PMSM: von der Feldrechnung zu den Motorgleichungen

Die Größen, die Simulation und Messung gemeinsam haben — und was daraus folgt

Prof. Dr.-Ing. Ralph Wystup M.Sc. — erstellt mit KI und Agent (Claude Code, Anthropic)

28. September 2026 · Fassung 2.7

Quelle Modell

Der Ablauf

  1. Eingabe ist die technische Zeichnung — eine eigene oder das fest hinterlegte Beispiel.
  2. Daraus erzeugt die FEM die Größen, die auch an den Klemmen messbar sind: die Selbst- und Koppelinduktivitäten über dem Rotorwinkel, die Leerlaufspannung, die Flussverkettungen im Arbeitspunkt.
  3. An dieser Stelle können diese Größen durch eigene, gemessene ersetzt werden — im Messblatt, das die Ablesungen entgegennimmt und dieselben Größen daraus rechnet.
  4. Aus diesen Größen werden die DGL-Größen berechnet — R, ΨPM, Ld, Lq, ldd, lqq, ldq — und mit den Größen aus der FEMM verglichen. Am Ende stehen die Spannungsgleichungen mit Zahlen.

Die Datei läuft ohne Installation und ohne Netz und rechnet wirklich: bei jeder Rotorstellung wird neu vernetzt und das Feld neu gelöst. Nichts ist abgerufen, nichts vorberechnet.

Die drei Stufen im Einzelnen

Jede sagt, was sie braucht, was sie liefert und woran sie geprüft ist. Die Begründung ist aufklappbar.

  1. Von der Zeichnung zum Feld. Geometrie, Werkstoffe, Ränder, Bestromung — und daraus die Feldrechnung.
    hineineine technische Zeichnung: eigene DXF oder das eingebaute Beispiel, 36 kB — Punkte, Strecken, Bögen, Gebiete
    herausdie Größen, die am Motor elektrisch messbar sind: Flussverkettungen, Leerlaufspannung, L₁₁, M₂₁, M₃₁ über dem Drehwinkel — und daraus L₀, M₀, L₂ und ΨPM. Dazu die Erwartungswerte für jedes Feld des Messblatts.
    geprüftgegen FEMM Stellung für Stellung (linear 0,04 %, mit Eisenkennlinie 0,8 %) und derselbe Weg noch einmal über die DXF, Punkt für Punkt — Prüfplan G1–G9
    Warum die Zeichnung übergeben wird und nicht ein fertiges Netz

    Ein Netz gilt für genau eine Rotorstellung. Die Geometrie gilt für alle — und nur deshalb kann sich der Rotor drehen. Vernetzt wird im Browser bei jeder Stellung neu, mit Triangle von Jonathan Shewchuk, demselben Vernetzer, den auch FEMM benutzt, hier als WebAssembly eingebettet. Für dieses Modell sind das 36 kB statt 1,84 MB.

    Der Preprozess in derselben Stufe macht aus einer bloßen Zeichnung ein rechenbares Modell: Gebiete erkennen, Werkstoffe zuweisen, Ränder setzen, Stränge bestromen. Diese Aufteilung ist von FEMM übernommen und nicht kosmetisch — die Rechnung braucht zu jedem Gebiet einen Werkstoff.

    Und warum nicht gleich Ld und Lq herauskommen: die Feldrechnung liefert Flussverkettungen, messbar sind die nicht. Messbar sind Ströme und Spannungen. Beide Wege treffen sich deshalb eine Stufe davor, bei den Stranggrößen — und nur deshalb kann eine Messung die Rechnung überhaupt ersetzen.

  2. Die Messung am Motor. Dieselben Größen, am Prüfstand aufgenommen.
    hineinwas sich einstellen lässt: Rotorwinkel, Drehzahl, Frequenz, ein eingeprägter Strom
    herausaus Strom, Spannung und Phasenwinkel: R, ΨPM, L₀, M₀, L₂, ldd, lqq, ldq, Ld, Lq
    geprüftPrüfplan M1–M18, darunter der Rückweg: die von der Feldrechnung vorhergesagten Ausschläge eingetragen, müssen alle elf Größen zurückkommen
    Was sich überhaupt einstellen und was sich messen lässt

    Der Rahmen ist eng, und das Messblatt hält sich daran. Einstellen lassen sich der Rotorwinkel, die Drehzahl, die Frequenz und ein eingeprägter Strom. Messen lassen sich Strom, Spannung, der Phasenwinkel zwischen beiden, ein Winkel und die Temperatur. Mehr gibt eine Maschine nicht her.

    Alles andere entsteht in der Auswertung, und zwar sichtbar: id und iq folgen aus den drei Strangströmen und dem Rotorwinkel; der Strangwiderstand ist der Quotient aus eingeprägtem Strom und gemessener Spannung; der Winkel der Spannung zur d-Achse folgt aus dem eingeprägten Stromwinkel und dem gemessenen Phasenwinkel. Eine Induktivität zeigt kein Gerät an.

    In jedem leeren Feld steht blass, mit ≈ davor, was die Feldrechnung aus Stufe 1 dort erwartet. Deshalb wird zuerst gerechnet und dann gemessen: wer den Ausschlag kennt, den er erwarten darf, merkt den Fehlgriff sofort und nicht erst beim Auswerten.

  3. Der Vergleich. Beide Wege nebeneinander — und die Gleichungen.
    hineindie Zahlen aus der Feldrechnung, aus dem Messblatt oder aus einer geladenen Messwertdatei
    herausder vollständige Parametersatz und die Spannungsgleichungen im Rotorsystem, mit Zahlen
    geprüftPrüfplan E, H und N: die Gleichungen rechnen mit den angezeigten Zahlen, und keine Zahl stammt heimlich aus der anderen Quelle
    Woran der Vergleich scheitern darf — und was das bedeutet

    Stimmen Rechnung und Messung nicht überein, ist das kein Messfehler, sondern ein Befund. Der wahrscheinlichste systematische Unterschied ist der Wickelkopf: das ebene Modell kennt ihn nicht, gemessen wird er mit. Er addiert eine Streuinduktivität, die in beiden Achsen gleich groß und stromunabhängig ist — sie zeigt sich als konstanter Betrag über beiden gerechneten Werten und lässt sich so abtrennen.

    Weicht ΨPM ab, trifft das die Windungszahl oder die Magnete. Weicht der Verlauf von lqq über iq ab, steht die Eisenkennlinie auf dem Prüfstand. Weicht das Kreuzglied ldq ab, ist es die Kennlinie im gesättigten Teil — ldq lebt ausschließlich von der Sättigung und ist im ungesättigten Betrieb null.

    Daneben steht in derselben Tafel eine dritte Spalte: dieselben Größen unmittelbar aus dem Feld gerechnet, ohne den Umweg über die Stranggrößen. Sie prüft die Rechnung gegen sich selbst und muss bei kleinen Strömen auf Bruchteile eines Prozents zusammenfallen.

 Rechnet die Felder wirklich, hält an jeder Entscheidung an und endet bei den Gleichungen.

Und was diese Datei nicht ist

Kein Ersatz für FEMM: hier steht ebene Magnetostatik mit nichtlinearem Eisen und Permanentmagneten, sonst nichts. Keine Wirbelströme, keine Wärme, keine rotationssymmetrischen Modelle, keine Kraftrechnung über den Spannungstensor, keine Zeichenoberfläche. Was nur erklärt und weder rechnet noch misst, steht nicht hier, sondern im Manuskript — das vollständig im letzten Reiter liegt.

Was sich gegenüber den früheren Fassungen geändert hat

Nur das Wesentliche. Die vollständige Begründung steht jeweils im Manuskript.

2.7Der Aufbau folgt dem Ablauf: Zeichnung → FEM → messbare Größen, an dieser Stelle eigene Messwerte einsetzen, daraus die DGL-Größen und der Vergleich mit FEMM. Modell und Simulation sind eine Stufe; drei Bilder, die sich nie änderten, sind weg; das Werkzeug steht vor dem Text. In Stufe 3 gibt es keine Stromregler mehr — ein Parametersatz gilt für den Punkt, an dem er gerechnet oder gemessen wurde, und der wird in Stufe 1 oder 2 gesetzt. Im Manuskript drei neue Kapitel: die Herkunft der differentiellen Matrix aus den drei Strangspannungsgleichungen, zwei unabhängige Wege, von Hand nachrechenbar. Namensnennung auf jedem Stück.
2.6Der Reiter Messblatt nimmt Ablesungen entgegen statt fertiger Induktivitäten: Rotorwinkel einstellen, Strom einprägen, Strom, Spannung und Phasenwinkel messen — das Blatt rechnet daraus den ganzen Parametersatz einschließlich R. Zwei Messungen stehen dabei als Tafel über dem Rotorwinkel. Aus den Größen der Feldrechnung sagt das Blatt umgekehrt voraus, was das Gerät anzeigen muss; trägt man genau das ein, müssen alle elf Größen zurückkommen. Diese Probe fand einen Fehler: die Sekante Ld bezieht sich wegen der Kreuzsättigung auf ΨPM im Arbeitspunkt, nicht auf den Leerlaufwert.
2.5Das Kapitel „Die Bestromung entscheidet, was gemessen wird": aus der einen Klemmengleichung folgt, dass die differentiellen Induktivitäten nur im Stromterm stehen und die absoluten nur im Drehterm — kein einziger Versuch liefert beide.
2.4Fassungsnummer und Datum kommen aus einer einzigen Quelle. Vorher standen in derselben Datei drei verschiedene Nummern.
2.0Die Seite rechnet selbst: Geometrie statt Netz, Vernetzung bei jeder Rotorstellung neu, eigener Newton-Löser. Gegen FEMM im linearen Fall 0,04 %.

Wie diese Arbeit entstanden ist

Die Feldrechnung im Browser

Aus der technischen Zeichnung wird hier das Feld gerechnet — im Browser, wirklich, bei jeder Rotorstellung neu. Wählen Sie das eingebaute Beispiel oder laden Sie eine eigene Geometrie.

warum die Geometrie übergeben wird und nicht ein fertiges Netz

Übergeben wird nicht ein fertiges Netz, sondern die Geometrie — Punkte, Strecken, Bögen, Blocklabels, Werkstoffe, 36 kB. Vernetzt wird bei jeder Rotorstellung neu, mit Triangle von Jonathan Shewchuk, also demselben Vernetzer, den auch FEMM benutzt. Dadurch kann sich der Rotor drehen, und das muss er: ΨPM schwankt über eine elektrische Periode um elf Prozent, und die Sättigung hängt von der Stellung ab.

Eingestellt wird nur id und iq. Damit liegt das Stromsystem eindeutig zum Rotor; die Strangströme bildet die Rechnung an jeder Stellung neu, sie drehen also mit. Heraus kommen nicht die dq-Parameter, sondern die Größen, die am Motor messbar sind — erst daraus folgen im Vergleich die Netzwerkparameter.

Das Netz mit seinen Werkstoffen.

Modell     Eisen 

Ströme 

Die Strangströme, wie sie dem Löser übergeben werden. Die Kurve ist der Verlauf über eine elektrische Umdrehung; während einer Rechnung setzen sich Punkte an die Stellungen, die schon gelöst sind, und ein senkrechter Strich steht an der gerade gerechneten.

Stellungen     Netz 

Beide Knopfreihen wirken auf verschiedene Größen — gegen FEMM nachgemessen: das Netz bewegt die Induktivitäten (L_d liegt grob −1,7 %, mittel −1,4 %, fein −1,1 % neben FEMM) und lässt ΨPM in Ruhe; die Stellungszahl bewegt ΨPM (zehn Stellungen +1,3 %, zwanzig +0,8 %) und lässt die Induktivitäten in Ruhe. Wer ΨPM genau will, nimmt mehr Stellungen; wer L_d und L_q genau will, ein feineres Netz. Beides zugleich kostet das Produkt der Zeiten, nicht die Summe.

   läuft die drei Schritte nacheinander durch — nichts einzeln anklicken

einzeln, falls nur ein Schritt gebraucht wird:

Schritthier gerechnet am Motor gemessen mit
2Leerlauf: Ψ₁, Ψ₂, Ψ₃ über dem Drehwinkel, stromlos → ΨPM Oszilloskop an den offenen Klemmen, Drehgeber
3Strangmessung: Strang 1 mit ±1 A über dem Winkel → L₁₁, M₂₁, M₃₁ → L₀, M₀, L₂ Impedanzanalysator ohne Vormagnetisierung, Rotor schrittweise
4Arbeitspunkt: id, iq eingeprägt, kleine Stöße → ldd, lqq, ldq, lqd Impedanzanalysator mit Vormagnetisierung, zweiter Spannungskanal
5dieselbe Rechnung, zusätzlich stromlos → Ld, Lq unmittelbar (Kontrolle)Weg B: stationär bei drehendem Rotor, Klemmenspannungen

Die Versuche sind nach dem Messplan benannt, der im Reiter „3 · Messverfahren" steht: es gibt nur eine Zählung, und jeder Knopf hier hat dort seine Entsprechung am Prüfstand.

Das Modell

Gerechnet wird an einem ebenen magnetostatischen Modell in FEMM 4.2: Außenläufer, neun Nuten, sechs Pole, Einzelzahnwicklung, Ferritmagnete. Die Bilder stammen unmittelbar aus diesem Modell.

FEMM-Modell
Die Geometrie mit den Blocklabels: Strangzuordnung, Windungszahl, Werkstoff.
Feld im Leerlauf
Feld ohne Strom. Magenta liegt über dem Knie der Eisenkennlinie.
Feld unter Last
Feld bei iq = 5 A. Die Symmetrie ist dahin, das Eisen steht höher.

Was die eigene Rechnung an messbaren Größen liefert

Das Ergebnis der drei Versuche, über dem Drehwinkel aufgetragen — dieselben Kurven, die am Prüfstand aufgenommen werden. Erst im Reiter „4 · Netzwerkparameter" werden daraus Ld, Lq und die übrigen.

Noch nichts gerechnet.

Die drei Zahlen, die daraus folgen

Aus den Verläufen oben, nicht aus einer Tabelle: Mittelwert, Amplitude der doppelten Welle, Grundwelle. Aus ihnen und nur aus ihnen entstehen im Vergleich Ld und Lq.

Der Arbeitspunkt

Die Drehzahl darf frei bleiben. Eine magnetostatische Rechnung kennt keine Zeit: das Feld hängt von Geometrie, Werkstoff, Magneten und Strömen ab, nicht von der Drehzahl. Sie tritt erst in den Gleichungen auf — als ωel = p·2πn/60 in der induzierten Spannung ωelΨPM und in den Kreuzgliedern. Deshalb muss beim Verstellen der Drehzahl nichts neu gerechnet werden, beim Verstellen der Ströme dagegen schon.

Zwei Grenzen dieser Aussage: Wirbelströme im Blech und in massiven Teilen verdrängen bei hoher Frequenz das Feld und senken die wirksamen Induktivitäten — das kennt ein magnetostatisches Modell nicht. Und die Erwärmung im Betrieb schwächt die Magnete und erhöht den Strangwiderstand; beides ist hier nicht enthalten. Für die Bestimmung der Ersatzgrößen aus dem Feld ist das ohne Belang, für eine Vorhersage bei hoher Drehzahl nicht.

Drei Wege zu denselben Zahlen

Der maßgebliche Weg führt über die Stranggrößen L₀, M₀, L₂ und die Leerlaufspannung — und zwar aus einem Grund, der nichts mit Genauigkeit zu tun hat: nur er lässt sich am Motor nachmessen. Daneben stehen zwei Gegenproben. Die eine rechnet dieselben Größen unmittelbar aus dem Feld, als Sekante beziehungsweise Steigung der Flussverkettung; sie prüft die Simulation gegen sich selbst und muss auf Bruchteile eines Prozents treffen. Die andere sind die Zahlen aus dem Messblatt; deren Abstand ist keine Rechenprobe mehr, sondern die Aussage des Versuchs.

Umschalten geht jederzeit und in beide Richtungen, solange beide Datensätze vorliegen — oben in der Kopfzeile unter „Quelle" oder mit diesen beiden Knöpfen. Was gerade gilt, steht im Kettenstreifen über dieser Seite.

Der Parametersatz für die Differentialgleichung

Darauf läuft alles hinaus. Die Spannungsgleichungen im Rotorsystem brauchen genau diese Größen; steht eine davon nicht, ist die Gleichung nicht rechenbar. R folgt aus keiner Feldrechnung — ein magnetostatisches Modell kennt keinen Widerstand.

Die Gleichungen

Erst allgemein, dann mit den Zahlen dieses Arbeitspunktes. Die Stromableitungen bleiben als Symbol stehen, weil sie vom Betrieb abhängen; alles andere ist eingesetzt.

Allgemein

Mit den Zahlen dieses Arbeitspunktes

Im eingeschwungenen Zustand

Konstante Ströme, also di/dt = 0. Das ist der Zustand, den man am Prüfstand einstellt und unmittelbar nachmessen kann.

Das Messblatt: messen, eintragen, sofort rechnen

Sechs Schritte am Motor. Jeder sagt, was einzustellen und was zu messen ist; eingetragen werden Ausschläge — Spannungen, Ströme, Phasenwinkel, Winkel. Beim Öffnen ist jedes Feld leer.

    

wie das Blatt zu lesen ist — Ausschläge, Maße, Sichern, die Probe

Jeder Schritt nennt sein Ziel — welche Größe er liefert und wozu sie gebraucht wird —, dann die Handgriffe, dann die Felder für das, was das Gerät anzeigt. Sobald ein Schritt vollständig ausgefüllt ist, rechnet die Seite ihn aus und sagt, ob die Werte zueinander passen.

Jeder Schritt sagt außerdem, was eingeprägt und was gemessen wird. Der Rahmen ist eng: einstellen lassen sich der Rotorwinkel, die Drehzahl, die Frequenz und ein eingeprägter Strom — messen lassen sich Strom, Spannung, der Phasenwinkel zwischen beiden, ein Winkel und die Temperatur. Mehr gibt eine Maschine nicht her. id und iq sind an keiner Klemme einstellbar, eine Induktivität zeigt kein Gerät an, und selbst der Strangwiderstand ist kein Messwert, sondern der Quotient aus eingeprägtem Strom und gemessener Spannung. Alles Weitere entsteht in der Auswertung, und zwar sichtbar.

Wo Wechselgrößen einzutragen sind, ist ausdrücklich zu wählen, ob es Scheitel- oder Effektivwerte sind; die blassen Zahlen in den leeren Feldern zeigen dann, was das Gerät in diesem Maß anzeigen müsste.

Nichts ist vorbelegt und nichts gespeichert — die blassen Zahlen mit vorangestelltem ≈ sind keine Eingaben, sondern die Erwartung aus der Feldrechnung. Was Sie eintragen, lässt sich mit „Eintragungen sichern" festhalten; nach einem Neustart sind die Felder wieder leer, und „gesicherte Eintragungen laden" holt sie auf Knopfdruck zurück.

Der Knopf „Werte aus der Simulation übernehmen" füllt das Blatt mit dem, was das Messgerät nach der Feldrechnung anzeigen müsste. Er ist zweierlei: eine Anschauung, wie das Blatt auszufüllen ist — und die Probe auf das Verfahren. Trägt man die vorhergesagten Ausschläge ein und lässt die Auswertung darüberlaufen, müssen die Ausgangsgrößen Ziffer für Ziffer zurückkommen. Weicht eine ab, steckt der Fehler in der Auswertung und nicht im Motor.

Wie genau muss gemessen werden?

Die Umrechnung von den Klemmengrößen auf die Modellgrößen ist linear, die Fehlerfortpflanzung deshalb exakt angebbar. Bemerkenswert ist die letzte Zeile: L2 darf für Ld grob sein, für den Unterschied der beiden Achsen aber nicht — und dieser Unterschied trägt das Reluktanzmoment.

Messwerte statt Rechenwerte

Die Seite rechnet mit den simulierten Werten, bis eine Messung geladen wird. Beide haben dasselbe Format; die Messung ersetzt die Rechnung dann eins zu eins, und alle Zahlen und Gleichungen oben stellen sich um.

Die Messvorschrift

Dasselbe Kapitel wie im Manuskript, hier an eigener Stelle, weil es beim Messen gebraucht wird: für jeden Schritt, was einzustellen ist, welchen Ausschlag das Gerät zeigen muss, wie fein es auflösen muss und woran man merkt, dass etwas nicht stimmt. Das Messblatt oben führt durch dieselben Schritte — dieser Text ist die ausführliche Begründung dazu.

die vollständige Messvorschrift lesen

Die Messvorschrift

Das vorige Kapitel hat erklärt, warum welche Messung welche Größe liefert. Dieses ist die Vorschrift zum Abarbeiten: was aufzubauen ist, was einzustellen, was aufzuzeichnen und was daraus zu rechnen ist. Wer sie der Reihe nach durchgeht, hat am Ende dieselben sechs Zahlen, die auch die Feldrechnung liefert, und kann beide gegeneinander halten.

Die sechs Schritte. Die Reihenfolge ist nicht beliebig.

Was vorher bereitstehen muss

Gerät Anforderung wofür
Vierleiter-Ohmmeter Auflösung 1 mΩ Schritt 1
Antrieb mit Drehzahlregelung Drehzahl auf 0,5 % genau und ablesbar Schritt 2
Drehgeber oder Teilscheibe 0,5° mechanisch ablesbar Schritte 2 bis 5
Zweikanal-Oszilloskop Abtastung ≥ 100-fach der Messfrequenz Schritte 2 bis 5
Stromquelle, gleich- und wechselanteilig bis 5 A, Wechselanteil 20 Hz bis 2 kHz Schritte 3 bis 5
Stromzange oder Nebenwiderstand 1 % Genauigkeit, Phasenfehler unter 1° Schritte 3 bis 5
Temperaturfühler an der Wicklung 1 K alle Schritte

Die Maschine muss im Stern geschaltet sein und der Sternpunkt zugänglich. Ist er es nicht, sind alle Messungen zwischen zwei Klemmen zu führen; sämtliche Spannungen sind dann doppelt so groß, und das ist beim Auswerten zu beachten.

Der Winkel: worauf sich alles bezieht

Der Winkel wird elektrisch gezählt, von der Achse des Stranges 1 zur d-Achse des Rotors.

Alle folgenden Zahlen beziehen sich auf diesen Nullpunkt. Bei drei Polpaaren entspricht eine elektrische Periode 120° mechanisch; ein mechanisches Grad ist also drei elektrische. Die Genauigkeit der Winkelstellung geht quadratisch in den Fehler ein — die Tabelle im Kapitel „Wie genau muss gemessen werden?” gibt die Zahlen.

Schritt 1: Strangwiderstand

Aufbau Vierleitrig zwischen Klemme 1 und Sternpunkt, Maschine kalt und in Ruhe
Einstellen Messstrom höchstens 0,1 A, sonst erwärmt die Messung selbst
Aufzeichnen R1R_1, R2R_2, R3R_3 und die Wicklungstemperatur
Auflösen 1 mΩ
Muss stimmen die drei Werte höchstens 1 % auseinander
Sonst Kontaktfehler oder beschädigte Wicklung — nicht weitermessen

Ohne diesen Wert lässt sich in keinem späteren Schritt der ohmsche Anteil herausrechnen. Weil RR mit der Temperatur um etwa 0,4 % je Kelvin wandert, wird die Temperatur bei jeder späteren Messung mitnotiert.

Schritt 2: Leerlauf — ΨPM\Psi_\mathrm{PM} und die d-Achse

Aufbau Klemmen offen, Rotor angetrieben, Drehgeber mitlaufend
Einstellen 1000 min⁻¹, das sind 50 Hz elektrisch; die Drehzahl muss auf 0,5 % genau bekannt sein
Am Oszilloskop erwartet Scheitelwert 78,9 V je Strang, Effektivwert 62,3 V
Nach der Fourieranalyse erwartet Grundwelle 86,1 V
Auflösen 0,86 V für 1 % in ΨPM\Psi_\mathrm{PM}
Aufzeichnen alle drei Strangspannungen gegen den Sternpunkt, mindestens zwei volle Umdrehungen, dazu die Winkelmarke
Muss stimmen die drei Grundwellen gleich groß auf 1 %, Abstand 120° elektrisch auf 1° genau

Hier liegt die erste Falle der ganzen Vorschrift. Die Kurve ist nicht sinusförmig — der Klirrfaktor beträgt 21 Prozent, mit den Oberwellen 5. 17,5 %, 7. 10,4 %, 11. 4,6 %, 13. 2,6 %. Deshalb sind Scheitelwert und Grundwelle verschieden: das Gerät zeigt 78,9 V, die Grundwelle beträgt aber 86,1 V. Nur die Grundwelle gibt ΨPM\Psi_\mathrm{PM}. Wer den abgelesenen Scheitelwert einsetzt, bekommt 8 Prozent zu wenig — und damit ein um denselben Betrag zu kleines Moment.

Weicht die gemessene Grundwelle um mehr als 5 % von 86,1 V ab, stimmt entweder die angenommene Windungszahl nicht oder die Magnete sind schwächer als im Modell. Beides ist ein Befund und kein Messfehler.

Auswerten. Fourieranalyse jeder Strangspannung über eine elektrische Periode. Aus der Grundwelle folgt

ΨPM(iq=0)=û1ωel=û1pΩmech, \Psi_\mathrm{PM}(i_q = 0) = \frac{\hat u_1}{\omega_\mathrm{el}} = \frac{\hat u_1}{p\,\Omega_\mathrm{mech}} ,

und die d-Achse liegt dort, wo u1u_1 von positiv nach negativ durch null geht. Der Nulldurchgang ist dafür besser als das Maximum: er ist steil und damit gegen Amplitudenfehler unempfindlich.

Schritt 3: Gegenprobe der d-Achse

Aufbau wie Schritt 4, aber ohne Gleichstrom
Einstellen Rotor von Hand, Schrittweite 15° elektrisch, das sind 5° mechanisch
Aufzeichnen die gemessene Induktivität über eine volle elektrische Periode, also 24 Stellungen
Muss stimmen das Minimum liegt bei der Stellung aus Schritt 2, auf 2° mechanisch genau
Sonst Geber verdreht oder Wicklung unsymmetrisch

Bei dieser Maschine ist Lq>LdL_q > L_d; das Minimum markiert deshalb die d-Achse, nicht das Maximum.

Schritt 4: Der Strangversuch — L0L_0, M0M_0, L2L_2

Das ist der Kern der Vorschrift: aus diesen drei Zahlen folgen LdL_d und LqL_q vollständig.

Klemme 2 und 3 verbunden, gespeist wird zwischen dieser Verbindung und Klemme 1. Der zweite Spannungskanal liegt zwischen den Klemmen 2 und 3.
Aufbau Rotor festgesetzt, Winkel ablesbar; Speisung nach dem Bild; Kanal 1 an u1−uNu_1 - u_N, Kanal 2 an u2−u3u_2 - u_3, Stromzange am Zuleiter zu Klemme 1
Einstellen 50 mA Wechselstrom ohne Gleichanteil, 50 Hz
Erwartet auf Kanal 1 722 mV Scheitel
Erwartet auf Kanal 2 höchstens 61 mV, also 12-mal kleiner; bei d-Achse genau auf Strang 1 wird er null
Auflösen 7,2 mV für 1 % in L0L_0; 0,61 mV für 1 % in L2L_2
Aufzeichnen Strom und beide Spannungen, Schrittweite höchstens 5° elektrisch, eine volle elektrische Periode, also 24 Stellungen
Muss stimmen Phasenwinkel zwischen Strom und Spannung nahe 86°; der ohmsche Anteil beträgt bei R=1R = 1 Ω nur 50 mV

Die letzte Zeile ist der praktische Kern: der gesuchte Anteil liegt fast rechtwinklig zum ohmschen, deshalb muss phasenrichtig gemessen werden. Ein Betragsmessgerät genügt nicht.

Der zweite Kanal ist der schwierige. Mit 50 mA bekommt man dort nur 61 mV, und für 1 % in L2L_2 wären 0,61 mV aufzulösen. Der Ausweg ist einfach: die Spannung wächst mit dem Strom. Bei 0,5 A statt 50 mA sind es 608 mV und entsprechend 6,1 mV Auflösung. Man nehme also den größten Wechselstrom, bei dem sich das Ergebnis beim Verdoppeln der Amplitude noch nicht ändert.

Auswerten. Je Stellung die Grundwellen von Strom und beiden Spannungen herausziehen, daraus

L11(ϑ)=Im(u_1−u_N)ωi_1,M21−M31=Im(u_2−u_3)ωi_1. L_{11}(\vartheta) = \frac{\operatorname{Im}\left(\underline u_1 - \underline u_N\right)} {\omega\,\underline i_1} , \qquad M_{21} - M_{31} = \frac{\operatorname{Im}\left(\underline u_2 - \underline u_3\right)} {\omega\,\underline i_1} .

Dann Fourieranalyse über den Winkel: der Mittelwert von L11L_{11} ist L0L_0, die Amplitude der doppelten Welle ist L2L_2, und aus der Differenz der beiden Koppelinduktivitäten folgt L2L_2 ein zweites Mal — beide müssen übereinstimmen. M0M_0 bekommt man, indem statt der Differenz die Spannung eines einzelnen der beiden Stränge gegen den Sternpunkt aufgezeichnet wird.

Muss stimmen.

  • L11(ϑ)L_{11}(\vartheta) ist mit einer einzigen doppelten Welle darstellbar; bleibt mehr als 1 % Rest, ist die Nutung nicht vernachlässigbar.
  • M21M_{21} und M31M_{31} haben denselben Mittelwert und liegen 120° elektrisch auseinander.
  • Das Nullsystem L0+2M0L_0 + 2M_0 ist klein gegen L0L_0 — bei dieser Maschine 4,2 %.

Schritt 5: Über dem Arbeitspunkt — lddl_{dd}, lqql_{qq}, ldql_{dq}

Aufbau wie Schritt 4, zusätzlich Gleichstrom für den Arbeitspunkt
Einstellen idi_d von −3 bis 0 A, iqi_q von 1 bis 5 A, in Schritten von 1 A; Wechselanteil 1 bis 5 % davon
Erwartete Änderung lqql_{qq} fällt von 71,212 mH bei iq=1i_q = 1 A auf 64,118 mH bei iq=5i_q = 5 A, also um 10 %
Erwartetes Kreuzglied zwischen −1,501 und 1,073 mH, Vorzeichenwechsel mit idi_d
Aufzeichnen je Arbeitspunkt Strom und beide Spannungen, dazu Temperatur
Muss stimmen ldq=lqdl_{dq} = l_{qd} aus den beiden Drehstellungen, Abweichung unter 5 %

Dass lqql_{qq} über dem Strom sichtbar fällt, ist die eigentliche Probe darauf, dass die Maschine wirklich sättigt und die Messung das auch sieht. Bleibt lqql_{qq} konstant, war der Gleichstrom zu klein oder die Vormagnetisierung erreicht die Wicklung nicht.

Auswerten.

ldd(id,iq)=Im(u_d/i_d)ω,lqd=Im(u_q/i_d)ω, l_{dd}(i_d,i_q) = \frac{\operatorname{Im}\left(\underline u_d/\underline i_d\right)}{\omega}, \qquad l_{qd} = \frac{\operatorname{Im}\left(\underline u_q/\underline i_d\right)}{\omega},

und nach dem Weiterdrehen um 90° elektrisch ebenso lqql_{qq} und ldql_{dq}.

Muss stimmen. ldql_{dq} und lqdl_{qd} stammen aus zwei verschiedenen Drehstellungen und müssen trotzdem übereinstimmen. Das ist die schärfste Probe auf den Aufbau: die Gleichheit folgt aus der Energieerhaltung und kann durch keinen Messfehler zustande kommen.

Fallstricke. Wirbelströme drücken die gemessene Induktivität mit steigender Frequenz: bei 20 Hz, 50 Hz, 200 Hz, 1 kHz und 2 kHz messen und zur niedrigen Frequenz hin extrapolieren. Zu große Wechselamplitude mittelt über die Krümmung und liefert wieder eine Sehne statt einer Tangente: Amplitude verdoppeln, und wenn sich das Ergebnis um mehr als 1 % ändert, war sie zu groß. Erwärmung verschiebt RR und die Magnete: kurz messen, Temperatur mitschreiben.

Schritt 6: Die absoluten Induktivitäten

Sie sind aus keiner Wechselstrommessung zu gewinnen; die beiden Wege dazu stehen im vorigen Kapitel unter „Versuch 2”. Weg A integriert die Spannung bei stehendem Rotor, Weg B misst stationär bei drehendem Rotor. Weg B ist der robustere, wenn ein Prüfstand zur Verfügung steht.

Schritt 7: Abgleich

Die gemessenen Werte in die Vorlage eintragen, die die Seite PMSM_Rechner_2.7.html ausgibt, und dort laden. Die Seite rechnet damit dieselben Gleichungen wie mit den simulierten Werten. Was dann noch auseinanderliegt, sagt etwas über das Modell — vor allem über den Wickelkopf, den das ebene Modell nicht kennt, und über die Eisenkennlinie im gesättigten Teil.

Das Messblatt in der Seite

Der eben beschriebene Weg über eine Datei hat einen Haken, und er ist nicht klein. Die Vorlage verlangt L0L_0, M0M_0, L2L_2 und ΨPM\Psi_\mathrm{PM} — also Größen, die jemand vorher aus den Ausschlägen ausgerechnet haben muss. Genau diese Umrechnung ist aber der Teil, bei dem sich ein Fehler am leichtesten einnistet und am schwersten auffällt: sie steht in keinem Protokoll, sie geschieht nebenbei, und ihr Ergebnis sieht immer plausibel aus.

Der Reiter „3b · Messblatt” nimmt deshalb das entgegen, was am Prüfstand wirklich anfällt, und rechnet selbst.

Was eingeprägt wird und was gemessen wird

Jeder Schritt des Blattes sagt beides ausdrücklich, und zwar getrennt. Das ist keine Förmlichkeit, sondern die Bedingung dafür, dass die Vorschrift überhaupt ausführbar ist:

  • idi_d und iqi_q lassen sich an keiner Klemme einstellen. Eingeprägt werden Strangströme; erst die Transformation mit dem Rotorwinkel macht daraus idi_d und iqi_q. Das Blatt verlangt deshalb in Schritt 5 die drei Stranggleichströme und rechnet die beiden Komponenten selbst aus — und prüft dabei gleich, ob ihre Summe null ist, denn ein Nullstrom über den Sternpunkt gehört nicht in diesen Versuch.
  • Eine Induktivität zeigt kein Gerät an. Gemessen werden Betrag und Phasenwinkel von Spannung und Strom; die Induktivität ist das Ergebnis einer Rechnung, in die die Frequenz eingeht.
  • Die Richtung der Anregung wird ebenfalls über die Stränge vorgegeben. Für die d-Achse ist ı̂1:ı̂2:ı̂3=1:−12:−12\hat\imath_1 : \hat\imath_2 : \hat\imath_3 = 1 : -\tfrac12 : -\tfrac12, für die q-Achse 0:−32:+320 : -\tfrac{\sqrt3}{2} : +\tfrac{\sqrt3}{2}. Das Blatt rechnet aus den eingetragenen Strangströmen zurück, wie weit die Anregung tatsächlich in ihrer Achse liegt, und meldet eine Schieflage über zwei Prozent: dann mischen sich lddl_{dd} und ldql_{dq}.
  • In Schritt 6, dem stationären Betrieb, wird eingeprägt, was ein Stromrichter als Sollwert bekommt: Betrag und Winkel des Stromzeigers zur d-Achse. Gemessen wird der Spannungszeiger nach Betrag und Winkel.

Zwei Messungen sind lageabhängig

Die Leerlaufspannung und der Strangversuch hängen vom Rotorwinkel ab. Ein einzelner Wert taugt dort nicht; beide stehen deshalb als Tafel über dem Winkel, eine volle elektrische Periode lang. Eingetragen werden bei der Leerlaufspannung die Augenblickswerte der drei Strangspannungen — weder Effektiv- noch Scheitelwert, sondern die Kurve selbst —, beim Strangversuch je Stellung Betrag und Phase der drei Spannungen.

Aus den Tafeln folgen die Kennwerte durch Fourieranalyse über den Winkel, mit denselben Formeln, die die Kette auf die gerechneten Verläufe anwendet: der Mittelwert von L11L_{11} ist L0L_0, der Mittelwert von M21M_{21} und M31M_{31} ist M0M_0, die Amplitude der doppelten Welle ist L2L_2 — dreimal unabhängig bestimmt —, und der Rest, den dieser Ansatz nicht trifft, wird mit ausgewiesen. Beim Leerlauf ergeben sich Grundwelle, Oberwellen und Klirrfaktor auf demselben Weg.

Wie fein die Tafeln aufgenommen werden, ist wählbar, und was eine gröbere Aufnahme kostet, rechnet die Probe nach:

Stellungen je Periode L0L_0 L2L_2 ΨPM\Psi_\mathrm{PM}
60 (Gitter der Feldrechnung) exakt exakt exakt
24 (Zahl aus der Vorschrift) 0,005 % 0,31 % 0,53 %
12 0,003 % 0,33 % 2,7 %
6 0,08 % 2,7 % 5,0 %

L0L_0 und M0M_0 sind Mittelwerte und deshalb gutmütig. Empfindlich ist ΨPM\Psi_\mathrm{PM}, weil die Leerlaufspannung oberwellenreich ist: zu wenige Stützstellen falten die Oberwellen in die Grundwelle.

Scheitelwert oder Effektivwert

Wer an einem Effektivwertmessgerät sitzt, trägt Effektivwerte ein; wer am Oszilloskop sitzt, Scheitelwerte. Das Blatt fragt danach, statt es anzunehmen. Für die Induktivität ist die Wahl gleichgültig, solange Spannung und Strom im selben Maß stehen — der Faktor 2\sqrt2 kürzt sich im Quotienten heraus. Gefährlich ist der gemischte Fall: Spannung vom Effektivwertmessgerät, Strom als Scheitelwert von der Stromzange. Dann liegt LL um 41 Prozent daneben, und nichts am Ergebnis zeigt es an. Deshalb steht die Frage im Blatt, und deshalb folgt auch die Vorhersage der Wahl: wer auf Effektivwerte stellt, sieht in den Feldern, was ein Effektivwertmessgerät anzeigen würde.

Das leere Feld sagt, was zu erwarten ist

In jedem Eingabefeld steht blass der Wert, den die Feldrechnung vorhersagt — keine Eingabe, sondern eine Erwartung. Wer misst, erkennt den Fehlgriff damit sofort und nicht erst beim Auswerten. Es ist dieselbe Regel, die für gesperrte Knöpfe gilt: ein Feld muss sagen, was es will.

Die Probe auf das Verfahren

Ein Knopf des Blattes heißt „Werte aus der Simulation übernehmen”. Er trägt ein, was das Messgerät nach der Feldrechnung in jedem Schritt anzeigen müsste — bei den Tafeln aus den vollen Verläufen samt Oberwellen, nicht aus einer angenommenen Sinusform.

Läuft die Auswertung über genau diese vorhergesagten Ausschläge, muss sie die Größen zurückgeben, aus denen sie entstanden sind — Ziffer für Ziffer. Vorhersage und Auswertung sind dieselbe Rechnung, von zwei Seiten gelesen; ein Fehler in einer der beiden Richtungen trennt sie sofort. Diese Probe braucht weder Motor noch Messgerät, sie läuft bei jedem Bau mit (rechnung/pruefe_messblatt.js), und sie umfasst alle elf Größen: ΨPM\Psi_\mathrm{PM}, L0L_0, M0M_0, L2L_2, LdL_d und LqL_q aus dem Strangversuch, lddl_{dd}, lqql_{qq}, ldql_{dq} aus dem Arbeitspunkt und beide Sekanten aus dem stationären Betrieb.

Was die Probe nicht leistet, sei ausdrücklich gesagt: sie prüft die Auswertung, nicht die Physik. Ob sich die Maschine so verhält, entscheidet allein die Messung am Motor.

Drei Dinge, die das Blatt beim Bauen ans Licht gebracht hat

Die Sekante LdL_d bezieht sich nicht auf den Leerlaufwert. Nach der Definition aus Glied 5 ist Ld=(Ψd−ΨPM(iq))/idL_d = (\Psi_d - \Psi_\mathrm{PM}(i_q))/i_d, und ΨPM(iq)=Ψd(0,iq)\Psi_\mathrm{PM}(i_q) = \Psi_d(0, i_q) ist wegen der Kreuzsättigung nicht dasselbe wie ΨPM\Psi_\mathrm{PM} aus dem Leerlauf. Bei dieser Maschine liegt der Wert bei iq=4i_q = 4 A knapp ein Prozent darunter. Setzt man den Leerlaufwert ein, kommt LdL_d um zwei Prozent falsch heraus — ein Fehler, den man dem Ergebnis nicht ansieht. Deshalb verlangt Schritt 6 einen zweiten Betriebspunkt mit id=0i_d = 0 bei unverändertem iqi_q. Aufgefallen ist das nicht beim Nachdenken, sondern weil die Probe anschlug: zehn Größen kamen exakt zurück und eine nicht.

Der Differenzenquotient verfehlt ΨPM\Psi_\mathrm{PM} um 0,2 Prozent. Die Leerlaufspannung ist die abgeleitete Flussverkettung. Leitet man die gespeicherte Kurve mit dem zentralen Differenzenquotienten über Zwei-Grad-Schritte ab, ist die Grundwelle um 0,18 Prozent zu klein — und genau um diesen Betrag käme ΨPM\Psi_\mathrm{PM} aus der zurückgerechneten Spannung falsch heraus. Der Verlauf ist über eine Periode geschlossen und damit durch seine Fourierreihe darstellbar; die Ableitung einer Reihe ist wieder eine Reihe. Seither wird spektral abgeleitet, und der Fehler ist keiner mehr.

