̇=−𝐁𝐪−𝐆𝐩+𝐢s(t),𝐋𝐪̇=𝐁⊤𝐩−𝐑𝐪.\mathbf C\,\dot{\mathbf p} = -\mathbf B\,\mathbf q - \mathbf G\,\mathbf p + \mathbf i_s(t), \qquad \mathbf L\,\dot{\mathbf q} = \mathbf B^{\!\top}\mathbf p - \mathbf R\,\mathbf q. Der Zwilling mit 120 Zellen hat 121 Druckknoten und 120 Ströme, also 241 Zustände; mit Seitenrohr 321. Alle Größen werden mit ZZ skaliert, damit Druck- und Stromzustände dieselbe Größenordnung haben; das ist eine reine Konditionierung.

Satz 3 (Dispersionsrelation des Kettenleiters). Für die verlustlose Kette gilt für eine Welle pk∝ei(ωt−kΔxn)p_k \propto e^{i(\omega t - k\Delta x\,n)} ω=2LCsinkΔx2=2cΔxsinkΔx2.\omega = \frac{2}{\sqrt{LC}}\,\sin\frac{k\Delta x}{2} = \frac{2c}{\Delta x}\,\sin\frac{k\Delta x}{2}.

Beweis. Einsetzen des Ansatzes in Lq̇n=pn−pn+1L\,\dot q_n = p_n - p_{n+1} und Cṗn=qn−1−qnC\,\dot p_n = q_{n-1} - q_n liefert iωLq=p(1−e−ikΔx)i\omega L\, q = p\,(1 - e^{-ik\Delta x}) und iωCp=q(eikΔx−1)i\omega C\, p = q\,(e^{ik\Delta x} - 1); Multiplikation ergibt −ω2LC=(1−e−ikΔx)(eikΔx−1)=−(2−2coskΔx)=−4sin2(kΔx/2)-\omega^2 LC = (1-e^{-ik\Delta x})(e^{ik\Delta x}-1) = -(2 - 2\cos k\Delta x) = -4\sin^2(k\Delta x/2). Mit LC=Δx2/c2LC = \Delta x^2/c^2 folgt die Behauptung. ▫\square

Für kΔx≪1k\Delta x \ll 1 wird ω→ck\omega \to c\,k: Die Kette ist im Grenzfall die Wellengleichung. Sie hat eine Grenzfrequenz fc=c/(πΔx)=2,18kHzf_c = c/(\pi\Delta x) = 2{,}18\,\mathrm{kHz} bei Δx=5cm\Delta x = 5\,\mathrm{cm}; der Impuls mit τ=0,7\tau = 0{,}7 ms enthält Anteile bis etwa 500 Hz, dort ist die Phasengeschwindigkeit csin(θ/2)/(θ/2)c\,\sin(\theta/2)/(\theta/2) mit θ=2πfΔx/c\theta = 2\pi f\Delta x/c um weniger als 1 % zu klein (Bild 13). Der Abgleich passt cc ohnehin an; ein systematischer Gitterfehler dieser Größe wandert in die geschätzte Schallgeschwindigkeit, nicht in Position oder Querschnitt.

Dispersion des Kettenleiters gegen das Kontinuum. Im Band des Impulses (< 500 Hz) sind beide praktisch gleich; die Grenzfrequenz liegt weit darüber.

Zeitintegration. Die Zustandsgleichung wird mit dem klassischen Runge-Kutta-Verfahren vierter Ordnung gelöst, mit Teilschritten Δt≤0,24Δxmin/c\Delta t \le 0{,}24\,\Delta x_{\min}/c. Die größte Eigenkreisfrequenz der Kette ist 2c/Δx2c/\Delta x (Satz 3 bei kΔx=πk\Delta x = \pi); RK4 ist für |λ|Δt≤2,8|\lambda|\Delta t \le 2{,}8 stabil, hier ist |λ|Δt≤0,48|\lambda|\Delta t \le 0{,}48. Die Quelle wird zwischen den Abtastwerten linear interpoliert. Die Zellenzahl ist auf der Seite einstellbar (40 bis 200); die Gitterkonvergenz ist in 8.1 belegt.

Warum zwei Verfahren. Charakteristiken und Kettenleiter sind zwei Diskretisierungen derselben Gleichungen mit unterschiedlichen Fehlern (die eine exakt im Ort, die andere von zweiter Ordnung im Ort und vierter in der Zeit). Dass der Abgleich trotzdem bei d=0d=0 das Echo der Referenz auf gut 1 % trifft und bei bekannten Parametern beide auf 0,4 bis 0,8 % übereinstimmen (8.1), ist der Nachweis, dass der Gitterfehler klein gegen die Effekte ist, die identifiziert werden sollen.

4. Methode der Identifikation (die Edge)

4.1 Zielfunktion

Der Abgleich vergleicht das Echo des Zwillings m(t)m(t) mit der Messung yobs(t)y_\mathrm{obs}(t) ab t0=12mst_0 = 12\,\mathrm{ms} (davor liegt der Einschwingvorgang am Quellenport, der nichts über die Strecke sagt): SSE=∑ti≥t0(yobs(ti)−m(ti))2,ε=SSE∑ti≥t0yobs(ti)2.\mathrm{SSE} = \sum_{t_i \ge t_0}\left(y_\mathrm{obs}(t_i) - m(t_i)\right)^2, \qquad \varepsilon = \sqrt{\frac{\mathrm{SSE}}{\sum_{t_i\ge t_0} y_\mathrm{obs}(t_i)^2}}. ε\varepsilon ist der relative Echo-RMS-Fehler, die Zahl in der Fehlerkachel der Seite. Die Korrelation wird nur angezeigt: Eine hohe Korrelation allein bedeutet noch keine Übereinstimmung, weil sie Amplitude und Offset ignoriert. Angezeigt wird jeder geprüfte Parametersatz; die sichtbar springende Seitenrohrposition ist die Suche selbst.

