Kennlinienschreiber für Transistoren mit ESP32 und BJT-Modell

Fassung 1.1 · 30.09.2026 · Prof. Dr.-Ing. Ralph Wystup M.Sc. — erstellt mit KI und Agent (Claude Code, Anthropic)

Dieses Gerät ist der Anfang einer Kette. Was aus seinen Kennlinien wird — die Parameter eines Gummel-Poon-Modells, daraus der Arbeitspunkt und die Verstärkung einer ganzen Schaltung, und die Gegenprobe gegen LTspice —, steht in Transistoren, der Transistortester und die daraus erzeugten Modelle. Das Verfahren, mit dem eine Schaltung aus nichtlinearen Bauteilen überhaupt gerechnet wird, ist in Schaltungssimulation von nichtlinearen Differentialgleichungssystemen hergeleitet; seit deren Teil XII ist der Transistor dort als Netzlisten-Bauteil eingebaut.

So läuft eine Messung: Basisstrom vorgeben → der äußere Regler stellt DA2, bis IB = (URB1−URB2)/RB − URB2/RB_GND den Sollwert hat → der innere, schnellere Regler stellt DA1, bis UCE = URC2 stimmt → erst danach wird IC = (URC1−URC2)/RC abgelesen.

Bedienung

Register am Gerät (Modbus, Adresse 1)

Reg.NameInhalt Wertentspricht

Register 0…3 beschreibbar, 4…11 nur lesbar. 8…11 sind die Mittelwerte über Abtastungen, ganzzahlig gerechnet wie in der Firmware.

Einschwingen der Kaskade

Aufgenommenes Kennlinienfeld

Noch nicht aufgenommen — auf „Kennlinienfeld aufnehmen“ drücken. Jeder Punkt wird einzeln eingeregelt, so wie am Gerät.

Der Aufbau, den die Simulation nachbildet

Übersichtsplan des Messplatzes

Dasselbe am Leitstand

Bedienblatt des ersten Quadranten

Vier Quadranten, ein Arbeitspunkt: Linien = Modell mit den angepassten Parametern, Punkte = die Messung am BC337-25. Der Arbeitspunkt wird durch alle vier Felder durchgezogen; die Steigung der Kennlinie in jedem Feld ist einer der vier h-Parameter. Unterhalb von etwa 0,3 V liegen die Modelllinien über den Messpunkten: das Modell enthält keine Sättigung, es wurde an den aktiven Bereich angepasst (UCE > 1 V) und gilt nur dort.

Arbeitspunkt

Simulation gegen Messung

Verglichen wird punktweise: für jeden gemessenen Punkt liefert das Modell einen Wert, angegeben sind die mittlere quadratische und die größte relative Abweichung.

Vom Kennfeld zum Vierpol: die vier h-Parameter sind die Ableitungen des Modells im Arbeitspunkt, die Kettenmatrix folgt daraus durch Umrechnung, und aus dem Kettenprodukt von Basiswiderstand, Transistor und Kollektorwiderstand ergeben sich Ein- und Ausgangswiderstand und die Verstärkung der ganzen Stufe.

h-Parameter im Arbeitspunkt

Gegenprobe von Hand: gm = IC/(n·VT) — der Wert daneben ist die numerische Ableitung.

Kettenmatrix des Transistors im Arbeitspunkt oben

Emitterschaltung, durchgerechnet

Kette ARB · AT · ARC

Arbeitsgerade im Ausgangskennlinienfeld

1 Worum es geht

Ein Transistor wird in der Vorlesung zuerst als Kennfeld gezeigt und danach als Vierpol gerechnet. Zwischen beidem klafft eine Lücke: das Kennfeld steht im Datenblatt, die Vierpolparameter stehen in der Formelsammlung, und wie das eine aus dem anderen folgt, bleibt meist eine Behauptung. Dieses Manuskript schließt die Lücke an einem einzigen Bauteil und auf einem Weg, der sich von Hand nachrechnen lässt:

  1. Ein selbstgebauter Messplatz nimmt das Kennfeld auf. Er besteht aus einem Mikrorechner, einem 16-Bit-Analog-Digital-Umsetzer, einem 16-Bit-Digital-Analog-Umsetzer, zwei Treiberverstärkern und drei gesteckten Widerständen. Geregelt wird in Kaskade: der äußere Kreis stellt den Basisstrom, der innere die Kollektor-Emitter-Spannung.
  2. Aus dem gemessenen Kennfeld werden die Parameter eines Transistormodells bestimmt — erst merkmalsweise mit Bleistift und Papier, dann als Gesamtausgleich über alle Kurven, und zuletzt wird geprüft, welcher Parameter aus diesen Daten überhaupt bestimmbar ist.
  3. Aus dem angepassten Modell werden die h-Parameter im Arbeitspunkt als Ableitungen gewonnen, daraus die Kettenmatrix (A-Parameter), und damit wird eine vollständige Emitterschaltung durchgerechnet.

Der Weg ist bewusst so gelegt, dass an keiner Stelle ein Baustein als Orakel auftritt. Jede Zahl in diesem Manuskript ist entweder gemessen oder aus gemessenen Zahlen gerechnet; die Rechenprogramme liegen bei und sind gelaufen.

Der Messplatz: Leiterplatte mit Mikrorechner, Umsetzern und Treibern, rechts der
Der Messplatz: Leiterplatte mit Mikrorechner, Umsetzern und Treibern, rechts der Prüfling im Metallgehäuse an den Messleitungen.

2 Der Messplatz

2.1 Übersichtsplan

Der Aufbau folgt einer einfachen Idee: zwei Spannungsquellen speisen den Prüfling über je einen Messwiderstand, und vier Spannungen werden gemessen. Ströme werden nicht mit Stromwandlern erfasst, sondern als Spannungsabfall über bekannten Widerständen gerechnet. Damit kommt der ganze Messplatz mit einem einzigen vierkanaligen Spannungsmesser aus.

Übersichtsplan von Hand: zwei Digital-Analog-Kanäle mit Treibern speisen Kollekt
Übersichtsplan von Hand: zwei Digital-Analog-Kanäle mit Treibern speisen Kollektor- und Basiszweig, vier Analog-Digital-Kanäle messen die vier Knotenspannungen.

Die Bezeichnungen des Plans werden im ganzen Manuskript und in der Firmware verwendet:

KnotenBedeutung
URC1Speisepunkt des Kollektorzweigs, vor dem Messwiderstand RC
URC2Kollektor des Prüflings, hinter RC; zugleich UCE (Emitter liegt an Masse)
URB1Speisepunkt des Basiszweigs, vor dem Messwiderstand RB
URB2Basis des Prüflings, hinter RB; zugleich UBE

Alle Ströme und Spannungen sind positiv. Der Messplatz arbeitet im ersten Quadranten des npn-Transistors; für pnp-Prüflinge ist auf der Leiterplatte eine zweite Klemmenreihe vorgesehen.

2.2 Der Ausgabeweg: Umsetzer und Treiber

Der Digital-Analog-Umsetzer ist ein DAC8565 mit vier Kanälen zu je 16 Bit, angesteuert über SPI. Zwei Kanäle sind belegt: Kanal A liefert die Steuerspannung des Kollektorzweigs (UC), Kanal B die des Basiszweigs (UB). Der Ausgangsbereich ist 0 … 2,5 V.

Rechnerteil: Mikrorechner, Analog-Digital-Umsetzer AD7682 mit interner Referenz,
Rechnerteil: Mikrorechner, Analog-Digital-Umsetzer AD7682 mit interner Referenz, Digital-Analog-Umsetzer DAC8565, Spannungsversorgung.

Weil ein Transistor mehr Spannung und deutlich mehr Strom braucht, als ein Umsetzer liefern kann, folgt je Kanal ein nichtinvertierender Verstärker (Doppel-Leistungs-Operations\-verstärker TCA0372). Seine Verstärkung folgt aus dem Rückführteiler:

v = 1 + (R11)/(R1) = 1 + (22 kΩ)/(5,6 kΩ) = 4,92857

Im Kollektorzweig liegt zusätzlich ein Längstransistor (2SC3519) innerhalb der Gegenkopplung; er erhöht nur den lieferbaren Strom, nicht die Verstärkung, weil die Rückführung hinter ihm abgegriffen wird (R12/R3, gleiche Werte).