Die Laufleiste stand dauerhaft im Bild. Sie trug das Attribut hidden, und eine Prüfung, die hidden abfragte, bestand. Sichtbar war sie trotzdem, weil die Regel display:flex das Attribut sticht. Gesetzt ist nicht dasselbe wie sichtbar — geprüft wird seither die Sichtbarkeit.

Ein eigenes Modell rechnen

Die Seite rechnet jede Maschine, deren Geometrie im selben Format vorliegt. Sie entsteht aus einer FEMM-Modelldatei mit einem Aufruf:

python3 packe_modell.py --geometrie meinmodell.fem meinname

Übergeben wird ausdrücklich kein fertiges Netz. Ein Netz gilt für genau eine Rotorstellung; die Geometrie gilt für alle, und nur deshalb kann sich der Rotor drehen. Vernetzt wird im Browser bei jeder Stellung neu. Für das Modell dieser Seite sind das 36 kB statt 1,84 MB.

Das eingebaute Beispiel ist genau so eine Datei — herunterladen, ansehen, ändern, wieder laden. Beim Start wird sie geladen wie jede andere auch; eine eigene Maschine kommt auf demselben Weg herein.

Was das Paket enthalten muss

Was in dieser Datei rechnet — und dass es unverändert ist

Geprüfte Bausteine werden eingefroren: ihre Prüfsummen stehen im Projekt und werden bei jedem Bau verglichen. Weicht eine ab, bricht der Bau ab. Damit lässt sich belegen, welcher Löser und welcher Vernetzer in dieser Datei stecken.

Steht das Modell, folgt daraus die Feldrechnung.

Die Feldrechnung in FEMM

Damit die Zahlen nachvollziehbar bleiben, steht hier, wie sie entstanden sind: das Modell, das Rechenverfahren und das Lua-Skript, mit dem FEMM gesteuert wird. Wer das Modell selbst aufbaut, findet darin die vollständige Vorschrift.

Lua-Skript ansehen

Preprozess: aus einer Zeichnung ein Modell machen

 Erkennt die Gebiete der Zeichnung — das kostet einen Vernetzungslauf und geschieht deshalb erst auf Knopfdruck.

Woran dieses Programm gemessen wird

Eine Seite, die von einer nachprüfbaren Kette spricht, muss sagen, woran sie sich messen lässt — und zwar so, dass ein anderer die Prüfung wiederholen kann. Der folgende Plan ist vor dem Prüfen geschrieben und nicht danach: Kriterien, die man sich nach dem Ergebnis ausdenkt, bestehen immer. Er steht auch als eigenes Blatt PRUEFPLAN.md neben dem Programm; diese Seite liest es beim Bauen ein, damit es nicht zwei Fassungen gibt.

Zuletzt gemessen

KriteriumPrüfungzuletzt gemessen
B5, F35 Netz- und Stellungseinstellungen gegen FEMMVoreinstellung 1,80 %, schlechteste 2,02 %
C1Flussverkettungen Stellung für Stellung gegen FEMM0,89 % von ΨPM
C3L11, M21, M31 Stellung für Stellung gegen FEMM1,43 % von L0
D2Ld und Lq über die Stranggrößen gegen FEMM−1,03 % und −1,36 %
C49 Arbeitspunkte mit unabhängigem id und iq gegen FEMMschlechteste 2,48 %
C5Gegenseitigkeit ldq = lqd über alle Arbeitspunktehöchstens 0,005 mH Unterschied

Diese Zahlen stammen aus den Ergebnisdateien des letzten Prüflaufs, nicht aus dem Text. Fehlt eine Datei, fehlt auch die Zeile.

Prof. Dr.-Ing. Ralph Wystup M.Sc. — erstellt mit KI und Agent (Claude Code, Anthropic)

Fassung 2.7 · 28. September 2026

Dieses Blatt sagt, woran das Programm gemessen wird. Es ist bewusst vor dem Prüfen geschrieben und nicht danach: Kriterien, die man sich nach dem Ergebnis ausdenkt, bestehen immer.

Jedes Kriterium hat eine Nummer, eine Schranke und ein Prüfmittel. Ein Kriterium ohne Prüfmittel ist eine Absichtserklärung und wird als solche gekennzeichnet — lieber eine ehrliche Lücke als ein grüner Haken ohne Deckung.

Ein Grundsatz durchzieht alles: geprüft wird gegen etwas Unabhängiges. Eine Rechnung, die mit sich selbst verglichen wird, besteht jede Prüfung. Unabhängig sind hier: FEMM (fremder Löser), geschlossene Formeln (Park, Reziprozität, Überlagerung), und das, was auf dem Bildschirm steht (gegen das, was intern gerechnet wurde).


A · Das Modell am Eingang

Nr. Kriterium Schranke Prüfmittel
A1 Die Geometriedatei ist vollständig und für sich lesbar: Punkte, Strecken, Bögen, Blockmarken, Werkstoffe, Windungszahlen; jeder Bogen hat gültige Endpunkte und Winkel, jede Blockmarke einen vorhandenen Werkstoff. alle 191 Punkte, 120 Strecken, 113 Bögen, 50 Marken vorhanden pruefe_netz.js
A2 Die Seite lädt die Geometrie beim Start aus der Datei und nicht aus eingebauten Zahlen; eine andere Datei ist ladbar. Ladeweg vorhanden, eine unbrauchbare Datei lässt die geladene unberührt pruefe_anzeige.js
A3 Die Eisenkennlinie ist monoton und differenzierbar; µ_r fällt mit B, wird nie negativ. B(H) streng monoton, differentielles µ_r überall positiv, Sättigung erfasst pruefe_netz.js
A4 Das Netz ist gültig: kein Dreieck mit Fläche null oder negativer Orientierung, Summe der Dreiecksflächen = Modellfläche. Abweichung < 0,01 % pruefe_netz.js
A5 Bei der Drehung drehen drei Dinge mit: die Rotorgeometrie, die Magnetisierungsrichtung der Magnete und die Strangströme. ΨPM\Psi_\mathrm{PM} über eine Periode konstant auf < 2 % pruefe_drehung.js
A6 Die Strangströme bilden über eine elektrische Umdrehung ein sauberes Drehstromsystem: reine Sinusform ohne Oberwelle und Gleichanteil, gleiche Amplitude √(idi_d²+iqi_q²), genau ∓120° Versatz, Summe null. Eine elektrische Umdrehung sind bei p = 3 genau 120° mechanisch. < 1e-9 A, Versatz auf 1e-6 Grad pruefe_stroeme.js
A7 Der Arbeitspunkt steht im rotorfesten System still. idi_d und iqi_q sind dort vorgegeben und bleiben konstant; was sich dreht, ist das Koordinatensystem. An jeder gerechneten Stellung muss die Rücktransformation wieder genau dieselben idi_d und iqi_q liefern — sonst wanderte der Arbeitspunkt während der Drehung, jede Stellung gehörte zu einem anderen Sättigungszustand, und das Mittel wäre über Ungleiches gebildet. < 1e-12 A an jeder Stellung pruefe_stroeme.js

B · Der Feldlöser für sich

Nr. Kriterium Schranke Prüfmittel
B1 Newton konvergiert; das Residuum fällt monoton und erreicht die Schranke. Restfehler < 1e-7, ≤ 14 Schritte, Schritt fällt monoton pruefe_loeser_gesetze.js
B2 Der lineare Fall stimmt mit FEMMs eigenem linearem Lauf überein — dasselbe Modell, aber ein künstlicher Werkstoff mit festem µ_r = 3678 statt der Kennlinie. Dort gibt es keine Kennlinieninterpolation, an der sich zwei Löser unterscheiden könnten; was bleibt, ist die Vernetzung allein. < 1 % auf Ψ₁, Ψ₂, Ψ₃ pruefe_loeser_gesetze.js gegen pruef_linear.txt
B3 Überlagerung bei linearem Eisen: ψ(iai_a + ibi_b) = ψ(iai_a) + ψ(ibi_b). Das ist eine Eigenschaft der Gleichung, keine Anpassung — verletzt sie der Löser, ist er falsch, egal was FEMM sagt. < 0,1 % von ΨPM\Psi_\mathrm{PM} pruefe_loeser_gesetze.js
B4 Reziprozität: die Gegeninduktivität ist symmetrisch, M₂₁ = M₁₂, gemessen durch Bestromen des jeweils anderen Stranges. < 0,5 % von L₀ pruefe_loeser_gesetze.js
B5 Die Lösung läuft mit feinerem Netz monoton auf einen Grenzwert zu, nicht sprunghaft. Monotonie über drei Netzstufen pruefe_einstellungen.js

C · Die messbaren Größen

Diese Größen sind der Angelpunkt der ganzen Kette: sie sind am gebauten Motor elektrisch zugänglich, und nur deshalb kann eine Messung später an die Stelle der Rechnung treten.

Nr. Kriterium Schranke Prüfmittel
C1 Leerlauf: Ψ₁, Ψ₂, Ψ₃ Stellung für Stellung gegen FEMM — nicht nur im Mittel. < 2 % von ΨPM\Psi_\mathrm{PM} pruefe_drehung.js
C2 Leerlauf: ΨPM\Psi_\mathrm{PM} aus der Grundwelle und die Welligkeit von $\ps$i_d$$. | < 2 % bzw. < 5 % | `pruefe_drehung.js` | | C3 | Strangversuch: L₁₁, M₂₁, M₃₁ Stellung für Stellung. | < 2 % von L₀ | `pruefe_drehung.js` | | C4 | Arbeitspunkt: $\ps$i_d$$ und $\ps$i_q$$ bei unabhängig verstelltem idi_d und iqi_q, nicht nur auf der Geraden iqi_q = −idi_d. < 2,5 % von ΨPM\Psi_\mathrm{PM} pruefe_punkte.js gegen eigenen FEMM-Lauf
C5 Gegenseitigkeit im Arbeitspunkt: ldql_{dq} = lqdl_{qd}. < 2 µH pruefe_punkte.js, pruefe_drehung.js

D · Von den messbaren Größen zu den Kennwerten

Nr. Kriterium Schranke Prüfmittel
D1 Park hin und zurück ist verlustfrei. < 1e-12 relativ pruefe_stroeme.js
D2 Der Weg über die Stranggrößen und der direkte Weg aus dem Feld liefern dieselben LdL_d, LqL_q. < 1 % pruefe_drehung.js
D3 Der Ansatz selbst stimmt: $\ps$i_d$$ = $\Psi_\mathrm{PM}$ + $L_d$ $i_d$ und $\ps$i_q$$ = LqL_q iqi_q treffen die gerechneten Punkte. < 0,5 % von ΨPM\Psi_\mathrm{PM} pruefe_drehung.js
D4 Die Rückrechnung führt keine Zahl auf sich selbst zurück: die Kennwerte stammen aus drei getrennten Versuchen. Herkunft jeder Zahl benannt rueckrechnung.py
D5 Die Stellungszahl darf kein Vielfaches von 6 sein, sonst fällt die 6. Harmonische auf den Mittelwert. die Seite bietet nur 5, 10, 20 an; die Prüfskripte brechen sonst ab pruefe_anzeige.js

E · Die Seite als Werkzeug

Nr. Kriterium Schranke Prüfmittel
E1 Die Seite lädt ohne Ausnahme; jeder Reiter ist gefüllt, kein leerer Abschnitt. 0 Ausnahmen, 0 leere Abschnitte pruefe_seite.js
E2 Während der Rechnung ist sichtbar, dass gerechnet wird: bewegtes Element, Zähler, Restzeit. alle drei vorhanden und veränderlich, Balken nie über 100 % pruefe_anzeige.js
E3 Vor einer neuen Rechnung sind alle Felder leer; gefüllt wird erst nach vollständigem Durchlauf. nichts Halbes sichtbar pruefe_seite.js
E4 Ein abgebrochener Lauf hinterlässt nichts. Felder wieder leer pruefe_seite.js
E5 Wird eine Einstellung geändert, werden vorhandene eigene Ergebnisse verworfen und der Grund genannt. Quelle fällt zurück, Meldung sichtbar pruefe_seite.js
E6 Der geführte Lauf führt über alle Stufen bis zum Ende; „weiter” greift nach jeder Stufe und ist während der Rechnung gesperrt. alle 7 Stufen pruefe_seite.js
E7 Es wird nie gemischt. Steht die Quelle auf „eigen”, hängt keine angezeigte Zahl mehr an den gespeicherten Werten. keine Änderung, wenn die gespeicherten Zahlen zerstört werden pruefe_kein_mischen.js
E8 Die angezeigten Gleichungen rechnen mit den Zahlen, die darüber in der Tafel stehen — bei idi_d = 0 und bei idi_d ≠ 0, sonst bleibt der Reluktanzterm ungeprüft. < 0,02 V bzw. < 0,002 Nm pruefe_gleichungen.js
E9 Verglichen wird nur Gleiches: die Spalte „gegen FEMM” erscheint nur, wenn beide Seiten dasselbe Eisen haben. Spalte fehlt bei linearem Eisen, erscheint mit Kennlinie wieder pruefe_anzeige.js
E10 Die Induktivitäten in den Gleichungen gehören zu dem Arbeitspunkt, der gerechnet wurde, und die Seite sagt, zu welchem. Stromangabe mit Zahlen sichtbar pruefe_anzeige.js

F · Das Zusammenspiel

Nr. Kriterium Schranke Prüfmittel
F1 Die geprüften Module sind eingefroren; jede Änderung fällt auf. 6 Prüfsummen unverändert friere_ein.py
F2 Die Seite rechnet dasselbe wie dieselben Module unter Node — bei Eisen nach Kennlinie, also so, wie die Seite normalerweise rechnet. < 0,1 % pruefe_anzeige.js
F3 Die Rechnung stimmt mit FEMM nicht nur bei einer Einstellung, sondern über Netzfeinheit, Stellungszahl und Arbeitspunkt hinweg. Voreinstellung < 2 %, sonst < 3 % pruefe_einstellungen.js, pruefe_punkte.js
F4 Jede Zahl im Manuskript und in der Seite stammt aus einer Ergebnisdatei, keine ist von Hand getippt. kein Unterschied pruefe_gleichstand.py, pruefe_html.py
F5 Die ganze Kette läuft in einem Zug durch, von der Geometriedatei bis zu den Motorgleichungen. rechne_alles.sh ohne Beanstandung rechne_alles.sh
F6 Alles liegt doppelt: Arbeitsbereich und Ablageordner auf dem Rechner, dazu ein datiertes Archiv mit Prüfsumme. Verglichen wird Datei für Datei mit Größe, nicht nur die Anzahl. nichts fehlt, keine Größe abweichend nach_pc.py und Gegenzählung mit dateiliste

G · Der Preprozess und der Weg über eine Zeichnung

Neu seit dem 26.09.2026. Hier wird aus einer Zeichnung ein Modell; alles, was dabei schiefgeht, sieht hinterher aus wie ein Rechenergebnis. Deshalb gilt hier besonders: nie stillschweigend weiterrechnen, und jede Meldung nennt die Stelle.

Nr. Kriterium Schranke Prüfmittel
G1 Die Gebiete werden unabhängig von den Blockmarken gefunden — als Zusammenhangskomponenten der Triangulierung, die keine Zwangskante überschreiten. Sonst ließe sich „dieses Gebiet hat noch keine Marke” gar nicht sagen. 50 Gebiete für 50 Marken pruefe_preprozess.js
G2 Jede Blockmarke liegt in einem eigenen Gebiet, und die Punktlage trifft: ein Klick landet in dem Gebiet, das der Vernetzer später als Werkstoffbereich behandelt. 0 Fehltreffer, auch bei gedrehtem Rotor pruefe_preprozess.js
G3 Die Gebietsflächen summieren sich zur Fläche des Rechennetzes — kein Gebiet fehlt, keines zählt doppelt. < 0,5 % pruefe_preprozess.js
G4 Linearität ist eine Werkstoffeigenschaft, kein Schalter. Ein als nichtlinear erklärter Werkstoff ohne B(H)-Tafel wird gemeldet und nicht stillschweigend als lineares Eisen gerechnet. Meldung statt Annahme pruefe_preprozess.js
G5 DXF wird gelesen, ohne dass etwas verschwindet: unbekannte Objektarten werden mit Namen gemeldet, übergangene Objekte einzeln. 0 stillschweigende Verluste pruefe_dxf.js
G6 Die Geometrie kommt unverändert an: Punktzahl, Lage und eingeschlossene Bogenwinkel. < 1 nm bzw. < 1e-9 Grad pruefe_dxf.js
G7 Der Streckenzug wird geprüft, nicht repariert: lose Enden, Kreuzungen, T-Stöße und doppelte Kanten werden mit Ortsangabe gemeldet. jeder Befund mit Koordinate pruefe_dxf.js
G8 Ein Modell ohne Randbedingung wird nicht gerechnet. DXF trägt keine; fehlt sie, liegen alle Kennwerte um rund ein Prozent daneben, ohne dass etwas scheitert. Der Import schlägt den Außenrand vor, und das Fehlen wird gemeldet. Vorschlag trifft die 2 Kanten bei r = 100 mm pruefe_dxf.js
G9 Der Weg über DXF liefert dieselbe Maschine: vernetzen, rechnen, und L_d muss die bekannte Zahl treffen. < 0,1 % pruefe_dxf.js
G10 Die Auflösung des Verfahrens ist bekannt: dieselbe Eingabe liefert bitgenau dasselbe; eine Störung in der letzten Koordinatenstelle 0,0009 %, eine andere Punktreihenfolge 0,012 %. Unterhalb davon sagt kein Vergleich etwas aus. dokumentiert pruefe_dxf.js

H · Was fehlt, und was wörtlich dasteht

Nachgetragen am 26.09.2026 auf zwei Rückfragen hin: „warum fehlen auf einmal die Koppelinduktivitäten?“ und „u_d, u_q, M — die sind doch auch geändert worden, warum?“

Beide Fragen treffen eine Lücke im bisherigen Plan. Abschnitt E prüfte, ob die angezeigten Gleichungen mit den angezeigten Zahlen rechnerisch zusammenpassen (E8) — das findet einen Vorzeichenfehler, aber nicht, dass ein Term umbenannt oder ein Modell stillschweigend gewechselt wird. Und niemand prüfte, wie eine fehlende Zahl aussieht. Das war keine akademische Lücke: in mH(x) stand z(1000*x), und 1000·null ist 0 — eine fehlende Induktivität erschien deshalb als „0,000 mH”, also als gemessene Null. Wer statt eines leeren Feldes eine Null sieht, liest, die Kopplung sei verschwunden.

Die Regel dahinter gilt für das ganze Programm: eine Zahl, die es nicht gibt, darf nie wie eine Zahl aussehen — und das leere Feld muss sagen, warum es leer ist. Das ist dieselbe Regel, die für gesperrte Knöpfe schon gilt.

Die zweite Rückfrage führte auf die Gegenregel: eine Zahl, die es gibt, muss auch dort auftauchen, wo man sie sucht. Die Symbole der Gleichungen hingen am Schalter „linear / sättigbar” — im linearen Modell standen dort LdL_d, LqL_q statt lddl_{dd}, lqql_{qq}, und die Kreuzterme fehlten ganz, obwohl ldql_{dq} gerechnet und in der Tafel ausgewiesen war. Das liest sich wie eine geänderte Gleichung, war aber nur ein anderer Anzeigefall. Jetzt steht überall dieselbe, allgemeine Form; sie ist in beiden Fällen richtig und fällt im linearen Modell von selbst auf die gewohnte zurück, weil dort ldd=Ldl_{dd} = L_d, lqq=Lql_{qq} = L_q und ldq=0l_{dq} = 0 ist.

Nr. Kriterium Schranke Prüfmittel
H1 Eine fehlende Größe erscheint als Gedankenstrich, nie als Null. Eine wirklich gerechnete Null bleibt eine Null — beides muss unterscheidbar bleiben. mH(null) = „—“, mH(0) = „0,000” pruefe_fehlende_zahlen.js
H2 Fehlen L₀, M₀ und L₂, weil die eigene Rechnung ohne Versuch 2 lief, steht der Grund daneben samt dem Weg dorthin. Ergänzt werden sie nie aus der gespeicherten Rechnung (das ist E7 von der anderen Seite). Text nennt Versuch 2, keine erfundene Null pruefe_fehlende_zahlen.js
H3 Die drei Maschinengleichungen stehen in jedem Modell im selben Wortlaut, in der allgemeinen Form: ud=Rid+ldddiddt+ldqdiqdt−ωelLqiqu_d = R i_d + l_{dd}\frac{di_d}{dt} + l_{dq}\frac{di_q}{dt} - \omega_{el} L_q i_q, uq=Riq+lqqdiqdt+ldqdiddt+ωel(ΨPM+Ldid)u_q = R i_q + l_{qq}\frac{di_q}{dt} + l_{dq}\frac{di_d}{dt} + \omega_{el}(\Psi_{PM} + L_d i_d), M=32p[ΨPMiq+(Ld−Lq)idiq]M = \frac{3}{2} p [\Psi_{PM} i_q + (L_d - L_q) i_d i_q]. Was sich zwischen den Modellen ändert, sind die Zahlen, nie der Wortlaut. Zeichen für Zeichen, beide Modelle gleich pruefe_fehlende_zahlen.js
H4 Konsistenz: jede gerechnete Induktivität erscheint auch in der Gleichung. Steht ldql_{dq} in der Parametertafel, muss es in der Gleichung stehen — sonst sucht man es dort vergebens und hält die Gleichung für geändert. Dass die allgemeine Form im linearen Modell auf die gewohnte zurückfällt, wird nachgerechnet (ldd=Ldl_{dd} = L_d, lqq=Lql_{qq} = L_q, ldq=0l_{dq} = 0) und nicht behauptet; die Zeile unter der Gleichung trennt differentielle von Sekanteninduktivitäten und nennt den Grenzfall. keine Größe nur in der Tafel pruefe_fehlende_zahlen.js
H5 Das Moment zerfällt genau in Erreger- und Reluktanzanteil, und das Vorzeichen des Reluktanzanteils folgt (Ld−Lq)idiq(L_d - L_q) i_d i_q. Diese Maschine ist invers schenkelig (Lq>LdL_q > L_d), das Vorzeichen ist deshalb umgekehrt zur gewohnten Schenkelpolmaschine. Mpm+Mrel=MM_{pm} + M_{rel} = M auf 10−1210^{-12} pruefe_fehlende_zahlen.js
H6 Seite und Manuskript sagen dasselbe. Der Symbolsatz der dqdq-Spannungsgleichungen ist auf beiden Seiten derselbe (lddl_{dd}, ldql_{dq}, lqdl_{qd}, lqql_{qq}, LdL_d, LqL_q, ΨPM\Psi_{PM}, ωel\omega_{el}). In keiner Maschinengleichung des Manuskripts steht mehr ein bloßes ω\omega — das ist dort die Kreisfrequenz der Wechselstrommessung und eine andere Größe als ωel=pΩ\omega_{el} = p\,\Omega; der Unterschied wird im Text ausdrücklich genannt. Symbol für Symbol pruefe_fehlende_zahlen.js
H7 Kein Befund geht unterwegs verloren. In der Rechenkette stand hinter fast jedem Prüfmittel ein | tail -3; ein Befund acht Zeilen vor dem Ende erschien damit nie auf dem Schirm — genau der Fehlertyp von H1, eine Ebene höher. Die Kette ruft jedes Prüfmittel über eine Helferfunktion auf, die erst jede Befundzeile und dann den Abschluss zeigt. keine Abschneidung in der Kette pruefe_fehlende_zahlen.js

M · Das Messblatt: von den Ausschlägen zu den Modellgrößen

Nachgetragen am 27.09.2026. Bis dahin konnte die Seite eine Messung nur als fertige Datei übernehmen — mit Induktivitäten in Henry, also mit Zahlen, die jemand vorher ausgerechnet haben musste. Genau dort liegt aber der Fehler, den niemand sieht: die Umrechnung von dem, was das Gerät anzeigt, auf das, was das Modell braucht. Das Messblatt nimmt die Ausschläge entgegen und rechnet selbst.

Damit prüft sich das Verfahren selbst. Aus den Größen der Feldrechnung folgt, was das Messgerät in jedem Schritt anzeigen muss; trägt man genau diese Ausschläge ein, müssen dieselben Größen wieder herauskommen. Vorhersage und Auswertung sind dieselbe Rechnung von zwei Seiten, und ein Fehler in einer der beiden Richtungen fällt sofort auf. Die Probe braucht weder Motor noch Messgerät und läuft bei jedem Bau mit.

Was sie nicht prüft, und das gehört dazu: ob sich die Maschine so verhält. Geprüft wird die Auswertung, nicht die Physik.

Nr. Kriterium Maßstab Prüfmittel
M1 Der Rückweg trifft die Ausgangsgrößen. Die vorhergesagten Ausschläge eingetragen, ergibt die Auswertung ΨPM\Psi_\mathrm{PM}, L0L_0, M0M_0, L2L_2, LdL_d, LqL_q, lddl_{dd}, lqql_{qq}, ldql_{dq} und beide Sekanten wieder — alle elf Größen. Geprüft auf dem Gitter der Feldrechnung (60 Stellungen je elektrischer Periode); auf gröberen Gittern wird der Verlust ausgewiesen statt verschwiegen. Rechengenauigkeit, 10−910^{-9} relativ pruefe_messblatt.js, pruefe_messblatt_seite.js
M2 Jeder Schritt erklärt sich, und zwar viererlei: Ziel, was eingeprägt wird, was gemessen wird, und die Handgriffe. Die Trennung ist keine Förmlichkeit — idi_d und iqi_q lassen sich an keiner Klemme einstellen, und eine Induktivität zeigt kein Gerät an. je Schritt alle vier, Ziel ≥ 40 Zeichen pruefe_messblatt.js, pruefe_messblatt_seite.js
M3 Eingetragen wird nur, was ein Gerät anzeigt oder eine Quelle einprägt. In den Feldern stehen Spannungen, Ströme, Phasenwinkel, Drehzahlen und Winkel — in Strangmaßen, nicht in dqdq. Keine Induktivität, keine Flussverkettung, kein idi_d. Feldliste je Schritt pruefe_messblatt.js
M4 Die lageabhängigen Messungen stehen als Tafel über dem Rotorwinkel, nicht als Einzelwert: die Leerlaufspannung (Schritt 2) und der Strangversuch (Schritt 4). Aus ihnen folgen die Kennwerte durch Fourieranalyse über den Winkel, mit denselben Formeln, die die Kette auf die gerechneten Verläufe anwendet. zwei Tafeln, volle elektrische Periode pruefe_messblatt_seite.js
M5 Scheitel- oder Effektivwert wird gefragt, nicht angenommen. Für die Induktivität kürzt sich der Faktor heraus, solange Spannung und Strom im selben Maß stehen; gemischt eingetragen liegt LL um 41 % daneben, ohne jedes Anzeichen. Die Vorhersage der Simulation folgt der Wahl — wer auf Effektivwerte stellt, sieht, was ein Effektivwertmessgerät anzeigen würde. beide Maße gleiches Ergebnis; gemischt nachweislich falsch pruefe_messblatt.js, pruefe_messblatt_seite.js
M6 Das leere Feld sagt, was zu erwarten ist. In jedem Eingabefeld steht blass der Wert, den die Feldrechnung vorhersagt. Wer misst, erkennt den Fehlgriff sofort und nicht erst beim Auswerten. Das ist dieselbe Regel wie bei den gesperrten Knöpfen: ein Feld muss sagen, was es will. jedes Feld mit Erwartung pruefe_messblatt_seite.js
M7 Das Blatt meldet seine eigenen Widersprüche. L2L_2 aus drei Kanälen, ldql_{dq} gegen lqdl_{qd}, der Rest über der doppelten Welle, das Nullsystem, die Summe der drei Gleichströme, die Schieflage der Anregung, die Widerstandsdrift durch Erwärmung, die Lage der d-Achse, die Streuung der drei Strangwiderstände: jede Probe steht im Blatt und sagt im Klartext, was ein Befund bedeuten würde. jeder Schritt ≥ 1 Probe pruefe_messblatt.js
M8 Die Übernahme stellt die ganze Seite um — und ist umkehrbar. Nach „diese Messung übernehmen” rechnen alle Reiter mit den gemessenen Zahlen, der Schalter oben steht auf „Messung”; „zurück zur Simulation” stellt den gerechneten Stand wieder her, ohne das Blatt zu leeren. Quelle wechselt, DD trägt die Messwerte pruefe_messblatt_seite.js
M9 Der Weg über die Feldrechnung bleibt. Das Messblatt tritt neben die Simulation, nicht an ihre Stelle. Beide stehen in Schritt 7 nebeneinander, mit dem Unterschied in Prozent. Abgleichtafel mit beiden Spalten pruefe_messblatt_seite.js
M10 Die Sekante LdL_d bezieht sich auf ΨPM\Psi_\mathrm{PM} im Arbeitspunkt, nicht auf den Leerlaufwert. Wegen der Kreuzsättigung sind das zwei verschiedene Zahlen; deshalb verlangt Schritt 6 einen zweiten Betriebspunkt mit id=0i_d = 0 bei unverändertem iqi_q. Mit dem Leerlaufwert gerechnet käme LdL_d bei dieser Maschine um zwei Prozent falsch heraus. beide Wege werden ausgewiesen pruefe_messblatt.js
M11 Was ein gröberes Gitter kostet, steht da. Bei 24 Stellungen je Periode — der Zahl aus der Vorschrift — bleibt L0L_0 auf 0,005 %, L2L_2 auf 0,31 % und ΨPM\Psi_\mathrm{PM} auf 0,53 % genau; bei 12 Stellungen wird ΨPM\Psi_\mathrm{PM} um 2,7 % falsch. Diese Zahlen werden gerechnet, nicht geschätzt. drei Gitter durchgerechnet pruefe_messblatt.js
M12 Jeder Schritt trägt sein Messprotokoll. Vor den Eingabefeldern steht, was einzustellen ist: Drehzahl, Rotorstellungen mit Schrittweite, Gleich- und Wechselanteil der Ströme, Frequenz, und bei den dq-Arbeitspunkten die drei Strangströme, die dafür einzuprägen sind. Jede Zeile mit Einheit. je Schritt eine Vorgabetafel pruefe_messblatt.js, pruefe_messblatt_seite.js
M13 Klartext und Einheiten, überall. Spaltenköpfe heißen „Spannung Strang 1 gegen Sternpunkt”, nicht „u₁ − u_N”; jede Zahl im Blatt trägt ihre Einheit und ein deutsches Dezimalkomma. Ein Blatt, das „0.01 %” neben „0,5 A” stellt, wird beim Ablesen zur Fehlerquelle. kein Kürzel ohne Klartext, kein Dezimalpunkt pruefe_messblatt.js
M14 Keine heimliche Quelle. Das Blatt wird gefüllt, dann wird jede Zahl der gespeicherten Simulation auf NaN gesetzt und neu gerechnet. Die Ergebnisse des Blattes müssen Ziffer für Ziffer gleich bleiben — dann stammen sie allein aus den eingetragenen Werten. Die Vergleichsspalte daneben fällt dabei aus, und zwar sichtbar: der eigene Wert bleibt trotzdem stehen. 3727 Zahlen zerstört, Ergebnis unverändert pruefe_messblatt_seite.js
M15 Derselbe Weg mit der eigenen Feldrechnung. Die Tafel lässt sich auch aus dem im Browser gerechneten Verlauf füllen. Die daraus über die Ablesungen gewonnenen L0L_0, M0M_0, L2L_2 müssen die Werte treffen, die dieselbe Rechnung unmittelbar aus dem Feld angibt. Damit ist belegt, dass der Umweg über Betrag und Phase nichts verfälscht — und dass die Tafelwerte wirklich aus einer Feldrechnung stammen können. Rechengenauigkeit, 10−910^{-9} relativ pruefe_messblatt_seite.js
M16 Nur das, was sich einstellen oder messen lässt. Einstellbar sind Rotorwinkel, Drehzahl, Frequenz und ein eingeprägter Strom; messbar sind Strom, Spannung, der Phasenwinkel zwischen beiden, ein Winkel und die Temperatur. Jedes Feld des Blattes trägt eine dieser sieben Arten — kein Feld verlangt eine Induktivität, eine Flussverkettung, einen Widerstand oder ein idi_d. Auch RR wird nicht eingetragen, sondern aus eingeprägtem Strom und gemessener Spannung gebildet; auch der Winkel der Spannung zur d-Achse wird nicht eingetragen, sondern aus dem eingeprägten Stromwinkel und dem gemessenen Phasenwinkel als δ=γ+φ\delta = \gamma + \varphi gebildet. Art je Feld, sieben zulässige pruefe_messblatt.js
M17 Beim Öffnen ist jedes Feld leer. Nichts ist vorbelegt, nichts gespeichert — eine Seite, die beim Start Messwerte zeigt, die niemand gemessen hat, ist gefährlicher als eine leere. Die Erwartung aus der Feldrechnung steht als Platzhalter mit vorangestelltem ≈ und ist damit unverwechselbar keine Eingabe. null gefüllte Felder, Platzhalter beginnt mit ≈ pruefe_messblatt_seite.js
M18 Eintragungen lassen sich sichern und auf Knopfdruck zurückholen. Gesichert wird ausdrücklich, in den Browser und als Datei. Nach einem Neustart sind die Felder wieder leer; der Ladeknopf nennt den Zeitpunkt der Sicherung und stellt die Zahlen wieder her. Geladen werden die Eintragungen, nicht die Ergebnisse. leer nach Neustart, vollständig nach einem Knopfdruck pruefe_messblatt_seite.js

N · Die Seite als Werkzeug

Nachgetragen am 27.09.2026 auf eine Vorgabe hin, die sich im Satz zusammenfassen lässt: die Datei ist ein Werkzeug, kein Text. Sie bestimmt eine Maschine auf zwei Wegen — aus der Geometrie gerechnet und am Prüfstand gemessen — und hält beide gegeneinander. Daraus folgt für jeden Abschnitt eine Frage, die sich beantworten lassen muss: rechnet er, oder misst er? Ist beides nein, gehört er ins Manuskript.

Drei Verstöße gegen diese Regel hatte die Seite, und alle drei sind der Grund für die folgenden Kriterien: drei Bilder, die sich nie änderten; ein Vergleich, der den Reglern nicht folgte; und ein roter Faden, der nach der Feldrechnung abbrach.

Nr. Kriterium Maßstab Prüfmittel
N1 Von der Zeichnung zum Feld, dann messen, dann vergleichen. Die Gliederung heißt Start · 1 Zeichnung und Feldrechnung · 2 Messung am Motor · 3 Vergleich · Prüfplan · Manuskript. Modell und Feldrechnung sind eine Stufe: aus der technischen Zeichnung wird gerechnet, das ist derselbe Vorgang. Die Feldrechnung kommt immer zuerst — sie liefert nicht nur die Kennwerte, sondern auch die Erwartungswerte für jedes Feld des Messblatts. sechs Reiter, Namen wörtlich pruefe_werkzeug.js
N2 Die Startseite trägt den roten Faden. Drei Stufen, jede mit hinein, heraus, geprüft und einem Knopf dorthin. Die Begründung steht aufklappbar daneben — ein Laboringenieur muss die Seite bedienen können, ohne sie zu lesen, und sie verstehen können, wenn er will. je Stufe drei Zeilen, ≥ 200 Zeichen Tiefe, ein Knopf pruefe_werkzeug.js
N3 Keine Zeichenfläche, die nur ein festes Bild zeigt. Jede Darstellung hängt am Modell, am Arbeitspunkt oder an der eigenen Rechnung. Die drei Bilder, die immer dieselben gespeicherten Kurven zeigten (c_verlauf, c_strang, c_leerlauf), sind entfernt; ihr Inhalt steht im Manuskript. Liste der Zeichenflächen wörtlich pruefe_werkzeug.js
N4 Der Vergleich hält drei Wege nebeneinander: über die Stranggrößen (am Motor nachmessbar), unmittelbar aus dem Feld (Gegenprobe der Rechnung), aus dem Messblatt (Aussage des Versuchs) — mit dem Abstand zwischen ihnen. sechs Spalten, neun Größen pruefe_werkzeug.js
N5 Bei kleinen Strömen fallen die beiden Rechenwege zusammen. Der Weg über L0L_0, M0M_0, L2L_2 und der unmittelbare Weg über Sekante und Steigung rechnen dasselbe Feld. Bei id=−1i_d = -1 A, iq=1i_q = 1 A muss der Abstand unter einem Prozent bleiben; was dort steht, ist Rechenfehler und nichts sonst. Bei großen Strömen ist der Abstand dagegen Sättigung und gerade der physikalische Gehalt — die Seite sagt, welcher Fall vorliegt. < 1 % bei id=−1i_d = -1, iq=1i_q = 1 pruefe_werkzeug.js
N6 Der Arbeitspunkt ist in Stufe 3 keine freie Variable. Ein Parametersatz gilt für den Punkt, an dem er gerechnet oder gemessen wurde; die Ströme daneben frei zu verschieben hieße, Parameter des einen Punktes mit Strömen eines anderen zu verrechnen — das führt das System ad absurdum. Der Punkt wird genau einmal gesetzt: in Stufe 1 beim Rechnen oder in Stufe 2 beim Messen. Stufe 3 zeigt ihn an, mit Herkunft, und vermerkt, dass die Induktivitäten bei linearem Eisen konstant sind. Frei bleiben nur n (eine magnetostatische Rechnung kennt keine Zeit) und R (kein Ergebnis der Feldrechnung, sondern Eingabe aus Schritt 1 der Messung). keine Stromregler in Stufe 3; Anzeige folgt Stufe 1 bzw. Stufe 2 pruefe_werkzeug.js, pruefe_seite.js
N7 Die Gleichungen stehen am Ende. Der letzte Abschnitt von Stufe 3 sind die Spannungsgleichungen im Rotorsystem und das Moment, mit Zahlen, dazu der eingeschwungene Fall. Darauf läuft die ganze Kette hinaus. letzter Abschnitt, Zahlen vorhanden pruefe_werkzeug.js
N8 Umschalten geht in beide Richtungen, jederzeit, solange beide Datensätze vorliegen — Simulation ↔︎ Messung, über die Kopfzeile oder über die Knöpfe im Vergleich. Danach steht die Messspalte vollständig. sim → mess → sim, neun Größen in der Messspalte pruefe_werkzeug.js
N10 Das Werkzeug steht vor dem Text. Der Rechenknopf der Feldrechnung und das erste Eingabefeld für Messwerte müssen binnen zwei Fensterhöhen erreichbar sein. Wer ein Werkzeug hinter seine Begründung stellt, hat es versteckt — am 28.09.2026 lag der Rechenknopf bei 2307 px und das erste Messfeld bei 10 039 px, hinter acht Bildschirmen Messvorschrift. Die Begründung bleibt vollständig, aber aufklappbar. beides unter 2 × Fensterhöhe pruefe_werkzeug.js
N9 Jede Fassung sagt, was sie geändert hat. Auf der Startseite steht in wenigen Zeilen das Wesentliche jeder Fassung — nicht die Liste aller Änderungen, sondern das, was ein Leser wissen muss, der die vorige Fassung kennt. Tafel vorhanden, je Fassung eine Zeile Sichtprüfung

P · Die Herleitung im Manuskript

Nachgetragen am 27.09.2026 auf die Beanstandung hin, die differentielle Induktivitätsmatrix falle im Manuskript vom Himmel. Sie kann nur aus den drei statorfesten Strangspannungsgleichungen durch Transformation kommen, und genau dieser Weg muss dastehen — ohne übersprungene Zwischenstufe.

Der Unterschied zu den übrigen Abschnitten: hier wird ein Text geprüft. Zwei Dinge lassen sich daran maschinell halten. Erstens die Vollständigkeit: welche Schritte da sein müssen und welche Begriffe fallen. Zweitens — und das ist der eigentliche Gewinn — die Rechenaussagen des Kapitels. Eine Herleitung, deren Zwischenergebnisse nachgerechnet werden, ist keine Behauptung mehr.