4.2 Suchstrategie

Die vier Parameter (c,γ,xs,𝜚)(c, \gamma, x_s, \varrho) werden auf [0,1][0,1] normiert. Die Suche ist deterministisch und läuft in Phasen (Bild 4):

  1. Startzustand: gerades Rohr, c=313m/sc = 313\,\mathrm{m/s}, γ=0,32\gamma = 0{,}32.
  2. Laufzeit: cc von 295 bis 390 m/s in Schritten von 5 m/s. Eine falsche Laufzeit würde den Optimierer in ein Nebenminimum ziehen, weil verschobene Impulse quadratisch schlecht zusammenpassen; die Rasterung nimmt ihm diese Falle.
  3. Gerades Netzwerk (Hypothese H0H_0): Nelder-Mead in (c,γ)(c,\gamma) mit rund 30 % des Rechenbudgets.
  4. Nur wenn εH0\varepsilon_{H_0} über dem Ziel liegt: Abzweigpositionen xs=1,1,5,…,5mx_s = 1, 1{,}5, \dots, 5\,\mathrm{m} mit 𝜚=0,45\varrho = 0{,}45 prüfen, dann Nelder-Mead in allen vier Parametern (Hypothese H1H_1).
  5. Modellwahl mit dem Bayes-Informationskriterium BICj=nlnSSEjn+kjlnn,k0=2,k1=4;\mathrm{BIC}_j = n\,\ln\frac{\mathrm{SSE}_j}{n} + k_j\,\ln n,\qquad k_0 = 2,\ k_1 = 4; H1H_1 wird nur gewählt, wenn BIC1<BIC0\mathrm{BIC}_1 < \mathrm{BIC}_0 und SSE1<0,8SSE0\mathrm{SSE}_1 < 0{,}8\,\mathrm{SSE}_0.

Warum BIC. Bei gaußschem Rauschen ist −2lnℒ=nln(SSE/n)+const-2\ln\mathcal L = n\ln(\mathrm{SSE}/n) + \text{const}; das BIC bestraft jeden zusätzlichen Parameter mit lnn\ln n (n≈1000n \approx 1000 Abtastwerte, also etwa 7 je Parameter). Zwei zusätzliche Parameter müssen die Fehlerquadratsumme um mehr als den Faktor e−14/n≈0,986e^{-14/n} \approx 0{,}986 senken, um sich zu rechtfertigen; die zusätzliche Forderung nach 20 % Verbesserung schützt vor Zufallsgewinnen bei Rauschen. Beide Grenzen sind in 8.1 an einem geschlossenen Rohr geprüft: Der Abgleich behauptet dort kein Seitenrohr.

Abgleichverlauf des Standardfalls: 220 Netzwerkrechnungen, Phasen der Suche, jeder geprüfte Parametersatz und der bisher kleinste Fehler. Ergebnis x_s = 3{,}001 m, \varrho = 0{,}550, \varepsilon = 1{,}17\,\%.

4.3 Was die Edge nicht kann

Die Edge kennt nur die Modellfamilie „gerades Rohr oder ein Seitenrohr”. Einen Belag kann sie nur als Restfehler ausdrücken. Genau deshalb kommt die überlagerte Ebene hinzu: Sie erweitert die Modellfamilie um das Korrekturpaket (d,xc)(d, x_c), ohne die Edge zu ändern. Der Rechenkern der Edge ist seit Version 2.1 unverändert; seine Prüfsumme ist im Test verankert.

5. Der Belag: Physik der sanften Verengung

5.1 Modell in Referenz und Zwilling

Die Referenz teilt den Belagbereich in acht Segmente auf dem 25-mm-Raster, jedes mit dem Querschnitt A0(1−dw(xmitte))A_0(1 - d\,w(x_\mathrm{mitte})) und der Dämpfung β0(1+3dw)\beta_0(1 + 3 d\,w); die Segmentgrenzen sind Knoten nach 3.3. Der Zwilling setzt in seinen Zellen dieselben Faktoren in LL, CC und RR. Bei d=0d = 0 reproduzieren beide bitgenau (Netzwerk) bzw. bis auf Rundung (2⋅10−152\cdot10^{-15} relativ, Referenz) die Rechnung der Version 2.1 (8.1).