Damit gilt für beide Speisepunkte dieselbe Umrechnung von Registerwert zu Klemmenspannung. Mit Uref,DA = 2,5 V und 216 Stufen:

kDA = (Uref,DA)/(216)· v = (2,5 V)/(65536)· 4,92857 = 188,010 µV je Schritt

Der größte Registerwert ist 65535; daraus folgt

URB1,max = 65535 · 188,010 µV = 12,3212 V.

Das deckt sich mit der Angabe „0 … 12 V" im handgezeichneten Übersichtsplan.

2.3 Der Messweg: Folger, Teiler, Umsetzer

Jede der vier Knotenspannungen wird zuerst von einem Spannungsfolger abgegriffen (LTA8092, unbelastender Eingang), dann durch einen Teiler auf den Eingangsbereich des Analog-Digital-Umsetzers gebracht und von einer Z-Diode gegen Überspannung geschützt.

Messteil und Treiberteil: vier Spannungsfolger mit Teiler und Z-Diode, darunter
Messteil und Treiberteil: vier Spannungsfolger mit Teiler und Z-Diode, darunter der Doppeltreiber mit Längstransistor.

Der Teiler ist

t = (R10)/(R4 + R10) = (22 kΩ)/(43 kΩ + 22 kΩ) = (22)/(65) = 0,338462 .

Die Reihenfolge ist wichtig: erst der Folger, dann der Teiler. Stünde der Teiler vorn, belastete er den Messknoten mit 65 kΩ — im Basiszweig, wo Ströme von wenigen Mikroampere gemessen werden, wäre das ein grober Fehler.

Der Umsetzer AD7682 hat vier Kanäle zu 16 Bit. Seine Referenz folgt aus dem Konfigurationswort der Firmware (ad_da.cpp):

#define AD_MODE (0x2000 | 0x1C00 | 0x0008 | 0x0001) << 2

Darin bedeutet 0x2000 „Konfiguration übernehmen", 0x1C00 den unipolaren Eingang gegen Masse, 0x0008 die interne Referenz von 4,096 V, 0x0001 „Konfiguration nicht zurücklesen"; das nicht gesetzte Bit 6 wählt die kleine Bandbreite (stärkere Glättung), die nicht gesetzten Bits 2 und 1 schalten den Kanalfolger ab. Der Schiebevorgang um zwei Stellen setzt das 14-Bit-Wort in den 16-Bit-Rahmen.

Damit ist die Umrechnung von Registerwert zu Klemmenspannung

kAD = (Uref,AD)/(216)·(1)/(t) = (4,096 V)/(65536)·(65)/(22) = 62,5 µV· 2,95455 = 184,659 µV je Schritt,

und die größte messbare Klemmenspannung ist 65535 · 184,659 µV = 12,1016 V. Sie liegt bewusst etwas unter dem, was der Treiber liefern kann: der Messweg soll nicht vor dem Stellweg an seine Grenze kommen.

2.4 Die Mittelwertbildung

Jeder Kanal wird bei jedem Durchlauf der Hauptschleife einmal gewandelt und in einen Ringspeicher der Länge N = 10 geschrieben; der Mittelwert daraus steht in einem eigenen Register. Die Firmware rechnet ganzzahlig:

x̄ = ⌊ (1)/(N)Σ[k=0..N-1] xk ⌋ .

Die Abschneidung kostet höchstens einen Zählschritt, also 185 µV an der Klemme — weniger als das Rauschen des Aufbaus. Der Gewinn ist der übliche: unkorreliertes Rauschen wird um √(N) = 3,16 kleiner.