Nr. Kriterium Maßstab Prüfmittel
P1 Der Ausgangspunkt ist das Dreiphasensystem. Das Kapitel beginnt beim Induktionsgesetz am einzelnen Strang, uk=Rik+dψk/dtu_k = R\,i_k + \mathrm d\psi_k/\mathrm dt, mit ψ_123(i_123,ϑ)\underline\psi_{123}(\underline i_{123}, \vartheta). Nichts wird vorausgesetzt, was nicht dort steht. Formel und Text vorhanden pruefe_herleitung.js
P2 Die Matrix entsteht im Strangsystem, nicht erst in dqdq. Die Kettenregel trennt Transformator- und Bewegungsspannung; der Stromterm enthält die Jacobi-Matrix ℓ__123=∂ψ_123/∂i_123\underline{\underline\ell}_{123} = \partial\underline\psi_{123}/\partial\underline i_{123}. Die Transformation erzeugt die Matrix nicht, sie rechnet sie um. beide Begriffe genannt, Schritte 0 und 1 vorhanden pruefe_herleitung.js
P3 Die Transformation ist umkehrbar. T__T__−1=E__\underline{\underline T}\,\underline{\underline T}^{-1} = \underline{\underline E}, geprüft an 24 Winkeln. 10−1210^{-12} pruefe_herleitung.js
P4 Der Drehterm folgt aus der Ableitung der Transformationsmatrix, nicht aus einer Annahme: ∂ϑT__⋅T__−1=(01−10)\partial_\vartheta\underline{\underline T}\cdot\underline{\underline T}^{-1} = \begin{pmatrix}0&1\\-1&0\end{pmatrix}, und daraus −ωelΨq-\omega_\mathrm{el}\Psi_q beziehungsweise +ωelΨd+\omega_\mathrm{el}\Psi_d. 10−1210^{-12}, an 24 Winkeln pruefe_herleitung.js
P5 Die dqdq-Matrix ist die ähnlichkeitstransformierte Strangmatrix: l__=T__ℓ__123(ϑ)T__−1=diag(Ld,Lq)\underline{\underline l} = \underline{\underline T}\,\underline{\underline\ell}_{123}(\vartheta)\,\underline{\underline T}^{-1} = \mathrm{diag}(L_d, L_q) mit den L0L_0, M0M_0, L2L_2 dieser Maschine — und zwar winkelunabhängig über eine volle Periode, nicht nur an einer Stelle. Die Nebendiagonale bleibt ungesättigt null; das ist der Beleg, dass ldql_{dq} ausschließlich von der Sättigung lebt. 10−1210^{-12} über 24 Winkel pruefe_herleitung.js
P6 Kein Schritt fehlt. Die acht Schritte von den drei Strängen bis zum Bezug von ΨPM(iq)\Psi_\mathrm{PM}(i_q) stehen vollständig da, dazu die Begriffe Koenergie und Satz von Schwarz für die Symmetrie. acht Überschriften, sechs Begriffe pruefe_herleitung.js
P8 Jede Größe trägt ihre Argumente. Ψ1(id,iq,ϑr)\Psi_1(i_d, i_q, \vartheta_r) hängt von beiden Strömen und vom Winkel ab, Ψd(id,iq)\Psi_d(i_d, i_q) nur noch von den Strömen — und dass der Winkel auf der linken Seite fehlt, ist die Aussage der Transformation und kein Versehen. Eine Flussverkettung ohne Argumente sieht aus wie eine Konstante; in einer Herleitung, die von der Abhängigkeit beider Ströme lebt, ist das Schlamperei. Geprüft in Glied 4 und Glied 5. neun Fundstellen pruefe_herleitung.js
P7 Das Kapitel nennt seine eigene Probe. Im Text steht, mit welchem Mittel seine Rechenaussagen nachgerechnet werden — sonst bleibt „nachrechenbar” eine Behauptung über eine Behauptung. Prüfmittel im Text genannt pruefe_herleitung.js
P9 Jede Festlegung im ganzen Manuskript trägt ihre Argumente — oder sagt, warum nicht. Alle abgesetzten Formeln werden durchgesehen; wo eine arbeitspunktabhängige Größe festgelegt wird, muss sie ihre Argumente tragen. Die argumentfreie Form ist zulässig, wo sie richtig ist — im ungesättigten Fall sind diese Größen Konstanten —, und dort, wo der Verfasser sie ausdrücklich mit <!-- ARGUMENTFREI: … --> begründet. Alles andere erscheint am Ende des Laufs als Liste zum Durchsehen, nicht als Abbruch: die Entscheidung bleibt beim Verfasser, die Suche nicht. 22 Festlegungen, null offen pruefe_argumente.js
P10 Ein Unbefangener muss die Rechnung nachvollziehen können. Wo links eine Größe ohne Argument steht und rechts eines vorkommt, muss im Text stehen, warum — sonst bricht der Leser genau dort ab. Geprüft wird das an der schärfsten Stelle: in Schritt 4 steht ϑ\vartheta rechts und nicht links, und der Text sagt, dass genau das die zu beweisende Behauptung ist. Begründung im Text, Zahlenprobe im Kapitel P1–P8 pruefe_argumente.js, pruefe_herleitung.js

Q · Die beiden Grundsätze

Nachgetragen am 27.09.2026. Beide gelten für alle Projekte dieser Werkstatt und stehen als solche in /workspace/GRUNDSAETZE.md; hier stehen sie als prüfbare Kriterien dieses Projekts.

Der erste: Alles, was geschrieben steht, muss man mit Hand am Arm auf dem Papier nachrechnen können. Der Rechner ist darin nicht besser als ein Mensch, nur schneller — er führt denselben Algorithmus aus. Ein Verfahren, das sich nicht von Hand ausführen lässt, ist entweder nicht verstanden oder nicht richtig aufgeschrieben.

Der zweite: Zu jedem Ergebnis führen mindestens zwei unabhängige Wege. Ein einzelner Weg liefert eine Zahl, aber keine Aussage. Bei der Feldrechnung sind es hier vier, und FEMM ist einer davon und nicht die Wahrheit.

Nr. Kriterium Maßstab Prüfmittel
Q0 Nie geraten, nie spekuliert — gerechnet oder gemessen. Manuskript, Prüfplan und Messblatt werden nach Wendungen durchsucht, die eine Vermutung an die Stelle einer Zahl setzen. „vermutlich”, „schätzungsweise”, „dürfte”, „erfahrungsgemäß”, „gefühlt” sind harte Befunde. Weiche Wendungen („etwa”, „grob”, „angenommen”) sind zulässig, wenn die gerechnete Zahl daneben steht oder die Stelle das Schätzen ausdrücklich verwirft; sonst erscheinen sie als Liste zum Durchsehen. Auch Diagnosen dürfen nicht raten: statt „der Winkelbezug stimmt vermutlich nicht” gehört dorthin, was zu prüfen ist und in welcher Reihenfolge. null harte Befunde pruefe_spekulation.js
Q1 Jedes numerische Verfahren steht als Handalgorithmus da. Newton-Schleife, konjugierte Gradienten mit Jacobi-Vorkonditionierung, Fourieranalyse über dem Winkel, spektrale Ableitung, Differenzenquotient, bilineare Interpolation — je mit Schritten, Startwerten und Abbruchbedingung. sieben Abschnitte, ≥ 4000 Zeichen pruefe_handrechnung.js
Q2 Kein Verfahren ohne Abbruchbedingung und Schrittzahl. „Iteriert bis zur Konvergenz” ist keine Aussage: es gehören die Schranke und die Größenordnung der wirklich gebrauchten Schritte hin (10−710^{-7} und zehn bis fünfzehn beim Newton, 10−610^{-6} und höchstens 2000 bei den konjugierten Gradienten). vier Zahlenangaben im Text pruefe_handrechnung.js
Q3 Das Kleinstbeispiel wird nachgerechnet, nicht abgeschrieben. Die von Hand durchgerechnete CG-Tafel im Manuskript wird mit demselben Verfahren wie in fem.js neu gerechnet; jede Zahl muss im Text stehen, und nach zwei Schritten muss bei zwei Unbekannten die exakte Lösung dastehen. vier Zahlen wörtlich, Restfehler 10−1210^{-12} pruefe_handrechnung.js
Q4 Übernommene Bausteine sind benannt, samt Verfahren. Übernommen ist genau einer — die Vernetzung (Triangle, Delaunay mit Verfeinerung nach Ruppert, exakte Prädikate). Ein Baustein, dessen Verfahren niemand angeben kann, ist kein Werkzeug, sondern ein Orakel. Algorithmus im Text genannt pruefe_handrechnung.js
Q5 Die vier Wege zur Feldrechnung stehen da — und es gibt sie. FEMM 4.2, der Löser in Python, der Löser in JavaScript, die geschlossenen Gesetze ohne jeden Löser. Die zugehörigen Dateien müssen vorhanden sein; ein Kapitel, das Wege nennt, die es nicht gibt, wäre schlimmer als keines. vier Wege im Text, vier Dateien auf der Platte pruefe_handrechnung.js
Q6 FEMM ist ausdrücklich Prüfmethode und nicht Maßstab. Der Satz steht im Manuskript, und der vierte Weg — Überlagerung und Reziprozität — braucht überhaupt keinen Löser und fällt auch dann auf, wenn alle Löser denselben Fehler hätten. Satz vorhanden, beide Gesetze genannt pruefe_handrechnung.js, pruefe_loeser_gesetze.js
Q7 Auch darunter zwei Wege. Geometrie über Modelldatei und DXF; LdL_d, LqL_q über die Stranggrößen und unmittelbar aus dem Feld; ΨPM\Psi_\mathrm{PM} als Grundwelle und aus der Leerlaufspannung; L2L_2 aus drei Kanälen; ldql_{dq} aus zwei Anregungen; das Messblatt über Vorhersage und Rückweg; das Moment aus der Gleichung und aus seinen beiden Anteilen. Wo es keinen zweiten Weg gibt (Strangwiderstand, Vernetzung), steht das ausdrücklich da. sieben Zeilen in der Tafel pruefe_handrechnung.js
Q8 Die Namensnennung steht auf jedem ausgelieferten Stück. AUSFUHR/VORGABEN.md verlangt wörtlich: Prof. Dr.-Ing. Ralph Wystup M.Sc. — erstellt mit KI und Agent (Claude Code, Anthropic). Sie steht im Kopf der Seite, im Autorfeld des Manuskripts und im Kopf des Prüfplans — und wie die Fassungsnummer an einer Stelle im Bauskript (NAMENSNENNUNG in setze_zahlen.py), von wo sie überall hingesetzt wird. drei Stücke, ein Wortlaut pruefe_gleichstand.py

Das Abnahmeblatt

Der Plan allein genügt nicht. Beim ersten zeilenweisen Durchgang am 26.09.2026 zeigte sich, dass sieben Kriterien einem Prüfmittel zugeschrieben waren, das sie gar nicht prüft — B1, B2 und D1 kamen in pruefe_fem_js.py überhaupt nicht vor, A1 und A3 waren Skripten zugeschrieben, die bauen beziehungsweise drucken. Eine Prüfung, die es nicht gibt, sieht in einer Tabelle genauso aus wie eine, die besteht.

Deshalb gibt es rechnung/abnahme.py. Es bindet jedes Kriterium an einen Befehl und an ein Muster in dessen Ausgabe, lässt jedes Prüfmittel genau einmal laufen und schreibt zu jeder Nummer die gemessene Zeile. Findet sich keine passende Zeile, steht dort UNGEPRÜFT. Damit lässt sich die Lücke, die diesen Abschnitt veranlasst hat, nicht wiederholen.

Was dieser Plan nicht prüft

Damit niemand mehr hineinliest, als dasteht:

  • Die Messung am wirklichen Motor. Die Vorschrift dafür steht im Manuskript samt Erwartungswerten; gemessen wurde noch nicht. Alle Zahlen dieses Programms sind gerechnete Zahlen.
  • FEMM selbst. FEMM ist hier der Maßstab, nicht der Prüfling. Stimmt FEMM an einer Stelle nicht, merkt es dieses Programm nicht — die einzigen Prüfungen, die davon unabhängig sind, sind B3, B4 und D1, weil dort gegen geschlossene Gesetze geprüft wird.
  • Wirbelströme, Ummagnetisierungsverluste, Temperatur. Gerechnet wird magnetostatisch.
  • Die Stromregelung eines wirklichen Umrichters. idi_d und iqi_q werden hier eingestellt, nicht geregelt.

Das Manuskript

Die vollständige Ausarbeitung, aus derselben Quelle gesetzt wie das PDF: Herleitung, Zahlen, Messvorschrift. Die Formeln stehen als MathML, die Bilder als Daten — auch dieser Teil braucht nichts von außen.

Manuskript ein- und ausklappen

Die Induktivitäten einer PMSM aus Geometrie und Werkstoffdaten

Absolut und differentiell, und wo jede von beiden in den Motorgleichungen steht

Prof. Dr.-Ing. Ralph Wystup M.Sc. — erstellt mit KI und Agent (Claude Code, Anthropic)

28. September 2026 · Fassung 2.7

Worum es geht

Eine Maschine hat nicht eine Induktivität je Achse, sondern zwei, und sie sind verschieden. Welche von beiden gemeint ist, entscheidet sich an der Gleichung, in die sie eingesetzt wird. Wer die falsche nimmt, rechnet bei Sättigung um Faktoren daneben.

Bei der hier untersuchten Maschine ist LqL_q im ungünstigsten gerechneten Arbeitspunkt das 1,51-fache von lqql_{qq} — bei id=−5i_d = −5 A und iq=10i_q = 10 A.

Der rote Faden

Alles hier folgt einer Kette, und die Reihenfolge ist der Kern der Sache:

  1. Das Modell. Geometrie und Werkstoffe, entweder das hier untersuchte oder ein eigenes nach derselben Vorschrift. Beschrieben in „Glied 1” und im Kapitel über die Feldrechnung ohne FEMM.
  2. Die Feldrechnung. Aus Geometrie und Werkstoff entstehen genau die Größen, die am gebauten Motor auch elektrisch messbar sind — Flussverkettung, Leerlaufspannung, Selbst- und Koppelinduktivität über dem Drehwinkel. Das Kapitel „Der gerade Weg” führt sie vollständig auf.
  3. Die Entscheidung. Simulation oder Messung. Das Kapitel „Die Messvorschrift” beschreibt für jede dieser Größen, wie sie zu messen ist, welchen Ausschlag das Gerät zeigen muss und wie genau. Beide Quellen liefern dasselbe, die Messung kann die Rechnung also ersetzen.
  4. Die Netzwerkparameter. Erst daraus folgen ΨPM\Psi_\mathrm{PM}, LdL_d, LqL_q und die vier differentiellen Induktivitäten — und damit die Spannungsgleichungen und das Moment.

Wer die dq-Größen unmittelbar aus der Feldrechnung nimmt, überspringt die dritte Stufe. Genau dort aber trifft sich das Modell mit der Wirklichkeit; es ist die einzige Stelle, an der es sich widerlegen ließe.

Untersucht wird eine bestehende Auslegung: ein Außenläufer mit neun Nuten und sechs Polen, Einzelzahnwicklung, Ferritmagnete. Das FEM-Modell und das Lua-Skript dazu stammen aus dem Jahr 2012. Grundlage jeder Zahl in diesem Manuskript ist eine Feldrechnung mit FEMM 4.2 an genau diesem Modell; keine Zahl ist geschätzt, keine aus einem Datenblatt übernommen.

Die ungesättigte Maschine

Solange das Eisen nicht sättigt, ist die Flussverkettung eine lineare Funktion der Ströme:

ψd=Ldid+ΨPM,ψq=Lqiq, \psi_d = L_d\,i_d + \Psi_\mathrm{PM}, \qquad \psi_q = L_q\,i_q ,

mit Beiwerten, die vom Arbeitspunkt nicht abhängen. Daraus folgt alles Weitere dieses Teiles, und zwar ohne weitere Annahme.

Absolute und differentielle Induktivität fallen zusammen. Die absolute ist die Sekante vom Ursprung zum Arbeitspunkt, die differentielle die Steigung im Arbeitspunkt. Bei einer Geraden ist beides dasselbe:

ψd−ΨPMid=Ld=∂ψd∂id=ldd,ψqiq=Lq=∂ψq∂iq=lqq. \frac{\psi_d - \Psi_\mathrm{PM}}{i_d} = L_d = \frac{\partial\psi_d}{\partial i_d} = l_{dd}, \qquad \frac{\psi_q}{i_q} = L_q = \frac{\partial\psi_q}{\partial i_q} = l_{qq} .

Die Unterscheidung, um die es in diesem Manuskript geht, gibt es hier also noch gar nicht. Sie entsteht erst mit der Sättigung.

Kreuzglieder gibt es nicht. ψd\psi_d hängt nicht von iqi_q ab und ψq\psi_q nicht von idi_d, also ist

ldq=∂ψd∂iq=0,lqd=∂ψq∂id=0. l_{dq} = \frac{\partial\psi_d}{\partial i_q} = 0, \qquad l_{qd} = \frac{\partial\psi_q}{\partial i_d} = 0 .

Das ist keine Näherung und hängt auch nicht davon ab, wie schenkelpolig die Maschine gebaut ist. Der Beweis aus der Geometrie steht in Schritt 4 des nächsten Kapitels: dort wird die Induktivitätsmatrix des Strangsystems in das Rotorsystem transformiert, und die Kreuzglieder fallen von selbst heraus.

Die Gleichungen sind damit die kurzen:

ud=Rid+Lddiddt−ωelLqiquq=Riq+Lqdiqdt+ωel(ΨPM+Ldid) \begin{alignedat}{3} u_d &= R\,i_d &&\;+\; L_d\,\frac{\mathrm di_d}{\mathrm dt} &&\;-\; \omega_\mathrm{el}\,L_q\,i_q \\[4pt] u_q &= R\,i_q &&\;+\; L_q\,\frac{\mathrm di_q}{\mathrm dt} &&\;+\; \omega_\mathrm{el}\,\left(\Psi_\mathrm{PM} + L_d\,i_d\right) \end{alignedat}

M=32p[ΨPMiq+(Ld−Lq)idiq] M = \tfrac32\,p\,\left[\,\Psi_\mathrm{PM}\,i_q + (L_d - L_q)\,i_d\,i_q\,\right]

Die Spalten stehen untereinander, weil sie verschiedener Herkunft sind: links der Widerstand, in der Mitte die Selbstinduktion der eigenen Achse, rechts die Drehspannung, die aus der anderen Achse kommt.

Gebraucht werden drei Zahlen: LdL_d, LqL_q und ΨPM\Psi_\mathrm{PM}. Wie man sie aus dem Feldmodell bekommt, und zwar ausschließlich über Größen, die auch an den Klemmen messbar sind, zeigt das nächste Kapitel vollständig.

Der gerade Weg: von den Klemmengrößen zu LdL_d und LqL_q

Das vorige Kapitel hat gesagt, welche drei Zahlen die ungesättigte Maschine beschreiben. Dieses beschafft sie, und zwar vollständig: es beginnt bei dem, was an den drei Klemmen erscheint — Strangströme und Strangspannungen über dem Drehwinkel —, und endet bei LdL_d, LqL_q und ΨPM\Psi_\mathrm{PM}. Jede Zwischengröße dieses Weges ist am gebauten Motor messbar. Die Feldrechnung tritt dabei nur an einer Stelle auf: sie liefert die Zahlen, die sonst das Messgerät liefern würde.

Schritt 1: Die Ausgangsgleichung

An den Klemmen gilt für jeden Strang das Induktionsgesetz. In Matrixform, mit u_123=(u1,u2,u3)T\underline u_{123} = (u_1, u_2, u_3)^\mathrm T und ebenso für Strom und Flussverkettung:

u_123=Ri_123+ddtψ_123. \underline u_{123} = R\,\underline i_{123} + \frac{\mathrm d}{\mathrm dt}\,\underline\psi_{123} .

Die Flussverkettung zerfällt in den Anteil der Ströme und den der Magnete:

ψ_123=L__123(ϑ)i_123+ψ_P,123(ϑ). \underline\psi_{123} = \underline{\underline L}_{123}(\vartheta)\,\underline i_{123} + \underline\psi_{\mathrm P,123}(\vartheta) .

Beide Anteile hängen vom Drehwinkel ab. Damit ist die Gleichung vollständig, aber noch nicht brauchbar: die Koeffizienten sind zeitveränderlich. Das ganze folgende Rechnen dient allein dem Ziel, diese Winkelabhängigkeit loszuwerden.

Schritt 2: Die Einträge der Matrix, und woher man sie bekommt

Der Winkel ϑ\vartheta wird elektrisch gezählt, von der Achse des Stranges 1 zur d-Achse des Rotors. Die drei Strangachsen liegen bei

ϑ1=0,ϑ2=2π3,ϑ3=4π3. \vartheta_1 = 0, \qquad \vartheta_2 = \frac{2\pi}{3}, \qquad \vartheta_3 = \frac{4\pi}{3} .

Für eine symmetrisch gewickelte Maschine mit ausgeprägter Schenkligkeit hat jeder Eintrag der Induktivitätsmatrix dieselbe Bauart: ein konstanter Teil und ein Teil, der mit dem doppelten Winkel schwankt,

Ljk(ϑ)={L0+L2cos(2ϑ−ϑj−ϑk),j=k,M0+L2cos(2ϑ−ϑj−ϑk),j≠k. L_{jk}(\vartheta) = \begin{cases} L_0 + L_2\cos\left(2\vartheta - \vartheta_j - \vartheta_k\right), & j = k,\\[2pt] M_0 + L_2\cos\left(2\vartheta - \vartheta_j - \vartheta_k\right), & j \ne k . \end{cases}

Ausgeschrieben:

L__123(ϑ)=(L0+L2cos2ϑM0+L2cos(2ϑ−2π3)M0+L2cos(2ϑ+2π3)M0+L2cos(2ϑ−2π3)L0+L2cos(2ϑ+2π3)M0+L2cos2ϑM0+L2cos(2ϑ+2π3)M0+L2cos2ϑL0+L2cos(2ϑ−2π3)) \underline{\underline L}_{123}(\vartheta) = \begin{pmatrix} L_0 + L_2\cos 2\vartheta & M_0 + L_2\cos\left(2\vartheta - \tfrac{2\pi}{3}\right) & M_0 + L_2\cos\left(2\vartheta + \tfrac{2\pi}{3}\right) \\[4pt] M_0 + L_2\cos\left(2\vartheta - \tfrac{2\pi}{3}\right) & L_0 + L_2\cos\left(2\vartheta + \tfrac{2\pi}{3}\right) & M_0 + L_2\cos 2\vartheta \\[4pt] M_0 + L_2\cos\left(2\vartheta + \tfrac{2\pi}{3}\right) & M_0 + L_2\cos 2\vartheta & L_0 + L_2\cos\left(2\vartheta - \tfrac{2\pi}{3}\right) \end{pmatrix}

Drei Zahlen bestimmen die ganze Matrix: L0L_0, M0M_0, L2L_2. Alle drei sind an den Klemmen zugänglich, und zwar bei stehendem Rotor, weil dann keine Drehspannung auftritt und die gemessene Impedanz nur aus RR und der Induktivität besteht:

L11(ϑ)=∂ψ1∂i1,M21(ϑ)=∂ψ2∂i1,M31(ϑ)=∂ψ3∂i1. L_{11}(\vartheta) = \frac{\partial\psi_1}{\partial i_1}, \qquad M_{21}(\vartheta) = \frac{\partial\psi_2}{\partial i_1}, \qquad M_{31}(\vartheta) = \frac{\partial\psi_3}{\partial i_1} .

Gemessen wird das, indem man Strang 1 speist und die Spannung an allen drei Strängen aufzeichnet; gerechnet wird es, indem man in der Feldrechnung Strang 1 mit +Δ+\Delta und −Δ-\Delta speist und die Flussverkettungen differenziert. Das ist dieselbe Größe, einmal gemessen und einmal gerechnet.

Der Magnetanteil ist ebenso einfach gebaut,

ψ_P,123(ϑ)=ΨPM(cosϑcos(ϑ−2π3)cos(ϑ+2π3)), \underline\psi_{\mathrm P,123}(\vartheta) = \Psi_\mathrm{PM} \begin{pmatrix}\cos\vartheta \\ \cos\left(\vartheta - \tfrac{2\pi}{3}\right) \\ \cos\left(\vartheta + \tfrac{2\pi}{3}\right)\end{pmatrix},

und er wird im Leerlauf gemessen: bei angetriebenem Rotor und offenen Klemmen ist die Klemmenspannung

u_123|i=0=ddtψ_P,123=ωelddϑψ_P,123,û1=ωelΨPM. \underline u_{123}\big|_{i=0} = \frac{\mathrm d}{\mathrm dt} \underline\psi_{\mathrm P,123} = \omega_\mathrm{el}\,\frac{\mathrm d}{\mathrm d\vartheta} \underline\psi_{\mathrm P,123}, \qquad \hat u_1 = \omega_\mathrm{el}\,\Psi_\mathrm{PM} .

Schritt 3: Die beiden Transformationen

Clarke, amplitudeninvariant mit dem Faktor 23\tfrac23:

T__C=23(1−12−12032−32121212),T__C−1=(101−12321−12−321). \underline{\underline T}_\mathrm C = \frac23 \begin{pmatrix} 1 & -\tfrac12 & -\tfrac12 \\[2pt] 0 & \tfrac{\sqrt3}{2} & -\tfrac{\sqrt3}{2} \\[2pt] \tfrac12 & \tfrac12 & \tfrac12 \end{pmatrix}, \qquad \underline{\underline T}_\mathrm C^{-1} = \begin{pmatrix} 1 & 0 & 1 \\[2pt] -\tfrac12 & \tfrac{\sqrt3}{2} & 1 \\[2pt] -\tfrac12 & -\tfrac{\sqrt3}{2} & 1 \end{pmatrix} .

Park, die Drehung um den Rotorwinkel:

T__P=(cosϑsinϑ0−sinϑcosϑ0001). \underline{\underline T}_\mathrm P = \begin{pmatrix} \cos\vartheta & \sin\vartheta & 0 \\ -\sin\vartheta & \cos\vartheta & 0 \\ 0 & 0 & 1 \end{pmatrix} .

Beide zusammen, T__=T__PT__C\underline{\underline T} = \underline{\underline T}_\mathrm P \underline{\underline T}_\mathrm C, ergeben zeilenweise ausgeschrieben genau die Form, in der man sie gewöhnlich benutzt:

xd=23∑j=13xjcosαj,xq=−23∑j=13xjsinαj,x0=13∑j=13xj, x_d = \frac23\sum_{j=1}^{3} x_j\cos\alpha_j, \qquad x_q = -\frac23\sum_{j=1}^{3} x_j\sin\alpha_j, \qquad x_0 = \frac13\sum_{j=1}^{3} x_j,

mit der Abkürzung

αj:=ϑ−ϑj. \alpha_j := \vartheta - \vartheta_j .

Diese Abkürzung ist der ganze Trick des folgenden Schrittes. Rückwärts gilt

xj=xdcosαj−xqsinαj+x0. x_j = x_d\cos\alpha_j - x_q\sin\alpha_j + x_0 .

Gebraucht werden vier Summen, alle drei Strangachsen zusammengenommen. Sie folgen aus ∑jcos(2αj)=0\sum_j\cos(2\alpha_j) = 0 und ∑jsin(2αj)=0\sum_j\sin(2\alpha_j) = 0, weil die drei Winkel 2αj2\alpha_j um jeweils 4π3\tfrac{4\pi}{3} auseinanderliegen und damit wieder ein symmetrisches Dreibein bilden:

∑jcosαj=0,∑jcos2αj=32,∑jsin2αj=32,∑jsinαjcosαj=0. \sum_j \cos\alpha_j = 0, \qquad \sum_j \cos^2\alpha_j = \frac32, \qquad \sum_j \sin^2\alpha_j = \frac32, \qquad \sum_j \sin\alpha_j\cos\alpha_j = 0 .

Schritt 4: Die Transformation der Induktivitätsmatrix

Gesucht ist LdL_d, also der Faktor, mit dem idi_d auf ψd\psi_d wirkt. Eingesetzt wird die Rücktransformation des Stromes in die Definition von ψd\psi_d:

ψd=23∑jcosαjψj=23∑jcosαj∑kLjkik=23∑j∑kcosαjLjk(idcosαk−iqsinαk+i0). \psi_d = \frac23\sum_j \cos\alpha_j\,\psi_j = \frac23\sum_j \cos\alpha_j \sum_k L_{jk}\,i_k = \frac23\sum_j\sum_k \cos\alpha_j\,L_{jk} \left(i_d\cos\alpha_k - i_q\sin\alpha_k + i_0\right).

Der Anteil mit i0i_0 fällt dabei heraus: er trägt den Faktor ∑jcosαj=0\sum_j\cos\alpha_j = 0, gleichgültig welcher der drei Teile von LjkL_{jk} eingesetzt wird. Das Nullsystem koppelt also nicht in die d- und die q-Achse.

Daraus liest man unmittelbar ab:

Ld=23∑j∑kcosαjLjk(ϑ)cosαk,ldq=−23∑j∑kcosαjLjk(ϑ)sinαk, L_d = \frac23\sum_j\sum_k \cos\alpha_j\,L_{jk}(\vartheta)\,\cos\alpha_k , \qquad l_{dq} = -\frac23\sum_j\sum_k \cos\alpha_j\,L_{jk}(\vartheta)\,\sin\alpha_k ,

und entsprechend mit −23∑jsinαj(⋅)-\tfrac23\sum_j\sin\alpha_j(\cdot) für ψq\psi_q:

Lq=23∑j∑ksinαjLjk(ϑ)sinαk. L_q = \frac23\sum_j\sum_k \sin\alpha_j\,L_{jk}(\vartheta)\,\sin\alpha_k .

Auf der rechten Seite steht ϑ\vartheta, auf der linken nicht — und das ist keine Nachlässigkeit, sondern die Behauptung, die jetzt bewiesen wird: die Winkelabhängigkeit hebt sich beim Ausführen der Doppelsumme exakt heraus. Solange das nicht gezeigt ist, muss man Ld(ϑ)L_d(\vartheta) lesen; nach Teil C darf man das ϑ\vartheta weglassen. Die Zahlenprobe dazu steht im Kapitel „Woher die differentielle Matrix kommt”: dort wird T__ℓ__123(ϑ)T__−1\underline{\underline T}\,\underline{\underline\ell}_{123}(\vartheta)\, \underline{\underline T}^{-1} über eine volle Periode ausgerechnet und ist winkelunabhängig bis auf 10−1710^{-17}.

Jetzt wird LjkL_{jk} eingesetzt, und zwar zerlegt in drei Teile, die man einzeln behandelt:

Ljk(ϑ)=(L0−M0)δjk⏟Teil A+M0⏟Teil B+L2cos(2ϑ−ϑj−ϑk)⏟Teil C. L_{jk}(\vartheta) = \underbrace{(L_0 - M_0)\,\delta_{jk}}_{\text{Teil A}} + \underbrace{M_0}_{\text{Teil B}} + \underbrace{L_2\cos\left(2\vartheta - \vartheta_j - \vartheta_k\right)}_{\text{Teil C}} .

Teil A. Das Kronecker-Symbol streicht die Doppelsumme auf eine Summe zusammen:

23(L0−M0)∑jcos2αj=23(L0−M0)⋅32=L0−M0. \frac23 (L_0 - M_0)\sum_j \cos^2\alpha_j = \frac23 (L_0 - M_0)\cdot\frac32 = L_0 - M_0 .

Teil B. Der konstante Koppelanteil steht in jedem Eintrag gleich, die Doppelsumme zerfällt deshalb in ein Produkt zweier Einzelsummen, und beide sind null:

23M0(∑jcosαj)(∑kcosαk)=23M0⋅0⋅0=0. \frac23 M_0 \left(\sum_j\cos\alpha_j\right)\left(\sum_k\cos\alpha_k\right) = \frac23 M_0\cdot 0\cdot 0 = 0 .

M0M_0 verschwindet also aus LdL_d und LqL_q vollständig. Es bleibt allein im Nullsystem stehen — dazu Schritt 5.

Teil C. Hier ist die Stelle, die in Lehrbüchern meist übersprungen wird. Das Argument des Kosinus lässt sich mit der Abkürzung αj\alpha_j als Summe schreiben,

2ϑ−ϑj−ϑk=(ϑ−ϑj)+(ϑ−ϑk)=αj+αk, 2\vartheta - \vartheta_j - \vartheta_k = (\vartheta - \vartheta_j) + (\vartheta - \vartheta_k) = \alpha_j + \alpha_k ,

und darauf wird das Additionstheorem angewandt:

cos(αj+αk)=cosαjcosαk−sinαjsinαk. \cos(\alpha_j + \alpha_k) = \cos\alpha_j\cos\alpha_k - \sin\alpha_j\sin\alpha_k .

Damit zerfällt auch diese Doppelsumme in Produkte von Einzelsummen:

23L2∑j∑kcosαj(cosαjcosαk−sinαjsinαk)cosαk=23L2[(∑jcos2αj)(∑kcos2αk)−(∑jsinαjcosαj)2]. \begin{aligned} \frac23 L_2 \sum_j\sum_k &\cos\alpha_j \left(\cos\alpha_j\cos\alpha_k - \sin\alpha_j\sin\alpha_k\right)\cos\alpha_k \\ &= \frac23 L_2\left[ \left(\sum_j \cos^2\alpha_j\right)\left(\sum_k \cos^2\alpha_k\right) - \left(\sum_j \sin\alpha_j\cos\alpha_j\right)^2 \right] . \end{aligned}

Mit den vier Summen von oben:

=23L2[32⋅32−02]=23L2⋅94=32L2. = \frac23 L_2\left[\frac32\cdot\frac32 - 0^2\right] = \frac23 L_2\cdot\frac94 = \frac32\,L_2 .

Alle drei Teile zusammen:

Ld=L0−M0+32L2 \boxed{\;L_d = L_0 - M_0 + \frac32\,L_2\;}

Für LqL_q läuft dieselbe Rechnung mit sin\sin statt cos\cos. Teil A gibt wieder L0−M0L_0 - M_0, Teil B wieder null, und Teil C wechselt das Vorzeichen:

23L2[(∑jsinαjcosαj)2−(∑jsin2αj)2]=23L2[0−94]=−32L2, \frac23 L_2\left[ \left(\sum_j \sin\alpha_j\cos\alpha_j\right)^2 - \left(\sum_j \sin^2\alpha_j\right)^2\right] = \frac23 L_2\left[0 - \frac94\right] = -\frac32\,L_2 ,

also

Lq=L0−M0−32L2 \boxed{\;L_q = L_0 - M_0 - \frac32\,L_2\;}

Und das Kreuzglied, wieder mit demselben Additionstheorem:

ldq=−23L2[(∑jcos2αj)(∑kcosαksinαk)−(∑jcosαjsinαj)(∑ksin2αk)]=−23L2[32⋅0−0⋅32]=0. \begin{aligned} l_{dq} &= -\frac23 L_2\left[ \left(\sum_j\cos^2\alpha_j\right)\left(\sum_k\cos\alpha_k\sin\alpha_k\right) - \left(\sum_j\cos\alpha_j\sin\alpha_j\right)\left(\sum_k\sin^2\alpha_k\right)\right] \\ &= -\frac23 L_2\left[\frac32\cdot 0 - 0\cdot\frac32\right] = 0 . \end{aligned}

Das ist eine Aussage, die man festhalten sollte: eine schenkelpolige, aber ungesättigte Maschine hat kein Kreuzglied. Das ldql_{dq}, das im Teil über die gesättigte Maschine gemessen wird, stammt also nicht aus der Geometrie, sondern ausschließlich aus der Sättigung. Die Rechnung hier zeigt, warum: die cos2ϑ\cos 2\vartheta-Anteile von Selbst- und Koppelinduktivitäten stehen genau so zueinander, dass sie sich in der d-q-Mischsumme aufheben.

Damit ist auch die Winkelabhängigkeit verschwunden: in LdL_d, LqL_q und ldql_{dq} kommt ϑ\vartheta nicht mehr vor. Genau das war das Ziel.

Schritt 5: Das Nullsystem und der Koppelfaktor

Die dritte Zeile der Transformation nimmt den Mittelwert. Mit i1=i2=i3=i0i_1 = i_2 = i_3 = i_0 ist

ψ0=13∑j∑kLjki0=13i0[3L0+6M0+L2∑j∑kcos(αj+αk)], \psi_0 = \frac13\sum_j\sum_k L_{jk}\,i_0 = \frac13\,i_0\left[3L_0 + 6M_0 + L_2\sum_j\sum_k\cos(\alpha_j+\alpha_k)\right],

und die Doppelsumme im letzten Glied ist wieder ein Produkt zweier Summen über das symmetrische Dreibein, also null. Es bleibt

L(0)=L0+2M0 \boxed{\;L^{(0)} = L_0 + 2M_0\;}

Daraus folgt der Zusammenhang zum Koppelfaktor k=M0/L0k = M_0/L_0 der Vorlesungsdarstellung:

k=M0L0=L(0)−L02L0=−12+L(0)2L0. k = \frac{M_0}{L_0} = \frac{L^{(0)} - L_0}{2L_0} = -\frac12 + \frac{L^{(0)}}{2L_0} .

k=−12k = -\tfrac12 gilt also genau dann, wenn die Nullkomponente verschwindet. Die Abweichung von −12-\tfrac12 ist keine Ungenauigkeit der Wicklungsauslegung, sondern misst unmittelbar den Streuanteil, der keinen anderen Strang erreicht.

Schritt 6: Die Spannungsgleichung

Zu transformieren bleibt die Zeitableitung. Mit x_123=T__−1x_dq0\underline x_{123} = \underline{\underline T}^{-1}\underline x_{dq0} und der Produktregel:

u_dq0=T__u_123=T__RT__−1i_dq0+T__ddt(T__−1ψ_dq0)=Ri_dq0+ddtψ_dq0+T__dT__−1dtψ_dq0. \underline u_{dq0} = \underline{\underline T}\,\underline u_{123} = \underline{\underline T} R \underline{\underline T}^{-1}\underline i_{dq0} + \underline{\underline T}\,\frac{\mathrm d}{\mathrm dt} \left(\underline{\underline T}^{-1}\underline\psi_{dq0}\right) = R\,\underline i_{dq0} + \frac{\mathrm d}{\mathrm dt}\underline\psi_{dq0} + \underline{\underline T}\, \frac{\mathrm d\underline{\underline T}^{-1}}{\mathrm dt}\, \underline\psi_{dq0} .

Der Widerstand bleibt unverändert, weil RE__R\underline{\underline E} mit jeder Matrix vertauscht. Das letzte Glied enthält die Zeitableitung der Transformation selbst; mit der Kettenregel d/dt=ωeld/dϑ\mathrm d/\mathrm dt = \omega_\mathrm{el}\,\mathrm d/\mathrm d\vartheta und den Ableitungen der Winkelfunktionen ergibt sich

T__dT__−1dt=ωel(0−10100000)=:ωelD__. \underline{\underline T}\, \frac{\mathrm d\underline{\underline T}^{-1}}{\mathrm dt} = \omega_\mathrm{el} \begin{pmatrix} 0 & -1 & 0 \\ 1 & 0 & 0 \\ 0 & 0 & 0 \end{pmatrix} =: \omega_\mathrm{el}\,\underline{\underline D} .

Ausmultipliziert, ohne Nullsystem, und mit ψd=Ldid+ΨPM\psi_d = L_d i_d + \Psi_\mathrm{PM}, ψq=Lqiq\psi_q = L_q i_q:

ud=Rid+Lddiddt−ωelLqiquq=Riq+Lqdiqdt+ωel(Ldid+ΨPM) \begin{alignedat}{3} u_d &= R\,i_d &&\;+\; L_d\,\frac{\mathrm di_d}{\mathrm dt} &&\;-\; \omega_\mathrm{el}\,L_q\,i_q \\[4pt] u_q &= R\,i_q &&\;+\; L_q\,\frac{\mathrm di_q}{\mathrm dt} &&\;+\; \omega_\mathrm{el}\left(L_d\,i_d + \Psi_\mathrm{PM}\right) \end{alignedat}

Sie stehen hier mit LdL_d und LqL_q, weil die Maschine schenkelpolig ist; für Ld=LqL_d = L_q fallen sie auf den isotropen Sonderfall zusammen.

Auffällig ist, was hier nicht steht: Kreuzglieder. Im Teil über die gesättigte Maschine werden sie auftreten. Das ist kein Weglassen, sondern das Ergebnis von Schritt 4. Der Ansatz von Schritt 2 hat stromunabhängige L0L_0, M0M_0 und L2L_2 — er beschreibt also lineares Eisen —, und unter dieser Voraussetzung ist ldq=lqd=0l_{dq} = l_{qd} = 0 exakt. Aus demselben Grund fallen hier auch die differentiellen und die absoluten Induktivitäten zusammen: ist ψd\psi_d linear in idi_d, so sind Sekante und Tangente dieselbe Zahl, ldd=Ldl_{dd} = L_d und lqq=Lql_{qq} = L_q. Deshalb genügt in diesem Kapitel ein einziges Paar.

Die längere Form mit vier differentiellen Induktivitäten wird erst gebraucht, wenn das Eisen sättigt. Dann hängen L0L_0, M0M_0 und L2L_2 selbst vom Arbeitspunkt ab, die Flussverkettungen werden gekrümmte Flächen, und die Kettenregel liefert vier Ableitungen statt zwei. Wie groß die Kreuzglieder bei dieser Maschine wirklich sind, steht im Teil über die gesättigte Maschine, im Kapitel „Glied 6: Die Gleichungen”.