5.2 Wo und mit welchem Vorzeichen das Belag-Echo entsteht

Eine Verengung erhöht die Impedanz. An einer kleinen Impedanzstufe Z→Z+dZZ \to Z + dZ ist der Reflexionsfaktor nach 3.3 r=dZ/(2Z+dZ)≈dZ/(2Z)>0r = dZ/(2Z + dZ) \approx dZ/(2Z) > 0: Der Druckimpuls wird mit positivem Vorzeichen zurückgeworfen, im Gegensatz zum Abzweig. Das Echo entsteht dort, wo ZZ sich am stärksten ändert, also an der Flanke des Belags, nicht an seinem Zentrum. Bild 5 zeigt die Differenz der Echos mit und ohne Belag für drei Belagorte: Das Maximum liegt jeweils zwischen der Laufzeit zur Vorderkante xc−bx_c - b und zur Mitte xcx_c; verschiebt man den Belag um 1,2m1{,}2\,\mathrm{m}, wandert das Echo um 6,997ms6{,}997\,\mathrm{ms}, die Theorie 2Δx/c2\Delta x/c verlangt 6,997ms6{,}997\,\mathrm{ms}. Diese drei Aussagen (Vorzeichen, Lage, Verschiebung) sind feste Prüfungen in test_belag.js.

Belag-Echo (Differenz der Echos mit und ohne Belag von 30 %) für drei Belagzentren. Gepunktet: Laufzeit zur Vorderkante x_c - b, gestrichelt: zur Mitte x_c, jeweils 5\,\mathrm{ms} + 2x/c. Das Echo ist positiv und entsteht an der Flanke.

5.3 Satz 4: Der Reflexionsfaktor einer sanften Verengung (Born-Näherung)

Satz 4. Für eine schwache, örtlich begrenzte Impedanzänderung Z(x)Z(x) ist der Reflexionsfaktor einer harmonischen Welle der Wellenzahl k=2πf/ck = 2\pi f/c in erster Ordnung r(k)=12∫−∞∞Z′(x)Z(x)e−2ikxdx.r(k) = \frac12\int_{-\infty}^{\infty}\frac{Z'(x)}{Z(x)}\,e^{-2ikx}\,dx. Für das Belagprofil Z=Z0/(1−dw)Z = Z_0/(1 - d\,w) mit lnZ≈dw\ln Z \approx d\,w (kleines dd) folgt |r(k)|=dk|W(2k)|,W(κ)=b[sincκbπ+12sinc(κbπ−1)+12sinc(κbπ+1)]|r(k)| = d\,k\,|W(2k)|,\qquad W(\kappa) = b\left[\operatorname{sinc}\tfrac{\kappa b}{\pi} + \tfrac12\operatorname{sinc}\left(\tfrac{\kappa b}{\pi}-1\right) + \tfrac12\operatorname{sinc}\left(\tfrac{\kappa b}{\pi}+1\right)\right] mit sincu=sin(πu)/(πu)\operatorname{sinc} u = \sin(\pi u)/(\pi u).

Beweis. Man zerlege Z(x)Z(x) in infinitesimale Stufen. Eine Stufe dZdZ am Ort xx reflektiert die einlaufende Welle mit dZ/(2Z)dZ/(2Z) (3.3); auf dem Hin- und Rückweg zum Bezugsort sammelt sie die Phase e−2ikxe^{-2ikx}. In erster Ordnung (keine Mehrfachreflexionen, einlaufende Welle ungeschwächt) addieren sich die Beiträge zu r=12∫Z′/Ze−2ikxdxr = \tfrac12\int Z'/Z\,e^{-2ikx}dx. Mit Z′/Z=(lnZ)′≈dw′(x)Z'/Z = (\ln Z)' \approx d\,w'(x) und partieller Integration (ww verschwindet außerhalb [xc−b,xc+b][x_c-b, x_c+b]) ist ∫w′e−2ikxdx=2ik∫we−2ikxdx=2ikW(2k)e−2ikxc\int w' e^{-2ikx}dx = 2ik\int w\,e^{-2ikx}dx = 2ik\,W(2k)\,e^{-2ikx_c}, wobei WW die Fourier-Transformierte des um 0 zentrierten Profils ist. Für w=12(1+cos(πx/b))w = \tfrac12(1+\cos(\pi x/b)) auf [−b,b][-b,b] liefert ∫−bb12e−iκxdx=bsinc(κb/π)\int_{-b}^{b}\tfrac12 e^{-i\kappa x}dx = b\operatorname{sinc}(\kappa b/\pi) und ∫−bb12cos(πx/b)e−iκxdx=b2[sinc(κb/π−1)+sinc(κb/π+1)]\int_{-b}^{b}\tfrac12\cos(\pi x/b)\,e^{-i\kappa x}dx = \tfrac{b}{2}[\operatorname{sinc}(\kappa b/\pi - 1) + \operatorname{sinc}(\kappa b/\pi + 1)] (Produkt zweier Exponentialfunktionen). Der Betrag ist dann |r|=12d|2ik||W(2k)|=dk|W(2k)||r| = \tfrac12 d\,|2ik|\,|W(2k)| = d\,k\,|W(2k)|. ▫\square

Folgerung. Für lange Wellen (kb≪1kb \ll 1) ist W(2k)→bW(2k)\to b und |r|≈dkb∝f|r| \approx d\,k\,b \propto f: Die sanfte Verengung wird für tiefe Frequenzen unsichtbar (adiabatischer Grenzfall, die Welle „sieht” die Verengung als langsame Änderung und passt sich an, statt zu reflektieren). Das Maximum liegt bei kb≈1,2kb \approx 1{,}2, also f≈110Hzf \approx 110\,\mathrm{Hz} für b=0,6mb = 0{,}6\,\mathrm{m}, mit |r|max≈0,8d|r|_{\max} \approx 0{,}8\,d. Der Abzweig dagegen reflektiert mit 𝜚/(2+𝜚)\varrho/(2+\varrho) bei jeder Frequenz (3.3).