2.5 Die gesteckten Widerstände

Drei Widerstände sind gesteckt und bestimmen die Messbereiche:

Die verwendeten Werte sind in den Unterlagen nicht vermerkt. Sie lassen sich aber aus den Anzeigewerten der Bedienblätter zurückrechnen, weil dort die Spannungen und die daraus gebildeten Ströme nebeneinander stehen. Aus dem Blatt des ersten Quadranten:

RB = (URB1-URB2)/(IRB) = (0,482 V - 0,056 V)/(0,0570 mA) = 7473,7 Ω
RB_GND = (URB2)/(IR_GNB) = (0,056 V)/(0,0554 mA) = 1010,8 Ω

Das Blatt des dritten Quadranten ist dabei das aussagekräftigste, weil es mit dem Zwanzigfachen des Basisstroms arbeitet und die Rundung der Anzeige dort entsprechend weniger wiegt:

RB = (10,611 V - 0,575 V)/(1,3405 mA) = 7486,8 Ω, RB_GND = (0,575 V)/(0,5717 mA) = 1005,8 Ω

Über alle vier vorliegenden Blätter gemittelt ergibt sich RB = 7485 Ω und RB_GND = 1005 Ω; die Anzeige hat nur drei Nachkommastellen, die Streuung von etwa 0,4 % ist genau die Rundung — und dass das Blatt mit dem zwanzigfachen Strom denselben Wert liefert, ist die Bestätigung. Die nächsten Werte der Reihe E24 sind RB = 7,5 kΩ und RB_GND = 1 kΩ — beides sind übliche Werte, und mehr als „der Bestückung nach plausibel" ist damit nicht behauptet. RC lässt sich so nicht zurückrechnen, weil auf allen vorliegenden Blättern URC1 = URC2 und damit IC = 0 angezeigt wird; RC bleibt deshalb eine Eingabe.

Leiterplatte: Mikrorechner oben, Umsetzer und Treiber in der Mitte, rechts die K
Leiterplatte: Mikrorechner oben, Umsetzer und Treiber in der Mitte, rechts die Klemmen für npn und pnp mit den Steckplätzen für RC und RB.

2.6 Der Registerplan

Der Mikrorechner ist nach außen ein gewöhnlicher Modbus-RTU-Teilnehmer mit der Adresse 1 an der seriellen Schnittstelle (115200 Bit/s, 8N1). Er hält 13 Register:

RegisterName in der FirmwareInhaltSchreiben?
0REG_DA0+0Stellwert Kollektorzweig UC (Kanal A)ja
1REG_DA0+1Stellwert Basiszweig UB (Kanal B)ja
2, 3REG_DA0+2,3nicht belegtja
4REG_AD0+0Messwert URC1, rohnein
5REG_AD0+1Messwert URC2 = UCE, rohnein
6REG_AD0+2Messwert URB1, rohnein
7REG_AD0+3Messwert URB2 = UBE, rohnein
8 … 11REG_ADMIW+0…3dieselben vier Werte als Mittelwert über N = 10nein
12—freinein

Dass die Messregister nicht beschreibbar sind, steht nicht im Handbuch, sondern in einer einzigen Zeile der Firmware:

void setReg(uint16_t aReg, uint16_t aWert){
  if ((aReg<REG_AD0) && (reg[aReg]!=aWert)){
    reg[aReg]=aWert;
  }
}

Ein Schreibbefehl auf Register 4 und höher wird quittiert, aber nicht ausgeführt. Das ist kein Mangel, sondern die einzige Stelle, an der ein fehlerhaft eingerichteter Leitstand sich selbst Messwerte vorschreiben könnte.

Unterstützt werden die Funktionscodes 1, 2 (Bitleser, liefern Null), 3 und 4 (Register lesen), 5, 6, 15, 16 (schreiben) sowie 8 (Diagnose-Echo). Das Telegrammende erkennt die Firmware nicht an der Sendepause, sondern an der Sollänge, die aus dem Funktionscode folgt; ist die Prüfsumme falsch, wird ein Byte verworfen und erneut aufgesetzt.

3 Die Kaskadenregelung

3.1 Warum überhaupt geregelt wird

Eine Kennlinie ist eine Aussage über einen eingestellten Zustand: „bei IB = 24 µA und UCE = 5 V fließt IC = …". Beide Größen lassen sich aber nicht direkt stellen. Gestellt werden zwei Spannungen an den Speisepunkten; was daraus wird, hängt vom Prüfling ab. Zwei Beispiele:

Die beiden Wirkungen sind außerdem verkoppelt: IC hängt von UBE ab, und IB hängt (schwach) von UCE ab. Deshalb wird in Kaskade geregelt.