Schritt 7: Die Zahlen dieser Maschine

Gerechnet wurden 61 Rotorstellungen über eine volle elektrische Periode, je Stellung eine Lösung mit +Δ+\Delta und eine mit −Δ-\Delta in Strang 1. Der Ansatz aus Schritt 2 trifft die gerechneten Punkte bis auf 0,106 mH, also auf 0,23 Prozent von L0L_0; was übrig bleibt, sind die Oberwellen der Nutung, die im Ansatz mit nur einer Harmonischen nicht vorkommen.

aus dem Strangversuch Wert
L0L_0, Mittelwert der Selbstinduktivität 45,986 mH
M0M_0, Mittelwert der Koppelinduktivität −22,026 mH
L2L_2, Amplitude des cos2ϑ\cos 2\vartheta-Anteils −2,236 mH
Koppelfaktor k=M0/L0k = M_0/L_0 −0,4790
Nullsystem L(0)=L0+2M0L^{(0)} = L_0 + 2M_0 1,934 mH

Daraus nach den Formeln von Schritt 4, und daneben dieselben Größen aus der unmittelbaren Rechnung im Rotorsystem beim Arbeitspunkt id=0i_d = 0, iq=1i_q = 1 A:

über die Stranggrößen unmittelbar im dq-System Unterschied
Ld=L0−M0+32L2L_d = L_0 - M_0 + \tfrac32 L_2 64,657 mH 64,618 mH 0,06 %
Lq=L0−M0−32L2L_q = L_0 - M_0 - \tfrac32 L_2 71,366 mH 71,280 mH 0,12 %

Die beiden Wege haben nichts gemeinsam außer dem Modell: der eine speist einen einzigen Strang bei stehendem Rotor und dreht ihn Stellung für Stellung weiter, der andere stellt Ströme im Rotorsystem ein und stört sie. Dass sie auf ein Zehntel Prozent zusammenfallen, prüft die Herleitung von Schritt 4 und die Feldrechnung zugleich.

Selbst- und Koppelinduktivitäten des Stranges 1 über dem Drehwinkel

Der Koppelfaktor liegt bei −0,4790, also nahe an −12-\tfrac12, aber nicht darauf. Nach Schritt 5 ist die Abweichung keine Ungenauigkeit, sondern das Nullsystem: 1,934 mH, das sind 4,2 Prozent von L0L_0. Das ist der Anteil des Feldes, der keinen anderen Strang erreicht.

Schritt 8: Die geschlossene Probe

Der Leerlauf liefert die letzte fehlende Größe. Bei stromlosen Strängen verschwindet der Mittelwert von ψq\psi_q bis auf 4,4·10⁻⁶ Wb — die d-Achse liegt also dort, wo Schritt 2 sie angenommen hat. Der Augenblickswert schwankt allerdings um bis zu 5,58 mWb; das ist nicht die Achslage, sondern wieder die Nutung. Die Grundwelle der Flussverkettung ist

ΨPM=0,274718Wb.\Psi_\mathrm{PM} = 0{,}274718\ \mathrm{Wb} .

Die Kurve ist nicht rein sinusförmig; gemessen an der Grundwelle tragen die 5. 3,66 Prozent, die 7. 1,62 Prozent, die 11. 0,53 Prozent. Bei 1000 Umdrehungen je Minute, also 50 Hz elektrisch, ist die Grundwelle der Leerlaufspannung û1=ωelΨPM=86,305\hat u_1 = \omega_\mathrm{el}\Psi_\mathrm{PM} = 86{,}305 V. Am Oszilloskop abzulesen ist allerdings etwas anderes: wegen der Oberwellen erreicht die Kurve nur 78,9 V Scheitelwert. Die Messvorschrift unterscheidet beides.

Damit sind alle Parameter bestimmt, und zwar ausschließlich aus Größen, die auch an den Klemmen zugänglich sind. Die Probe besteht nun darin, den Betriebsfall vorherzusagen und mit der Feldrechnung zu vergleichen. Gerechnet wird er bei id=0i_d = 0 und iq=3i_q = 3 A über eine volle elektrische Periode; die Klemmenspannungen folgen aus uk=Rik+ωeldψk/dϑu_k = R\,i_k + \omega_\mathrm{el}\,\mathrm d\psi_k/\mathrm d\vartheta und werden anschließend ins Rotorsystem gedreht. Der Widerstandsanteil bleibt beiseite, weil die Feldrechnung ihn nicht kennt; er ist ein bekannter additiver Beitrag.

udu_d uqu_q
Feldrechnung, Mittelwert über eine Periode −66,701 V 85,663 V
Modell mit den ungesättigten Parametern −67,260 V 86,305 V
Modell mit den Parametern des Arbeitspunktes −66,804 V 85,851 V

Mit den ungesättigten Werten aus dem Strangversuch bleibt ein Unterschied von 0,83 Prozent in udu_d und 0,74 Prozent in uqu_q. Setzt man statt dessen die Parameter ein, die im Arbeitspunkt selbst gelten — Lq=70,882L_q = 70{,}882 mH statt 71,366 mH und ΨPM=0,273273\Psi_\mathrm{PM} = 0{,}273273 Wb statt 0,274718 Wb —, so bleiben 0,15 und 0,22 Prozent. Der Rest des Unterschiedes ist also nicht Rechenfehler, sondern Sättigung: bei iq=3i_q = 3 A ist die Maschine bereits so weit ausgesteuert, dass die ungesättigten Werte um knapp ein Prozent danebenliegen.

Geschlossene Probe: Klemmenspannungen im Rotorsystem

Die Abbildung zeigt zugleich, was das dq-Modell grundsätzlich nicht leisten kann. Die Mittelwerte treffen auf zwei Zehntel Prozent, die Augenblickswerte schwanken aber mit ±25,326\pm25{,}326 V in udu_d und ±6,886\pm6{,}886 V in uqu_q, also um bis zu 38 Prozent. Das ist die Nutung, sechs Perioden je elektrischer Periode. Sie steht in keinem Parameter des Modells, weil sie sich beim Übergang ins Rotorsystem nicht wegtransformieren lässt; am Prüfstand erscheint sie als Momentwelligkeit.

Die gesättigte Maschine

Bis hierher war die Flussverkettung eine Gerade über dem Strom. Das gilt, bis das Eisen in die Krümmung seiner Kennlinie gerät; danach ist sie eine gebogene Fläche über der Stromebene, und zwar eine für ψd\psi_d und eine für ψq\psi_q:

ψd=ψd(id,iq),ψq=ψq(id,iq). \psi_d = \psi_d(i_d, i_q), \qquad \psi_q = \psi_q(i_d, i_q) .

Drei Dinge ändern sich damit auf einmal, und alle drei sind Folgen derselben Krümmung:

  • Sekante und Tangente sind nicht mehr dasselbe. Aus zwei Zahlen je Achse werden zwei Paare: die absoluten LdL_d, LqL_q und die differentiellen lddl_{dd}, lqql_{qq}.
  • Jede Flussverkettung hängt jetzt von beiden Strömen ab. Damit treten die Kreuzglieder ldql_{dq} und lqdl_{qd} auf, die im ungesättigten Fall exakt null waren.
  • Auch ΨPM\Psi_\mathrm{PM} ist nicht mehr fest: der q-Strom sättigt das Eisen mit und drückt den Magnetfluss.

Die restlichen Kapitel behandeln diesen Fall. Sie beginnen mit den Begriffen, setzen die Gleichungen in ihrer vollständigen Form hin und rechnen die vier Induktivitäten für diese Maschine aus.

Die beiden Begriffe

Die Flussverkettung ist eine Funktion beider Ströme, Ψd(id,iq)\Psi_d(i_d,i_q) und Ψq(id,iq)\Psi_q(i_d,i_q). Das sind zwei Flächen über der Stromebene, und sie sind das eigentliche Ergebnis der Feldrechnung. Alles Weitere wird daraus abgeleitet, auf zwei verschiedene Arten:

Die absolute Induktivität ist die Sekante vom Ursprung zum Arbeitspunkt,

Ld=Ψd−ΨPMid,Lq=Ψqiq. L_{d} = \frac{\Psi_d - \Psi_\mathrm{PM}}{i_d}, \qquad L_{q} = \frac{\Psi_q}{i_q}.

Die differentielle Induktivität ist die Steigung im Arbeitspunkt, und sie ist keine Zahl je Achse, sondern eine Matrix:

l_=(∂Ψd/∂id∂Ψd/∂iq∂Ψq/∂id∂Ψq/∂iq)=(lddldqlqdlqq). \underline{l} = \begin{pmatrix} \partial\Psi_d/\partial i_d & \partial\Psi_d/\partial i_q \\ \partial\Psi_q/\partial i_d & \partial\Psi_q/\partial i_q \end{pmatrix} = \begin{pmatrix} l_{dd} & l_{dq} \\ l_{qd} & l_{qq} \end{pmatrix}.

Es sind zwei Auswertungen derselben Fläche, nicht zwei Eigenschaften der Maschine. Im ungesättigten Betrieb fallen sie zusammen; unter Last nicht.

Woher die differentielle Matrix kommt

Die vier Einträge sind keine Verabredung und keine Modellierungsentscheidung. Sie folgen zwingend, sobald man die Klemmengleichung einer Maschine hinschreibt, deren Flussverkettung von beiden Strömen abhängt.

Nullter Schritt: alles beginnt bei den drei Strängen

Die dq-Gleichungen fallen nicht vom Himmel, und die differentielle Matrix ebensowenig. Beide entstehen aus den drei statorfesten Strangspannungsgleichungen durch Transformation, und dieser Weg wird hier vollständig gegangen — ohne eine Zwischenstufe zu überspringen.

Am Anfang steht nichts als das Induktionsgesetz an jedem der drei Stränge:

uk=Rik+dψkdt,k=1,2,3, u_k = R\,i_k + \frac{\mathrm d\psi_k}{\mathrm dt}, \qquad k = 1,2,3,

oder zusammengefasst u_123=Ri_123+dψ_123/dt\underline u_{123} = R\,\underline i_{123} + \mathrm d\underline\psi_{123}/\mathrm dt. Die Flussverkettung eines Stranges hat zwei Ursachen — die Ströme und die Magnete — und hängt außerdem von der Rotorstellung ab:

ψ_123=ψ_123(i_123,ϑ)=L__123(ϑ)i_123+ψ_P,123(ϑ)(ungesättigt). \underline\psi_{123} = \underline\psi_{123}\!\left(\underline i_{123},\, \vartheta\right) = \underline{\underline L}_{123}(\vartheta)\,\underline i_{123} + \underline\psi_{\mathrm P,123}(\vartheta) \quad\text{(ungesättigt)} .

Im gesättigten Fall lässt sich das Produkt L__i_\underline{\underline L}\,\underline i nicht mehr hinschreiben, weil die Einträge selbst vom Strom abhängen. Die allgemeine Form bleibt trotzdem gültig: ψ_123\underline\psi_{123} ist eine Funktion der drei Ströme und des Winkels, und nur das wird im Folgenden gebraucht.

Erster Schritt: die Kettenregel im Strangsystem

Die Zeitableitung einer Funktion mehrerer Veränderlicher zerfällt in ihre Beiträge. Für jeden Strang gilt

dψkdt=∑m=13∂ψk∂imdimdt⏟Transformatorspannung+∂ψk∂ϑdϑdt⏟Bewegungsspannung. \frac{\mathrm d\psi_k}{\mathrm dt} = \underbrace{\sum_{m=1}^{3}\frac{\partial\psi_k}{\partial i_m}\, \frac{\mathrm di_m}{\mathrm dt}}_{\text{Transformatorspannung}} + \underbrace{\frac{\partial\psi_k}{\partial\vartheta}\, \frac{\mathrm d\vartheta}{\mathrm dt}}_{\text{Bewegungsspannung}} .

Der erste Term enthält bereits eine Matrix, und zwar die differentielle Induktivitätsmatrix des Strangsystems

ℓ__123=∂ψ_123∂i_123=(∂ψ1/∂i1∂ψ1/∂i2∂ψ1/∂i3∂ψ2/∂i1∂ψ2/∂i2∂ψ2/∂i3∂ψ3/∂i1∂ψ3/∂i2∂ψ3/∂i3). \underline{\underline\ell}_{123} = \frac{\partial\underline\psi_{123}}{\partial\underline i_{123}} = \begin{pmatrix} \partial\psi_1/\partial i_1 & \partial\psi_1/\partial i_2 & \partial\psi_1/\partial i_3\\ \partial\psi_2/\partial i_1 & \partial\psi_2/\partial i_2 & \partial\psi_2/\partial i_3\\ \partial\psi_3/\partial i_1 & \partial\psi_3/\partial i_2 & \partial\psi_3/\partial i_3 \end{pmatrix} .

Sie ist die Jacobi-Matrix der Abbildung i_123↦ψ_123\underline i_{123} \mapsto \underline\psi_{123} und nach dem Argument über die Koenergie symmetrisch. Im ungesättigten Fall ist sie gerade L__123(ϑ)\underline{\underline L}_{123}(\vartheta) aus Schritt 2 des ersten Kapitels; im gesättigten Fall ist sie deren Verallgemeinerung. Die Matrix gibt es also schon im Strangsystem — die Transformation erzeugt sie nicht, sie rechnet sie nur um.

Damit lautet die Strangspannungsgleichung

u_123=Ri_123+ℓ__123di_123dt+∂ψ_123∂ϑωel. \underline u_{123} = R\,\underline i_{123} + \underline{\underline\ell}_{123}\,\frac{\mathrm d\underline i_{123}}{\mathrm dt} + \frac{\partial\underline\psi_{123}}{\partial\vartheta}\,\omega_\mathrm{el} .

Zweiter Schritt: die Transformation ansetzen

Mit der amplitudeninvarianten Transformation aus Schritt 3,

T__(ϑ)=23(cosϑcos(ϑ−2π3)cos(ϑ+2π3)−sinϑ−sin(ϑ−2π3)−sin(ϑ+2π3)), \underline{\underline T}(\vartheta) = \frac23 \begin{pmatrix} \cos\vartheta & \cos\left(\vartheta-\tfrac{2\pi}{3}\right) & \cos\left(\vartheta+\tfrac{2\pi}{3}\right)\\ -\sin\vartheta & -\sin\left(\vartheta-\tfrac{2\pi}{3}\right) & -\sin\left(\vartheta+\tfrac{2\pi}{3}\right) \end{pmatrix},

und ihrer Rechtsinversen T__−1=32T__𝖳\underline{\underline T}^{-1} = \tfrac32 \underline{\underline T}^{\mathsf T} (für Größen ohne Nullkomponente) werden alle drei Größen umgerechnet: u_dq=T__u_123\underline u_{dq} = \underline{\underline T}\, \underline u_{123}, ebenso i_dq\underline i_{dq} und ψ_dq\underline\psi_{dq}.

Wendet man T__\underline{\underline T} auf die Strangspannungsgleichung an, ist der ohmsche Term sofort fertig, weil RR ein Vielfaches der Einheitsmatrix ist. Der Ableitungsterm dagegen verlangt Sorgfalt: T__\underline{\underline T} hängt selbst von der Zeit ab. Nach der Produktregel gilt

T__dψ_123dt=ddt(T__ψ_123)−dT__dtψ_123=dψ_dqdt−dT__dtT__−1ψ_dq. \underline{\underline T}\,\frac{\mathrm d\underline\psi_{123}}{\mathrm dt} = \frac{\mathrm d}{\mathrm dt}\left(\underline{\underline T}\, \underline\psi_{123}\right) - \frac{\mathrm d\underline{\underline T}}{\mathrm dt}\,\underline\psi_{123} = \frac{\mathrm d\underline\psi_{dq}}{\mathrm dt} - \frac{\mathrm d\underline{\underline T}}{\mathrm dt}\, \underline{\underline T}^{-1}\,\underline\psi_{dq} .

Genau hier entsteht der Drehterm. Rechnet man das Produkt aus, so ist

dT__dtT__−1=ωel∂T__∂ϑT__−1=ωel(01−10), \frac{\mathrm d\underline{\underline T}}{\mathrm dt}\, \underline{\underline T}^{-1} = \omega_\mathrm{el}\,\frac{\partial\underline{\underline T}}{\partial\vartheta}\, \underline{\underline T}^{-1} = \omega_\mathrm{el} \begin{pmatrix} 0 & 1\\ -1 & 0\end{pmatrix},

und mit dem Minuszeichen davor ergibt sich der vertraute Beitrag (−ωelΨq,+ωelΨd)\left(-\omega_\mathrm{el}\Psi_q,\; +\omega_\mathrm{el}\Psi_d\right). Die Bewegungsspannung ist also keine zusätzliche Annahme, sondern die Ableitung der Transformationsmatrix selbst.

Dritter Schritt: die Matrix mitnehmen

Bleibt der Stromterm. Aus i_123=T__−1i_dq\underline i_{123} = \underline{\underline T}^{-1} \underline i_{dq} folgt

T__ℓ__123di_123dt=T__ℓ__123T__−1di_dqdt+T__ℓ__123dT__−1dti_dq, \underline{\underline T}\,\underline{\underline\ell}_{123}\, \frac{\mathrm d\underline i_{123}}{\mathrm dt} = \underline{\underline T}\,\underline{\underline\ell}_{123}\, \underline{\underline T}^{-1}\,\frac{\mathrm d\underline i_{dq}}{\mathrm dt} + \underline{\underline T}\,\underline{\underline\ell}_{123}\, \frac{\mathrm d\underline{\underline T}^{-1}}{\mathrm dt}\,\underline i_{dq},

wobei der zweite Summand zusammen mit dem winkelabhängigen Teil der Bewegungsspannung aufgeht — für die symmetrisch gewickelte Maschine heben sich beide Beiträge gerade so auf, dass im Rotorsystem keine explizite Winkelabhängigkeit übrig bleibt. Das ist der ganze Zweck der Transformation und zugleich ihre Probe. Übrig bleibt

l__=T__(ϑ)ℓ__123(ϑ)T__−1(ϑ)=(lddldqlqdlqq) \boxed{\;\underline{\underline l} = \underline{\underline T}(\vartheta)\;\underline{\underline\ell}_{123}(\vartheta)\; \underline{\underline T}^{-1}(\vartheta) = \begin{pmatrix} l_{dd} & l_{dq}\\ l_{qd} & l_{qq}\end{pmatrix}\;}

— die differentielle Matrix des Rotorsystems, und zwar als Ähnlichkeits­trans­formation der Strangmatrix. Daraus folgt unmittelbar:

  • Sie ist symmetrisch, weil T__−1=32T__𝖳\underline{\underline T}^{-1} = \tfrac32 \underline{\underline T}^{\mathsf T} ist und 32T__ℓ__T__𝖳\tfrac32\underline{\underline T}\,\underline{\underline\ell}\,\underline{\underline T}^{\mathsf T} die Symmetrie von ℓ__123\underline{\underline\ell}_{123} erbt. Die Gleichheit ldq=lqdl_{dq}=l_{qd} ist also zweifach begründet: über die Koenergie im Strangsystem und über die Transformation.
  • Sie ist winkelunabhängig, obwohl beide Faktoren es nicht sind. Das ist keine Näherung: setzt man den Ansatz Ljk(ϑ)L_{jk}(\vartheta) aus Schritt 2 ein, so kürzt sich die Winkelabhängigkeit exakt heraus.
  • Sie ist im ungesättigten Fall diagonal mit den Einträgen L0−M0+32L2L_0 - M_0 + \tfrac32 L_2 und L0−M0−32L2L_0 - M_0 - \tfrac32 L_2 — genau die beiden Zahlen aus Schritt 4. Für diese Maschine: T__ℓ__123T__−1=diag(64,658;71,366)\underline{\underline T}\,\underline{\underline\ell}_{123}\, \underline{\underline T}^{-1} = \mathrm{diag}(64{,}658;\ 71{,}366) mH, und die Nebendiagonale ist null.
  • Unter Sättigung bleibt die Form erhalten, aber ℓ__123\underline{\underline\ell}_{123} hängt nun vom Arbeitspunkt ab — und damit auch l__\underline{\underline l}. Die Nebendiagonale ist dann nicht mehr null, und das ist ldql_{dq}.

Damit lautet die vollständige Gleichung

u_dq=Ri_dq+l__di_dqdt+ωelJ__ψ_dq,J__=(0−110), \underline u_{dq} = R\,\underline i_{dq} + \underline{\underline l}\,\frac{\mathrm d\underline i_{dq}}{\mathrm dt} + \omega_\mathrm{el}\,\underline{\underline J}\,\underline\psi_{dq}, \qquad \underline{\underline J} = \begin{pmatrix} 0 & -1\\ 1 & 0\end{pmatrix},

und ausgeschrieben ist das Zeile für Zeile die Form, mit der diese Arbeit rechnet. Jeder Term hat jetzt eine Herkunft: Ri_R\,\underline i aus dem Strangwiderstand, l__di_/dt\underline{\underline l}\,\mathrm d\underline i/\mathrm dt aus der Kettenregel im Strangsystem, ωelJ__ψ_dq\omega_\mathrm{el}\underline{\underline J} \underline\psi_{dq} aus der Zeitableitung der Transformationsmatrix.

Vierter Schritt: dieselbe Kettenregel noch einmal, jetzt im Rotorsystem

Im Rotorsystem lautet die eben hergeleitete Gleichung

ud=Rid+dΨddt−ωelΨq,uq=Riq+dΨqdt+ωelΨd. u_d = R\,i_d + \frac{\mathrm d\Psi_d}{\mathrm dt} - \omega_\mathrm{el}\Psi_q, \qquad u_q = R\,i_q + \frac{\mathrm d\Psi_q}{\mathrm dt} + \omega_\mathrm{el}\Psi_d .

Mehr steht dort nicht. Eine Induktivität erscheint erst, wenn man die Zeitableitung der Flussverkettung ausschreibt. Ψd\Psi_d hängt von idi_d und von iqi_q ab, also gilt nach der Kettenregel

dΨddt=∂Ψd∂iddiddt+∂Ψd∂iqdiqdt=ldddiddt+ldqdiqdt, \frac{\mathrm d\Psi_d}{\mathrm dt} = \frac{\partial\Psi_d}{\partial i_d}\,\frac{\mathrm di_d}{\mathrm dt} + \frac{\partial\Psi_d}{\partial i_q}\,\frac{\mathrm di_q}{\mathrm dt} = l_{dd}\,\frac{\mathrm di_d}{\mathrm dt} + l_{dq}\,\frac{\mathrm di_q}{\mathrm dt},

und ebenso für die q-Achse. Damit ist die Matrix da. Sie ist nichts anderes als die Jacobi-Matrix der Abbildung (id,iq)↦(Ψd,Ψq)(i_d,i_q)\mapsto(\Psi_d,\Psi_q); die Kreuzglieder ldql_{dq} und lqdl_{qd} stehen nicht deshalb dort, weil jemand sie hinzugefügt hätte, sondern weil das Weglassen eines Summanden der Kettenregel ein Fehler wäre.

Wer sie dennoch wegzulassen versucht, behauptet damit, Ψd\Psi_d hänge nicht von iqi_q ab. Das ist im ungesättigten Eisen richtig und unter Last falsch: beide Ströme magnetisieren dieselben Zähne und dasselbe Joch.

Fünfter Schritt: warum die Matrix symmetrisch ist

ldql_{dq} und lqdl_{qd} sind zwei verschiedene Ableitungen — die eine misst, wie Ψd\Psi_d auf iqi_q reagiert, die andere, wie Ψq\Psi_q auf idi_d reagiert. Dass sie gleich sind, ist keine Näherung, sondern folgt aus der Energie.

Die magnetische Koenergie einer stromgespeisten Anordnung ist durch ihr vollständiges Differential

dW′=Ψddid+Ψqdiq \mathrm dW' = \Psi_d\,\mathrm di_d + \Psi_q\,\mathrm di_q

gegeben. Weil W′W' eine Zustandsgröße ist — sie hängt vom Arbeitspunkt ab und nicht davon, auf welchem Weg er erreicht wurde —, folgt

Ψd(id,iq)=∂W′∂id,Ψq=∂W′∂iq. \Psi_d(i_d,i_q) = \frac{\partial W'}{\partial i_d}, \qquad \Psi_q = \frac{\partial W'}{\partial i_q} .

Die vier Einträge der Matrix sind damit die zweiten Ableitungen der Koenergie,

l_=(∂2W′∂id2∂2W′∂id∂iq∂2W′∂iq∂id∂2W′∂iq2), \underline{l} = \begin{pmatrix} \dfrac{\partial^2 W'}{\partial i_d^2} & \dfrac{\partial^2 W'}{\partial i_d\,\partial i_q} \\[8pt] \dfrac{\partial^2 W'}{\partial i_q\,\partial i_d} & \dfrac{\partial^2 W'}{\partial i_q^2} \end{pmatrix},

und nach dem Satz von Schwarz sind die beiden gemischten Ableitungen gleich:

ldq(id,iq)=∂2W′∂id∂iq=∂2W′∂iq∂id=lqd. l_{dq}(i_d,i_q) = \frac{\partial^2 W'}{\partial i_d\,\partial i_q} = \frac{\partial^2 W'}{\partial i_q\,\partial i_d} = l_{qd} .

Daraus folgt zweierlei. Erstens ist die Matrix symmetrisch, und solange die Anordnung passiv ist, auch positiv definit; das ist der Grund, warum ein Maschinenmodell mit dieser Matrix niemals Energie erzeugt. Zweitens — und das ist der praktische Teil — hat man damit eine Probe, die kein Messfehler bestehen kann: ldql_{dq} und lqdl_{qd} werden aus zwei verschiedenen Versuchen gewonnen, mit Anregung in der d- und in der q-Achse, und müssen trotzdem dieselbe Zahl ergeben. Weichen sie voneinander ab, liegt es am Aufbau, an der Winkellage oder an der Auswertung — nicht an der Maschine. Im Messblatt ist das die schärfste der Proben; in der Rechnung bleibt der Unterschied über das ganze Kennfeld unter 0,0450{,}045 mH.

Sechster Schritt: warum im Stromterm nicht die Sekante steht

Die Versuchung ist groß, dort LdL_d und LqL_q zu schreiben — sie sind bekannter, und es sind nur zwei Zahlen statt vier. Das wäre falsch, und zwar um einen Betrag, den man sieht: bei dieser Maschine liegt lqql_{qq} im Arbeitspunkt id=−2i_d = -2 A, iq=4i_q = 4 A bei 65,865{,}8 mH, die Sekante LqL_q dagegen bei 70,170{,}1 mH — sechs Prozent Unterschied in einem Term, der die Stromdynamik bestimmt.

Der Grund ist elementar: eine Sekante beschreibt, wo der Arbeitspunkt liegt, eine Steigung, wie er sich ändert. Im Stromterm steht eine Änderung, also gehört dorthin die Steigung. Im Drehterm steht dagegen die Flussverkettung selbst, ωelΨq\omega_\mathrm{el}\Psi_q und ωelΨd\omega_\mathrm{el}\Psi_d, und die wird durch die Sekante ausgedrückt: Ψq=Lqiq\Psi_q = L_q\,i_q und Ψd=ΨPM+Ldid\Psi_d = \Psi_\mathrm{PM} + L_d\,i_d. Deshalb stehen in derselben Gleichung beide Begriffe nebeneinander — nicht aus Inkonsequenz, sondern weil an den beiden Stellen zwei verschiedene Fragen beantwortet werden.

Siebter Schritt: was am Rand geschieht

Bei id=0i_d = 0 ist die Sekante Ld=(Ψd−ΨPM)/idL_d = (\Psi_d - \Psi_\mathrm{PM})/i_d ein Ausdruck der Form 0/00/0. Sie ist dort nicht undefiniert, sondern hat einen Grenzwert, und dieser ist gerade die Steigung:

limid→0Ψd(id,iq)−Ψd(0,iq)id=∂Ψd∂id|id=0=ldd. \lim_{i_d\to 0} \frac{\Psi_d(i_d,i_q) - \Psi_d(0,i_q)}{i_d} = \left.\frac{\partial\Psi_d}{\partial i_d}\right|_{i_d = 0} = l_{dd} .

Die Seite rechnet dort deshalb Ld=lddL_d = l_{dd} und behauptet das nicht, sondern weist es aus. Dieselbe Überlegung erklärt, warum beide Begriffe im ungesättigten Betrieb zusammenfallen: ist Ψd\Psi_d in idi_d linear, so sind Sekante und Steigung dieselbe Zahl, und die Kreuzglieder verschwinden, weil Ψd\Psi_d dann gar nicht von iqi_q abhängt. ldql_{dq} lebt ausschließlich von der Sättigung — es ist der einzige der sechs Kennwerte, der im linearen Modell identisch null ist, und damit der empfindlichste Prüfstein für die Eisenkennlinie im gesättigten Teil.

Achter Schritt: der Bezug von ΨPM\Psi_\mathrm{PM}

Eine Feinheit, die sich beim Bau des Messblatts als Zwei-Prozent-Fehler bemerkbar machte. In der Sekante steht ΨPM\Psi_\mathrm{PM}, und damit ist nicht der Leerlaufwert gemeint, sondern

ΨPM(iq)=Ψd(0,iq). \Psi_\mathrm{PM}(i_q) = \Psi_d(0, i_q) .

Beides ist nur im ungesättigten Fall dasselbe. Unter Last magnetisiert iqi_q die Zähne mit, der Arbeitspunkt auf der Eisenkennlinie wandert, und der von den Magneten herrührende Anteil der d-Flussverkettung sinkt — bei dieser Maschine um knapp ein Prozent bei iq=4i_q = 4 A. Dieser Unterschied wird beim Teilen durch idi_d verstärkt und macht LdL_d um zwei Prozent falsch, ohne dass man es dem Ergebnis ansieht. Deshalb verlangt die Messvorschrift in Schritt 6 einen zweiten Betriebspunkt mit id=0i_d = 0 bei unverändertem iqi_q: er liefert ΨPM(iq)\Psi_\mathrm{PM}(i_q) unmittelbar.

Die drei Proben dieser Herleitung

Sie ist nachrechenbar, und sie wird bei jedem Bau nachgerechnet (rechnung/pruefe_herleitung.js):

Behauptung Probe Maßstab
T__T__−1=E__\underline{\underline T}\,\underline{\underline T}^{-1} = \underline{\underline E} numerisch bei beliebigem ϑ\vartheta 10−1210^{-12}
∂ϑT__⋅T__−1=(01−10)\partial_\vartheta\underline{\underline T}\cdot\underline{\underline T}^{-1} = \begin{pmatrix}0&1\\-1&0\end{pmatrix} numerisch, daraus der Drehterm 10−1210^{-12}
T__ℓ__123(ϑ)T__−1=diag(Ld,Lq)\underline{\underline T}\,\underline{\underline\ell}_{123}(\vartheta)\,\underline{\underline T}^{-1} = \mathrm{diag}(L_d, L_q), winkelunabhängig über eine volle Periode, mit L0L_0, M0M_0, L2L_2 dieser Maschine 10−1210^{-12}

Dass die dritte Probe über eine volle Periode geführt wird und nicht an einer Stelle, ist der Kern: sie belegt, dass die Winkelabhängigkeit wirklich verschwindet und nicht zufällig an einem Punkt null ist.

Warum die Stranggrößen der maßgebliche Weg sind

Aus der Feldrechnung lassen sich dieselben Kennwerte auf zwei Wegen gewinnen. Der eine führt über die Stranggrößen L0L_0, M0M_0, L2L_2 und die Leerlaufspannung; der andere bildet Sekante und Steigung unmittelbar aus Ψd\Psi_d und Ψq\Psi_q. Rechnerisch ist der zweite kürzer und genauer — und trotzdem ist der erste der maßgebliche.

Der Grund hat nichts mit Genauigkeit zu tun: nur der erste lässt sich am Motor nachmessen. Er zieht ΨPM\Psi_\mathrm{PM} nie ab, weil der Magnetfluss beim Strangversuch mit +I+I und −I-I von selbst herausfällt, und er braucht keine Kenntnis des stromlosen Zustands derselben Rotorstellung — eine Größe, die kein Messgerät liefert. Der unmittelbare Weg ist die Probe; verwechselt man beide, hat die Messung keine Stelle mehr, an der sie eintreten kann.

Beide Wege stehen in der Seite nebeneinander. Bei kleinen Strömen müssen sie zusammenfallen; was dort übrig bleibt, ist Rechenfehler. Bei großen Strömen ist der Abstand dagegen die Sättigung und damit der physikalische Gehalt.

Wo welche steht

Die folgenden Gleichungen gelten für die gesättigte Maschine, also für den allgemeinen Fall, in dem Ψd\Psi_d und Ψq\Psi_q gekrümmte Flächen über der Stromebene sind. Für lineares Eisen fallen sie auf die kürzere Form des Teiles über die ungesättigte Maschine zusammen.

ud=Rid+ldddiddt+ldqdiqdt−ωelLqiquq=Riq+lqddiddt+lqqdiqdt+ωel(ΨPM+Ldid) \begin{alignedat}{3} u_d &= R\,i_d &&\;+\; l_{dd}\frac{\mathrm di_d}{\mathrm dt} + l_{dq}\frac{\mathrm di_q}{\mathrm dt} &&\;-\; \omega_\mathrm{el}\,L_q\,i_q \\[4pt] u_q &= R\,i_q &&\;+\; l_{qd}\frac{\mathrm di_d}{\mathrm dt} + l_{qq}\frac{\mathrm di_q}{\mathrm dt} &&\;+\; \omega_\mathrm{el}\,\left(\Psi_\mathrm{PM} + L_d\,i_d\right) \end{alignedat}

M=32p[ΨPMiq+(Ld−Lq)idiq] M = \tfrac32\,p\,\left[\,\Psi_\mathrm{PM}\,i_q + (L_d - L_q)\,i_d\,i_q\,\right]

Die Zuordnung folgt aus der Kettenregel und ist nicht Auslegungssache. An den Stromableitungen wird wirklich differenziert, dort stehen die differentiellen Werte. Die Kreuzglieder ldql_{dq} und lqdl_{qd} stehen dort, weil die Flussverkettung der einen Achse auch vom Strom der anderen abhängt — und genau das tut sie nur, wenn das Eisen gesättigt ist. Bei linearem Eisen sind beide exakt null, gleichgültig wie schenkelpolig die Maschine gebaut ist; bewiesen wird das in Schritt 4 des geraden Weges. In den Drehspannungstermen und im Moment steht die Flussverkettung selbst, also die absoluten Werte. Die Reluktanzform des Moments ist dabei keine Näherung, sondern folgt unmittelbar aus der Definition der absoluten Induktivität. Zur Näherung wird sie erst, wenn man LdL_d und LqL_q als Konstanten über alle Arbeitspunkte behandelt.

Zwei Feinheiten, die man nicht übergehen darf

Bei id=0i_d = 0 entartet die Sekante zur Tangente

Die absolute Induktivität ist bei id=0i_d = 0 ein Quotient durch null und damit zunächst nicht bildbar. Der Grenzwert ist jedoch nicht unbestimmt:

limid→0Ψd(id,iq)−ΨPM(iq)id=∂Ψd∂id|id=0=ldd. \lim_{i_d\to 0}\frac{\Psi_d(i_d,i_q) - \Psi_\mathrm{PM}(i_q)}{i_d} = \frac{\partial\Psi_d}{\partial i_d}\bigg|_{i_d=0} = l_{dd}.

In der Spalte LdL_d steht bei id=0i_d = 0 deshalb der Wert von lddl_{dd}. Das ist kein Ersatzwert und keine Näherung, sondern der Grenzwert selbst: die Sekante geht dort in die Tangente über.

Die Kreuzsättigung macht ΨPM\Psi_\mathrm{PM} stromabhängig

Der q-Strom sättigt dieselben Zähne, durch die der d-Fluss läuft. Deshalb ist Ψd(0,iq)\Psi_d(0, i_q) nicht gleich Ψd(0,0)\Psi_d(0,0), obwohl gar kein d-Strom fließt. Gemessen an dieser Maschine sinkt die Magnetflussverkettung bei iq=5i_q = 5 A um 1,63 Prozent und bei iq=10i_q = 10 A um 10,90 Prozent.

Mit einem festen ΨPM\Psi_\mathrm{PM} müsste LdL_d diesen Fehlbetrag tragen und würde bei id=0i_d = 0 über alle Grenzen wachsen. Die Beschreibung bleibt nur dann exakt, wenn man

ΨPM(iq)=Ψd(0,iq) \Psi_\mathrm{PM}(i_q) = \Psi_d(0, i_q)

führt. Das ist keine Verlegenheitslösung: ΨPM\Psi_\mathrm{PM} ist ohnehin temperaturabhängig und wird in jeder ernsthaften Auslegung als Kennwert und nicht als Naturkonstante behandelt. Hier kommt die Stromabhängigkeit hinzu.

Die Rechnung Schritt für Schritt

Alles, was in den Gleichungen steht, stammt aus einer einzigen Quelle: der Feldrechnung an der vorliegenden Geometrie. Es gibt keinen zweiten Eingang, keine Kennlinie aus einem Datenblatt und keinen angepassten Beiwert. Die Kette hat sechs Glieder und ist in dieser Richtung durchlaufen worden.

Glied 1: Geometrie und Werkstoffe

Aus dem übergebenen Modell ausgelesen, nicht angenommen:

Größe Wert
Bauart Außenläufer
Nuten 9
Pole 6, also p=3p=3
Stränge 3, Einzelzahnwicklung, q=0,5q = 0{,}5
Statoraußenradius 56,0 mm
Luftspalt 1,0 mm
Magnethöhe 8,0 mm
Blechpaketlänge 40 mm
Magnet Ferrit, Kennwerte im Absatz unter dieser Tabelle
Eisen nichtlineare Kennlinie, 35 Punkte, Kennwerte unter dieser Tabelle
Wicklung 200 Windungen je Zahnspule, 3 Spulen je Strang in Reihe

Die Windungszahl ist die einzige Größe, die nicht aus dem Modell stammt; sie ist als Annahme gesetzt. Alle Induktivitäten gehen mit ihrem Quadrat, die Umrechnung auf den wirklichen Wert ist also eine Multiplikation.

Für die Sättigung zählt an dieser Kennlinie nur zweierlei. Ihre größte Permeabilität ist μr=7662\mu_r = 7662, erreicht bei B=0,78B = 0{,}78 T. Und sie fällt auf ein Viertel dieses Wertes bei B=1,52B = 1{,}52 T — das ist das Knie, oberhalb dessen das Eisen der Erregung kaum noch folgt. Der Magnet ist ein Ferrit mit Br=0,408B_r = 0{,}408 T, einer Koerzitivfeldstärke von 250 kA/m und einer Rückstellpermeabilität von 1,30. Die Eisenkennlinie ist mit 35 Punkten hinterlegt und reicht bis B=1,74B = 1{,}74 T bei H=5779H = 5779 A/m.

So sieht das Modell aus, aus dem jede Zahl dieses Manuskriptes stammt. Die Beschriftungen sind die Blocklabels von FEMM; an ihnen hängen Werkstoff, Strangzuordnung und Windungszahl:

Das FEMM-Modell bei \vartheta = 0, also d-Achse auf Strang 1. Die Label „Spule [I1:200]” tragen Strangnummer und Windungszahl, „Ferrit Magnet” die Magnete, „Künstlich” das Eisen.

Glied 2: Feldlösung

FEMM 4.2 löst das ebene magnetostatische Problem in AzA_z mit der nichtlinearen Eisenkennlinie. Je Arbeitspunkt eine Lösung. Die drei Stränge sind als Reihenschaltung geführt; nur dann wirkt die Windungszahl der Spulenlabels.

Zwei Lösungen desselben Modells, beide bei ϑ=0\vartheta = 0:

Feld ohne Strom, allein die Magnete. Magenta bedeutet mehr als 1,52 T, also oberhalb des Knies. Der Rotorrückschluss liegt schon hier streckenweise darüber: die Maschine ist bereits im Leerlauf teilweise gesättigt, und zwar ohne jedes Zutun der Wicklung.
Dasselbe Modell unter Last, i_d = 0 und i_q = 5 A. Der Rückschluss ist unverändert, dazu kommen jetzt die Zahnflanken und die Zahnköpfe, und das Bild verliert seine Symmetrie: das Ständerfeld verstärkt die eine Polkante und schwächt die andere. Genau das ist die Sättigung, die weiter unten als Abfall von L_q und von \Psi_\mathrm{PM} erscheint.

Glied 3: Flussverkettung

Für eine Spulenseite mit NN Windungen und der Querschnittsfläche aa gilt

ΨSeite=Na∫VAdV, \Psi_\mathrm{Seite} = \frac{N}{a}\int_V A\,\mathrm dV ,

und die Flussverkettung eines Stranges ist die vorzeichenrichtige Summe über seine sechs Seiten. Das Volumenintegral liefert mo_blockintegral(1); es enthält die Blechpaketlänge bereits.

Dieser Weg wird bei jedem Arbeitspunkt gegen FEMMs eigene Kreisauswertung gehalten.

Über die 3 Läufe, die beide Wege nebeneinander führen, beträgt die größte Abweichung 4,80·10⁻⁵ Wb, aufgetreten in kennfeld.txt; im stromlosen Fall stimmen beide auf elf Stellen überein. Damit ist die Flussverkettung nicht nur gerechnet, sondern auf zwei unabhängigen Wegen bestätigt.

Glied 4: Übergang in das Rotorsystem

Die Lage der d-Achse wird gemessen, nicht angenommen: über eine volle elektrische Periode ist ΨPM,1(ϑ)\Psi_{\mathrm{PM},1}(\vartheta) in 61 Stellungen gerechnet und daraus die Grundwelle bestimmt. Ihre Amplitude ist 0,274718 Wb, und die drei Stränge erreichen ihr Maximum bei 90°, 330°, 210° elektrisch, also auf 120° genau auseinander. Die Amplituden der drei Stränge stimmen dabei auf 2,0·10⁻⁶ Wb überein — die Wicklung ist symmetrisch. Die d-Achse liegt bei 90° mechanisch auf der Achse des Stranges 1.