Prüfung gegen die Simulation (Bild 6). Mit einer breitbandigen Quelle (τ=0,3\tau = 0{,}3 ms) wurde das Belag-Echo spektral durch die einlaufende Welle geteilt. Bei d=0,1d = 0{,}1 stimmt die Simulation im Band 80 bis 240 Hz auf ±30%\pm 30\,\% mit Satz 4 überein; bei d=0,3d = 0{,}3 liegt sie 8 bis 40 % darüber, weil (lnZ)′=dw′/(1−dw)(\ln Z)' = d\,w'/(1 - d\,w) im Zentrum um 1/(1−0,3)=1,431/(1-0{,}3) = 1{,}43 größer ist als die Näherung dw′d\,w' und Mehrfachreflexionen hinzukommen. Die Frequenzabhängigkeit, der Anstieg von null und der Abfall oberhalb 200 Hz, wird von der Simulation getroffen. Damit ist die physikalische Ursache der Nachweisgrenze (Abschnitt 6) bewiesen und nicht nur beobachtet.

Reflexionsfaktor des Belags über der Frequenz: Born-Näherung (Satz 4) und aus der Simulation gewonnenes Verhältnis der Spektren, d = 0{,}3, b = 0{,}6 m.

5.4 Folgen für die Erkennbarkeit

Bild 7 misst die relative Echoänderung im Zeitbereich: Für 30 % Belag beträgt sie 47 % bei τ=0,7\tau = 0{,}7 ms, 40 % bei 3 ms und 32 % bei 10 ms; sie ist nahezu linear in dd. Das Seitenrohr ändert das Echo um 75 bis 107 %, bei träger Quelle sogar mehr, weil dann der Anteil der tiefen Frequenzen, bei denen der Abzweig reflektiert und der Belag nicht, größer ist. Die Klappe bleibt also unter allen Bedingungen erkennbar; der Belag kann im Rauschen verschwinden.

Relative Echoänderung. Links durch den Belag, nahezu linear in d und mit der Quellen-Trägheit abnehmend; rechts durch das Seitenrohr, mit der Trägheit zunehmend.

6. Rauschen, Rauschboden und Nachweisgrenze

6.1 Satz 5: Der Rauschboden des relativen Fehlers

Die Messung sei yobs=y+ny_\mathrm{obs} = y + n mit unabhängigem Rauschen ni∼𝒩(0,σ2)n_i \sim \mathcal N(0,\sigma^2), σ=0,1Pa⋅\sigma = 0{,}1\,\mathrm{Pa}\cdotRauschregler. Für ein Modell mm ist der Erwartungswert der Fehlerquadratsumme über dem Fenster mit NgN_g Werten 𝔼[SSE]=∑(yi−mi)2+Ngσ2.\mathbb E[\mathrm{SSE}] = \sum (y_i - m_i)^2 + N_g\,\sigma^2. Selbst das perfekte Modell m=ym = y erreicht also nur εBoden=σNg∑yi2=σRMS(y).\varepsilon_\mathrm{Boden} = \frac{\sigma\sqrt{N_g}}{\sqrt{\sum y_i^2}} = \frac{\sigma}{\mathrm{RMS}(y)}. Der angezeigte Fehler kann diesen Boden nicht unterschreiten. Bei träger Quelle ist RMS(y)\mathrm{RMS}(y) klein (schwaches Echo), also der Boden groß: 15 % bei τ=0,7\tau = 0{,}7 ms und 1 % Rauschen, 40 % bei τ=10\tau = 10 ms (Bild 8, links). Das erklärt die Beobachtung „die Kurve passt, aber es steht 50 % da”. Der rauschbereinigte Modellfehler εModell=max(0,ε2−εBoden2)\varepsilon_\mathrm{Modell} = \sqrt{\max\left(0,\ \varepsilon^2 - \varepsilon_\mathrm{Boden}^2\right)} schätzt ∑(y−m)2/∑y2\sqrt{\sum(y-m)^2/\sum y^2} erwartungstreu im Quadrat. Die Seite zeigt beide Zahlen nebeneinander.

Schätzung aus der Messung allein. σ\sigma wird aus der Streuung im Fenster t<3t < 3 ms geschätzt, bevor das erste Echo eintreffen kann (die Vorderkante des frühesten Belags bei 0,4 m liefert ein Echo ab etwa 5,5 ms), und RMS(y)\mathrm{RMS}(y) aus dem Bewertungsfenster der Messung selbst. Kein Wahrheitswert geht ein; der Schätzfehler liegt unter 5 % (8.1).

6.2 Mittelung mehrerer Impulse

Die Anlage ändert sich innerhalb einer Messung nicht. Wiederholt man den Impuls NN-mal und mittelt, sinkt die Rauschstandardabweichung auf σ/N\sigma/\sqrt N und der Boden entsprechend; Bild 8 rechts zeigt die Messung (1, 2, 4, 8, 16 Impulse bei 0,5 % Rauschen: 7,8 / 5,6 / 3,9 / 2,8 / 2,0 %) gegen εBoden(1)/N\varepsilon_\mathrm{Boden}(1)/\sqrt N.

Links: Rauschboden des relativen Fehlers über dem Messrauschen für drei Quellen-Trägheiten; das Ziel 2,5 % ist nur bei sehr kleinem Rauschen als Gesamtfehler erreichbar. Rechts: Mittelung über N Impulse senkt den Boden mit 1/\sqrt N.