3.2 Die beiden Kreise

Äußerer Kreis — Basisstrom. Der Basisstrom wird nicht gemessen, sondern aus zwei Spannungen gerechnet. Am Knoten RB2 (der Basis) gilt die Knotengleichung: was durch RB zufließt, teilt sich auf in den Ableitstrom durch RB_GND und den Basisstrom.

underbrace(URB1-URB2)/(RB)Zufluss = underbrace(URB2)/(RB_GND)Ableitung + IB
▸ IB = (URB1-URB2)/(RB) - (URB2)/(RB_GND) (I)

Stellglied ist der Digital-Analog-Kanal B (in der Bedienoberfläche „DA2").

Innerer Kreis — Kollektor-Emitter-Spannung. Hier ist die Messung unmittelbar, weil der Emitter an Masse liegt:

▸ UCE = URC2

Stellglied ist der Digital-Analog-Kanal A („DA1").

Die Messgröße. Erst wenn beide Kreise eingeschwungen sind, wird der Kollektorstrom aus dem Abfall über RC gerechnet:

▸ IC = (URC1-URC2)/(RC)

Dass der innere Kreis der schnellere sein muss, ist die Grundregel jeder Kaskade: der äußere Kreis darf erst dann nachstellen, wenn der innere seine Störung schon ausgeregelt hat. Verletzt man sie, schaukeln sich beide gegeneinander auf.

Wie schnell der innere Kreis sein darf, ist ebenfalls nachrechenbar, und die Antwort steckt in der Mittelwertbildung. Der Regler ist ein Integrierer — er addiert bei jedem Durchlauf ein Stück auf den Stellwert —, und er sieht nicht den Istwert, sondern dessen Mittelwert über N = 10 Abtastungen. Ein gleitender Mittelwert wirkt wie eine Totzeit von (N-1)/2 = 4,5 Durchläufen. Für die Stabilität rechnet man beides zusammen: der Integrierer hat bei der Kreisfrequenz omega (im Takt der Durchläufe) den Betrag K/(2sin(omega/2)), der Mittelwert den Betrag sin(Nomega/2)/(Nsin(omega/2)). Die Phase erreicht -180^circ bei 90^circ + 4,5 omega = 180^circ, also omega = 0,349. Dort ist der Kreisverstärkungsbetrag 1,66 K, und Stabilität verlangt

K < (1)/(1,66) = 0,60 .

Die Browser-Seite arbeitet mit K = 0,35 für den inneren und K = 0,12 für den äußeren Kreis — knapp ein Drittel davon, wie es die Kaskadenbedingung verlangt. Mit K = 0,75 schwingt der Kreis auf; das ist nachgestellt und war der erste Befund der Browser-Prüfung.

Das Bedienblatt des ersten Quadranten: links die beiden Regler und die Kalibrier
Das Bedienblatt des ersten Quadranten: links die beiden Regler und die Kalibrierblöcke, in der Mitte die vier gemessenen Spannungen und die daraus gerechneten Ströme, rechts die Anzeigen und das Kennlinienbild.

3.3 Was die Auflösung begrenzt

Die kleinste Änderung, die der Messplatz überhaupt darstellen kann, folgt aus den beiden Umrechnungen aus Abschnitt 2. Beim Basisstrom gehen zwei gemessene Spannungen ein, und URB2 geht sogar zweimal ein — einmal in der Differenz über RB und einmal im Ableitstrom. Man leitet Gleichung (I) partiell ab:

(∂ IB)/(∂ URB1) = (1)/(RB), (∂ IB)/(∂ URB2) = -((1)/(RB) + (1)/(RB_GND))

Beide Spannungen sind auf kAD genau bekannt, und ihre Rundungsfehler sind voneinander unabhängig; also ist

Δ IB = kAD√(((1)/(RB))2 + ((1)/(RB)+(1)/(RB_GND))2).