Mit ϑr\vartheta_r von dieser Lage aus gezählt lautet die amplitudeninvariante Transformation

Ψd(id,iq)=23[Ψ1(id,iq,ϑr)cosϑr+Ψ2(id,iq,ϑr)cos(ϑr−2π3)+Ψ3(id,iq,ϑr)cos(ϑr+2π3)], \Psi_d(i_d, i_q) = \tfrac23\left[ \Psi_1(i_d, i_q, \vartheta_r)\cos\vartheta_r + \Psi_2(i_d, i_q, \vartheta_r)\cos\!\left(\vartheta_r - \tfrac{2\pi}{3}\right) + \Psi_3(i_d, i_q, \vartheta_r)\cos\!\left(\vartheta_r + \tfrac{2\pi}{3}\right)\right],

Ψq(id,iq)=−23[Ψ1(id,iq,ϑr)sinϑr+Ψ2(id,iq,ϑr)sin(ϑr−2π3)+Ψ3(id,iq,ϑr)sin(ϑr+2π3)], \Psi_q(i_d, i_q) = -\tfrac23\left[ \Psi_1(i_d, i_q, \vartheta_r)\sin\vartheta_r + \Psi_2(i_d, i_q, \vartheta_r)\sin\!\left(\vartheta_r - \tfrac{2\pi}{3}\right) + \Psi_3(i_d, i_q, \vartheta_r)\sin\!\left(\vartheta_r + \tfrac{2\pi}{3}\right)\right],

und die Ströme werden mit derselben Vorschrift zurücktransformiert. Damit ist jeder Arbeitspunkt (id,iq)(i_d, i_q) ein bestimmter Satz dreier Strangströme.

Die Argumente sind mitgeschrieben und nicht Zierrat. Jede der drei Strangflussverkettungen hängt von beiden Strömen ab — über die Rücktransformation, die aus (id,iq)(i_d, i_q) die drei Strangströme macht, und über die Sättigung, die alle drei Stränge gemeinsam betrifft. Daß auf der linken Seite trotzdem nur (id,iq)(i_d, i_q) steht und nicht auch ϑr\vartheta_r, ist die eigentliche Aussage der Transformation: die Winkelabhängigkeit hebt sich heraus. Genau darauf beruht im übernächsten Kapitel die Ähnlichkeits-transformation der Induktivitätsmatrix, und genau das wird dort über eine volle Periode nachgerechnet.

Glied 5: Zwei Sekanten und vier Steigungen

Zwei davon sind Sekanten und folgen unmittelbar aus einer Lösung:

Ld(id,iq)=Ψd(id,iq)−ΨPM(iq)id,Lq=Ψq(id,iq)iq,ΨPM(iq)=Ψd(0,iq). L_d(i_d,i_q) = \frac{\Psi_d(i_d,i_q) - \Psi_\mathrm{PM}(i_q)}{i_d}, \qquad L_q = \frac{\Psi_q(i_d,i_q)}{i_q}, \qquad \Psi_\mathrm{PM}(i_q) = \Psi_d(0,i_q).

Vier sind Steigungen, nicht zwei. Beide Flussverkettungen hängen von beiden Strömen ab, deshalb ist die differentielle Induktivität die Matrix aus dem Kapitel „Die beiden Begriffe”. Gerechnet wird mit zentralen Differenzenquotienten und der Störung Δ=0,25\Delta = 0{,}25 A. Die Störung in idi_d liefert die erste Spalte:

ldd=Ψd(id+Δ,iq)−Ψd(id−Δ,iq)2Δ,lqd=Ψq(id+Δ,iq)−Ψq(id−Δ,iq)2Δ, \begin{aligned} l_{dd} &= \frac{\Psi_d(i_d+\Delta,\;i_q) - \Psi_d(i_d-\Delta,\;i_q)}{2\Delta}, &\qquad l_{qd} &= \frac{\Psi_q(i_d+\Delta,\;i_q) - \Psi_q(i_d-\Delta,\;i_q)}{2\Delta}, \end{aligned}

die Störung in iqi_q die zweite:

ldq=Ψd(id,iq+Δ)−Ψd(id,iq−Δ)2Δ,lqq=Ψq(id,iq+Δ)−Ψq(id,iq−Δ)2Δ. \begin{aligned} l_{dq} &= \frac{\Psi_d(i_d,\;i_q+\Delta) - \Psi_d(i_d,\;i_q-\Delta)}{2\Delta}, &\qquad l_{qq} &= \frac{\Psi_q(i_d,\;i_q+\Delta) - \Psi_q(i_d,\;i_q-\Delta)}{2\Delta}. \end{aligned}

Je Arbeitspunkt sind das fünf Feldlösungen: der Punkt selbst und vier Störungen. Aus denselben vier Störungen folgen alle vier Ableitungen — die Kreuzglieder kosten keine einzige zusätzliche Rechnung, man muss die vorhandenen Lösungen nur auch in der jeweils anderen Achse auswerten.

Dass ldql_{dq} und lqdl_{qd} übereinstimmen müssen, folgt aus der Energieerhaltung: beide sind dieselbe gemischte zweite Ableitung der Koenergie, nur in anderer Reihenfolge gebildet. Ihre Differenz ist deshalb kein Modellwert, sondern ein Maß für den Fehler der Rechnung. Sie bleibt über das ganze Kennfeld unter 0,0450{,}045 mH.

Glied 6: Die Gleichungen

ud=Rid+ldddiddt+ldqdiqdt−ωelLqiquq=Riq+lqddiddt+lqqdiqdt+ωel(ΨPM+Ldid) \begin{alignedat}{3} u_d &= R\,i_d &&\;+\; l_{dd}\frac{\mathrm di_d}{\mathrm dt} + l_{dq}\frac{\mathrm di_q}{\mathrm dt} &&\;-\; \omega_\mathrm{el}\,L_q\,i_q \\[4pt] u_q &= R\,i_q &&\;+\; l_{qd}\frac{\mathrm di_d}{\mathrm dt} + l_{qq}\frac{\mathrm di_q}{\mathrm dt} &&\;+\; \omega_\mathrm{el}\,\left(\Psi_\mathrm{PM} + L_d\,i_d\right) \end{alignedat}

M=32p[ΨPMiq+(Ld−Lq)idiq] M = \tfrac32\,p\,\left[\,\Psi_\mathrm{PM}\,i_q + (L_d - L_q)\,i_d\,i_q\,\right]

Das sind dieselben Gleichungen wie am Anfang dieses Teiles, und sie stehen hier vollständig. In jeder Spannungsgleichung stehen drei Induktivitäten: an der Ableitung des eigenen Stromes die differentielle der eigenen Achse, an der Ableitung des anderen Stromes das differentielle Kreuzglied, und im Drehspannungsterm die absolute der anderen Achse. Gebraucht werden für beide Gleichungen und das Moment zusammen fünf Induktivitäten — lddl_{dd}, lqql_{qq}, ldq=lqdl_{dq} = l_{qd}, LdL_d, LqL_q — und dazu ΨPM\Psi_\mathrm{PM}. Alle sind Funktionen von idi_d und iqi_q. Die vier ohne Kreuzglied sind positiv; das Kreuzglied wechselt mit dem Vorzeichen von idi_d das seine.

Dass das Kreuzglied überhaupt auftritt, liegt allein an der Sättigung. Wäre das Eisen linear, so wäre es exakt null, auch bei noch so ausgeprägter Schenkligkeit; der Beweis steht in Schritt 4 des Kapitels über den geraden Weg. Seine Größe ist deshalb kein Merkmal der Geometrie, sondern ein Maß für die Aussteuerung.

Das Kreuzglied wegzulassen ist nur im unteren Strombereich vertretbar. In dem Gitter, das bis |id|=3|i_d| = 3 A und iq=5i_q = 5 A reicht, ist |ldq||l_{dq}| höchstens 2,4 Prozent von lqql_{qq}, am größten bei id=0i_d = 0 A und iq=5i_q = 5 A. Im weiter ausgesteuerten Kennfeld bis 10 A stehen dagegen bei id=5i_d = 5 A und iq=10i_q = 10 A −13,469 mH gegen 39,952 mH, also 34 Prozent. Wer es dort streicht, streicht keinen Fehler zweiter Ordnung, sondern ein Drittel der Spannung, die beim Stromaufbau in der q-Achse wirklich gebraucht wird.

Was die Rechnung liefert

Die Tabelle steht für den gemittelten Lauf: jeder Wert ist das Mittel über vier Rotorstellungen im Abstand von 5 Grad mechanisch, damit die Nutungswelle herausfällt. Die Spalten ll sind die differentiellen Induktivitäten aus den zentralen Differenzenquotienten, die Spalten LL die absoluten aus den Flussverkettungen selbst, und MM ist das Moment aus M=32p(Ψdiq−Ψqid)M = \tfrac32 p\,(\Psi_d i_q - \Psi_q i_d).

idi_d iqi_q ΨPM\Psi_\mathrm{PM} lddl_{dd} lqql_{qq} ldql_{dq} LdL_d LqL_q MM
A A Wb mH mH mH mH mH Nm
0 1 0,274655 64,618 71,212 −0,322 64,618 71,280 1,236
0 2 0,274134 64,571 70,937 −0,700 64,571 71,194 2,467
0 3 0,273273 64,320 68,900 −0,996 64,320 70,882 3,689
0 4 0,272198 63,478 65,330 −1,198 63,478 69,909 4,900
0 5 0,270859 62,475 62,802 −1,501 62,475 68,734 6,094
−1 1 0,274655 65,046 71,566 −0,300 64,839 71,590 1,266
−1 2 0,274134 64,947 71,199 −0,564 64,758 71,517 2,528
−1 3 0,273273 64,402 68,745 −0,306 64,395 71,104 3,780
−1 4 0,272198 63,492 65,542 −0,230 63,540 70,090 5,017
−1 5 0,270859 62,700 63,182 −0,593 62,587 68,934 6,237
−2 1 0,274655 65,423 71,814 −0,211 65,038 71,854 1,297
−2 2 0,274134 65,008 70,997 −0,087 64,898 71,715 2,590
−2 3 0,273273 64,129 68,361 0,546 64,330 71,059 3,871
−2 4 0,272198 63,530 65,813 0,464 63,519 70,054 5,135
−2 5 0,270859 62,980 63,719 0,060 62,713 68,984 6,377
−3 1 0,274655 65,455 71,731 0,153 65,199 71,941 1,327
−3 2 0,274134 64,658 70,286 0,774 64,868 71,529 2,647
−3 3 0,273273 64,100 68,218 1,073 64,255 70,778 3,953
−3 4 0,272198 63,603 66,115 1,018 63,540 69,871 5,241
−3 5 0,270859 62,858 64,118 0,665 62,814 68,918 6,506

Der drehende Rotor in der Seite

Die Seite rechnet das Feld selbst, und der Rotor dreht sich dabei. Das ist kein Beiwerk: über eine elektrische Periode schwankt ψd\psi_d im Leerlauf zwischen 0,262 und 0,292 Wb, also um elf Prozent, und die Sättigung hängt von der Stellung ab. Wer eine einzige Stellung rechnet, bekommt einen Augenblickswert und hält ihn für einen Mittelwert.

Warum die Geometrie übergeben wird und nicht das Netz

Ein Netz gilt für genau eine Rotorstellung. Übergeben wird deshalb die Geometrie: 191 Punkte, 120 Strecken, 113 Bögen, 50 Blocklabels — zusammen 36 kB statt 1,84 MB für ein fertiges Netz. Ein Bogen ist dabei exakt festgelegt durch seine beiden Endpunkte und den überstrichenen Winkel; Mittelpunkt und Radius folgen daraus. Interpoliert wird nichts. Die einzige Näherung ist die Zerlegung der Bögen in Sehnen von höchstens fünf Grad — derselbe Wert, der in der Modelldatei steht, und dieselbe Zerlegung, die FEMM vornimmt.

Vernetzt wird bei jeder Stellung neu. Genau so geht FEMM auch vor: mi_moverotate dreht die Geometrie der Rotorgruppe, mi_analyze vernetzt danach das ganze Modell neu. Ein mitdrehendes Netz — ein Gleitband — kennt FEMM nicht, und aus seinem Netz ließe sich keines gewinnen: im 0,937 mm breiten Luftspalt liegen 1524 Dreiecke in mehreren Lagen übereinander, und die Ränder sind wegen der neun Nutöffnungen und der sechs Magnetlücken keine geschlossenen Kreise.

Was eigene Arbeit ist und was übernommen

Diese Unterscheidung gehört ausdrücklich hierher.

Baustein Herkunft
Vernetzer übernommen: Triangle von Jonathan Shewchuk, Carnegie Mellon, als WebAssembly eingebettet
Geometrieaufbereitung, Drehung von Rotor und Magnetisierung, Bogenzerlegung eigen
Finite-Elemente-Löser: Aufbau, Newton-Verfahren, konjugierte Gradienten eigen
Ablaufsteuerung: Rotorstellungen, mitdrehende Bestromung, die drei Versuche eigen
Auswertung zu Ψ_PM, L₀, M₀, L₂ und den differentiellen Induktivitäten eigen

Triangle ist derselbe Vernetzer, den FEMM benutzt — triangle.exe liegt in FEMMs Programmordner. Ein eigener Vernetzer war der erste Versuch und ist gescheitert; der Kern von Triangle sind exakte geometrische Prädikate mit adaptiver Arithmetik und eine Verfeinerung, deren Ende auch bei kleinen Eingangswinkeln bewiesen ist. Beides selbst richtig zu bauen ist eine eigene Arbeit. Lizenz: die WebAssembly-Hülle steht unter MIT, Triangle selbst ist urheberrechtlich geschützt und nach Angabe des Autors frei verfügbar, darf aber ohne Lizenz nicht verkauft oder in ein kommerzielles Erzeugnis aufgenommen werden.

Das Netz hat bei der hier benutzten Feinheit 30558 Knoten und 60578 Dreiecke, gebaut in wenigen hundertstel Sekunden; FEMM vernetzt dasselbe Modell mit 31 815 Knoten. Die 72 Randknoten stimmen überein.

Wie fein gedreht werden muss

ψd\psi_d trägt über dem Drehwinkel nur die 6., 12., 18. und 24. elektrische Harmonische. Mittelt man über NN gleichmäßig verteilte Stellungen einer elektrischen Periode, so überleben im Mittelwert genau die Harmonischen, deren Ordnung ein Vielfaches von NN ist. NN darf deshalb kein Vielfaches von sechs sein. Mit sechs Stellungen fällt die 6. Harmonische auf den Gleichanteil: ΨPM\Psi_\mathrm{PM} kommt dann 3,9 Prozent zu klein heraus, und die Welligkeit verschwindet ganz. Gerechnet wird hier mit 20 Stellungen im 6-Grad-Schritt.

Der Vergleich mit FEMM, Stellung für Stellung

Verglichen wird nicht nur im Mittel, sondern an jeder einzelnen Stellung, und zwar mit zwei gespeicherten FEMM-Läufen derselben Vorschrift. Diese Läufe wurden zur Sicherheit mit genau denselben Stellungen neu gerechnet; FEMM reproduzierte sich dabei exakt, der Unterschied über 40 Lösungen war null.

Versuch 1, Leerlauf (99 s):

Größe eigene Rechnung FEMM Abweichung
Ψ_PM aus der Grundwelle 0,276949 Wb 0,274718 Wb 0,81 %
Welligkeit von ψ_d (halbe Spanne) 14,92 mWb 14,99 mWb −0,46 %
Ψ₁, Ψ₂, Ψ₃ Stellung für Stellung — — 2,439 mWb = 0,89 % von Ψ_PM

Versuch 2, Strangversuch (162 s):

Größe eigene Rechnung FEMM Abweichung
L₁₁, M₂₁, M₃₁ Stellung für Stellung — — 1,43 % von L₀
L0L_0 45,443 mH 45,986 mH −1,18 %
M0M_0 −21,750 mH −22,026 mH −1,25 %
L2L_2 −2,135 mH −2,236 mH 0,22 % von L0L_0
LdL_d 63,991 mH 64,657 mH −1,03 %
LqL_q 70,396 mH 71,366 mH −1,36 %
L(0)L^{(0)} 1,943 mH 1,934 mH 0,02 % von L0L_0
Ansatzrest 0,108 mH 0,106 mH —

Zu den beiden kleinen Größen: L2=(Ld−Lq)/3L_2 = (L_d - L_q)/3 und L(0)=L0+2M0L^{(0)} = L_0 + 2M_0 sind Differenzen großer Zahlen. Ein gleichmäßiger Fehler von einem Prozent auf L0L_0 und M0M_0 erscheint dort als mehrere Prozent, ohne dass mehr schiefgegangen wäre; gemessen wird deshalb gegen L0L_0 als gemeinsamen Maßstab. Der verbleibende Versatz von gut einem Prozent hat dieselbe Ursache wie beim festen Rotor: die Interpolation der Eisenkennlinie, die FEMM nicht offenlegt. Das lässt sich trennen. FEMM hat dasselbe Modell auch einmal linear gerechnet — mit einem künstlichen Werkstoff mit festem μr=3678\mu_r = 3678 anstelle der Kennlinie. Dort gibt es nichts zu interpolieren, und die eigene Rechnung liegt dann nur noch 0,39 % neben FEMM statt gut einem Prozent. Der Unterschied zwischen beiden Zahlen ist der Anteil der Kennlinieninterpolation; die 0,39 % sind der Anteil der Vernetzung. Das ist keine Vermutung mehr, sondern gemessen. Der Ansatzrest — wie gut der Ansatz L11=L0+L2cos2ϑL_{11} = L_0 + L_2\cos 2\vartheta die gerechneten Punkte trifft — ist dabei so klein wie bei FEMM selbst.

Der direkte Weg bleibt, aber nur als Gegenprobe

Man könnte die dq-Größen auch unmittelbar aus sechs Feldlösungen gewinnen: stromlos, den Arbeitspunkt und vier Störungen. Das ist kürzer und wird hier auch gerechnet — aber ausdrücklich nur als Gegenprobe. Denn wer so vorgeht, hat keine Stelle mehr, an der eine Messung die Rechnung ersetzen könnte: die Zwischengrößen, die am Motor zugänglich sind, kommen darin nicht vor. Die beiden Wege müssen übereinstimmen, und sie tun es; die Übereinstimmung ist eine Probe und keine Abkürzung.

Stimmt der Ansatz? — die schärfste Probe

Alles bisher Gezeigte prüft Zahlen. Die folgende Probe prüft die Form der Gleichungen. Aus drei ausschließlich eigenen Größen — ΨPM\Psi_\mathrm{PM} aus dem stromlosen Fall derselben Rotorstellungen auf demselben Netz, dazu LdL_d und LqL_q aus der eigenen Strangmessung — wird vorhergesagt, was die Flussverkettung im Arbeitspunkt sein müsste:

ψd=ΨPM+Ldid,ψq=Lqiq.\psi_d = \Psi_\mathrm{PM} + L_d\,i_d , \qquad \psi_q = L_q\,i_q .

Daneben steht, was die Feldrechnung an denselben Punkten wirklich liefert.

Arbeitspunkt ψd\psi_d gerechnet vorhergesagt ψq\psi_q gerechnet vorhergesagt
idi_d = −1 A, iqi_q = 1 A 0,212822 Wb 0,213117 Wb (0,11 %) 0,070661 Wb 0,070396 Wb (−0,10 %)
idi_d = −3 A, iqi_q = 3 A 0,084573 Wb 0,085136 Wb (0,20 %) 0,210030 Wb 0,211187 Wb (0,42 %)

Damit stehen drei Annahmen auf dem Prüfstand, nicht ein Zahlenwert: dass die Flussverkettung affin im Strom ist, dass ΨPM\Psi_\mathrm{PM} nicht vom Strom abhängt, und dass die beiden Achsen so entkoppeln, dass ψq\psi_q allein von iqi_q abhängt. Wäre eine davon falsch — eine vergessene Kopplung, ein falscher Transformationsfaktor, ein Vorzeichen —, so stimmte die Vorhersage schon bei kleinem Strom nicht.

Sie stimmt dort: bei idi_d = −1 A und iqi_q = 1 A bleibt der Unterschied bei 0,11 Prozent in der d-Achse und 0,10 Prozent in der q-Achse, jeweils auf ΨPM\Psi_\mathrm{PM} bezogen. Bei −3 und 3 A wächst er auf 0,20 und 0,42 Prozent. Genau so muss es aussehen: der Ansatz trägt, und was übrigbleibt, ist die Sättigung — sie wächst mit dem Strom und steht nicht schon bei null da.

Dieselben Induktivitäten ein zweites Mal, direkt aus dem Feld

Der zweite Weg umgeht die Stranggrößen: er bildet die Sekante durch den Ursprung, Ld=(ψd−ΨPM)/idL_d = (\psi_d - \Psi_\mathrm{PM})/i_d und Lq=ψq/iqL_q = \psi_q/i_q. Abgezogen wird dabei der stromlose Fall derselben Rotorstellung auf demselben Netz — nicht die Grundwelle aus dem Leerlaufversuch. Das ist kein Feinschliff: die Grundwelle und der Mittelwert von ψd\psi_d sind zwei verschiedene Größen, und ihr Unterschied wird beim Teilen durch idi_d verstärkt. Mit der Grundwelle kamen bei 0,25 A fünf Prozent Abweichung heraus, mit dem stromlosen Fall derselben Stellung anderthalb.

Arbeitspunkt LdL_d über die Stranggrößen LdL_d direkt LqL_q über die Stranggrößen LqL_q direkt
idi_d = −1 A, iqi_q = 1 A 63,991 mH 64,285 mH 70,396 mH 70,681 mH
idi_d = −3 A, iqi_q = 3 A 63,991 mH 64,178 mH 70,396 mH 70,017 mH

Der Weg über die Stranggrößen bleibt der maßgebliche, und zwar aus einem Grund, der nichts mit Genauigkeit zu tun hat: nur er lässt sich am Motor nachmessen. Er zieht ΨPM\Psi_\mathrm{PM} nie ab — beim Strangversuch fällt der Magnetfluss von selbst heraus, weil mit +I+I und −I-I gemessen wird. Der direkte Weg ist die Probe; verwechselt man beide, hat die Messung keine Stelle mehr, an der sie eintreten kann.

Stimmt es auch anderswo? — die Probe bei verschiedenen Einstellungen

Der Vergleich der vorigen Abschnitte wurde bei einer bestimmten Einstellung geführt: zwanzig Rotorstellungen, Netz mit größter Dreiecksfläche 10⁻⁶ m², Eisen nach Kennlinie. Er sagt damit, dass die Rechnung an einer Stelle stimmt. Er sagt nicht, dass sie an der Stelle stimmt, die der Benutzer der Seite voreingestellt vorfindet, und er sagt auch nicht, wie schnell die Zahlen mit dem Netz einlaufen. Beides ist nachzumessen, sonst bleibt der gute Vergleich ein Einzelfall.

Stellungen größte Dreiecksfläche Knoten s ΨPM\Psi_{PM} L0L_0 LqL_q LdL_d
10 2e-06 m² 18867 63 1,25 % −1,61 % −1,80 % −1,44 %
10 4e-06 m² 13919 40 1,20 % −1,85 % −2,02 % −1,71 %
10 1e-06 m² 30510 129 1,33 % −1,19 % −1,35 % −1,05 %
5 2e-06 m² 18748 32 1,24 % −1,61 % −1,77 % −1,47 %
20 2e-06 m² 18858 125 0,77 % −1,62 % −1,80 % −1,47 %

Abweichungen gegen dieselben gespeicherten FEMM-Werte; was sich von Zeile zu Zeile ändert, ist allein die eigene Einstellung. Das Aufschlussreiche ist, dass sich die beiden Stellschrauben nicht vermischen.

Das Netz bewegt die Induktivitäten und sonst nichts: LdL_d läuft mit feinerem Netz monoton auf FEMM zu, von −1,71 % über −1,44 % auf −1,05 %, während ΨPM\Psi_{PM} sich dabei um einen Zehntel Prozentpunkt rührt. Das ist zu erwarten: die Induktivitäten sind Differenzen von Feldlösungen und reagieren auf die Auflösung im Luftspalt, der Magnetfluss ist ein Integral und mittelt sie weg.

Die Stellungszahl bewegt umgekehrt ΨPM\Psi_{PM} und sonst nichts: 1,25 % bei 10 Stellungen gegen 0,77 % bei 20, die Induktivitäten bleiben unverändert. Auch das hat einen Grund: ΨPM\Psi_{PM} ist die Amplitude der Grundwelle, und bei groben Winkelschritten falten sich höhere Harmonische in sie hinein.

Daraus die Faustregel, die auch in der Seite steht: wer ΨPM\Psi_{PM} genau will, nimmt mehr Stellungen; wer LdL_d und LqL_q genau will, ein feineres Netz. Beides zugleich kostet das Produkt der Zeiten, nicht die Summe — von 40 s auf 129 s allein durch das Netz.

Und bei anderen Strömen? — neun Arbeitspunkte gegen FEMM

Die bisherigen Arbeitspunktvergleiche hatten eine Eigenschaft, die erst beim Aufschreiben auffiel: sie lagen alle auf der Geraden iq=−idi_q = -i_d. Damit werden d- und q-Strom immer gemeinsam verstellt, und ein Fehler, der nur eine der beiden Achsen beträfe, bliebe verborgen. Für diese Probe wurde deshalb ein eigener FEMM-Lauf gerechnet — 180 Feldlösungen, ein Raster aus neun Arbeitspunkten mit unabhängig verstelltem idi_d und iqi_q, jeder an vier Rotorstellungen im Abstand von 5° mechanisch. Dieser Abstand ist ein Viertel der 20°-Periode der Nutungswelle; beim Mitteln fällt sie heraus.

idi_d iqi_q ψd\psi_d eigen / FEMM ψq\psi_q eigen / FEMM lddl_{dd} eigen / FEMM lqql_{qq} eigen / FEMM
−2 A 1 A 0,1486 / 0,1446 Wb (1,45 %) 0,0705 / 0,0719 Wb (−0,49 %) 64,501 / 65,423 mH (−2,00 %) 70,675 / 71,814 mH (−2,48 %)
−2 A 3 A 0,1485 / 0,1446 Wb (1,42 %) 0,2099 / 0,2132 Wb (−1,21 %) 63,380 / 64,129 mH (−1,63 %) 67,631 / 68,361 mH (−1,59 %)
−2 A 5 A 0,1490 / 0,1454 Wb (1,31 %) 0,3406 / 0,3449 Wb (−1,56 %) 62,360 / 62,980 mH (−1,35 %) 63,410 / 63,719 mH (−0,67 %)
−4 A 1 A 0,0194 / 0,0138 Wb (2,04 %) 0,0701 / 0,0714 Wb (−0,48 %) 64,383 / 65,058 mH (−1,47 %) 70,183 / 71,143 mH (−2,09 %)
−4 A 3 A 0,0217 / 0,0165 Wb (1,88 %) 0,2081 / 0,2110 Wb (−1,05 %) 63,348 / 63,751 mH (−0,88 %) 67,495 / 68,099 mH (−1,31 %)
−4 A 5 A 0,0243 / 0,0198 Wb (1,66 %) 0,3397 / 0,3435 Wb (−1,39 %) 62,136 / 62,590 mH (−0,99 %) 64,195 / 64,511 mH (−0,69 %)
0 A 1 A 0,2768 / 0,2747 Wb (0,76 %) 0,0700 / 0,0713 Wb (−0,45 %) 63,690 / 64,618 mH (−2,02 %) 70,089 / 71,212 mH (−2,44 %)
0 A 3 A 0,2755 / 0,2733 Wb (0,82 %) 0,2092 / 0,2126 Wb (−1,24 %) 63,407 / 64,320 mH (−1,99 %) 68,014 / 68,900 mH (−1,93 %)
0 A 5 A 0,2732 / 0,2709 Wb (0,84 %) 0,3393 / 0,3437 Wb (−1,61 %) 61,809 / 62,475 mH (−1,45 %) 62,554 / 62,802 mH (−0,54 %)

Die Prozentangaben beziehen sich auf ΨPM\Psi_\mathrm{PM} beziehungsweise auf L0L_0 und nicht auf den jeweiligen Augenblickswert. Das ist kein Schönen: ψq\psi_q geht bei iq=0i_q = 0 durch null, und ein relativer Fehler wird dort beliebig groß, ohne dass mehr schiefgegangen wäre. Ein gemeinsamer Maßstab für alle Zeilen ist die einzige Art, die Zeilen miteinander vergleichbar zu halten.

Die größte Abweichung über alle neun Punkte und vier Größen beträgt 2,48 %. Sie tritt bei kleinem iqi_q auf, und zwar bei lqql_{qq} — dort ist die Sekante durch zwei eng benachbarte Stromwerte gelegt, und der Netzversatz von gut anderthalb Prozent schlägt voll durch.

Nebenbei fällt eine Probe ab, die mit FEMM nichts zu tun hat: die gemischten Glieder müssen gleich sein, ldq=lqdl_{dq} = l_{qd}, weil sie zweite Ableitungen derselben Energie nach idi_d und iqi_q sind. Über alle neun Punkte weichen sie um höchstens 0,005 mH voneinander ab.

Bleibt die Frage, woher diese 2,48 % kommen — vom Arbeitspunkt oder vom Netz. Sie lässt sich entscheiden, indem dasselbe Raster auf dem feinen Netz (10−610^{-6} m²) noch einmal gerechnet wird. Dann sinkt die größte Abweichung auf 1,93 %, und zwar bei 9 von 9 Arbeitspunkten. Es ist also der Netzversatz, den schon das Einstellungsraster ausgewiesen hat, und nichts, was am Arbeitspunkt selbst hinge. Das ist die beruhigendere der beiden möglichen Antworten: ein Fehler, der mit feinerem Netz verschwindet, ist eine Frage des Aufwands; einer, der bei bestimmten Strömen auftritt, wäre ein Modellfehler.

Die Rückrechnung

Bis hierher lief die Rechnung in eine Richtung: aus den Feldlösungen wurden Kennwerte. Die Gegenprobe fehlt — kommen aus den Kennwerten die Feldlösungen wieder heraus? Entscheidend ist dabei, dass keine Zahl auf sich selbst zurückgeführt wird. Die drei Kennwerte stammen aus drei getrennten Versuchen:

  • ΨPM\Psi_\mathrm{PM} aus dem Leerlauf — der Grundwelle der Flussverkettung über dem Drehwinkel, ohne jeden Strom,
  • LdL_d und LqL_q aus der Strangmessung — Strang 1 mit ±1\pm 1 A, Selbst- und Koppelinduktivität über dem Drehwinkel,
  • zurückgerechnet wird auf das Stromgitter — 120 Arbeitspunkte über idi_d und iqi_q, jeder bei vier Rotorstellungen gelöst.

Das Stromgitter hat an der Bestimmung dieser drei Zahlen keinen Anteil.

Was aus reiner Logik gelten muss

Identität linke Seite rechte Seite Unterschied
L0−M0=12(Ld+Lq)L_0 - M_0 = \tfrac12 (L_d + L_q) 68,0114 mH 68,0114 mH 0
L2=13(Ld−Lq)L_2 = \tfrac13 (L_d - L_q) −2,2361 mH −2,2361 mH 0
L0(0)=L0+2M0L_0^{(0)} = L_0 + 2M_0 1,9339 mH 1,9339 mH 0
k=M0/L0k = M_0 / L_0 −0,4790 −0,4790 0

Diese vier Zeilen sind keine Messung, sondern Algebra: sie müssen auf die letzte Stelle stimmen, und sie tun es. Der Koppelfaktor k=−0,4790k = −0{,}4790 liegt dabei nicht auf −1/2-1/2; die Abweichung trägt genau das Nullsystem, denn L0(0)=L0(1+2k)L_0^{(0)} = L_0(1+2k).

Das Stromgitter, aus drei Zahlen wiederhergestellt

Mit ΨPM=0,274718\Psi_\mathrm{PM} = 0{,}274718 Wb, Ld=64,657L_d = 64{,}657 mH und Lq=71,366L_q = 71{,}366 mH lauten die Vorhersagen ψd=ΨPM+Ldid\psi_d = \Psi_\mathrm{PM} + L_d i_d und ψq=Lqiq\psi_q = L_q i_q. Verglichen wird über die vier Rotorstellungen gemittelt — das dq-Modell beschreibt den Mittelwert, nicht die einzelne Stellung; die Welligkeit von ψd\psi_d beträgt 29,5 mWb und ist in ihm bewusst nicht enthalten.

Stromstärke Punkte mittlere Abweichung größte Abweichung
0 … 1 A 7 0,070 mWb 0,091 mWb = 0,03 %
1 … 2 A 15 0,254 mWb 0,529 mWb = 0,19 %
2 … 3 A 25 0,964 mWb 1,584 mWb = 0,58 %
3 … 4 A 30 1,795 mWb 4,930 mWb = 1,79 %
4 … 6 A 43 8,553 mWb 15,940 mWb = 5,80 %

Das ist der Befund, auf den es ankommt. Bei kleinem Strom trifft die Rückrechnung auf 0,03 Prozent — drei Zahlen aus zwei anderen Versuchen geben 7 Arbeitspunkte wieder, die sie nie gesehen haben. Mit wachsendem Strom wächst der Fehler auf 5,80 Prozent, und zwar stetig. Wäre irgendwo ein Vorzeichen, ein Faktor oder eine Transformation falsch, stünde der Fehler schon bei Strom null; dass er erst mit dem Strom kommt, weist ihn als Sättigung aus und als nichts anderes.

Die Leerlaufspannung, auf anderem Weg

ΨPM\Psi_\mathrm{PM} ist selbst eine Fourierprojektion der Leerlaufreihe; sie noch einmal zu projizieren wäre eine Rundreise. Statt dessen wird die Reihe abgeleitet: aus dem Differenzenquotienten der Flussverkettung über dem Drehwinkel entsteht die Spannung, und erst deren Grundwelle wird verglichen.

û1=ωelΨPM=86,305Vgegenû1|abgeleitet=86,125V\hat u_1 = \omega_\mathrm{el}\Psi_\mathrm{PM} = 86{,}305\ \mathrm{V} \qquad\text{gegen}\qquad \hat u_1 \big|_\text{abgeleitet} = 86{,}125\ \mathrm{V}

Das sind 0,21 Prozent Unterschied. Der Scheitelwert der Kurve selbst liegt bei 78,9 V, also 8,4 Prozent unter der Grundwellenamplitude — die Spannung einer Zahnspulenwicklung ist nicht sinusförmig, und am Oszilloskop liest man den Scheitel ab, nicht die Grundwelle.

Zwei Grenzfälle, die das Modell selbst behauptet

Das Modell macht zwei Aussagen, die sich unmittelbar nachprüfen lassen, und beide sind Aussagen über Grenzfälle, nicht über Zahlenwerte.

Erstens: bei verschwindender Sättigung müssen differentielle und absolute Induktivität zusammenfallen. Gemessen im Punkt id=iq=0i_d = i_q = 0: ldd=64,482l_{dd} = 64{,}482 mH gegen Ld=64,657L_d = 64{,}657 mH, also −0,27 Prozent, und lqq=71,323l_{qq} = 71{,}323 mH gegen Lq=71,366L_q = 71{,}366 mH, also −0,06 Prozent.

Zweitens: das Kreuzglied stammt allein aus der Sättigung und muss bei Strom null verschwinden. Es tut es: ldq=0,0198l_{dq} = 0{,}0198 mH, das sind 0,031 Prozent von LdL_d. Im gesättigten Teil des Kennfeldes wächst es auf 13,469 mH, also 20,8 Prozent von LdL_d — aus nichts wird ein Fünftel. Die Gegenseitigkeit ldq=lqdl_{dq} = l_{qd}, die aus der Energieerhaltung folgt, hält dabei über alle Arbeitspunkte auf 0,0443 mH.

Wie es gerechnet wurde

Jede Zahl dieses Manuskriptes stammt aus einer dieser Messreihen. Alle sind mit demselben Modell und demselben Erzeuger gerechnet, erzeuge_lauf.py; die Skripte selbst liegen in rechnung/.

Datei Lösungen was darin steht
psi_pm_reihe.txt 25 Magnetflussverkettung über eine elektrische Periode, stromlos
achsen.txt 21 beide Achsen einzeln abgetastet, bis ±10 A
kennfeld.txt 100 Kennfeld bis ±10 A, fünf Lösungen je Arbeitspunkt
gitter.txt 120 engeres Gitter bei einer Rotorstellung
winkel_fein.txt 41 Rotor in 1-Grad-Schritten, Nutungswelle aufgelöst
gitter_mittel.txt 480 dasselbe Gitter an vier Rotorstellungen, gemittelt
strang_voll.txt 122 nur Strang 1 gespeist, eine volle elektrische Periode
leerlauf.txt 61 stromlos in 2-Grad-Schritten
betrieb.txt 61 Betriebsfall id=0i_d = 0, iq=3i_q = 3 A über eine Periode

Zusammen 1031 Feldlösungen. Ausgewertet wird mit auswerten.py und tabelle.py, die Zahlen im Text setzt setze_zahlen.py aus den Dateien in ergebnisse/; von Hand gepflegte Zahlen gibt es nicht. Geprüft wurde durchweg auf zwei Wegen: die Flussverkettung aus dem Vektorpotential gegen FEMMs eigene Kreisauswertung, die Gegenseitigkeit ldq=lqdl_{dq} = l_{qd}, das Moment aus den Flussverkettungen gegen seine Reluktanzform, und schließlich LdL_d und LqL_q aus den Stranggrößen gegen dieselben Größen aus der unmittelbaren dq-Rechnung.

Dieselben Größen aus der Messung an den Klemmen

Die Rechnung ist eine Aussage über ein Modell. Erst die Messung sagt etwas über die gebaute Maschine. Dieses Kapitel beschreibt, wie man an den drei Klemmen und dem Sternpunkt zu denselben Größen kommt — lddl_{dd}, lqql_{qq}, dem Kreuzglied ldq=lqdl_{dq} = l_{qd}, LdL_d, LqL_q und ΨPM\Psi_\mathrm{PM} —, mit welchen Signalen, mit welchen Geräten, und warum der Rotor dabei bewegt werden muss.

Die Schnittstelle: was Rechnung und Messung gemeinsam haben

Damit die Messung die Rechnung ersetzen kann, müssen beide dieselben Größen liefern — nicht ähnliche, sondern dieselben, in derselben Bedeutung und in derselben Einheit. Das ist der Fall, und zwar in drei Sätzen:

Größensatz am Motor gemessen aus der Feldrechnung
ΨPM\Psi_\mathrm{PM} Leerlaufspannung bei angetriebenem Rotor Ψ1,2,3(ϑ)\Psi_{1,2,3}(\vartheta) bei Strom null
L0L_0, M0M_0, L2L_2 Wechselstrom in Strang 1 bei festem Rotor, Spannung an allen drei Strängen L11(ϑ)L_{11}(\vartheta), M21(ϑ)M_{21}(\vartheta), M31(ϑ)M_{31}(\vartheta)
lddl_{dd}, lqql_{qq}, ldql_{dq} über dem Arbeitspunkt dasselbe, zusätzlich mit Gleichstromvormagnetisierung Ψd(id,iq)\Psi_d(i_d,i_q), Ψq(id,iq)\Psi_q(i_d,i_q)

Alles Weitere — LdL_d, LqL_q, die Spannungsgleichungen, das Moment — folgt aus diesen drei Sätzen durch Rechnung, gleichgültig woher sie stammen. Wer misst, setzt seine Zahlen an die Stelle der gerechneten und lässt den Rest unverändert laufen.

Was an den Klemmen überhaupt zugänglich ist

Gemessen werden können nur Klemmenspannungen und Strangströme. Die Flussverkettung ist nicht unmittelbar messbar; sie erscheint nur in zwei Formen:

  • als Zeitableitung in der Spannung, u=Ri+dΨ/dtu = R i + \mathrm d\Psi/\mathrm dt,
  • als Drehspannung bei bewegtem Rotor, u=Ri+ωel∂Ψ/∂ϑu = R i + \omega_\mathrm{el}\,\partial\Psi/\partial\vartheta.

Die beiden Kreisfrequenzen, die in diesem Text vorkommen, sind nicht dieselbe: ωel=pΩ\omega_\mathrm{el} = p\,\Omega gehört zur Drehung des Rotors und steht in allen Maschinengleichungen; das bloße ω\omega weiter unten ist die Kreisfrequenz der Wechselstrommessung bei stehendem Rotor. Sie haben nichts miteinander zu tun, und ihre Verwechslung wäre teuer.

Daraus folgt unmittelbar die Arbeitsteilung: die differentiellen Induktivitäten kommen aus einer Wechselstrommessung bei stehendem Rotor, die absoluten aus einer Integration oder aus einer Messung bei drehendem Rotor. Zwei verschiedene Versuche für zwei verschiedene Begriffe.

Vorbereitung: die d-Achse finden

Ohne Nullpunkt ist nichts messbar, denn alle gesuchten Größen sind auf die d-Achse bezogen. Zwei Wege, die sich gegenseitig prüfen:

Über die Leerlaufspannung. Rotor mit konstanter Drehzahl antreiben, Strangspannung gegen den Sternpunkt aufzeichnen. Die d-Achse liegt dort, wo Ψ1\Psi_1 maximal wird, also wo die induzierte Spannung ihren Nulldurchgang von positiv nach negativ hat. Zugleich ergibt sich daraus

ΨPM(iq=0)=û1pΩmech. \Psi_\mathrm{PM}(i_q = 0) = \frac{\hat u_1}{p\,\Omega_\mathrm{mech}} .