6.3 Die Nachweisgrenze

Nach 5.4 ist die Echoänderung durch den Belag näherungsweise e(d)=e1(τ)de(d) = e_1(\tau)\,d (Bild 7 links). Ein Belag ist erst dann sicher von Rauschen zu unterscheiden, wenn seine Echoänderung den Boden deutlich übersteigt; als Setzung wird der Faktor 1,5 verlangt: dmin(τ,σ,N)=1,5εBoden(τ,σ)e1(τ)N,Nnötig(d)=⌈(1,5εBodene1d)2⌉.d_{\min}(\tau,\sigma,N) = \frac{1{,}5\;\varepsilon_\mathrm{Boden}(\tau,\sigma)}{e_1(\tau)\,\sqrt N}, \qquad N_\mathrm{nötig}(d) = \left\lceil\left(\frac{1{,}5\,\varepsilon_\mathrm{Boden}}{e_1\,d}\right)^2\right\rceil. e1e_1 wird aus zwei Referenzrechnungen (gerades Rohr mit und ohne 30 % Belag) für die aktuelle Trägheit bestimmt, der Boden aus Rauschpegel und Echoleistung des geraden Rohrs vorhergesagt. Bild 9 zeigt die Karte: Bei τ=0,7\tau = 0{,}7 ms und 1 % Rauschen ist ein Belag ab 16 % nachweisbar, bei 10 ms erst ab 63 %; mit 16 Impulsen sinken beide Werte auf ein Viertel.

Nachweisgrenze d_{\min} für einen Impuls über Quellen-Trägheit und Messrauschen. Weiße Linien: 10, 25, 50 %. Die Seite rechnet diese Grenze für die aktuellen Einstellungen und verweigert den KI-Start, wenn selbst der größte eingelernte Belag darunter liegt.

Was daraus auf der Seite folgt. Mit eingeschalteter KI steht die Nachweisgrenze für die gewählten Einstellungen im KI-Block. Liegt sie über dem größten eingelernten Belag, startet die KI nicht („Kein Start, um nicht sinnlos zu rechnen”) und nennt die nötige Impulszahl, weniger Rauschen oder einen schärferen Impuls als Abhilfe. Rauschen und Trägheit bleiben also erlaubt, nur nicht in Kombinationen, in denen das Verfahren physikalisch nichts mehr finden kann.

7. Die überlagerte Ebene (KI)

7.1 Trennung der Ebenen und Auslöser

Die Edge läuft in jedem Zyklus unverändert und erkennt die Klappe selbst. Sie übergibt nach oben ein Ergebnispaket: Gesamtfehler, Rauschboden, Modellfehler, Topologie, vier Parameter, Zahl der Rechnungen. Die überlagerte Ebene greift ein, wenn der Modellfehler εModell\varepsilon_\mathrm{Modell}

Als erreicht gilt das Ziel, wenn εModell≤\varepsilon_\mathrm{Modell} \le Ziel oder der Gesamtfehler unter dem 1,25-Fachen des Rauschbodens liegt. Rauschen allein löst damit keinen Eingriff aus; ein Belag im Rauschen wird dennoch sofort behandelt. Diese Wahl fiel nach Rückfrage beim Auftraggeber mit dem Maßstab „was führt uns zum Ziel, das Rohrsystem aus der Impulsantwort zu identifizieren”.

7.2 Der Vorschlag: Netz mit Verfeinerung

Merkmale. Das Echo ab 8 ms wird in 128 gleich breite Zeitfenster gemittelt und durch die Amplitude der einlaufenden Welle geteilt; die 128 Werte werden mit Mittelwert und Streuung der Lernfälle standardisiert.

Netz. Ein Mehrschichtnetz 128→32→6128 \to 32 \to 6 mit tanh\tanh in der verdeckten Schicht und Sigmoid an den sechs Ausgängen (Klappe offen, Position, Querschnitt, Abschluss, Belaggröße, Belagort, die fünf letzten auf ihre Bereiche normiert). Verlust: Kreuzentropie für die Klappe, gewichtete Fehlerquadrate für die übrigen (Gewicht 3 für die Belaggröße), Position und Querschnitt nur bei offener Klappe. Training mit Adam (Lernrate 0,003, Chargen zu 32, 120 Epochen, Gewichtsabklingen 10−410^{-4}) auf 1500 eigenen Referenzfällen zufälliger Anlagen (Klappe, Position, Querschnitt, Abschluss, Belag bis 50 %, Belagort im eingestellten Bereich, Quellen-Trägheit 0,3 bis 3 ms, Rauschen bis 1,5 %); 300 getrennte Kalibrierfälle. Das Einlernen geschieht in der Datei selbst beim Start und dauert etwa 6 s.

Außerhalb des Lernbereichs. Der euklidische Abstand der standardisierten Merkmale zum nächsten Lernfall wird mit dem 99-%-Quantil der Kalibrierfälle (mal 1,1) verglichen; liegt eine Messung darüber, gilt sie als außerhalb des Lernbereichs. Das trifft ab etwa 5 ms Quellen-Trägheit zu.

Verfeinerung. Der Netzvorschlag (d,xc)(d, x_c) ist ein Startpunkt mit 2 bis 3 Prozentpunkten Streuung. Er wird mit höchstens 16 physikalischen Rechnungen nachgeschärft: Nelder-Mead über (d,xc)(d, x_c) bei festgehaltenen Edge-Parametern, jeder Kandidat sichtbar. Ohne diese Verfeinerung blieb im Fall 30 % Belag ein Restfehler von 5,0 % statt 1,3 %.

Vergleichsweg und Rückfall. Die klassische Belagsuche ohne Startpunkt (acht Rasterkandidaten, dann dasselbe Nelder-Mead bis 60 Rechnungen) ist wählbar und dient dem fairen Vergleich. Sie übernimmt automatisch, wenn das Netz eine Messung als außerhalb seines Lernbereichs meldet oder keinen Belag sieht, obwohl die Edge das Ziel verfehlt und keine Korrektur trägt. Die Tabelle nennt den Weg jedes Pakets.

7.3 Prüfung vor Übergabe

Die Edge rechnet einmal mit dem vorgeschlagenen Paket im Zwilling (Phase „KI-Korrektur prüfen”). Ein kleines Paket (unter 10 %) wird bei bestehender Korrektur zusätzlich gegen „kein Belag” gerechnet, damit ein verschwundener Belag die alte Korrektur aufhebt. Übernommen wird das bessere Paket, wenn sich εModell2\varepsilon_\mathrm{Modell}^2 mindestens halbiert oder das Ziel erreicht ist. Bei gaußschem Rauschen ist ΔSSE/σ2\Delta\mathrm{SSE}/\sigma^2 ein Likelihood-Verhältnis; die Halbierung der rauschbereinigten Fehlerleistung ist eine bewusst strenge Setzung, die Zufallsverbesserungen ausschließt. Nach einer Übernahme beginnt die Trendbeobachtung neu.

7.4 Messplanung (Fall B des Prüfkonzepts)

Wird ein Eingriff verworfen, während der Rauschboden mehr als 40 % des Restfehlers ausmacht, ist der Befund unklar: Die KI verdoppelt die Impulse je Messung für den nächsten Zyklus (bis 16) und kehrt bei klarem Befund zur eingestellten Zahl zurück. Das ist der erste Punkt, an dem die überlagerte Ebene mehr tut als der Optimierer: Sie entscheidet, wie weitergemessen wird.

7.5 Was die KI nicht ist

Sie ersetzt keine physikalische Rechnung, entscheidet nie allein, sieht nie den wahren Zustand der Anlage und behauptet kein Erkennungsvermögen, das die Physik nicht hergibt. Das Prüfkonzept (KI_NAECHSTE_STUFE_PRUEFKONZEPT.md) verlangt den fairen Vergleich: gleiche Messung, gleiche Modellfamilie, gleiche Grenzen und Zielfunktion, Lernaufwand getrennt ausgewiesen. Ergebnis (Abschnitt 8.3): Klappe und Belag identifiziert die Physik; der Vorteil des Netzes ist ein gelernter Startpunkt und die Messplanung.

8. Ergebnisse und Nachweise

Alle Zahlen stammen aus den Prüfskripten, die mit der ausgelieferten Datei ausgeführt werden: validate_physics.js (Kern), test_belag.js (Belagmodul, Physik-Plausibilität, Rauschen, Szenarien), check_browser.js und check_stage3_browser.js (Bedienung im Browser). Alle vier sind auf der Endfassung bestanden.

8.1 Der Rechenkern und das Belagmodul

Prüfung Ergebnis
Verlustloses gerades Rohr gegen analytische Reflexion Abweichung des Auslassvolumenstroms 1,4⋅10−20m3/s1{,}4\cdot 10^{-20}\,\mathrm{m^3/s}
Verlustloses Seitenrohr gegen analytische erste Antwort Abweichung 5,4⋅10−20m3/s5{,}4\cdot 10^{-20}\,\mathrm{m^3/s}
Standardfall (Seitenrohr bei 3 m, 𝜚=0,55\varrho = 0{,}55) xs=3,001x_s = 3{,}001 m, 𝜚=0,550\varrho = 0{,}550, c=343,2c = 343{,}2 m/s, ε=1,17\varepsilon = 1{,}17 %, 220 Rechnungen
Andere Positionen (1 m, 4 m), Querschnitt 25 %, langsame Quelle, grobes Gitter Topologie in allen Fällen richtig, Position auf 1 mm
Geschlossenes Rohr mit und ohne Rauschen „Gerade”, kein Seitenrohr behauptet
Belag 0 im Belagmodul Netzwerk bitgenau gleich Version 2.1; Referenz relativ 2,1⋅10−152{,}1\cdot 10^{-15}
Edge-Abgleich ohne Korrektur bitgenau gleich PipeLab.fit: gleiche 220 Kandidaten, gleiche Fehlerquadrate
Belag 30 %, Referenz gegen Zwilling mit bekannten Parametern 6,3 % (60 Zellen), 1,6 % (120), 0,76 % (240): Gitterkonvergenz
Belag-Echo positiv; Maximum zwischen Vorderkante und Zentrum; Verschiebung 6,997 gegen 7,000 ms
Echoänderung über Belaggröße streng monoton: 14 / 30 / 47 / 66 / 87 % für 10 bis 50 %
Belag mit geschlossener Klappe (18 Fälle, τ\tau 0,7 bis 10 ms, Rauschen 0 bis 1 %) nie als Seitenrohr ausgegeben
Rauschbodenschätzung aus der Messung innerhalb 5 % des exakten Bodens (0,1 bis 1 % Rauschen)
Mittelung Boden fällt mit 1/N1/\sqrt N (Bild 8)
Nachweisgrenze monoton in Rauschen, Trägheit und Impulszahl; Impulsempfehlung konsistent
Blindheit alle Schätzer liefern mit angehängten falschen Wahrheitsangaben identische Ergebnisse