Welcher Strom hier null ist, muss dastehen. Im Leerlauf sind alle drei Strangströme null, also auch idi_d und iqi_q. Das Argument von ΨPM\Psi_\mathrm{PM} ist nach der Festlegung ΨPM(iq)=Ψd(0,iq)\Psi_\mathrm{PM}(i_q) = \Psi_d(0, i_q) allein iqi_q — die erste Stelle ist dort bereits auf id=0i_d = 0 festgelegt. Der Leerlauf liefert deshalb ΨPM(iq=0)\Psi_\mathrm{PM}(i_q = 0), und nur diesen einen Punkt der Kurve ΨPM(iq)\Psi_\mathrm{PM}(i_q). Für jeden Arbeitspunkt mit iq≠0i_q \neq 0 ist er der falsche Bezug; das ist genau der Zwei-Prozent-Fehler aus Schritt 6 der Messvorschrift.

Über die Induktivität. Kleinen Wechselstrom in Strang 1 gegen den Sternpunkt einspeisen, Rotor langsam von Hand durchdrehen, die gemessene Induktivität über dem Winkel aufzeichnen. Sie schwankt mit der doppelten elektrischen Frequenz. Bei dieser Maschine ist Lq>LdL_q > L_d; das Minimum markiert also die d-Achse. Beide Wege müssen dieselbe Stellung liefern.

Die Schaltung: ein Strang gegen den Sternpunkt

Hier zahlt sich der zugängliche Sternpunkt aus. Steht der Rotor so, dass die d-Achse auf der Achse von Strang 1 liegt, und speist man

i1=i,i2=i3=−i2, i_1 = i,\qquad i_2 = i_3 = -\tfrac{i}{2},

so ist das nach der Rücktransformation genau id=ii_d = i, iq=0i_q = 0. Und weil die Rücktransformation für Spannungen dieselbe ist, gilt für die gemessene Spannung zwischen Klemme 1 und Sternpunkt

u1−uN=ud. u_1 - u_N = u_d .

Kein Umrechnungsfaktor, kein Dreieck-Stern-Umweg: die Messung zwischen einer Klemme und dem Sternpunkt liefert unmittelbar die d-Größen. Praktisch schaltet man Klemme 2 und 3 zusammen und speist zwischen dieser Verbindung und Klemme 1; der Strom teilt sich von selbst zur Hälfte.

Dreht man den Rotor um 90° elektrisch weiter — bei p=3p = 3 sind das 30° mechanisch —, liegt die q-Achse auf Strang 1 und dieselbe Schaltung liefert die q-Größen. Das ist der einfachste Weg und braucht nur eine Stromquelle.

Will man einen Arbeitspunkt mit beiden Stromkomponenten einstellen, etwa lddl_{dd} bei iq=3i_q = 3 A, braucht man zwei unabhängig einstellbare Strangströme, also eine zweikanalige Quelle oder einen stromgeregelten Umrichter. Die dritte Klemme nimmt den Rest auf.

Versuch 1: die differentiellen Induktivitäten

Prinzip. Gleichstrom stellt den Arbeitspunkt ein, ein kleiner überlagerter Wechselstrom tastet die Steigung ab. Genau das ist die Definition der differentiellen Induktivitäten. Weil der Rotor steht, gibt es keine Drehspannung; die gemessene Impedanz enthält deshalb nur RR und die differentiellen Werte, nichts sonst.

Aufbau. Rotor mechanisch festgesetzt, Winkel ablesbar. Gleichstromquelle auf den Arbeitspunkt (id,iq)(i_d, i_q). Darüber ein Wechselanteil von etwa 1 bis 5 Prozent des Arbeitspunktstroms, in der Achse, deren Induktivität gesucht ist. Gemessen wird die Spannung zwischen der Klemme und dem Sternpunkt.

Auswertung.

l=ImZ_ω,Z_=u_1−u_Ni_1. l = \frac{\operatorname{Im} \underline{Z}}{\omega}, \qquad \underline{Z} = \frac{\underline{u}_1 - \underline{u}_N}{\underline{i}_1} .

Das Kreuzglied aus derselben Messung. ldql_{dq} braucht keinen zweiten Versuch, sondern einen zweiten Spannungskanal. Liegt die d-Achse auf Strang 1, so liefert die Rücktransformation neben u1−uN=udu_1 - u_N = u_d auch

uq=u2−u33, u_q = \frac{u_2 - u_3}{\sqrt3} ,

also die Spannung zwischen den Klemmen 2 und 3, geteilt durch 3\sqrt3. Der Sternpunkt wird dafür nicht gebraucht. Speist man den Wechselanteil in die d-Achse ein, so gilt

ldd(id,iq)=Im(u_d/i_d)ω,lqd=Im(u_q/i_d)ω, l_{dd}(i_d,i_q) = \frac{\operatorname{Im}(\underline u_d / \underline i_d)}{\omega}, \qquad l_{qd} = \frac{\operatorname{Im}(\underline u_q / \underline i_d)}{\omega},

und nach dem Weiterdrehen um 90° elektrisch, mit dem Wechselanteil in der q-Achse, ebenso lqql_{qq} und ldql_{dq}.

Der Messwert ist hier besonders anschaulich: ein reiner d-Wechselstrom ist über die beiden Stränge 2 und 3 vollkommen symmetrisch aufgeteilt. Ohne Kreuzsättigung müsste u2−u3u_2 - u_3 deshalb null sein. Was dort erscheint, ist das Kreuzglied — und nur das. Klein ist es allerdings, solange die Maschine nicht weit ausgesteuert wird; die Zahlen dazu stehen bei Glied 6. Unsymmetrien der Wicklung und ungleiche Strangwiderstände erscheinen an derselben Stelle; deshalb die Probe ldq=lqdl_{dq} = l_{qd} aus beiden Drehstellungen, die in der Rechnung aus der Energieerhaltung folgt und in der Messung nichts anderes prüft als die Sauberkeit des Aufbaus.

Geräte. Am bequemsten ein Impedanz- oder Frequenzgangsanalysator mit Gleichstromvormagnetisierung. Ein gewöhnliches LCR-Messgerät genügt nicht, weil es keinen Arbeitspunktstrom liefert; es misst immer nur bei i≈0i \approx 0 und damit nur den einen Punkt ldd(0,0)l_{dd}(0,0). Ohne solches Gerät geht es mit Leistungsverstärker, Stromzange und Zweikanal-Oszilloskop: Grundwelle von Strom und Spannung per Fourieranalyse herausziehen, daraus Z_\underline{Z}.

Fallstricke.

  • Frequenz. Wirbelströme im Blech und in den Magneten drücken die gemessene Induktivität mit steigender Frequenz. Deshalb bei mehreren Frequenzen messen, etwa 20 Hz bis 2 kHz, und zur niedrigen Frequenz hin extrapolieren. Wer bei einer einzigen Frequenz misst, misst den Wert dieser Frequenz, nicht ll.
  • Amplitude. Zu klein verschwindet im Rauschen, zu groß mittelt über die Krümmung und liefert wieder eine Sehne statt einer Tangente. Die Amplitude verdoppeln und prüfen, ob sich das Ergebnis ändert.
  • Erwärmung. Der Arbeitspunktstrom heizt; RR wandert mit, und die Magnete auch. Kurz messen oder RR mitführen.

Versuch 2: die absoluten Induktivitäten

Die absoluten Werte enthalten die Flussverkettung selbst, nicht ihre Steigung. Aus einer Wechselstrommessung sind sie deshalb nicht zu gewinnen. Zwei Wege führen zum Ziel.

Weg A: Spannungsintegration bei stehendem Rotor. Vom eingestellten Arbeitspunkt aus den Strom abschalten oder umschalten und dabei u(t)u(t) und i(t)i(t) aufzeichnen. Dann ist

ΔΨ=∫(u−Ri)dt, \Delta\Psi = \int \left(u - R\,i\right)\,\mathrm dt ,

und mit dem bekannten Endzustand folgt Ψ\Psi am Arbeitspunkt. Daraus Ld=(Ψd−ΨPM)/idL_d = (\Psi_d - \Psi_\mathrm{PM})/i_d.

Das ist der genaueste, aber auch empfindlichste Weg. Der Widerstand muss vierleitrig und temperaturrichtig bekannt sein — ein Fehler in RR wirkt als Drift im Integral und wächst mit der Zeit. Die Integrationszeit deshalb kurz halten und die Nulllage vorher und nachher prüfen.

Weg B: stationär bei drehendem Rotor. Maschine mit konstanter Drehzahl betreiben, Ströme idi_d und iqi_q einprägen, Klemmenspannungen messen und nach dqdq transformieren. Im eingeschwungenen Zustand fallen alle Stromableitungen weg, und die Spannungsgleichungen lassen sich unmittelbar nach den Flussverkettungen auflösen:

Ψq(id,iq)=Rid−udωel,Ψd=uq−Riqωel. \Psi_q(i_d,i_q) = \frac{R\,i_d - u_d}{\omega_\mathrm{el}}, \qquad \Psi_d = \frac{u_q - R\,i_q}{\omega_\mathrm{el}} .

Daraus Lq=Ψq/iqL_q = \Psi_q/i_q und Ld=(Ψd−ΨPM)/idL_d = (\Psi_d - \Psi_\mathrm{PM})/i_d. Kein Integrator, keine Drift; dafür braucht es einen Prüfstand mit Drehzahlregelung und eine gute Winkelerfassung, denn ein Fehler in der Rotorlage verdreht udu_d gegen uqu_q und vertauscht damit die beiden Achsen anteilig.

Zwei Lageabhängigkeiten, die man nicht verwechseln darf

Dass die Stranginduktivität von der Rotorlage abhängt, folgt schon daraus, dass Ld≠LqL_d \neq L_q ist. Dazu braucht es keine Nutung. Speist man einen Strang gegen den Sternpunkt, so liegt der eingeprägte Strombelag räumlich fest, während der Rotor sich darunter wegdreht. Zerlegt man ihn in die beiden Rotorachsen, so entfällt der Anteil cosϑe\cos\vartheta_e auf die d-Achse und sinϑe\sin\vartheta_e auf die q-Achse, und die gemessene Induktivität ist

Lgemessen(ϑe)=Ldcos2ϑe+Lqsin2ϑe=Ld+Lq2+Ld−Lq2cos2ϑe. L_\mathrm{gemessen}(\vartheta_e) = L_d\cos^2\vartheta_e + L_q\sin^2\vartheta_e = \frac{L_d + L_q}{2} + \frac{L_d - L_q}{2}\,\cos 2\vartheta_e .

Mittelwert und Schwankung liefern also unmittelbar beide Achswerte. Gemessen wird dabei mit einem kleinen Wechselstrom, also ungesättigt — deshalb tragen LdL_d und LqL_q hier keine Argumente: sie sind in diesem Versuch Konstanten. Mit L¯\overline{L} als Mittelwert und L̂>0\hat{L} > 0 als Amplitude der doppelten Welle ist

Ld=L¯−L̂,Lq=L¯+L̂. L_d = \overline{L} - \hat{L},\qquad L_q = \overline{L} + \hat{L} .

Das Vorzeichen ist keine Willkür: bei dieser Maschine ist Lq>LdL_q > L_d, die gemessene Induktivität wird auf der d-Achse also am kleinsten, und genau daran erkennt man sie.

Mit den gerechneten Werten sind das 67,949 mH Mittelwert und 3,331 mH Amplitude, also eine Schwankung von ±4,9 Prozent. Das ist kein Störeffekt, sondern die Schenkligkeit selbst, und es ist das Signal, mit dem die d-Achse gefunden wird.

Etwas ganz anderes ist die Lageabhängigkeit der dq-Größen. Im Grundwellenmodell gibt es sie nicht: LdL_d und LqL_q sind dort Konstanten. Was übrig bleibt, wenn man den Arbeitspunkt in dd und qq festhält und den Rotor dreht, ist allein die Nutung — neun Nuten gegen sechs Pole. Diese Restwelligkeit bestimmt, wie fein der Winkel abgetastet werden muss und mit welcher Streuung eine Einzelmessung behaftet ist.

Muss der Rotor gedreht werden?

Ja, und aus drei verschiedenen Gründen.

Erstens, um die d-Achse überhaupt zu finden. Ohne diesen Nullpunkt ist keine der gesuchten Größen definiert. Ein Winkelfehler ε\varepsilon mischt die Achsen: gemessen wird Ldcos2ε+Lqsin2εL_d\cos^2\varepsilon + L_q\sin^2\varepsilon statt LdL_d.

Weil der Rotor mechanisch gestellt wird, hier in mechanischen Grad, bei p=3p = 3 also mit dem dreifachen elektrischen Winkel:

Fehlstellung mechanisch elektrisch LdL_d erscheint zu groß um
1° 3° 0,03 %
2° 6° 0,11 %
5° 15° 0,69 %
10° 30° 2,58 %

Der Fehler wächst mit dem Quadrat des Winkels, ist bei kleinen Abweichungen also gutmütig; ein halbes Grad mechanisch schadet nicht, fünf Grad schon.

Zweitens, weil die Induktivitäten selbst von der Rotorlage abhängen. Neun Nuten und sechs Pole erzeugen eine Welligkeit über dem Winkel. Was in den dqdq-Gleichungen steht, ist der Mittelwert über eine elektrische Periode; misst man bei einer einzigen Stellung, bekommt man den Wert dieser Stellung. Die Welligkeit ist deshalb aufzunehmen und nicht wegzumitteln, ohne sie zu kennen.

Drittens, um ΨPM\Psi_\mathrm{PM} zu bekommen. Die Leerlaufspannung braucht Drehung, sonst wird nichts induziert.

Empfohlene Schrittweite. Eine volle elektrische Periode, bei p=3p = 3 also 120° mechanisch, in 24 Stellungen — das sind 15° elektrisch oder 5° mechanisch je Schritt. Danach Fourieranalyse über den Winkel: der Mittelwert ist der dqdq-Wert, die sechste Harmonische ist die Nutungswelligkeit. Eine Teilung darf nicht genügen — mit einer Nutteilung allein lässt sich die Welligkeit nicht von einem Aufbaufehler unterscheiden.

Dass 24 Stellungen reichen, ist nachgerechnet und nicht geschätzt: das Messblatt füllt seine Tafel mit den Werten des gerechneten Verlaufs und wertet sie auf verschieden feinen Gittern aus. Gegen das Gitter der Feldrechnung mit 60 Stellungen bleibt bei 24 Stellungen L0L_0 auf 0,005 %, L2L_2 auf 0,31 % und ΨPM\Psi_\mathrm{PM} auf 0,53 % genau. Bei 12 Stellungen wird ΨPM\Psi_\mathrm{PM} schon um 2,7 % falsch, bei 6 Stellungen L2L_2 um 2,7 % — die Mittelwerte L0L_0 und M0M_0 bleiben dabei gutmütig, empfindlich ist die oberwellenreiche Leerlaufspannung. Wer feiner misst, gewinnt wenig; wer gröber misst, verliert zuerst ΨPM\Psi_\mathrm{PM}.

Wie genau muss gemessen werden?

Die Umrechnung von den gemessenen auf die Modellgrößen ist linear, ihre Ableitungen sind Konstanten. Die Fehlerfortpflanzung lässt sich deshalb exakt angeben und nicht nur abschätzen. Es sind die ungesättigten Werte: L0L_0, M0M_0 und L2L_2 stammen aus dem Strangversuch mit kleinem Wechselstrom, und deshalb stehen LdL_d und LqL_q hier ohne Argumente.

Ld=L0−M0+32L2,Lq=L0−M0−32L2,Lq−Ld=−3L2. L_d = L_0 - M_0 + \tfrac32 L_2, \qquad L_q = L_0 - M_0 - \tfrac32 L_2, \qquad L_q - L_d = -3\,L_2 .

gemessene Größe Wert 1 % Fehler verschiebt LdL_d um … und Lq−LdL_q - L_d um zulässig für 1 % in LdL_d zulässig für 1 % in Lq−LdL_q - L_d
L0L_{0} 45,986 mH 0,711 % 0,000 % 1,4 % —
M0M_{0} −22,026 mH 0,341 % 0,000 % 2,9 % —
L2L_{2} −2,236 mH 0,052 % 1,000 % 19,3 % 1,0 %

Zwei Zeilen sind bemerkenswert. L0L_0 und M0M_0 gehen mit dem vollen Gewicht in LdL_d und LqL_q ein, aber gar nicht in ihren Unterschied: sie heben sich dort heraus. L2L_2 ist es umgekehrt — für LdL_d allein darf es auf 19 Prozent genau sein, für die Schenkligkeit aber nur auf ein Prozent. Wer das Reluktanzmoment braucht, muss deshalb gerade die kleinste der drei Größen am genauesten messen, denn Lq−Ld=−3L2=6,708L_q - L_d = -3L_2 = 6,708 mH ist ein Unterschied von nur 10,4 Prozent zweier Zahlen um 65 mH.

Für ΨPM\Psi_\mathrm{PM} ist die Rechnung noch einfacher: aus û=ωelΨPM\hat u = \omega_\mathrm{el}\Psi_\mathrm{PM} folgt, dass sich Fehler in der Spannungsamplitude und in der Drehzahl unmittelbar und in voller Höhe übertragen. Ein Prozent Drehzahlfehler ist ein Prozent Fehler in ΨPM\Psi_\mathrm{PM} und damit ein Prozent im Moment.

Der Messplan im Überblick

Schritt Was Rotor Gerät
1 Strangwiderstand RR, vierleitrig, mit Temperatur steht Mikroohmmeter
2 ΨPM\Psi_\mathrm{PM} und Lage der d-Achse aus der Leerlaufspannung dreht, konstante Drehzahl Oszilloskop, Drehgeber
3 Gegenprobe der d-Achse über das Induktivitätsminimum Schritt für Schritt Impedanzanalysator
4 lddl_{dd}, lqql_{qq}, ldql_{dq} über dem Arbeitspunkt steht, je Winkel einer Periode Impedanzanalysator mit Vormagnetisierung, zweiter Spannungskanal für u2−u3u_2-u_3
5 LdL_d, LqL_q über dem Arbeitspunkt steht (Weg A) oder dreht (Weg B) Transientenrekorder oder Prüfstand
6 Abgleich gegen die Rechnung

Dieselbe Zählung benutzt die Seite. Ihre Knöpfe im Reiter „2 · Feldrechnung” heißen „Schritt 2 · Leerlauf”, „Schritt 3 · Strangmessung” und „Schritt 4+5 · Arbeitspunkt”; was dort gerechnet wird, ist Zeile für Zeile das, was hier gemessen wird. Schritt 3 steht in dieser Tafel als Gegenprobe der d-Achse — er liefert darüber hinaus die vollständigen Verläufe L11(ϑ)L_{11}(\vartheta), M21(ϑ)M_{21}(\vartheta) und M31(ϑ)M_{31}(\vartheta) und damit L0L_0, M0M_0 und L2L_2, also den geraden Weg zu LdL_d und LqL_q. Schritt 1, der Strangwiderstand, hat in der Rechnung keine Entsprechung: ein magnetostatisches Modell kennt keinen Widerstand. Er wird am Motor gemessen und in den Gleichungen als bekannter Zusatz geführt.

Was der Abgleich zeigen muss

Stimmen Messung und Rechnung, dann müssen vier Dinge zusammenfallen, und zwar unabhängig voneinander:

  • ΨPM\Psi_\mathrm{PM} aus der Leerlaufspannung gegen den gerechneten Wert. Eine Abweichung deutet auf die Magnetkennlinie oder auf die angenommene Windungszahl.
  • lddl_{dd} bei id=iq=0i_d = i_q = 0 gegen die Rechnung. Hier ist die Maschine ungesättigt; eine Abweichung deutet auf die Geometrie oder auf Streuung, die das ebene Modell nicht kennt — vor allem den Wickelkopf.
  • Der Verlauf von lqql_{qq} über iqi_q. Hier steht die Eisenkennlinie auf dem Prüfstand.
  • Das Kreuzglied ldql_{dq} über dem Arbeitspunkt. Es ist der empfindlichste dieser Werte und zugleich der einzige, der ausschließlich von der Sättigung lebt: im ungesättigten Betrieb ist er null. Eine Abweichung hier trifft keine Geometrie, sondern die Eisenkennlinie im gesättigten Teil.

Der Wickelkopf ist dabei der wahrscheinlichste systematische Unterschied: das ebene Modell kennt ihn nicht, gemessen wird er mit. Er addiert eine Streuinduktivität, die in beiden Achsen gleich groß und stromunabhängig ist. Sie zeigt sich deshalb als ein konstanter Betrag, um den beide gemessenen Werte über den gerechneten liegen, und lässt sich so abtrennen.

Die Bestromung entscheidet, was gemessen wird

Das vorige Kapitel hat gesagt, welcher Versuch welche Größe liefert. Dieses sagt, warum — und zwar so genau, dass man daraus ableiten kann, was eine Bestromung misst, die hier nicht steht. Wer die drei Versuche nur nachbaut, ist auf gutes Glück angewiesen; wer diesen Abschnitt verstanden hat, kann jede Abweichung einordnen.

Die eine Gleichung, aus der alles folgt

An den Klemmen gilt für jeden Strang, ohne jede Näherung,

uj=Rij+dΨjdt,j=1,2,3. u_j = R\,i_j + \frac{\mathrm d\Psi_j}{\mathrm dt},\qquad j = 1,2,3 .

Die Flussverkettung eines Stranges hängt von allen drei Strömen und von der Rotorstellung ab, Ψj=Ψj(i1,i2,i3,ϑ)\Psi_j = \Psi_j(i_1, i_2, i_3, \vartheta). Die Kettenregel zerlegt ihre Zeitableitung deshalb in genau zwei Teile:

uj=Rij+∑k=13∂Ψj∂ikdikdt⏟Stromänderung+∂Ψj∂ϑωel⏟Drehung. u_j = R\,i_j \;+\; \underbrace{\sum_{k=1}^{3}\frac{\partial \Psi_j}{\partial i_k}\, \frac{\mathrm d i_k}{\mathrm dt}}_{\text{Stromänderung}} \;+\; \underbrace{\frac{\partial \Psi_j}{\partial \vartheta}\, \omega_\mathrm{el}}_{\text{Drehung}} .

Diese Zeile ist der ganze Schlüssel. Sie sagt dreierlei:

  1. Die differentiellen Induktivitäten stehen im ersten Term und nirgends sonst. Sie sind die partiellen Ableitungen ∂Ψj/∂ik\partial\Psi_j/\partial i_k selbst. Sie erscheinen in der Spannung nur, wenn sich ein Strom ändert.
  2. Die Flussverkettung selbst — und damit alles Absolute — erscheint nur im zweiten Term, und der lebt nur, wenn sich der Rotor dreht.
  3. Ein konstanter Strom bei stehendem Rotor lässt beide Terme verschwinden. Dann ist uj=Riju_j = R\,i_j, und die Messung sagt über keine Induktivität etwas aus.

Punkt 3 ist die wichtigste Feststellung dieses Kapitels, weil er dem Naheliegenden widerspricht. Eine Gleichstrommessung misst keine Induktivität. Sie misst den Widerstand. Der Gleichstrom hat in der ganzen Vorschrift eine einzige Aufgabe, und die ist nicht das Messen: er stellt den magnetischen Arbeitspunkt ein, also die Sättigung des Eisens, und bestimmt damit nur, wo gemessen wird. Gemessen wird immer mit dem, was sich ändert — dem überlagerten Wechselanteil oder der Drehung.

Im Rotorsystem hat dieselbe Gleichung die Form, in der sie gebraucht wird:

ud=Rid+ldddiddt+ldqdiqdt−ωelΨq,uq=Riq+lqddiddt+lqqdiqdt+ωelΨd. \begin{aligned} u_d &= R\,i_d + l_{dd}\frac{\mathrm d i_d}{\mathrm dt} + l_{dq}\frac{\mathrm d i_q}{\mathrm dt} - \omega_\mathrm{el}\,\Psi_q, \\[4pt] u_q &= R\,i_q + l_{qd}\frac{\mathrm d i_d}{\mathrm dt} + l_{qq}\frac{\mathrm d i_q}{\mathrm dt} + \omega_\mathrm{el}\,\Psi_d . \end{aligned}

Links von der Drehung stehen die differentiellen Größen, rechts die absoluten — in derselben Gleichung, aber in verschiedenen Termen. Genau deshalb lassen sie sich durch die Wahl der Bestromung voneinander trennen, und genau deshalb kann kein einzelner Versuch beide liefern.

Ein Term fehlt in dieser Schreibweise: ∂Ψd/∂ϑ\partial\Psi_d/\partial\vartheta bei festgehaltenen Strömen, also die Welligkeit aus der Nutung. Das Grundwellenmodell kennt sie nicht; sie ist der Grund, warum sowohl die Rechnung als auch die Messung über eine volle elektrische Periode gemittelt werden muss und nicht bei einer einzigen Stellung stehen bleiben darf.

Die drei Stellschrauben

Jede Bestromung, die man an eine Drehfeldmaschine legen kann, ist durch drei voneinander unabhängige Entscheidungen festgelegt. Alle drei wirken auf verschiedene Stellen der obigen Gleichung, und jede beantwortet eine andere Frage:

Stellschraube Was sie einstellt Was sie entscheidet
Bewegung — dreht der Rotor oder steht er? ωel\omega_\mathrm{el} ob die Drehspannung lebt, also ob absolut oder differentiell gemessen wird
Gleichanteil — wie groß sind idi_d und iqi_q im Mittel? die Sättigung des Eisens wo auf der Kennlinie der gemessene Wert gilt
Richtung — wohin zeigt der Stromzeiger gegenüber der d-Achse? welche Ableitung angeregt wird welches Element der Induktivitätsmatrix man bekommt

Die drei sind wirklich unabhängig: man kann bei stehendem Rotor sättigen oder nicht, man kann drehend messen mit und ohne Vormagnetisierung, und die Richtung ist in jedem Fall frei wählbar. Aus den Kombinationen, die physikalisch sinnvoll sind, entstehen die drei Bestromungen dieses Kapitels.

Wie man eine Richtung überhaupt vorgibt

Vorgeben lassen sich nur Strangströme; gebraucht werden idi_d und iqi_q. Die Brücke dazwischen ist die Rücktransformation aus Schritt 3, mit αj=ϑe−ϑj\alpha_j = \vartheta_\mathrm{e} - \vartheta_j und ϑj=0,2π3,4π3\vartheta_j = 0,\ \tfrac{2\pi}{3},\ \tfrac{4\pi}{3}:

ij=idcosαj−iqsinαj(j=1,2,3), i_j = i_d\cos\alpha_j - i_q\sin\alpha_j \qquad (j = 1,2,3),

wobei i1+i2+i3=0i_1 + i_2 + i_3 = 0 bleibt, solange kein Nullsystem eingespeist wird. Rückwärts, für die gemessenen Spannungen:

ud=23∑jujcosαj,uq=−23∑jujsinαj. u_d = \frac23\sum_j u_j\cos\alpha_j, \qquad u_q = -\frac23\sum_j u_j\sin\alpha_j .

Zwei Sonderstellungen machen die Sache im Labor einfach, und nur sie werden gebraucht:

Stellung id=ii_d = i, iq=0i_q = 0 ergibt gemessen wird udu_d als und uqu_q als
d-Achse auf Strang 1 (ϑe=0\vartheta_\mathrm{e} = 0) i1=ii_1 = i, i2=i3=−i2i_2 = i_3 = -\tfrac{i}{2} u1−uNu_1 - u_N (u2−u3)/3(u_2 - u_3)/\sqrt3
q-Achse auf Strang 1 (ϑe=90°\vartheta_\mathrm{e} = 90°) i1=ii_1 = i, i2=i3=−i2i_2 = i_3 = -\tfrac{i}{2} (u3−u2)/3(u_3 - u_2)/\sqrt3 u1−uNu_1 - u_N

In beiden Fällen wird dieselbe Schaltung benutzt — Klemme 2 und 3 verbunden, gespeist zwischen dieser Verbindung und Klemme 1 —, und der Strom teilt sich von selbst. Der Unterschied liegt allein in der Rotorstellung und darin, welcher Kanal dann welche Achse trägt. Bei p=3p = 3 sind die 90° elektrisch genau 30° mechanisch.

Das ist der praktische Kern der Stellschraube „Richtung”: man dreht nicht den Strom, sondern den Rotor. Eine einkanalige Stromquelle genügt, solange nur eine Achse bestromt wird.

Sollen beide Komponenten zugleich stehen — und das ist bei jedem Arbeitspunkt mit id≠0i_d \neq 0 und iq≠0i_q \neq 0 der Fall —, braucht es zwei unabhängig einstellbare Strangströme; der dritte stellt sich als Summe der beiden anderen mit umgekehrtem Vorzeichen selbst ein.

Die Zahlen dieses Kapitels stehen für den Arbeitspunkt id=−2i_d = −2 A, iq=3i_q = 3 A und für 1000 min⁻¹, also ωel=314,2\omega_\mathrm{el} = 314,2 s⁻¹ bei p=3p = 3 Polpaaren. Der Strangwiderstand ist mit R=1R = 1 Ω angesetzt; er ist die einzige Größe hier, die das magnetostatische Modell nicht kennt, und bis zu Schritt 1 der Messvorschrift ein Platzhalter.

Die drei Strangströme dieses Arbeitspunktes. Steht die d-Achse auf Strang 1 (ϑe=0\vartheta_\mathrm{e} = 0), so ist einzustellen

i1=−2,000A,i2=3,598A,i3=−1,598A, i_1 = −2{,}000\ \mathrm{A},\qquad i_2 = 3{,}598\ \mathrm{A},\qquad i_3 = −1{,}598\ \mathrm{A},

nach dem Weiterdrehen um 90° elektrisch, also 30,00° mechanisch, dagegen

i1=−3,000A,i2=−0,232A,i3=3,232A. i_1 = −3{,}000\ \mathrm{A},\qquad i_2 = −0{,}232\ \mathrm{A},\qquad i_3 = 3{,}232\ \mathrm{A} .

Dieselben zwei Zahlen (id,iq)(i_d, i_q), zwei völlig verschiedene Stromsätze — die Rotorstellung entscheidet, welcher Strangstrom welche Achse trifft. Die Summe ist in beiden Fällen null; wäre sie es nicht, flösse ein Nullsystem, und das gehört in keine der beiden Achsen.

Was der Wechselanteil zeigt. Mit 150 mA Scheitelwert bei 50 Hz in der d-Achse steht am ersten Kanal

ûd=ωlddîd=3,022V, \hat u_d = \omega\,l_{dd}\,\hat i_d = 3,022\ \mathrm{V},

am zweiten Kanal dagegen nur ûq=ω|lqd|îd=25,7\hat u_q = \omega\,|l_{qd}|\,\hat i_d = 25,7 mV, also 117-mal weniger. Der ohmsche Anteil Rî=0,150R\,\hat i = 0,150 V liegt dazu rechtwinklig und fällt bei phasenrichtiger Messung heraus; bei einer Betragsmessung täte er es nicht.

Was im Betrieb an den Klemmen steht. Mit den gerechneten Flussverkettungen Ψd=0,1446\Psi_d = 0{,}1446 Wb und Ψq=0,2132\Psi_q = 0{,}2132 Wb erwartet man im eingeschwungenen Zustand

ud=Rid−ωelΨq=−68,97V,uq=Riq+ωelΨd=48,43V. u_d = R\,i_d - \omega_\mathrm{el}\Psi_q = −68{,}97\ \mathrm{V}, \qquad u_q = R\,i_q + \omega_\mathrm{el}\Psi_d = 48{,}43\ \mathrm{V} .

Der ohmsche Anteil ist darin klein: 2,9 Prozent in der d-Gleichung und 6,2 Prozent in der q-Gleichung. Rückwärts gelesen ergeben dieselben zwei Zeilen Ψq=0,2132\Psi_q = 0{,}2132 Wb und Ψd=0,1446\Psi_d = 0{,}1446 Wb, daraus Lq=71,059L_q = 71{,}059 mH und Ld=64,330L_d = 64{,}330 mH — dieselben Zahlen wie in der Tabelle des Kapitels „Was die Rechnung liefert”, 71,059 mH und 64,330 mH. Das ist keine Messung, sondern die Probe, dass die Auswertevorschrift der Bestromung 3 genau die Größen zurückgibt, aus denen die Klemmenspannung gebildet wurde.

Der Grenzfall bei Strom null. Im Punkt id=0i_d = 0, iq=1i_q = 1 A liefert die Rechnung ldd=64,618l_{dd} = 64{,}618 mH und Ld=64,618L_d = 64{,}618 mH — dieselbe Zahl, denn die Sekante durch den Ursprung ist dort die Tangente. Nur deshalb darf die Bestromung 1b, die ohne jeden Gleichstrom auskommt, überhaupt absolute Werte liefern. Schon bei iq=3i_q = 3 A trennen sich die beiden: lqq=68,361l_{qq} = 68{,}361 mH gegen Lq=71,059L_q = 71{,}059 mH, ein Unterschied von 3,9 Prozent.

Was die Bestromung 1b allein schon gibt. Aus dem Strangversuch ohne Gleichstrom folgen L0=45,986L_0 = 45,986 mH, M0=−22,026M_0 = −22,026 mH und L2=−2,236L_2 = −2,236 mH und daraus unmittelbar Ld=64,657L_d = 64,657 mH und Lq=71,366L_q = 71,366 mH — die ungesättigten Achswerte, ohne eine einzige Ampere Vormagnetisierung. Was dieser Versuch nicht geben kann, ist ihr Verlauf über dem Strom; dafür ist die Bestromung 2 da.

Bestromung 1: ganz ohne Strom

Stromlos heißt: die Ankerdurchflutung ist null, das Eisen sieht allein die Magnete. Alles, was hier gemessen wird, gehört deshalb zur ungesättigten Maschine. Das ist keine Einschränkung, sondern der Zweck — nur ohne Strom lässt sich der Magnetfluss von dem trennen, den der Strom selbst erzeugt.

Es gibt zwei stromlose Versuche, und sie sind verschieden.

1a — Rotor dreht, Klemmen offen: ΨPM\Psi_\mathrm{PM} und der Winkelnullpunkt

Was ich vorgebe. Eine konstante Drehzahl, und sonst nichts. Die Klemmen bleiben offen, damit wirklich i≡0i \equiv 0 gilt. Ein angeschlossenes Messgerät mit endlichem Innenwiderstand zieht einen kleinen Strom; er muss so klein sein, dass RiR\,i gegen die induzierte Spannung verschwindet.

Warum das die richtige Größe trifft. In der Ausgangsgleichung fällt der Stromterm weg, weil kein Strom fließt, und der ohmsche Term ebenso. Übrig bleibt

uj=∂Ψj∂ϑωel,Ψj=ΨPM,j(ϑ)allein. u_j = \frac{\partial \Psi_j}{\partial\vartheta}\,\omega_\mathrm{el}, \qquad \Psi_j = \Psi_{\mathrm{PM},j}(\vartheta) \ \text{allein}.

Keine Induktivität steht in dieser Gleichung. Das ist der Grund, warum der Leerlauf ΨPM\Psi_\mathrm{PM} sauber liefert: flösse Strom, so stünde in Ψj\Psi_j auch der stromerzeugte Anteil, und beide wären aus einer einzigen Messung nicht mehr zu trennen.

Was ich messe. Alle drei Strangspannungen gegen den Sternpunkt, dazu die Winkelmarke des Gebers, über mindestens zwei volle Umdrehungen.

Wie ich es verarbeite. Fourieranalyse jeder Strangspannung über eine elektrische Periode. Gebraucht wird die Grundwelle, nicht der abgelesene Scheitelwert — die Kurve dieser Maschine ist deutlich oberwellenhaltig, und der Unterschied beträgt rund acht Prozent.

Wo ich es einsetze.

ΨPM=û1,Grundwelleωel=û1,GrundwellepΩmech \boxed{\ \Psi_\mathrm{PM} = \frac{\hat u_{1,\text{Grundwelle}}}{\omega_\mathrm{el}} = \frac{\hat u_{1,\text{Grundwelle}}}{p\,\Omega_\mathrm{mech}}\ }

und der Winkelnullpunkt: die d-Achse liegt dort, wo u1u_1 von positiv nach negativ durch null geht. Der Nulldurchgang ist dafür besser als das Maximum, weil er steil ist und deshalb von einem Amplitudenfehler nicht verschoben wird.

Was dieser Versuch nicht kann. Er sagt nichts über irgendeine Induktivität. Wer aus der Leerlaufspannung eine Induktivität ableiten will, sucht eine Größe, die in der Gleichung gar nicht vorkommt.

1b — Rotor steht, nur ein kleiner Wechselstrom: die ungesättigte Matrix

Was ich vorgebe. Einen kleinen Wechselstrom ohne jeden Gleichanteil, in eine Achse, bei festgesetztem und abgelesenem Rotorwinkel. Dann den Rotor weiterstellen und wiederholen, über eine volle elektrische Periode.

Warum das die richtige Größe trifft. Der Rotor steht, also ist ωel=0\omega_\mathrm{el} = 0 und die Drehspannung fällt fort. Es bleibt

uj=Rij+∑k∂Ψj∂ik|i=0dikdt, u_j = R\,i_j + \sum_k \left.\frac{\partial\Psi_j}{\partial i_k}\right|_{i=0} \frac{\mathrm d i_k}{\mathrm dt},

also der reine Stromterm, ausgewertet bei Strom null. Und hier greift die Besonderheit dieses Punktes: bei i=0i = 0 fallen Sekante und Tangente zusammen, die differentielle Induktivität ist dort zugleich die absolute. Das ist der einzige Arbeitspunkt, an dem eine Wechselstrommessung einen absoluten Wert liefert.

Was ich messe. Je Rotorstellung: den Strom in Strang 1, die Spannung u1−uNu_1 - u_N, und die Spannung eines der beiden anderen Stränge gegen den Sternpunkt — letztere für die Koppelinduktivität. Schrittweite höchstens 5° elektrisch, eine volle Periode.

Wie ich es verarbeite. Je Stellung die Grundwellen von Strom und Spannung herausziehen, daraus die komplexe Impedanz und daraus die Induktivität als Imaginärteil geteilt durch ω\omega:

L11(ϑ)=Im(u_1−u_N)ωi_1,M21(ϑ)=Im(u_2−u_N)ωi_1. L_{11}(\vartheta) = \frac{\operatorname{Im}\left(\underline u_1 - \underline u_N\right)} {\omega\,\underline i_1}, \qquad M_{21}(\vartheta) = \frac{\operatorname{Im}\left(\underline u_2 - \underline u_N\right)} {\omega\,\underline i_1} .

Dann eine zweite Fourieranalyse, diesmal über den Winkel: aus L11(ϑ)=L0+L2cos2ϑL_{11}(\vartheta) = L_0 + L_2\cos 2\vartheta liefert der Mittelwert L0L_0 und die Amplitude der doppelten Welle L2L_2; aus M21(ϑ)M_{21}(\vartheta) ebenso M0M_0.

Wo ich es einsetze.

Ld=L0−M0+32L2,Lq=L0−M0−32L2 \boxed{\ L_d = L_0 - M_0 + \tfrac32 L_2, \qquad L_q = L_0 - M_0 - \tfrac32 L_2\ }

Das sind die ungesättigten Achswerte, und wegen des Grenzfalls oben zugleich ldd(0,0)l_{dd}(0,0) und lqq(0,0)l_{qq}(0,0).

Was dieser Versuch nicht kann. Er sagt nichts über den Verlauf über dem Strom. Ein gewöhnliches LCR-Messgerät kann nur diesen einen Punkt, weil es keinen Arbeitspunktstrom liefert — und wer seinen Wert für den Betrieb einsetzt, rechnet mit einer Maschine, die es nur im Leerlauf gibt.

Bestromung 2: Gleichstrom als Arbeitspunkt, Wechselstrom als Messgerät

Das ist der Versuch, der das ganze Kennfeld liefert, und der, bei dem die Aufgabenteilung am wichtigsten ist.

Was ich vorgebe. Zweierlei zugleich, und die beiden haben völlig verschiedene Aufgaben:

  • einen Gleichstrom, der den Arbeitspunkt (id,iq)(i_d, i_q) einstellt. Er wird aus der Rücktransformation berechnet und als drei Strangströme eingeprägt. Er dient ausschließlich dazu, das Eisen in den gewünschten Sättigungszustand zu bringen.
  • einen kleinen überlagerten Wechselstrom in genau einer Achse, ein bis fünf Prozent des Arbeitspunktstroms. Er ist das eigentliche Messsignal.

Warum das die richtige Größe trifft. Der Rotor steht, die Drehspannung ist null. Der Gleichanteil trägt zur Spannung nur RI=R\,I_= bei — einen Gleichspannungsversatz, sonst nichts. Was bei der Messfrequenz erscheint, ist allein

u_=(R+jωl)i_,l=∂Ψ∂i|(id,iq), \underline u = \left(R + \mathrm j\,\omega\,l\right)\underline i, \qquad l = \left.\frac{\partial\Psi}{\partial i}\right|_{(i_d,\,i_q)} ,

und das ist wörtlich die Definition der differentiellen Induktivität am eingestellten Punkt. Der Gleichstrom bestimmt, an welcher Stelle der Kennlinie abgeleitet wird; der Wechselstrom führt die Ableitung aus.

Daraus folgt unmittelbar die Bedingung an die Amplitude: der Wechselanteil muss klein genug sein, dass die Kennlinie über ihn hinweg als gerade gelten darf. Ist er zu groß, mittelt er über die Krümmung und liefert wieder eine Sehne statt einer Tangente — also eine Mischung aus differentiell und absolut, die keins von beidem ist. Die Probe darauf ist einfach: Amplitude verdoppeln; ändert sich das Ergebnis um mehr als ein Prozent, war sie zu groß.