8.2 Das Netz

Einlernen in der Seite: 1500 Lernfälle, 300 Kalibrierfälle, 120 Epochen, 6 s. Kalibrierung: Klappe 100 % richtig, Belag-RMS 2,9 Prozentpunkte. Auf 60 ungesehenen zufälligen Anlagen (Konfigurationsschlüssel gegen die Lernmenge geprüft): Klappe 60 von 60, Belag-RMS 3,1 Prozentpunkte, keine Rückweisung. Angehängte Wahrheitsangaben ändern die Vorhersage nicht.

8.3 Der faire Vergleich: 18 Zyklen, Belag kommt und geht

Szenario wie auf der Seite erzeugt: Belag 0 bis 40 % in zwölf Zyklen, dann zurück auf 0 in sechs; Klappe zufällig offen (Positionen 1,5 bis 4,5 m, Querschnitte 30 bis 85 %); Ziel 2,5 %; kein Rauschen. Drei Betriebsarten auf denselben Beobachtungen (Bild 11):

Überlagerte KI Klappe richtig Ziel erreicht Eingriffe / übernommen Korrektur aufgehoben Rechnungen je Zyklus mittlerer Restfehler
Aus (nur Edge) 18 / 18 3 / 18 – – 213 20,9 %
Netz + Verfeinerung + Prüfung 18 / 18 12 / 18 12 / 12 1 (Zyklus 17) 370 2,7 %
Klassische Belagsuche + Prüfung 18 / 18 13 / 18 12 / 12 1 399 2,3 %
Szenario mit wachsendem und wieder verschwindendem Belag: Vorgabe und übernommene Korrekturen (oben), Restfehler nach dem Zyklus für die drei Betriebsarten (unten, logarithmisch).

Lesart: Die Klappe erkennt in allen Fällen die unveränderte Edge. Beide KI-Wege halten den Restfehler bei kommendem und gehendem Belag niedrig und heben die Korrektur wieder auf, wenn der Belag verschwunden ist (Zyklus 17: das Netz meldete noch 3,9 %, die Gegenprüfung ohne Belag war besser). Der Vorteil des Netzes gegenüber der klassischen Suche ist klein, rund 30 Rechnungen je Zyklus, bei geringfügig schlechterem Restfehler; der Aufwand wird von der Prüfrechnung der Edge (220 Rechnungen je Paket) bestimmt, nicht von der Vorschlagsfindung. Das ist Fall A des Prüfkonzepts mit ehrlich kleinem Ergebnis.

8.4 Dauerbetrieb im Browser

Die Browserprüfung startet aus 30 % Belag und lässt die Anlage zwölf Zyklen laufen (Bild 12): Der Belag fällt in zufälligen Schritten auf 0 und beginnt neu; die Klappe schaltet. Klappe in 12 von 12 Zyklen richtig; 5 Eingriffe, 5 übernommene Pakete, die der Vorgabe auf 1 bis 3 Prozentpunkte folgen; Restfehler vor Eingriff im Mittel 9,8 %, nach dem Zyklus 3,6 %; 326 Rechnungen je Zyklus. Export, Tabelle (die letzten drei Zyklen) und Diagramme stimmen bytegenau überein.

Dauerbetrieb der Browserprüfung: Belag der Referenzanlage, übernommene Korrekturen, Klappenzustand und KI-Eingriffe (oben); Restfehler vor Eingriff und nach dem Zyklus (unten).

8.5 Der schwierige Fall: träge Quelle und starkes Rauschen

Quellen-Trägheit 10 ms, Rauschen 1 %, Belag 40 %, Klappe geschlossen. Rauschboden mit einem Impuls 29,7 %, Modellfehler der Edge darüber 26,6 %. Das Netz meldet die Messung als außerhalb seines Lernbereichs; die klassische Belagsuche übernimmt und findet 38,6 % Belag; nach der Prüfung ist der Modellfehler null. Mit den drei Impulsen, die die Nachweisgrenze empfiehlt, sinkt der Boden auf 17 %, gefunden werden 38,5 %, Modellfehler danach 3,1 %. Die Klappe bleibt in beiden Fällen richtig geschlossen. Dieser Fall ist eine feste Prüfung.

9. Fazit

  1. Die Physik trägt. Zwei unabhängige Diskretisierungen derselben Gleichungen liefern bei gleichen Parametern dasselbe Echo (Sätze 1 bis 3, Gitterkonvergenz 8.1). Der Abgleich identifiziert Schallgeschwindigkeit, Abschluss, Seitenrohrposition auf Millimeter und Querschnitt auf ein Prozent aus dem Echo allein, deterministisch und sichtbar.
  2. Der Belag ist ein Flankenecho mit positivem Vorzeichen (5.2), dessen Reflexionsfaktor mit der Frequenz von null ansteigt (Satz 4). Deshalb bleibt das Seitenrohr bei jeder Impulsform erkennbar, der Belag nur bei ausreichend scharfem Impuls oder ausreichend vielen gemittelten Impulsen. Die Nachweisgrenze (6.3) macht diese Grenze zu einer Zahl, die die Seite vor jedem Start prüft.
  3. Der angezeigte Fehler enthält das Rauschen (Satz 5). Die Seite trennt Rauschboden und Modellfehler; die KI entscheidet am Modellfehler.
  4. Die überlagerte Ebene erweitert die Modellfamilie um den Belag, ohne die Edge zu ändern. Sie greift nur bei Bedarf ein, jeder Vorschlag wird physikalisch geprüft, Korrekturen kommen und gehen mit dem Belag. Das Netz ist ein gelernter Startpunkt mit kleinem, ehrlich berichtetem Vorteil; die klassische Suche ist Vergleich und Rückfall; die Messplanung ist der Anfang von Fall B.
  5. Grenzen. Ein einzelner Belag fester Länge; weißes Rauschen; keine mittlere Strömung; Referenz und Zwilling teilen dieselbe vereinfachte Akustik; das Netz kennt Quellen-Trägheiten von 0,3 bis 3 ms; die Nachweisgrenze ist eine Vorhersage für das gerade Rohr. Der Nachweis gilt für das Verfahren, nicht für die reale Anlage.

10. Ausblick

An der realen Anlage ersetzt die Messung von Sendeimpuls und Echo die Referenzrechnung. Vier Dinge sind dann zu bestimmen, weil sie heute in beiden Lösern gleich angenommen sind: die Quellenübertragungsfunktion (der Lautsprecher formt den Impuls anders als die Modellquelle), Schallgeschwindigkeit und Dämpfung (Temperatur, Wandreibung), die tatsächliche Belagform, und das Netz muss mit Lernfällen aus dem angepassten Zwilling neu eingelernt werden. Innerhalb der Simulation stehen an: die Wahl der Impulsform durch die KI (Fall B vollständig), ein Netz über den vollen Trägheitsbereich, und ein Szenario mit Messrauschen im Dauerbetrieb.

Lernt das Netz im Betrieb dazu? Nein, bewusst nicht. Das Netz wird vor dem Betrieb aus Referenzfällen mit bekannten Erzeugungsparametern eingelernt; im Betrieb werden übernommene Pakete im Zwilling gespeichert, das Netz bleibt unverändert. Ein Netz, das seine eigenen bestätigten Vorschläge als Wahrheit nachlernte, würde sich selbst bestätigen: Ein passender Abgleich beweist nur, dass die Modellfamilie das Echo erklären kann, nicht, dass der Belag wirklich so ist. Nachlernen im Betrieb setzt eine unabhängige Bestätigung voraus, an der realen Anlage etwa eine Inspektion oder eine zweite Messgröße; das ist eine Aufgabe der Prüfstandsphase.

Anhang A. Symbole

Symbol Bedeutung Wert / Einheit
ρ\rho Dichte der Luft 1,2 kg/m³
cc Schallgeschwindigkeit 343 m/s (Referenz), im Zwilling gesucht
A0A_0 Querschnitt des Hauptrohrs π⋅0,12/4\pi\cdot 0{,}1^2/4 m²
Z=ρc/AZ = \rho c/A Wellenimpedanz Pa·s/m³
β\beta Verlustkonstante der Wandreibung 6 s⁻¹
γ\gamma Reflexionsfaktor der Last 0,5 (Referenz)
xsx_s, 𝜚\varrho Position und Querschnittsverhältnis des Seitenrohrs m, –
dd, xcx_c, bb Belaggröße, Belagzentrum, Halbbreite –, m, 0,6 m
w(x)w(x) Belagprofil (Raised Cosine) –
τ\tau Quellen-Trägheit 0,2 bis 20 ms
EE, yy, pp Quellenspannung, Echo, Portdruck Pa
aa, bb hin- und rücklaufende Wellengröße Pa
ε\varepsilon relativer Echo-RMS-Fehler –
εBoden\varepsilon_\mathrm{Boden}, εModell\varepsilon_\mathrm{Modell} Rauschboden, rauschbereinigter Modellfehler –
σ\sigma Standardabweichung des Messrauschens 0,1 Pa · Rauschregler
NN Impulse je Messung 1 bis 16
dmind_{\min} Nachweisgrenze –

Anhang B. Reproduktion

Alle Rechnungen dieses Manuskripts lassen sich aus dem Projektordner wiederholen:

python3 Arbeitsstand/build_lab.py            # erzeugt die HTML aus den Quellen
node Arbeitsstand/validate_physics.js        # Rechenkern
node Arbeitsstand/test_belag.js              # Belagmodul, Physik, Rauschen, Szenario
node Arbeitsstand/check_browser.js           # Bedienung Version 2.1 (Playwright)
node Arbeitsstand/check_stage3_browser.js    # KI-Ablauf, Dauerbetrieb (Playwright)
node Manuskript/bilder_daten.js              # Zahlen für die Bilder
python3 Manuskript/bilder.py                 # die Bilder

Die Berichte liegen unter Arbeitsstand/pruefung/, die Prüfsummen der ausgelieferten Dateien in Ergebnisse_2026-09-08/SHA256SUMS.txt. Der Rechenkern pipe_engine.js (SHA256 049ce331…) ist seit Version 2.1 unverändert und im Test verankert.