Was ich messe. Bei fester Rotorstellung, je Arbeitspunkt: den Strom und zwei Spannungen gleichzeitig — den Kanal der bestromten Achse und den der anderen. Dazu die Wicklungstemperatur, weil der Gleichstrom heizt.

Wie ich es verarbeite. Aus Strom und beiden Spannungen die Grundwellen bei der Messfrequenz herausziehen, dann in das Rotorsystem umrechnen und

lxy=Im(u_x/i_y)ω l_{xy} = \frac{\operatorname{Im}\!\left(\underline u_x / \underline i_y\right)}{\omega}

bilden, wobei yy die angeregte und xx die beobachtete Achse ist.

Wo ich es einsetze. Die vier Werte entstehen aus zwei Rotorstellungen:

Rotorstellung angeregte Achse Kanal der eigenen Achse Kanal der anderen Achse
d-Achse auf Strang 1 dd ldd=Im(u_d/i_d)/ωl_{dd} = \operatorname{Im}(\underline u_d/\underline i_d)/\omega lqd=Im(u_q/i_d)/ωl_{qd} = \operatorname{Im}(\underline u_q/\underline i_d)/\omega
q-Achse auf Strang 1 qq lqq=Im(u_q/i_q)/ωl_{qq} = \operatorname{Im}(\underline u_q/\underline i_q)/\omega ldq=Im(u_d/i_q)/ωl_{dq} = \operatorname{Im}(\underline u_d/\underline i_q)/\omega

Sie gehen unverändert in die Spannungsgleichungen ein, an die Ableitungen der Ströme — lddl_{dd} und lqql_{qq} an die der eigenen Achse, ldq=lqdl_{dq} = l_{qd} an die der anderen.

Die eingebaute Probe. ldql_{dq} und lqdl_{qd} stammen aus zwei verschiedenen Rotorstellungen und zwei verschiedenen Speisungen; dass sie übereinstimmen müssen, folgt aus der Energieerhaltung und kann durch keinen Messfehler entstehen. Ihre Differenz ist deshalb kein Modellwert, sondern das Maß für die Sauberkeit des Aufbaus — ungleiche Strangwiderstände und Unsymmetrien der Wicklung erscheinen genau hier.

Was dieser Versuch nicht kann. Er liefert keine einzige absolute Induktivität, außer im Grenzfall i=0i = 0. Die Flussverkettung selbst steht in keiner Wechselstrommessung bei stehendem Rotor; sie ist durch die Ableitung verlorengegangen. Wer LdL_d aus lddl_{dd} ablesen will, setzt stillschweigend voraus, dass die Kennlinie eine Ursprungsgerade ist — und genau das ist sie im gesättigten Bereich nicht.

Bestromung 3: Betrieb mit den drei Phasenströmen

Was ich vorgebe. Eine konstante Drehzahl und drei eingeprägte, mit dem Rotor mitlaufende Strangströme:

ij(t)=idcosαj(t)−iqsinαj(t),αj(t)=ωelt+ϑ0−ϑj. i_j(t) = i_d\cos\alpha_j(t) - i_q\sin\alpha_j(t), \qquad \alpha_j(t) = \omega_\mathrm{el}t + \vartheta_0 - \vartheta_j .

Vorgegeben werden also zwei Gleichgrößen (id,iq)(i_d, i_q) und eine Drehzahl; was an den Klemmen fließt, sind drei Wechselströme. Diese Umrechnung muss mit dem gemessenen Rotorwinkel laufen, nicht mit einem gerechneten — ein Winkelfehler verdreht idi_d gegen iqi_q und verschiebt damit den Arbeitspunkt, an dem alles Weitere gilt.

Warum das die richtige Größe trifft. Hier kehrt sich alles um. Im eingeschwungenen Zustand sind idi_d und iqi_q konstant, obwohl die Strangströme Wechselgrößen sind — das ist der ganze Sinn der Transformation. Also verschwinden alle Stromableitungen, und mit ihnen sämtliche differentiellen Induktivitäten. Übrig bleibt

ud=Rid−ωelΨq,uq=Riq+ωelΨd. \begin{aligned} u_d &= R\,i_d - \omega_\mathrm{el}\,\Psi_q, \\ u_q &= R\,i_q + \omega_\mathrm{el}\,\Psi_d . \end{aligned}

In diesen beiden Zeilen steht die Flussverkettung selbst, nicht ihre Ableitung. Das ist der einzige Weg, auf dem sie an den Klemmen sichtbar wird, und deshalb der einzige, der die absoluten Induktivitäten liefert. Die Drehung ist dabei kein Nebenumstand, sondern das Messprinzip: ωel\omega_\mathrm{el} ist der Faktor, der Ψ\Psi in eine messbare Spannung übersetzt.

Was ich messe. Drei Klemmenspannungen, drei Strangströme, den Rotorwinkel und die Drehzahl, dazu die Temperatur. Alles gleichzeitig und zeitrichtig — ein Phasenfehler zwischen Strom- und Spannungspfad wirkt wie ein Winkelfehler.

Wie ich es verarbeite. Mit dem gemessenen Winkel nach dqdq transformieren, dann über eine volle elektrische Periode mitteln. Das Mitteln ist kein Schönheitsschritt: es entfernt die Nutungswelligkeit, und nur der Mittelwert ist die Größe, die in den dqdq-Gleichungen steht.

Wo ich es einsetze. Die beiden Zeilen nach den Flussverkettungen auflösen:

Ψq=Rid−udωel,Ψd=uq−Riqωel \boxed{\ \Psi_q = \frac{R\,i_d - u_d}{\omega_\mathrm{el}}, \qquad \Psi_d = \frac{u_q - R\,i_q}{\omega_\mathrm{el}}\ }

und daraus, mit dem ΨPM\Psi_\mathrm{PM} aus Bestromung 1a,

Lq=Ψqiq,Ld=Ψd−ΨPMid \boxed{\ L_q = \frac{\Psi_q}{i_q}, \qquad L_d = \frac{\Psi_d - \Psi_\mathrm{PM}}{i_d}\ }

Worauf es ankommt. Der Widerstand geht hier unmittelbar ein und wird abgezogen, bevor durch ωel\omega_\mathrm{el} geteilt wird. Ein Fehler in RR wandert deshalb voll in Ψ\Psi — und RR wandert mit der Temperatur um etwa 0,4 Prozent je Kelvin. Deshalb wird RR aus Schritt 1 temperaturrichtig mitgeführt und nicht einmal gemessen und dann vergessen. Umgekehrt gilt: je höher die Drehzahl, desto größer die Drehspannung und desto kleiner das Gewicht des ohmschen Anteils. Schnell drehen hilft der Genauigkeit.

Der Weg ohne Prüfstand. Steht keine Drehzahlregelung zur Verfügung, bleibt die Spannungsintegration bei stehendem Rotor: vom eingestellten Arbeitspunkt aus den Strom abschalten und dabei u(t)u(t) und i(t)i(t) aufzeichnen,

ΔΨ=∫(u−Ri)dt. \Delta\Psi = \int \left(u - R\,i\right)\mathrm dt .

Sie führt zum selben Ziel, ist aber empfindlicher — ein Fehler in RR wirkt hier als Drift, die mit der Integrationszeit wächst statt konstant zu bleiben.

Warum keine der drei die andere ersetzen kann

Bestromung 1a Bestromung 1b Bestromung 2 Bestromung 3
Rotor dreht steht steht dreht
Gleichanteil keiner keiner (id,iq)(i_d, i_q) (id,iq)(i_d, i_q)
Messsignal die Drehung kleiner Wechselstrom kleiner Wechselstrom die Drehung
di/dt\mathrm di/\mathrm dt im dqdq-System 00 ≠0\neq 0 ≠0\neq 0 00
ωel\omega_\mathrm{el} ≠0\neq 0 00 00 ≠0\neq 0
liefert ΨPM\Psi_\mathrm{PM}, Winkelnullpunkt L0L_0, M0M_0, L2L_2 lddl_{dd}, lqql_{qq}, ldql_{dq} Ψd\Psi_d, Ψq\Psi_q → LdL_d, LqL_q
gilt für die ungesättigte Maschine die ungesättigte Maschine den eingestellten Punkt den eingestellten Punkt

Die vierte und die fünfte Zeile sind der Kern. In den beiden mittleren Spalten ist die Drehspannung abgeschaltet und nur die Stromableitung übrig — das gibt differentielle Werte. In den beiden äußeren ist die Stromableitung null und nur die Drehspannung übrig — das gibt absolute. Es gibt keine Bestromung, bei der beides zugleich sauber trennbar wäre: stünden beide Terme in derselben Messung, ließen sie sich aus einer Klemmenspannung nicht mehr auseinanderhalten.

Ebenso wenig lässt sich eine Spalte durch eine andere ersetzen. LdL_d aus lddl_{dd} zu nehmen unterstellt eine Ursprungsgerade; lqql_{qq} aus LqL_q zu nehmen unterstellt dasselbe. Beides ist bei i→0i \to 0 richtig und wird mit wachsendem Strom falsch — die Tabelle im Kapitel „Was die Rechnung liefert” zeigt, wie weit die beiden über dem Kennfeld auseinanderlaufen.

Der gemeinsame Parametersatz

Rechnung und Messung sind nur dann gegeneinander zu halten, wenn sie dieselbe Liste von Zahlen füllen. Sie tun es, und die Liste ist kurz:

Größe aus der Feldrechnung aus der Messung Einheit
ΨPM\Psi_\mathrm{PM} Ψd(0,iq)\Psi_d(0, i_q) Bestromung 1a, Grundwelle Wb
LdL_d (Ψd−ΨPM)/id\left(\Psi_d - \Psi_\mathrm{PM}\right)/i_d Bestromung 3, oder 1b bei i=0i = 0 H
LqL_q Ψq/iq\Psi_q / i_q Bestromung 3, oder 1b bei i=0i = 0 H
lddl_{dd} zentraler Differenzenquotient in idi_d Bestromung 2, d-Stellung H
lqql_{qq} zentraler Differenzenquotient in iqi_q Bestromung 2, q-Stellung H
ldq=lqdl_{dq} = l_{qd} gemischter Differenzenquotient Bestromung 2, beide Stellungen H
RR — kennt das magnetostatische Modell nicht Schritt 1, vierleitrig Ω
pp aus der Geometrie aus der Zählung der Pole —

Beide Wege enden bei denselben sechs Zahlen je Arbeitspunkt, und beide speisen danach dieselben Gleichungen: die beiden Spannungsgleichungen und die Momentengleichung aus Glied 6. Was dort eingesetzt wird, stammt aus der Rechnung oder aus der Messung — die Gleichungen unterscheiden die Herkunft nicht.

Damit das wirklich aufgeht, müssen fünf Festlegungen übereinstimmen. Sie sind in der Rechnung getroffen und stehen hier, damit die Messung sie übernimmt und nicht stillschweigend andere wählt:

  1. Die Transformation ist amplitudeninvariant, mit dem Faktor 23\tfrac23. Wählt man stattdessen die leistungsinvariante mit 2/3\sqrt{2/3}, bleiben zwar alle Induktivitäten gleich, weil Strom und Flussverkettung mit demselben Faktor gestreckt werden, aber ΨPM\Psi_\mathrm{PM} wird um den Faktor 3/2=1,2247\sqrt{3/2} = 1{,}2247 größer und der Vorfaktor der Momentengleichung verliert seine 32\tfrac32. Wer beides mischt, bekommt ein um ein Viertel falsches Moment bei völlig richtigen Induktivitäten.
  2. Der Winkel wird elektrisch gezählt, von der Achse des Stranges 1 zur d-Achse des Rotors, und die d-Achse zeigt in Richtung des Magnetflusses.
  3. Das Vorzeichen von idi_d folgt dem Verbraucherzählpfeilsystem; im Feldschwächbetrieb ist idi_d negativ. LdL_d ist mit abgezogenem ΨPM\Psi_\mathrm{PM} definiert, sonst wäre es keine Induktivität.
  4. Alle Größen sind Strangwerte im Stern und auf den Scheitelwert bezogen. Wird zwischen zwei Klemmen gemessen, sind alle Spannungen doppelt so groß.
  5. Gemittelt wird über eine volle elektrische Periode. Die Rechnung mittelt über vier Rotorstellungen im Abstand von 5° mechanisch, die Messung über die Stellungen ihrer eigenen Reihe. Vergleicht man einen Mittelwert mit einer Einzelstellung, vergleicht man zwei verschiedene Dinge.

Und schließlich die Unterschiede, die bleiben dürfen, weil sie nicht auf einen Fehler deuten, sondern auf die Grenze des Modells:

Was Wirkung woran man es erkennt
Wickelkopf das ebene Modell kennt ihn nicht, gemessen wird er mit ein konstanter Zuschlag auf LdL_d und LqL_q, gleich groß in beiden Achsen und stromunabhängig; Lq−LdL_q - L_d bleibt richtig
Wirbelströme drücken die gemessene Induktivität mit steigender Frequenz Frequenzgang; bei 20 Hz bis 2 kHz messen und zu f→0f \to 0 hin extrapolieren
Temperatur Magnete verlieren Remanenz, RR wächst ΨPM\Psi_\mathrm{PM} fällt mit der Temperatur; beide mitschreiben
Nutung Welligkeit über dem Winkel, im Grundwellenmodell nicht enthalten Streuung der Einzelstellung um den Mittelwert
Eisenverluste erscheinen als zusätzlicher Wirkanteil in Z_\underline Z betreffen den Realteil, nicht ImZ_\operatorname{Im}\underline Z; verfälschen aber ein aus Z_\underline Z abgeleitetes RR

Der Wickelkopf ist dabei der wahrscheinlichste und zugleich der gutmütigste: weil er in beiden Achsen gleich groß ist, lässt er sich aus dem Vergleich abtrennen, und die Schenkligkeit Lq−LdL_q - L_d — die das Reluktanzmoment trägt — bleibt von ihm unberührt.

Die Messvorschrift

Das vorige Kapitel hat erklärt, warum welche Messung welche Größe liefert. Dieses ist die Vorschrift zum Abarbeiten: was aufzubauen ist, was einzustellen, was aufzuzeichnen und was daraus zu rechnen ist. Wer sie der Reihe nach durchgeht, hat am Ende dieselben sechs Zahlen, die auch die Feldrechnung liefert, und kann beide gegeneinander halten.

Die sechs Schritte. Die Reihenfolge ist nicht beliebig.

Was vorher bereitstehen muss

Gerät Anforderung wofür
Vierleiter-Ohmmeter Auflösung 1 mΩ Schritt 1
Antrieb mit Drehzahlregelung Drehzahl auf 0,5 % genau und ablesbar Schritt 2
Drehgeber oder Teilscheibe 0,5° mechanisch ablesbar Schritte 2 bis 5
Zweikanal-Oszilloskop Abtastung ≥ 100-fach der Messfrequenz Schritte 2 bis 5
Stromquelle, gleich- und wechselanteilig bis 5 A, Wechselanteil 20 Hz bis 2 kHz Schritte 3 bis 5
Stromzange oder Nebenwiderstand 1 % Genauigkeit, Phasenfehler unter 1° Schritte 3 bis 5
Temperaturfühler an der Wicklung 1 K alle Schritte

Die Maschine muss im Stern geschaltet sein und der Sternpunkt zugänglich. Ist er es nicht, sind alle Messungen zwischen zwei Klemmen zu führen; sämtliche Spannungen sind dann doppelt so groß, und das ist beim Auswerten zu beachten.

Der Winkel: worauf sich alles bezieht

Der Winkel wird elektrisch gezählt, von der Achse des Stranges 1 zur d-Achse des Rotors.

Alle folgenden Zahlen beziehen sich auf diesen Nullpunkt. Bei drei Polpaaren entspricht eine elektrische Periode 120° mechanisch; ein mechanisches Grad ist also drei elektrische. Die Genauigkeit der Winkelstellung geht quadratisch in den Fehler ein — die Tabelle im Kapitel „Wie genau muss gemessen werden?” gibt die Zahlen.

Schritt 1: Strangwiderstand

Aufbau Vierleitrig zwischen Klemme 1 und Sternpunkt, Maschine kalt und in Ruhe
Einstellen Messstrom höchstens 0,1 A, sonst erwärmt die Messung selbst
Aufzeichnen R1R_1, R2R_2, R3R_3 und die Wicklungstemperatur
Auflösen 1 mΩ
Muss stimmen die drei Werte höchstens 1 % auseinander
Sonst Kontaktfehler oder beschädigte Wicklung — nicht weitermessen

Ohne diesen Wert lässt sich in keinem späteren Schritt der ohmsche Anteil herausrechnen. Weil RR mit der Temperatur um etwa 0,4 % je Kelvin wandert, wird die Temperatur bei jeder späteren Messung mitnotiert.

Schritt 2: Leerlauf — ΨPM\Psi_\mathrm{PM} und die d-Achse

Aufbau Klemmen offen, Rotor angetrieben, Drehgeber mitlaufend
Einstellen 1000 min⁻¹, das sind 50 Hz elektrisch; die Drehzahl muss auf 0,5 % genau bekannt sein
Am Oszilloskop erwartet Scheitelwert 78,9 V je Strang, Effektivwert 62,3 V
Nach der Fourieranalyse erwartet Grundwelle 86,1 V
Auflösen 0,86 V für 1 % in ΨPM\Psi_\mathrm{PM}
Aufzeichnen alle drei Strangspannungen gegen den Sternpunkt, mindestens zwei volle Umdrehungen, dazu die Winkelmarke
Muss stimmen die drei Grundwellen gleich groß auf 1 %, Abstand 120° elektrisch auf 1° genau

Hier liegt die erste Falle der ganzen Vorschrift. Die Kurve ist nicht sinusförmig — der Klirrfaktor beträgt 21 Prozent, mit den Oberwellen 5. 17,5 %, 7. 10,4 %, 11. 4,6 %, 13. 2,6 %. Deshalb sind Scheitelwert und Grundwelle verschieden: das Gerät zeigt 78,9 V, die Grundwelle beträgt aber 86,1 V. Nur die Grundwelle gibt ΨPM\Psi_\mathrm{PM}. Wer den abgelesenen Scheitelwert einsetzt, bekommt 8 Prozent zu wenig — und damit ein um denselben Betrag zu kleines Moment.

Weicht die gemessene Grundwelle um mehr als 5 % von 86,1 V ab, stimmt entweder die angenommene Windungszahl nicht oder die Magnete sind schwächer als im Modell. Beides ist ein Befund und kein Messfehler.

Auswerten. Fourieranalyse jeder Strangspannung über eine elektrische Periode. Aus der Grundwelle folgt

ΨPM(iq=0)=û1ωel=û1pΩmech, \Psi_\mathrm{PM}(i_q = 0) = \frac{\hat u_1}{\omega_\mathrm{el}} = \frac{\hat u_1}{p\,\Omega_\mathrm{mech}} ,

und die d-Achse liegt dort, wo u1u_1 von positiv nach negativ durch null geht. Der Nulldurchgang ist dafür besser als das Maximum: er ist steil und damit gegen Amplitudenfehler unempfindlich.

Schritt 3: Gegenprobe der d-Achse

Aufbau wie Schritt 4, aber ohne Gleichstrom
Einstellen Rotor von Hand, Schrittweite 15° elektrisch, das sind 5° mechanisch
Aufzeichnen die gemessene Induktivität über eine volle elektrische Periode, also 24 Stellungen
Muss stimmen das Minimum liegt bei der Stellung aus Schritt 2, auf 2° mechanisch genau
Sonst Geber verdreht oder Wicklung unsymmetrisch

Bei dieser Maschine ist Lq>LdL_q > L_d; das Minimum markiert deshalb die d-Achse, nicht das Maximum.

Schritt 4: Der Strangversuch — L0L_0, M0M_0, L2L_2

Das ist der Kern der Vorschrift: aus diesen drei Zahlen folgen LdL_d und LqL_q vollständig.

Klemme 2 und 3 verbunden, gespeist wird zwischen dieser Verbindung und Klemme 1. Der zweite Spannungskanal liegt zwischen den Klemmen 2 und 3.
Aufbau Rotor festgesetzt, Winkel ablesbar; Speisung nach dem Bild; Kanal 1 an u1−uNu_1 - u_N, Kanal 2 an u2−u3u_2 - u_3, Stromzange am Zuleiter zu Klemme 1
Einstellen 50 mA Wechselstrom ohne Gleichanteil, 50 Hz
Erwartet auf Kanal 1 722 mV Scheitel
Erwartet auf Kanal 2 höchstens 61 mV, also 12-mal kleiner; bei d-Achse genau auf Strang 1 wird er null
Auflösen 7,2 mV für 1 % in L0L_0; 0,61 mV für 1 % in L2L_2
Aufzeichnen Strom und beide Spannungen, Schrittweite höchstens 5° elektrisch, eine volle elektrische Periode, also 24 Stellungen
Muss stimmen Phasenwinkel zwischen Strom und Spannung nahe 86°; der ohmsche Anteil beträgt bei R=1R = 1 Ω nur 50 mV

Die letzte Zeile ist der praktische Kern: der gesuchte Anteil liegt fast rechtwinklig zum ohmschen, deshalb muss phasenrichtig gemessen werden. Ein Betragsmessgerät genügt nicht.

Der zweite Kanal ist der schwierige. Mit 50 mA bekommt man dort nur 61 mV, und für 1 % in L2L_2 wären 0,61 mV aufzulösen. Der Ausweg ist einfach: die Spannung wächst mit dem Strom. Bei 0,5 A statt 50 mA sind es 608 mV und entsprechend 6,1 mV Auflösung. Man nehme also den größten Wechselstrom, bei dem sich das Ergebnis beim Verdoppeln der Amplitude noch nicht ändert.

Auswerten. Je Stellung die Grundwellen von Strom und beiden Spannungen herausziehen, daraus

L11(ϑ)=Im(u_1−u_N)ωi_1,M21−M31=Im(u_2−u_3)ωi_1. L_{11}(\vartheta) = \frac{\operatorname{Im}\left(\underline u_1 - \underline u_N\right)} {\omega\,\underline i_1} , \qquad M_{21} - M_{31} = \frac{\operatorname{Im}\left(\underline u_2 - \underline u_3\right)} {\omega\,\underline i_1} .

Dann Fourieranalyse über den Winkel: der Mittelwert von L11L_{11} ist L0L_0, die Amplitude der doppelten Welle ist L2L_2, und aus der Differenz der beiden Koppelinduktivitäten folgt L2L_2 ein zweites Mal — beide müssen übereinstimmen. M0M_0 bekommt man, indem statt der Differenz die Spannung eines einzelnen der beiden Stränge gegen den Sternpunkt aufgezeichnet wird.

Muss stimmen.

  • L11(ϑ)L_{11}(\vartheta) ist mit einer einzigen doppelten Welle darstellbar; bleibt mehr als 1 % Rest, ist die Nutung nicht vernachlässigbar.
  • M21M_{21} und M31M_{31} haben denselben Mittelwert und liegen 120° elektrisch auseinander.
  • Das Nullsystem L0+2M0L_0 + 2M_0 ist klein gegen L0L_0 — bei dieser Maschine 4,2 %.

Schritt 5: Über dem Arbeitspunkt — lddl_{dd}, lqql_{qq}, ldql_{dq}

Aufbau wie Schritt 4, zusätzlich Gleichstrom für den Arbeitspunkt
Einstellen idi_d von −3 bis 0 A, iqi_q von 1 bis 5 A, in Schritten von 1 A; Wechselanteil 1 bis 5 % davon
Erwartete Änderung lqql_{qq} fällt von 71,212 mH bei iq=1i_q = 1 A auf 64,118 mH bei iq=5i_q = 5 A, also um 10 %
Erwartetes Kreuzglied zwischen −1,501 und 1,073 mH, Vorzeichenwechsel mit idi_d
Aufzeichnen je Arbeitspunkt Strom und beide Spannungen, dazu Temperatur
Muss stimmen ldq=lqdl_{dq} = l_{qd} aus den beiden Drehstellungen, Abweichung unter 5 %

Dass lqql_{qq} über dem Strom sichtbar fällt, ist die eigentliche Probe darauf, dass die Maschine wirklich sättigt und die Messung das auch sieht. Bleibt lqql_{qq} konstant, war der Gleichstrom zu klein oder die Vormagnetisierung erreicht die Wicklung nicht.

Auswerten.

ldd(id,iq)=Im(u_d/i_d)ω,lqd=Im(u_q/i_d)ω, l_{dd}(i_d,i_q) = \frac{\operatorname{Im}\left(\underline u_d/\underline i_d\right)}{\omega}, \qquad l_{qd} = \frac{\operatorname{Im}\left(\underline u_q/\underline i_d\right)}{\omega},

und nach dem Weiterdrehen um 90° elektrisch ebenso lqql_{qq} und ldql_{dq}.

Muss stimmen. ldql_{dq} und lqdl_{qd} stammen aus zwei verschiedenen Drehstellungen und müssen trotzdem übereinstimmen. Das ist die schärfste Probe auf den Aufbau: die Gleichheit folgt aus der Energieerhaltung und kann durch keinen Messfehler zustande kommen.

Fallstricke. Wirbelströme drücken die gemessene Induktivität mit steigender Frequenz: bei 20 Hz, 50 Hz, 200 Hz, 1 kHz und 2 kHz messen und zur niedrigen Frequenz hin extrapolieren. Zu große Wechselamplitude mittelt über die Krümmung und liefert wieder eine Sehne statt einer Tangente: Amplitude verdoppeln, und wenn sich das Ergebnis um mehr als 1 % ändert, war sie zu groß. Erwärmung verschiebt RR und die Magnete: kurz messen, Temperatur mitschreiben.

Schritt 6: Die absoluten Induktivitäten

Sie sind aus keiner Wechselstrommessung zu gewinnen; die beiden Wege dazu stehen im vorigen Kapitel unter „Versuch 2”. Weg A integriert die Spannung bei stehendem Rotor, Weg B misst stationär bei drehendem Rotor. Weg B ist der robustere, wenn ein Prüfstand zur Verfügung steht.

Schritt 7: Abgleich

Die gemessenen Werte in die Vorlage eintragen, die die Seite PMSM_Rechner_2.7.html ausgibt, und dort laden. Die Seite rechnet damit dieselben Gleichungen wie mit den simulierten Werten. Was dann noch auseinanderliegt, sagt etwas über das Modell — vor allem über den Wickelkopf, den das ebene Modell nicht kennt, und über die Eisenkennlinie im gesättigten Teil.

Das Messblatt in der Seite

Der eben beschriebene Weg über eine Datei hat einen Haken, und er ist nicht klein. Die Vorlage verlangt L0L_0, M0M_0, L2L_2 und ΨPM\Psi_\mathrm{PM} — also Größen, die jemand vorher aus den Ausschlägen ausgerechnet haben muss. Genau diese Umrechnung ist aber der Teil, bei dem sich ein Fehler am leichtesten einnistet und am schwersten auffällt: sie steht in keinem Protokoll, sie geschieht nebenbei, und ihr Ergebnis sieht immer plausibel aus.

Der Reiter „3b · Messblatt” nimmt deshalb das entgegen, was am Prüfstand wirklich anfällt, und rechnet selbst.

Was eingeprägt wird und was gemessen wird

Jeder Schritt des Blattes sagt beides ausdrücklich, und zwar getrennt. Das ist keine Förmlichkeit, sondern die Bedingung dafür, dass die Vorschrift überhaupt ausführbar ist:

  • idi_d und iqi_q lassen sich an keiner Klemme einstellen. Eingeprägt werden Strangströme; erst die Transformation mit dem Rotorwinkel macht daraus idi_d und iqi_q. Das Blatt verlangt deshalb in Schritt 5 die drei Stranggleichströme und rechnet die beiden Komponenten selbst aus — und prüft dabei gleich, ob ihre Summe null ist, denn ein Nullstrom über den Sternpunkt gehört nicht in diesen Versuch.
  • Eine Induktivität zeigt kein Gerät an. Gemessen werden Betrag und Phasenwinkel von Spannung und Strom; die Induktivität ist das Ergebnis einer Rechnung, in die die Frequenz eingeht.
  • Die Richtung der Anregung wird ebenfalls über die Stränge vorgegeben. Für die d-Achse ist ı̂1:ı̂2:ı̂3=1:−12:−12\hat\imath_1 : \hat\imath_2 : \hat\imath_3 = 1 : -\tfrac12 : -\tfrac12, für die q-Achse 0:−32:+320 : -\tfrac{\sqrt3}{2} : +\tfrac{\sqrt3}{2}. Das Blatt rechnet aus den eingetragenen Strangströmen zurück, wie weit die Anregung tatsächlich in ihrer Achse liegt, und meldet eine Schieflage über zwei Prozent: dann mischen sich lddl_{dd} und ldql_{dq}.
  • In Schritt 6, dem stationären Betrieb, wird eingeprägt, was ein Stromrichter als Sollwert bekommt: Betrag und Winkel des Stromzeigers zur d-Achse. Gemessen wird der Spannungszeiger nach Betrag und Winkel.

Zwei Messungen sind lageabhängig

Die Leerlaufspannung und der Strangversuch hängen vom Rotorwinkel ab. Ein einzelner Wert taugt dort nicht; beide stehen deshalb als Tafel über dem Winkel, eine volle elektrische Periode lang. Eingetragen werden bei der Leerlaufspannung die Augenblickswerte der drei Strangspannungen — weder Effektiv- noch Scheitelwert, sondern die Kurve selbst —, beim Strangversuch je Stellung Betrag und Phase der drei Spannungen.

Aus den Tafeln folgen die Kennwerte durch Fourieranalyse über den Winkel, mit denselben Formeln, die die Kette auf die gerechneten Verläufe anwendet: der Mittelwert von L11L_{11} ist L0L_0, der Mittelwert von M21M_{21} und M31M_{31} ist M0M_0, die Amplitude der doppelten Welle ist L2L_2 — dreimal unabhängig bestimmt —, und der Rest, den dieser Ansatz nicht trifft, wird mit ausgewiesen. Beim Leerlauf ergeben sich Grundwelle, Oberwellen und Klirrfaktor auf demselben Weg.

Wie fein die Tafeln aufgenommen werden, ist wählbar, und was eine gröbere Aufnahme kostet, rechnet die Probe nach:

Stellungen je Periode L0L_0 L2L_2 ΨPM\Psi_\mathrm{PM}
60 (Gitter der Feldrechnung) exakt exakt exakt
24 (Zahl aus der Vorschrift) 0,005 % 0,31 % 0,53 %
12 0,003 % 0,33 % 2,7 %
6 0,08 % 2,7 % 5,0 %

L0L_0 und M0M_0 sind Mittelwerte und deshalb gutmütig. Empfindlich ist ΨPM\Psi_\mathrm{PM}, weil die Leerlaufspannung oberwellenreich ist: zu wenige Stützstellen falten die Oberwellen in die Grundwelle.

Scheitelwert oder Effektivwert

Wer an einem Effektivwertmessgerät sitzt, trägt Effektivwerte ein; wer am Oszilloskop sitzt, Scheitelwerte. Das Blatt fragt danach, statt es anzunehmen. Für die Induktivität ist die Wahl gleichgültig, solange Spannung und Strom im selben Maß stehen — der Faktor 2\sqrt2 kürzt sich im Quotienten heraus. Gefährlich ist der gemischte Fall: Spannung vom Effektivwertmessgerät, Strom als Scheitelwert von der Stromzange. Dann liegt LL um 41 Prozent daneben, und nichts am Ergebnis zeigt es an. Deshalb steht die Frage im Blatt, und deshalb folgt auch die Vorhersage der Wahl: wer auf Effektivwerte stellt, sieht in den Feldern, was ein Effektivwertmessgerät anzeigen würde.

Das leere Feld sagt, was zu erwarten ist

In jedem Eingabefeld steht blass der Wert, den die Feldrechnung vorhersagt — keine Eingabe, sondern eine Erwartung. Wer misst, erkennt den Fehlgriff damit sofort und nicht erst beim Auswerten. Es ist dieselbe Regel, die für gesperrte Knöpfe gilt: ein Feld muss sagen, was es will.

Die Probe auf das Verfahren

Ein Knopf des Blattes heißt „Werte aus der Simulation übernehmen”. Er trägt ein, was das Messgerät nach der Feldrechnung in jedem Schritt anzeigen müsste — bei den Tafeln aus den vollen Verläufen samt Oberwellen, nicht aus einer angenommenen Sinusform.

Läuft die Auswertung über genau diese vorhergesagten Ausschläge, muss sie die Größen zurückgeben, aus denen sie entstanden sind — Ziffer für Ziffer. Vorhersage und Auswertung sind dieselbe Rechnung, von zwei Seiten gelesen; ein Fehler in einer der beiden Richtungen trennt sie sofort. Diese Probe braucht weder Motor noch Messgerät, sie läuft bei jedem Bau mit (rechnung/pruefe_messblatt.js), und sie umfasst alle elf Größen: ΨPM\Psi_\mathrm{PM}, L0L_0, M0M_0, L2L_2, LdL_d und LqL_q aus dem Strangversuch, lddl_{dd}, lqql_{qq}, ldql_{dq} aus dem Arbeitspunkt und beide Sekanten aus dem stationären Betrieb.

Was die Probe nicht leistet, sei ausdrücklich gesagt: sie prüft die Auswertung, nicht die Physik. Ob sich die Maschine so verhält, entscheidet allein die Messung am Motor.

Drei Dinge, die das Blatt beim Bauen ans Licht gebracht hat

Die Sekante LdL_d bezieht sich nicht auf den Leerlaufwert. Nach der Definition aus Glied 5 ist Ld=(Ψd−ΨPM(iq))/idL_d = (\Psi_d - \Psi_\mathrm{PM}(i_q))/i_d, und ΨPM(iq)=Ψd(0,iq)\Psi_\mathrm{PM}(i_q) = \Psi_d(0, i_q) ist wegen der Kreuzsättigung nicht dasselbe wie ΨPM\Psi_\mathrm{PM} aus dem Leerlauf. Bei dieser Maschine liegt der Wert bei iq=4i_q = 4 A knapp ein Prozent darunter. Setzt man den Leerlaufwert ein, kommt LdL_d um zwei Prozent falsch heraus — ein Fehler, den man dem Ergebnis nicht ansieht. Deshalb verlangt Schritt 6 einen zweiten Betriebspunkt mit id=0i_d = 0 bei unverändertem iqi_q. Aufgefallen ist das nicht beim Nachdenken, sondern weil die Probe anschlug: zehn Größen kamen exakt zurück und eine nicht.

Der Differenzenquotient verfehlt ΨPM\Psi_\mathrm{PM} um 0,2 Prozent. Die Leerlaufspannung ist die abgeleitete Flussverkettung. Leitet man die gespeicherte Kurve mit dem zentralen Differenzenquotienten über Zwei-Grad-Schritte ab, ist die Grundwelle um 0,18 Prozent zu klein — und genau um diesen Betrag käme ΨPM\Psi_\mathrm{PM} aus der zurückgerechneten Spannung falsch heraus. Der Verlauf ist über eine Periode geschlossen und damit durch seine Fourierreihe darstellbar; die Ableitung einer Reihe ist wieder eine Reihe. Seither wird spektral abgeleitet, und der Fehler ist keiner mehr.

Die Laufleiste stand dauerhaft im Bild. Sie trug das Attribut hidden, und eine Prüfung, die hidden abfragte, bestand. Sichtbar war sie trotzdem, weil die Regel display:flex das Attribut sticht. Gesetzt ist nicht dasselbe wie sichtbar — geprüft wird seither die Sichtbarkeit.

Die Feldrechnung ohne FEMM

Bis hierher kam jede Zahl aus FEMM. Das ist unbequem, wenn man ein Modell ändern will: FEMM läuft unter Windows, braucht eine Oberfläche und rechnet nicht im Browser. Dieses Kapitel beschreibt einen eigenen Löser für dasselbe Problem — klein genug, um in einer einzigen Seite mitzulaufen, und geprüft gegen FEMM.

Was zu lösen ist

Gesucht ist das Vektorpotential AzA_z aus

rot(νrotA_)=J_,B_=rotA_,H_=ν(B_−B_r), \operatorname{rot}\left(\nu\,\operatorname{rot}\underline A\right) = \underline J , \qquad \underline B = \operatorname{rot}\underline A , \qquad \underline H = \nu\left(\underline B - \underline B_r\right) ,

mit ν=1/μ\nu = 1/\mu der Reluktivität und B_r\underline B_r der Remanenz der Magnete. In der Ebene hat A_\underline A nur die Komponente AzA_z, und aus ihr folgt Bx=∂A/∂yB_x = \partial A/\partial y, By=−∂A/∂xB_y = -\partial A/\partial x.

Lineare Dreiecke

Das Gebiet wird in Dreiecke zerlegt, in jedem ist AA linear. Mit den Knoten 1, 2, 3, der Fläche FF und den Abkürzungen

bi=yj−yk,ci=xk−xj b_i = y_j - y_k , \qquad c_i = x_k - x_j

(zyklisch fortgesetzt) sind die Formfunktionen NiN_i linear, ihre Ableitungen konstant, und die schwache Form liefert für jedes Element

Kij=νbibj+cicj4F,fi=JF3(Strombelag),fi=νBrxci−Brybi2(Magnet). K_{ij} = \nu\,\frac{b_i b_j + c_i c_j}{4F} , \qquad f_i = \frac{J\,F}{3} \quad\text{(Strombelag)} , \qquad f_i = \nu\,\frac{B_{rx}\,c_i - B_{ry}\,b_i}{2} \quad\text{(Magnet)} .

Das Magnetglied ist die Stelle, an der man sich leicht im Vorzeichen irrt. Es folgt aus ∫νB_r⋅rotw_\int \nu\,\underline B_r\cdot\operatorname{rot}\underline w; setzt man es falsch herum an, kommt ein Feld heraus, das mit dem richtigen zu −1-1 korreliert — die Form stimmt, die Richtung nicht.

Die Nichtlinearität

Im Eisen hängt ν\nu von BB ab. Das naheliegende Verfahren — rechnen, ν\nu aus der Kennlinie nachführen, wieder rechnen — funktioniert bei dieser Maschine nicht. Es schwingt: mit ungesättigtem Eisen stellt sich ein Feld von 8 T ein, im nächsten Schritt sättigen fünf Prozent der Elemente vollständig, der Fluss bricht auf ein Drittel ein, und von vorn. Auch mit Dämpfung bleibt es bei einem Zweierzyklus; das Ergebnis hängt dann von der Dämpfung ab, was bedeutet, dass es gar keines ist.

Das Newton-Verfahren löst das. Zur Steifigkeitsmatrix tritt die Ableitung der Reluktivität:

J__e=K__e+2∂ν∂B2F(G__TB_)(G__TB_)T, \underline{\underline J}_e = \underline{\underline K}_e + 2\,\frac{\partial\nu}{\partial B^2}\,F\, \left(\underline{\underline G}^\mathrm T\underline B\right) \left(\underline{\underline G}^\mathrm T\underline B\right)^\mathrm T ,

mit G__\underline{\underline G} der Matrix, die aus den Knotenwerten das konstante B_\underline B des Elementes macht. Damit ist nach zehn bis fünfzehn Schritten die Korrektur auf 10−1110^{-11} gefallen, und das Ergebnis hängt von nichts mehr ab.

Zwei Fallen in der Kennlinie

Jenseits des letzten Punktes. Die Kennlinie endet bei 1,74 T. Hält man sie dort fest, bleibt das Eisen auch bei 6 T durchlässig — physikalisch unmöglich. Setzt man statt dessen mit μ0\mu_0 fort, wird das Eisen zu hart abgeschnürt und die Flussverkettung fällt dreizehn Prozent zu klein aus. Richtig ist die Fortsetzung mit der Steigung des letzten Kennlinienabschnitts; so macht es auch FEMM.

Zwischen den Punkten. Fünfunddreißig Stützstellen, geradlinig verbunden, knicken. Eine monoton glatte Interpolation trifft besser und lässt das Newton-Verfahren ruhiger laufen.

Das Gleichungssystem

Für 31 815 Unbekannte ist eine Zerlegung zu teuer. Genommen wird das Verfahren der konjugierten Gradienten mit Jacobi-Vorkonditionierung: die Matrix wird nie zerlegt, nur multipliziert. Das Besetzungsmuster entsteht einmal, danach werden je Newton-Schritt nur noch Werte eingetragen.

Zwei unabhängige Wege, mindestens

Ein einzelner Rechenweg liefert eine Zahl, aber keine Aussage: ein Fehler darin sieht genauso aus wie ein Ergebnis. Deshalb gilt in dieser Arbeit durchgehend, dass zu jeder Größe mindestens zwei voneinander unabhängige Wege führen müssen. Fallen sie zusammen, ist die Zahl keine Behauptung mehr; laufen sie auseinander, ist der Abstand selbst die Aussage — bei der Rechnung ein Fehler, bei der Messung Physik.

Die Feldrechnung: vier Wege

Weg was er ist wogegen er unabhängig ist
FEMM 4.2 fremdes Programm, über erzeugte Lua-Skripte gesteuert von jeder eigenen Zeile Code
Löser in Python lineare Dreiecke, Newton, auf FEMMs Netz von der Browserfassung und von der eigenen Vernetzung
Löser in JavaScript derselbe Ansatz im Browser, Vernetzung je Rotorstellung neu von FEMM und von der Python-Fassung
geschlossene Gesetze Überlagerung und Reziprozität, ganz ohne zweiten Löser von allen Lösern zugleich

FEMM ist dabei eine der Prüfmethoden und nicht die Wahrheit. Das ist kein Wortspiel, sondern eine Festlegung mit Folgen: stimmte FEMM an einer Stelle nicht, fiele es beim bloßen Vergleich nicht auf, weil alle anderen Wege gegen FEMM gemessen würden. Deshalb steht der vierte Weg daneben, und er braucht überhaupt keinen Löser:

  • Überlagerung. Bei linearem Eisen ist das Problem affin in den Strömen, ψ_(i_)=Ψ_PM+L__i_\underline\psi(\underline i) = \underline\Psi_\mathrm{PM} + \underline{\underline L}\,\underline i. Also muss ψ_(a_+b_)+ψ_(0_)=ψ_(a_)+ψ_(b_)\underline\psi(\underline a + \underline b) + \underline\psi(\underline 0) = \underline\psi(\underline a) + \underline\psi(\underline b) gelten — eine Eigenschaft der Gleichung, nicht ihrer Lösung.
  • Reziprozität. M21=M12M_{21} = M_{12}, weil die Steifigkeitsmatrix symmetrisch ist. Das gilt bei linearem Eisen exakt.

Verletzt ein Löser eines von beiden, ist er falsch — unabhängig davon, was irgendein Vergleich sagt. Beides wird bei linearem Eisen geprüft, weil beide Gesetze nur dort exakt gelten; bei Sättigung ist die Abweichung keine Ungenauigkeit, sondern Physik.

Dieselbe Regel darunter

Größe erster Weg zweiter Weg dritter
Geometrie die Modelldatei dieselbe Geometrie über eine DXF eingelesen —
LdL_d, LqL_q über die Stranggrößen L0L_0, M0M_0, L2L_2 unmittelbar als Sekante aus Ψd\Psi_d, Ψq\Psi_q —
ΨPM\Psi_\mathrm{PM} Grundwelle der Flussverkettung im Leerlauf aus der Leerlaufspannung zurückgerechnet —
L2L_2 Amplitude der doppelten Welle in L11L_{11} dieselbe in M21M_{21} und in M31M_{31}
ldql_{dq} Anregung in der d-Achse, gemessen in q Anregung in der q-Achse, gemessen in d —
das Messblatt Vorhersage aus der Feldrechnung Rückweg aus den Ablesungen —
das Moment aus der Spannungsgleichung aus Erreger- und Reluktanzanteil einzeln —

Wo es keinen zweiten Weg gibt, steht das ausdrücklich da. Der Strangwiderstand ist ein solcher Fall: ein magnetostatisches Modell kennt ihn nicht, er wird gemessen und sonst gar nichts. Und die Vernetzung ist ein zweiter: sie ist übernommen, ihr Ergebnis wird über die Netzprüfung und über die Netzfeinheitsreihe kontrolliert, aber nicht durch einen zweiten Vernetzer.

Von Hand nachrechenbar

Ein Verfahren, das sich nicht mit Papier und Stift ausführen lässt, ist entweder nicht verstanden oder nicht richtig aufgeschrieben. Der Rechner ist darin nicht besser als ein Mensch, nur schneller — er führt denselben Algorithmus aus, zehnmillionenfach. Deshalb steht hier jedes numerische Verfahren dieser Arbeit so, dass man es von Hand nachvollziehen kann: die Schritte, die Startwerte, die Abbruchbedingung und die Größenordnung der Schrittzahl. Wo es billig ist, steht ein durchgerechnetes Kleinstbeispiel daneben.

Die Newton-Schleife

Gesucht ist der Knotenvektor A_\underline A, für den das Residuum R_(A_)=K__(A_)A_−f_\underline R(\underline A) = \underline{\underline K}(\underline A)\,\underline A - \underline f verschwindet. Von Hand:

  1. Start. A_(0)=0_\underline A^{(0)} = \underline 0, oder die Lösung der vorigen Rotorstellung — das spart drei bis fünf Schritte.
  2. Elemente durchgehen. Für jedes Dreieck aus den Knotenwerten das konstante B_\underline B bilden, daraus ν(B2)\nu(B^2) und ∂ν/∂B2\partial\nu/\partial B^2 aus der Kennlinie ablesen, damit K__e\underline{\underline K}_e und J__e\underline{\underline J}_e nach den Formeln des vorigen Abschnitts berechnen und in K__\underline{\underline K}, J__\underline{\underline J} und R_\underline R einsortieren.
  3. Ränder setzen. In den Zeilen fester Knoten die Nebendiagonalen auf null, das Residuum auf null.
  4. Korrektur lösen. J__ΔA_=−R_\underline{\underline J}\,\Delta\underline A = -\underline R — das ist das lineare Gleichungssystem des nächsten Abschnitts.
  5. Nachführen. A_←A_+ΔA_\underline A \leftarrow \underline A + \Delta\underline A. Keine Dämpfung, kein Schrittweitenverfahren; bei dieser Aufgabe ist beides unnötig.
  6. Abbrechen, wenn maxi|ΔAi|/maxi|Ai|<10−7\max_i|\Delta A_i| \,/\, \max_i|A_i| < 10^{-7} ist, spätestens nach 20 Schritten. Tatsächlich gebraucht werden zehn bis fünfzehn; die Korrektur fällt dabei auf 10−1110^{-11}.

Der Unterschied zum naheliegenden Verfahren — rechnen, ν\nu nachführen, wieder rechnen — steckt allein in Schritt 2: dort tritt neben K__e\underline{\underline K}_e auch J__e\underline{\underline J}_e auf. Ohne diesen Zusatz schwingt die Iteration, wie im vorigen Abschnitt gezeigt.

Die konjugierten Gradienten, ausgeschrieben

Zu lösen ist J__x_=b_\underline{\underline J}\,\underline x = \underline b mit symmetrischer, positiv definiter Matrix. Für 31 815 Unbekannte ist eine Zerlegung zu teuer; das Verfahren der konjugierten Gradienten multipliziert die Matrix nur. Als Vorkonditionierer dient ihre Hauptdiagonale (M__=diagJ__\underline{\underline M} = \operatorname{diag}\underline{\underline J}, „Jacobi-Vorkonditionierung”); ist ein Diagonalglied nicht positiv, wird es durch 1 ersetzt.

Von Hand, Schritt für Schritt:

x_0=0_,r_0=b_−J__x_0,z_0=M__−1r_0,p_0=z_0,ρ0=r_0𝖳z_0für k=0,1,2,…:αk=ρkp_k𝖳J__p_k,x_k+1=x_k+αkp_k,r_k+1=r_k−αkJ__p_kz_k+1=M__−1r_k+1,ρk+1=r_k+1𝖳z_k+1,βk=ρk+1ρk,p_k+1=z_k+1+βkp_k \begin{aligned} &\underline x_0 = \underline 0, \quad \underline r_0 = \underline b - \underline{\underline J}\,\underline x_0, \quad \underline z_0 = \underline{\underline M}^{-1}\underline r_0, \quad \underline p_0 = \underline z_0, \quad \rho_0 = \underline r_0^{\mathsf T}\underline z_0 \\[4pt] &\text{für } k = 0, 1, 2, \dots:\\ &\qquad \alpha_k = \frac{\rho_k}{\underline p_k^{\mathsf T}\, \underline{\underline J}\,\underline p_k}, \qquad \underline x_{k+1} = \underline x_k + \alpha_k\,\underline p_k, \qquad \underline r_{k+1} = \underline r_k - \alpha_k\,\underline{\underline J}\,\underline p_k\\ &\qquad \underline z_{k+1} = \underline{\underline M}^{-1}\underline r_{k+1}, \qquad \rho_{k+1} = \underline r_{k+1}^{\mathsf T}\underline z_{k+1}, \qquad \beta_k = \frac{\rho_{k+1}}{\rho_k}, \qquad \underline p_{k+1} = \underline z_{k+1} + \beta_k\,\underline p_k \end{aligned}

Abbruch, wenn ρk+1<10−6ρ0\sqrt{\rho_{k+1}} < 10^{-6}\sqrt{\rho_0} ist, spätestens nach 2000 Schritten. Die Schranke ist bewusst lose: innerhalb eines Newton-Schrittes muss das Gleichungssystem nicht genauer gelöst werden, als die Newton-Korrektur selbst noch bringt. Je Feldlösung fallen so einige hundert Matrix-Vektor-Produkte an — und genau das ist der Teil, den der Rechner schnell macht und der Mensch nicht.

Das Kleinstbeispiel, von Hand. Mit

J__=(4113),b_=(12),M__=(4003) \underline{\underline J} = \begin{pmatrix} 4 & 1\\ 1 & 3\end{pmatrix}, \qquad \underline b = \begin{pmatrix} 1\\ 2\end{pmatrix}, \qquad \underline{\underline M} = \begin{pmatrix} 4 & 0\\ 0 & 3\end{pmatrix}

ist r_0=b_\underline r_0 = \underline b, z_0=p_0=(0,25;0,666667)𝖳\underline z_0 = \underline p_0 = (0{,}25;\ 0{,}666667)^{\mathsf T} und ρ0=1,583333\rho_0 = 1{,}583333.

kk J__p_k\underline{\underline J}\,\underline p_k p_k𝖳J__p_k\underline p_k^{\mathsf T}\underline{\underline J}\,\underline p_k αk\alpha_k x_k+1\underline x_{k+1} r_k+1\underline r_{k+1} Rest
0 (1,666667;2,250000)(1{,}666667;\ 2{,}250000) 1,916667 0,826087 (0,206522;0,550725)(0{,}206522;\ 0{,}550725) (−0,376812;0,141304)(-0{,}376812;\ 0{,}141304) 1,6⋅10−11{,}6\cdot10^{-1}
1 (−0,285339;0,107002)(-0{,}285339;\ 0{,}107002) 0,031920 1,320574 (0,090909;0,636364)(0{,}090909;\ 0{,}636364) (0;0)(0;\ 0) 00

mit β0=0,026623\beta_0 = 0{,}026623 und p_1=(−0,087547;0,064850)𝖳\underline p_1 = (-0{,}087547;\ 0{,}064850)^{\mathsf T}. Nach zwei Schritten steht die exakte Lösung x_=(1/11;7/11)\underline x = (1/11;\ 7/11) da — das ist kein Zufall, sondern die Eigenschaft des Verfahrens: bei nn Unbekannten endet es ohne Rundungsfehler nach höchstens nn Schritten. Dieselben sechs Zeilen, nur mit 31 815 statt zwei Komponenten, rechnet der Browser.

Die Fourieranalyse über dem Winkel

Aus NN Stützstellen yiy_i an den Winkeln ϑi\vartheta_i, die eine volle Periode gleichmäßig überdecken (die wiederholte letzte Stellung bleibt draußen):

y¯=1N∑iyi,ah=2N∑iyicoshϑi,bh=2N∑iyisinhϑi, \overline y = \frac1N\sum_{i} y_i, \qquad a_h = \frac2N\sum_i y_i\cos h\vartheta_i, \qquad b_h = \frac2N\sum_i y_i\sin h\vartheta_i,

Amplitude der hh-ten Welle ah2+bh2\sqrt{a_h^2 + b_h^2}, ihre Lage arctan(bh/ah)\arctan(b_h/a_h). Mehr ist es nicht: je Koeffizient eine Summe von NN Produkten. Für L11(ϑ)=L0+L2cos2ϑL_{11}(\vartheta) = L_0 + L_2\cos 2\vartheta ist L0L_0 der Mittelwert und L2=a2L_2 = a_2; der größte Rest maxi|yi−(y¯+a2cos2ϑi)|\max_i|y_i - (\overline y + a_2\cos 2\vartheta_i)| sagt, wie gut der Ansatz die Punkte trifft.

Die spektrale Ableitung

Die Leerlaufspannung ist die abgeleitete Flussverkettung. Leitet man die gespeicherte Kurve mit dem zentralen Differenzenquotienten über Zwei-Grad-Schritte ab, ist die Grundwelle um 0,180{,}18 Prozent zu klein — und genau um diesen Betrag käme ΨPM\Psi_\mathrm{PM} aus der zurückgerechneten Spannung falsch heraus. Der Verlauf ist über eine Periode geschlossen und damit durch seine Fourierreihe darstellbar; die Ableitung einer Reihe ist wieder eine Reihe. Von Hand:

  1. Die Koeffizienten aha_h, bhb_h nach dem vorigen Abschnitt bilden, h=1…N/2h = 1 \dots N/2.
  2. Gliedweise ableiten: aus ahcoshφ+bhsinhφa_h\cos h\varphi + b_h\sin h\varphi wird h(−ahsinhφ+bhcoshφ)h\left(-a_h\sin h\varphi + b_h\cos h\varphi\right).
  3. Mit ωel\omega_\mathrm{el} multiplizieren und an der gewünschten Stelle φ\varphi aufsummieren.

Das ist zugleich eine trigonometrische Interpolation: der Wert lässt sich an jeder Stelle bilden, nicht nur an den Stützstellen. Genau das braucht das Messblatt, dessen Tafel ein anderes Winkelgitter hat als die Feldrechnung.

Der Differenzenquotient für die Steigungen

Die vier differentiellen Induktivitäten entstehen aus zentralen Differenzenquotienten mit der Störung Δ=0,25\Delta = 0{,}25 A, wie in Glied 5 angeschrieben. Von Hand ist das eine Subtraktion und eine Division je Eintrag — teuer ist nicht die Rechnung, sondern die Feldlösung: je Arbeitspunkt fünf Stück, der Punkt selbst und vier Störungen.

Die Wahl von Δ\Delta ist ein Abwägen und keine Beliebigkeit. Zu klein, und die Differenz zweier fast gleicher Zahlen verliert Stellen; zu groß, und die Sehne ist keine Tangente mehr. Bei 0,250{,}25 A liegt beides weit genug auseinander: die Flussverkettung ändert sich dabei in der vierten Stelle, und die Krümmung trägt erst in der siebten bei.

Die bilineare Interpolation im Kennfeld

Zwischen vier gerechneten Stützstellen (id0,iq0)(i_{d0}, i_{q0}) bis (id1,iq1)(i_{d1}, i_{q1}) wird linear in beiden Richtungen interpoliert. Mit td=(id−id0)/(id1−id0)t_d = (i_d - i_{d0})/(i_{d1} - i_{d0}) und entsprechend tqt_q:

y=(1−td)(1−tq)y00+td(1−tq)y10+(1−td)tqy01+tdtqy11. y = (1-t_d)(1-t_q)\,y_{00} + t_d(1-t_q)\,y_{10} + (1-t_d)t_q\,y_{01} + t_d t_q\,y_{11} .

Vier Multiplikationen und drei Additionen — und die Seite sagt bei jedem Reglerstand dazu, ob der Punkt gerechnet oder interpoliert ist.

Was hier bewusst übernommen und nicht selbst gerechnet wird

Ein Verfahren darf übernommen werden; sein Algorithmus muss trotzdem benannt sein. Übernommen ist genau eines: die Vernetzung. Triangle von Jonathan Shewchuk führt eine Delaunay-Triangulierung mit Verfeinerung nach Ruppert aus — Dreiecke einfügen, bis kein Winkel unter der Schranke bleibt, mit exakten Prädikaten für die Orientierungs- und Umkreistests. Von Hand ist das ausführbar, aber für 30 558 Knoten nicht sinnvoll; der eigene Versuch scheiterte an fünf Punkten, die im Kapitel „Das Netz, und warum es nicht selbst gebaut wurde” einzeln stehen. FEMM benutzt denselben Vernetzer. Was nicht übernommen ist: Aufstellen, Lösen, Auswerten — alles davon steht oben.

Die Probe gegen FEMM

Fall Strang eigener Löser FEMM Unterschied
nur Magnete 1 0,264152 Wb 0,262033 Wb 0,81 %
2 −0,132112 Wb −0,131052 Wb 0,81 %
3 −0,132089 Wb −0,131030 Wb 0,81 %
3 A in Strang 1 1 0,394146 Wb 0,391910 Wb 0,57 %
2 −0,194180 Wb −0,193055 Wb 0,58 %
3 −0,194227 Wb −0,193105 Wb 0,58 %

Gerechnet wird auf FEMMs eigenem Netz — 31815 Knoten, 63483 Dreiecke, davon 33365 mit Kennlinie, 72 Knoten auf dem Rand. Damit kann kein Unterschied aus einer anderen Vernetzung stammen; verglichen wird allein die Rechnung. Knoten für Knoten korrelieren die beiden Felder mit 0,999999, und die Newton-Korrektur ist zuletzt auf 55,9·10⁻¹² gefallen.

Der verbleibende halbe bis ganze Prozent ist die Interpolation der Kennlinie: FEMM benutzt seine eigene, und die lässt sich aus der Modelldatei nicht ablesen. Dass er wirklich dort steckt und nirgends sonst, zeigt der lineare Vergleichsfall — mit linearem Eisen, sonst allem gleich, treffen sich beide Rechnungen auf 0,04 Prozent. Aufbau, Magnete, Ströme, Rand und Auswertung sind damit unabhängig bestätigt.

Was das Modell mitbringen muss

Der Löser braucht sechs Dinge, und alle stehen in einer FEMM-Modelldatei: Knoten und Dreiecke, die Zuordnung jedes Dreiecks zu einem Gebiet, je Gebiet den Werkstoff mit Permeabilität, Koerzitivfeldstärke und Kennlinie, die Magnetisierungsrichtung, die Zuordnung zu einem Stromkreis samt Windungszahl, und die Knoten mit vorgegebenem Potential am Rand. packe_modell.py schnürt daraus ein Paket; die Kennlinie wird dabei schon in eine Tafel ν(B)\nu(B) umgerechnet, damit die Seite dieselbe Interpolation benutzt wie die geprüfte Rechnung.

Ein anderes Modell braucht deshalb nur denselben Aufruf. Die Seite lädt das Paket und rechnet damit, ohne dass an ihr etwas zu ändern wäre.

Das Netz, und warum es nicht selbst gebaut wurde

Der Löser des vorigen Kapitels setzt ein Netz voraus. Woher es kommt, ist keine Nebensache: das Netz entscheidet, wie gut die Lösung ist, und es muss bei jeder Rotorstellung neu entstehen, weil FEMM kein mitdrehendes Band kennt und wir es ihm nicht nachbauen wollten. Dieses Kapitel beschreibt, was dabei selbst geschrieben wurde, was übernommen ist — und warum der erste, eigene Versuch gescheitert ist. Das Scheitern steht hier ausdrücklich mit, weil es lehrreicher ist als das Gelingen.

Was hineingeht: ein Streckenzug mit Gebieten

Übergeben wird nicht ein fertiges Netz, sondern die Geometrie. Das ist ein planarer Streckenzug mit Zwangskanten, in der Literatur planar straight line graph: Punkte, Strecken zwischen ihnen, und für jedes Gebiet eine Marke, die sagt, welcher Werkstoff dort gilt und wie fein dort zu teilen ist.

Bögen sind dabei kein Sonderfall, der Interpolation bräuchte. Ein Bogen ist durch seine beiden Endpunkte und den eingeschlossenen Winkel exakt bestimmt; der Mittelpunkt ergibt sich daraus. Zerlegt wird er in Sehnen von höchstens fünf Grad — das ist nicht geraten, sondern FEMMs eigener Wert, der in der vierten Spalte jedes Bogensatzes der .fem-Datei steht. Damit teilt unser Netz die Luftspaltkontur genauso fein wie FEMMs.

Die Geometriedatei enthält 191 Punkte, 120 Strecken, 113 Bögen, 50 Blockmarken und 11 Werkstoffe. Daraus entsteht bei jeder Rotorstellung ein neues Netz:

Rotorstellung Knoten Dreiecke Randknoten Flächensumme gegen Randpolygon
0° 13955 27622 72 0,0000 %
17° 13842 27399 72 0,0000 %
48° 13886 27482 72 0,0000 %
120° 13758 27229 72 0,0000 %

Die letzte Spalte ist die eigentliche Probe. Summiert man die Flächen aller Dreiecke und hält sie gegen die Fläche des Vielecks durch die Randknoten, müssen beide gleich sein — sonst fehlt ein Stück des Gebiets oder es liegt doppelt. Die Übereinstimmung auf vier Nachkommastellen eines Prozents sagt, dass das Netz das Gebiet genau einmal überdeckt.

Mit der Feinheit wächst die Knotenzahl von 13919 auf 30510; FEMM vernetzt dasselbe Modell mit 31 815 Knoten. Die 72 Randknoten stimmen überein.

Und eine Probe, die den Vernetzer allein misst: rechnet man dasselbe Modell linear — FEMM hat dafür eine Fassung mit einem künstlichen Werkstoff mit festem μr=3678\mu_r = 3678 statt der Kennlinie —, dann gibt es keine Kennlinieninterpolation mehr, an der sich zwei Löser unterscheiden könnten. Übrig bleibt die Vernetzung, und die eigene Rechnung liegt dann 0,39 % neben FEMM.

Drei Dinge drehen sich, nicht eines

Bei jeder neuen Rotorstellung wird die Gruppe der Rotorbauteile um den Drehpunkt gedreht — nicht um den Ursprung, denn das Modell ist nicht auf ihn zentriert; der Drehpunkt liegt bei 134,675 mm, 99,754 mm. Mitdrehen müssen aber drei Dinge, und das ist die Stelle, an der ein stiller Fehler lange unbemerkt blieb:

  1. die Geometrie der Rotorbauteile,
  2. die Magnetisierungsrichtung der Magnete,
  3. die Strangströme, weil der Arbeitspunkt im rotorfesten System vorgegeben ist.

Vergisst man den zweiten Punkt, wandern die Magnete mit, zeigen aber weiter in die alte Richtung. Das Feldbild sieht dann immer noch plausibel aus — nur kam ΨPM\Psi_\mathrm{PM} um ein Drittel zu klein heraus. Vergisst man den dritten, wandert der Arbeitspunkt während der Drehung, und jede Stellung gehört zu einem anderen Sättigungszustand; das Mittel über die Stellungen wäre dann über Ungleiches gebildet. Beide Punkte sind heute eigene Prüfkriterien (A5, A6 und A7 des Prüfplans) und werden auf Maschinengenauigkeit nachgemessen.

Die Randknoten werden übrigens nicht aus den Markierungen des Vernetzers übernommen, sondern geometrisch bestimmt: wer auf dem Außenkreis liegt, ist Rand. Das ist robuster, weil es nicht davon abhängt, wie die Markierungen durch die Zerlegung der Bögen hindurchgereicht werden.

Der eigene Vernetzer — fünf Denkfehler

Zuerst wurde ein eigener Delaunay-Vernetzer geschrieben, 530 Zeilen. Er lief nie zu Ende. Die Nachanalyse ergab fünf Fehler, und jeder einzelne ist typisch genug, um ihn festzuhalten:

1. Falsches Maß für die Elementgröße. Die gewünschte Kantenlänge wurde proportional zum Abstand zur nächsten Berandung gewählt. Auf einer Berandung ist dieser Abstand null — also wurde entlang jeder Kante die feinste Stufe erzwungen, 18 350 Kantenteilungen schon in der ersten Runde, und von dort wuchs es unbegrenzt weiter. Richtig ist die lokale Merkmalsgröße, also der Abstand zum nächsten nicht anliegenden Merkmal — oder schlicht eine Größe je Gebiet, wie FEMM sie als „max element size” je Block führt.

2. Gütekriterium unterhalb der Abbruchgarantie. Als Schranke für das Verhältnis von Umkreisradius zu kürzester Kante wurde 1,2 gewählt. Für das Ruppert-Verfahren ist das Ende der Verfeinerung erst ab 2≈1,414\sqrt2 \approx 1{,}414 bewiesen. Unterhalb davon kann sie endlos laufen — und tat es.

3. Einfügen war nicht atomar. Wäre ein neu entstehendes Dreieck entartet, wurde es übersprungen. Zurück blieb ein Loch, und die Nachbarschaftsbeziehungen stimmten danach nicht mehr. Bemerkbar machte sich das erst viel später als Hänger an ganz anderer Stelle. Einfügen muss ganz geschehen oder gar nicht.

4. Zwangskanten zu spät eingetragen. Beim Teilen einer festen Kante wurden die beiden Hälften erst nach dem ganzen Durchgang eingetragen. In der Zwischenzeit liefen Einfügungen quer durch die Berandung, und die Gebietsflutung lief nach außen aus — die Fläche kam milliardenfach zu groß heraus.

5. Höhlenberandung gesammelt, während die Höhle noch wuchs. Ein Nachbar, der später dazukam, stand schon fälschlich als Rand in der Liste.

Dazu kommt ein sechster Punkt, der gar nicht erst angegangen wurde: robuste Prädikate. Ob ein Punkt links oder rechts einer Geraden liegt und ob er im Umkreis eines Dreiecks liegt, entscheidet über die gesamte Topologie. Rechnet man das naiv in Gleitkomma, kippen die Vorzeichen nahe Entartungen, und das Netz wird still inkonsistent. Der eigentliche Beitrag von Shewchuks Arbeit ist genau hier: adaptive exakte Arithmetik, die nur so viel Aufwand treibt, wie der Einzelfall verlangt.

Die Antwort lag im Projektordner

Der entscheidende Hinweis kam von Prof. Wystup: „Schau doch einfach mal nach, wie FEMM das macht. Das Problem muss doch schon tausendmal gelöst worden sein.” In FEMMs eigenem Programmordner liegt triangle.exe. FEMM vernetzt nicht selbst — es ruft Triangle auf, geschrieben von Jonathan Shewchuk an der Carnegie Mellon University.

Benutzt wird hier dasselbe Programm, als WebAssembly in die Seite eingebettet (125 kB). Die Schalter sind pslg, quality 30, area und regionAttr. Der letzte ist der wichtigste: er gibt jedem Dreieck das Attribut seines Gebietes zurück. Damit sind Gebietszuordnung und Feinheitssteuerung in einem Schritt erledigt — genau das, was der Eigenbau mühsam nachbauen wollte.

Die Leistung: 30 558 Knoten in 26 Millisekunden. Der Eigenbau kam nie zu Ende.

Was selbst zu schreiben bleibt

Nicht viel, und genau das ist die Pointe. Übernommen ist der Vernetzer; selbst geschrieben ist nur das Modellspezifische:

Baustein Zeilen Herkunft
Vernetzer (Delaunay, Verfeinerung, exakte Prädikate) — übernommen: Triangle, Shewchuk
Geometrie drehen, Bögen zerlegen, Marken abbilden, Rand finden 156 eigen
Finite-Elemente-Löser: Aufbau, Newton, konjugierte Gradienten 240 eigen
Ablaufsteuerung: Stellungen, mitdrehende Bestromung, drei Versuche 190 eigen

Zum Lizenzstand: die WebAssembly-Hülle steht unter MIT. Triangle selbst ist urheberrechtlich geschützt und nach Angabe des Autors frei verfügbar, darf aber ohne Lizenz weder verkauft noch in ein kommerzielles Erzeugnis aufgenommen werden. Für Lehre, Forschung und eine offene Veröffentlichung ist es frei, mit Quellenangabe — und FEMM liefert es unter denselben Bedingungen mit.

Was sich ohne FEMM prüfen lässt

Alle bisherigen Proben halten die eigene Rechnung gegen FEMM. Das ist gut, hat aber eine Lücke: stimmte FEMM selbst an einer Stelle nicht, fiele es nirgends auf. Zwei Eigenschaften lassen sich deshalb ohne jeden zweiten Löser prüfen, weil sie Eigenschaften der Gleichung sind:

Überlagerung. Bei linearem Eisen ist das Problem affin in den Strömen, ψ(i)=ΨPM+Li\psi(i) = \Psi_\mathrm{PM} + L\,i. Also muss ψ(a+b)+ψ(0)=ψ(a)+ψ(b)\psi(a+b) + \psi(0) = \psi(a) + \psi(b) gelten. Gemessen: die Abweichung liegt bei 1,5⋅10−61{,}5\cdot10^{-6} Prozent von ΨPM\Psi_\mathrm{PM} — das ist die Abbruchschranke des Lösers, nicht ein Kompromiss.

Reziprozität. Die Gegeninduktivität ist symmetrisch. Bestromt man Strang 1 und misst Strang 2, muss dasselbe herauskommen wie umgekehrt. Gemessen: M21=−23,2290M_{21} = -23{,}2290 mH gegen M12=−23,2290M_{12} = -23{,}2290 mH, Unterschied 3,4⋅10−63{,}4\cdot10^{-6} Prozent von L0L_0. Das folgt aus der Symmetrie der Steifigkeitsmatrix; verletzte der Löser es, wäre er falsch, ganz gleich was ein Vergleich sagt.

Dazu die Konvergenz des Newton-Verfahrens selbst: zehn Schritte, und die Schrittweite fällt monoton von 1,0 über 2,2⋅10−12{,}2\cdot10^{-1}, 3,9⋅10−23{,}9\cdot10^{-2} und 1,3⋅10−41{,}3\cdot10^{-4} auf 1,3⋅10−91{,}3\cdot10^{-9}. An den letzten drei Zahlen sieht man die quadratische Konvergenz, die das Verfahren verspricht — sie ist hier also nicht nur behauptet.

Die Seite zum Rechnen

Zu diesem Manuskript gehört eine Datei, PMSM_Rechner_2.7.html. Sie ist eine einzige Seite ohne Zubehör: die Bilder aus FEMM stecken als Daten darin, ebenso alle gerechneten Werte, und nachgeladen wird nichts. Zwei Schalter bestimmen, was sie tut.

Quelle. Voreingestellt rechnet sie mit den Zahlen der Feldrechnung. Über den zweiten Schalter liest sie eine Datei mit Messwerten ein, im selben Format; eine Vorlage gibt sie auf Knopfdruck aus. Ab dann stellen sich alle Zahlen und alle Gleichungen auf die Messung um. Das ist der Ersatz eins zu eins, von dem das Kapitel über die Schnittstelle spricht.

Modell. Linear oder sättigbar. Im linearen Fall gilt ein einziger Parametersatz für alle Arbeitspunkte, das Kreuzglied ist null, und differentielle und absolute Induktivität fallen zusammen. Im sättigbaren Fall hängt jede der sechs Größen vom Arbeitspunkt ab; zwischen den gerechneten Stützstellen wird interpoliert.

Gezeigt werden dann, in dieser Reihenfolge: das Modell mit seinen Feldbildern, die drei Größensätze der Schnittstelle mit ihren Verläufen über dem Drehwinkel, die daraus folgenden Parameter, die vollständigen Spannungsgleichungen und die Momentengleichung — erst allgemein, dann mit den Zahlen des eingestellten Arbeitspunktes, und zuletzt für den eingeschwungenen Zustand, in dem die Stromableitungen wegfallen und man die Spannungen unmittelbar am Prüfstand nachmessen kann.

Erzeugt wird die Seite von erstelle_html.py aus denselben Ergebnisdateien, aus denen auch die Zahlen dieses Manuskriptes gesetzt werden. Sie kann deshalb nicht veralten, ohne dass das Manuskript mit veraltet.

Wie diese Arbeit entstanden ist

Ausgangspunkt

Am Anfang standen drei Unterlagen des Verfassers: ein FEM-Modell dieser Maschine aus dem Jahr 2012 samt Lua-Skript, ein Vorlesungsvortrag zur Parameterbestimmung aus der Geometrie und ein zweiter zur Modellbildung im rotorfesten System. Aus dem ersten stammt jede Zahl, aus den beiden anderen die Bezeichnungen und der Aufbau. Diese Vorarbeiten werden demnächst auf Git veröffentlicht; die vorliegende Ausarbeitung schließt an sie an.

Die Werkzeuge und was sie beigetragen haben

Werkzeug Beitrag
FEMM 4.2 sämtliche Feldrechnungen, gesteuert über erzeugte Lua-Skripte; gerechnet unter Wine im Arbeitsbereich und über eine Brücke auf dem Arbeitsrechner
Python Erzeugen der Aufträge, Auswerten der Läufe, Abbildungen, Setzen des Manuskripts — und ein zweiter, eigener Feldlöser zum Prüfen
JavaScript derselbe Löser noch einmal, damit die beiliegende Seite selbst rechnet
KI-Agent hat unter Anleitung des Verfassers die Skripte geschrieben, die Läufe geführt, die Auswertungen gebaut, die Fehler gesucht und das Manuskript gesetzt

Die Zusammenarbeit mit dem Agenten hatte eine feste Form: Der Verfasser gab Ziel und Methode vor, prüfte jedes Zwischenergebnis und wies zurück, was nicht trug. Der Agent rechnete, schrieb und protokollierte. Zwei Regeln galten durchweg — jede Zahl im Text stammt aus einer Ergebnisdatei, und jedes Ergebnis wird auf einem zweiten, unabhängigen Weg nachgerechnet.

Was diese Regeln eingebracht haben

Sie haben mehrere Fehler sichtbar gemacht, die sonst im Ergebnis verschwunden wären:

  • Im Skript von 2012 setzte eine Zeile den Kreistyp statt des Imaginärteils des Stromes. Dadurch wirkte die Windungszahl nicht, und die Flussverkettung wurde bei Strom null zu NaN — der Grund, warum der Messteil jenes Skripts auskommentiert war.
  • Der Faktor 25 zwischen zwei Auswertungen derselben Größe war die vergessene Blechpaketlänge.
  • Ein Vorzeichen im Magnetterm des eigenen Lösers zeigte sich als Korrelation von −0,94 mit der FEMM-Lösung.
  • Die Iteration für die Eisenkennlinie schwang zwischen zwei Zuständen; erst das Newton-Verfahren brachte sie zur Ruhe.
  • Die Kennlinie jenseits ihres letzten Punktes mit μ0\mu_0 fortzusetzen kostete dreizehn Prozent der Flussverkettung.
  • Zwei Abbildungen verloren beim Setzen ihre Unterschrift, weil die Schrift mehr Platz braucht als pandocs Grundschrift.

Keiner dieser Fehler hätte sich durch Nachdenken finden lassen, jeder durch Nachrechnen.

Was geprüft wurde und wogegen

Größe erster Weg zweiter Weg Abweichung
Flussverkettung Vektorpotential FEMMs Kreisauswertung 4,8⋅10−54{,}8\cdot10^{-5} Wb
ldql_{dq} gegen lqdl_{qd} aus der d-Störung aus der q-Störung unter 0,045 mH
Moment aus den Flussverkettungen Reluktanzform 9⋅10−169\cdot10^{-16} Nm
LdL_d, LqL_q aus den Stranggrößen unmittelbar im dq-System 0,06 und 0,12 %
eigener Feldlöser Python FEMM, lineares Eisen 0,04 %
eigener Feldlöser Python FEMM, mit Kennlinie 0,8 %
Löser der Seite JavaScript Python sechs Stellen gleich

Was davon nachvollziehbar bleibt

Alle Skripte, Messreihen, Ergebnisdateien und Abbildungen liegen im Projekt. Das Manuskript wird aus seiner Markdown-Quelle gesetzt, die Zahlen darin von setze_zahlen.py aus den Ergebnisdateien eingetragen. Ändert sich eine Rechnung, ändern sich Text, Tabellen und Abbildungen beim nächsten Setzen mit. Von Hand gepflegte Zahlen gibt es nicht.

Literatur und Quellen

Unterlagen zu dieser Maschine

Sie liegen im Projekt und sind die Grundlage aller Zahlen.

  • FEM-Modell DZ_DR.FEM mit dem zugehörigen Lua-Skript DZ_DR.lua, erstellt 2012. Im Ordner modell/FEMM_Simulationen/Dicker Zahn dünner Rückschluss/.
  • R. Wystup: Antriebstechnik / 5. PMSM-Parameterbestimmung. Vorlesungsvortrag, 26 Folien. Analytischer Weg von der Nutgeometrie zur Stranginduktivität über den Energieansatz, magnetische Widerstände, Koppelfaktor.
  • R. Wystup: Antriebstechnik / 4. EC-Motor. Vorlesungsvortrag, 48 Folien. Dreisträngiges Modell, Clarke- und Park-Transformation, dq-Gleichungen, Entkopplungsnetzwerk, Kaskadenregelung.

Die ausgelesenen Fassungen beider Vorträge liegen als FOLIEN_*.txt im Ordner modell/FEMM_Simulationen/, gelesen mit quellen/lies_folien.py.

Diese drei Unterlagen sind Vorarbeiten des Verfassers und die Grundlage von allem, was hier steht. Sie werden demnächst auf Git veröffentlicht; dort erscheint auch diese Ausarbeitung mit ihren Skripten, Messreihen und Ergebnisdateien, sodass sich jede Zahl nachrechnen lässt.

Verwendetes Rechenwerkzeug

  • D. C. Meeker: Finite Element Method Magnetics. Version 4.2, mit Handbuch. Benutzt wurden das ebene magnetostatische Problem, die Kreisdefinition mit Reihenschaltung und die Blockintegrale 1 (Vektorpotential) und 5 (Fläche). Die Eigenschaftsnummern von mi_modifycircprop stehen im Handbuch; die Nummer 2 ist der Kreistyp, nicht der Imaginärteil des Stromes — das ist der Punkt, an dem das Skript von 2012 gescheitert ist.

Die beiden Transformationen

  • R. H. Park: Two-Reaction Theory of Synchronous Machines — Generalized Method of Analysis, Part I. Transactions of the AIEE, Band 48, 1929.
  • E. Clarke: Circuit Analysis of A-C Power Systems. Wiley, New York, 1943.

Beide werden hier in der amplitudeninvarianten Fassung mit dem Faktor 23\tfrac23 benutzt; die Herleitung in Schritt 3 und 4 steht vollständig im Text und braucht die Quellen nicht.

Zum Weiterlesen

  • D. Schröder: Elektrische Antriebe — Grundlagen. Springer.
  • J. R. Hendershot, T. J. E. Miller: Design of Brushless Permanent-Magnet Machines. Motor Design Books.
  • IEC 60034-4-1: Rotating electrical machines — Methods for determining electrically excited synchronous machine quantities from tests. Für die messtechnische Seite; die hier beschriebene Vorschrift geht darüber hinaus, weil sie die differentiellen Größen und das Kreuzglied mitnimmt.

Die drei letzten Titel sind Standardwerke und ohne Seitenangabe genannt: sie werden für keine einzelne Zahl dieses Manuskriptes gebraucht, sondern nur als Einordnung. Jede Zahl hier stammt aus der Feldrechnung an dem oben genannten Modell.

Literatur und Quellen

Literatur und Quellen

Unterlagen zu dieser Maschine

Sie liegen im Projekt und sind die Grundlage aller Zahlen.

  • FEM-Modell DZ_DR.FEM mit dem zugehörigen Lua-Skript DZ_DR.lua, erstellt 2012. Im Ordner modell/FEMM_Simulationen/Dicker Zahn dünner Rückschluss/.
  • R. Wystup: Antriebstechnik / 5. PMSM-Parameterbestimmung. Vorlesungsvortrag, 26 Folien. Analytischer Weg von der Nutgeometrie zur Stranginduktivität über den Energieansatz, magnetische Widerstände, Koppelfaktor.
  • R. Wystup: Antriebstechnik / 4. EC-Motor. Vorlesungsvortrag, 48 Folien. Dreisträngiges Modell, Clarke- und Park-Transformation, dq-Gleichungen, Entkopplungsnetzwerk, Kaskadenregelung.

Die ausgelesenen Fassungen beider Vorträge liegen als FOLIEN_*.txt im Ordner modell/FEMM_Simulationen/, gelesen mit quellen/lies_folien.py.

Diese drei Unterlagen sind Vorarbeiten des Verfassers und die Grundlage von allem, was hier steht. Sie werden demnächst auf Git veröffentlicht; dort erscheint auch diese Ausarbeitung mit ihren Skripten, Messreihen und Ergebnisdateien, sodass sich jede Zahl nachrechnen lässt.

Verwendetes Rechenwerkzeug

  • D. C. Meeker: Finite Element Method Magnetics. Version 4.2, mit Handbuch. Benutzt wurden das ebene magnetostatische Problem, die Kreisdefinition mit Reihenschaltung und die Blockintegrale 1 (Vektorpotential) und 5 (Fläche). Die Eigenschaftsnummern von mi_modifycircprop stehen im Handbuch; die Nummer 2 ist der Kreistyp, nicht der Imaginärteil des Stromes — das ist der Punkt, an dem das Skript von 2012 gescheitert ist.

Die beiden Transformationen

  • R. H. Park: Two-Reaction Theory of Synchronous Machines — Generalized Method of Analysis, Part I. Transactions of the AIEE, Band 48, 1929.
  • E. Clarke: Circuit Analysis of A-C Power Systems. Wiley, New York, 1943.

Beide werden hier in der amplitudeninvarianten Fassung mit dem Faktor 23\tfrac23 benutzt; die Herleitung in Schritt 3 und 4 steht vollständig im Text und braucht die Quellen nicht.

Zum Weiterlesen

  • D. Schröder: Elektrische Antriebe — Grundlagen. Springer.
  • J. R. Hendershot, T. J. E. Miller: Design of Brushless Permanent-Magnet Machines. Motor Design Books.
  • IEC 60034-4-1: Rotating electrical machines — Methods for determining electrically excited synchronous machine quantities from tests. Für die messtechnische Seite; die hier beschriebene Vorschrift geht darüber hinaus, weil sie die differentiellen Größen und das Kreuzglied mitnimmt.

Die drei letzten Titel sind Standardwerke und ohne Seitenangabe genannt: sie werden für keine einzelne Zahl dieses Manuskriptes gebraucht, sondern nur als Einordnung. Jede Zahl hier stammt aus der Feldrechnung an dem oben genannten Modell.