Mit RB = 7,5 kΩ und RB_GND = 1 kΩ:

Δ IB = 184,659 µV·√((1,333·10-4)2 + (1,4667·10-3)2) = 184,659 µV· 1,4727·10-3 = 272 nA

Bei einem Basisstrom von 20 µA sind das 1,36 %. Ohne den Ableitwiderstand — also nur die Differenzmessung über RB — wären es √2 kAD/RB = 34,8 nA, also 0,17 %: der Ableitwiderstand kostet den Faktor 7,8 an Auflösung. Er ist trotzdem richtig, denn ohne ihn ist der Basisknoten bei gesperrtem Transistor undefiniert; aber er gehört so groß gewählt, wie es die Stabilität gerade noch erlaubt. Die Browser-Seite rechnet diese Zahl zu jeder Schiebereinstellung mit und zeigt beide Anteile getrennt.

Beim Stellweg ist die Rechnung einfacher: ein Schritt am Digital-Analog-Umsetzer ändert URB1 um 188 µV, also den Basisstrom um 188 µV/7500 Ω = 25 nA. Der Stellweg ist damit elfmal feiner als der Messweg. Das ist die richtige Reihenfolge — umgekehrt könnte der Regler den Sollwert grundsätzlich nicht treffen —, hat aber eine Folge, die man kennen muss: der Regler kann den letzten Rest nicht mehr wegregeln, sondern pendelt innerhalb eines Zählschritts der Messung. Eine Regelabweichung unterhalb von Δ IB ist keine Leistung, sondern Zufall. Die Prüfung der Browser-Seite setzt die Schranke deshalb in Zählschritten und nicht in Prozent.

Beim Stellbereich gibt es eine zweite Grenze, die bei der Aufnahme sichtbar wird. Der Speisepunkt muss

URC1 = UCE + IC RC ≤ 12,10 V

leisten — 12,10 V, nicht 12,32 V, weil der Messweg früher an seinen Anschlag kommt als der Treiber (Abschnitt 2.3). Bei RC = 470 Ω und IB = 40 µA ist IC ≈ 10,8 mA, also IC RC = 5,1 V, und über UCE = 7 V hinaus ist nichts mehr zu holen. Genau das zeigen die Bedienblätter als „Abweichungen aufgrund fehlender Regelreserve": die Kennlinie bricht nicht ab, sie bleibt stehen. Abhilfe ist ein kleineres RC — zum Preis der Stromauflösung.

3.4 Ablauf einer Kennlinienaufnahme

Die Ablaufsteuerung des ersten Quadranten arbeitet in vier Schritten:

  1. Ein Basisstrom wird vorgegeben (beispielsweise in Stufen von 0,2 mA von 0,2 mA bis 1 mA) und vom äußeren Kreis eingeregelt.
  2. Die Kollektor-Emitter-Spannung wird vom inneren Kreis in Schritten von beispielsweise 0,1 V hochgefahren. Bei geringen Änderungen darf die Schrittweite wachsen.
  3. Nach dem Einschwingen beider Kreise — Sollwert und Istwert werden verglichen — wird der Kollektorstrom aus (URC1-URC2)/RC gerechnet und der Punkt (UCE, IC) abgelegt.
  4. Abgebrochen wird, wenn alle vorgegebenen Basisstromkurven durchfahren sind und beim größten Basisstrom der letzte Wert von UCE erreicht ist.

Die anderen Quadranten entstehen aus denselben vier Schritten mit vertauschten Rollen von Sollgröße und Laufgröße.

4 Was der Messplatz liefert: vier Quadranten

Am Prüfling (npn-Leistungstransistor Tesla KU611 im Metallgehäuse) ergeben sich die vier Kennfelder. Sie sind hier so gezeigt, wie das Gerät sie ausgibt.

Erster Quadrant: Ausgangskennlinienfeld $I_C(U_{CE})$ mit dem Basisstrom als Sch
Erster Quadrant: Ausgangskennlinienfeld IC(UCE) mit dem Basisstrom als Schar. Der Knick bei etwa 0,3 V trennt Sättigung und aktiven Bereich; im aktiven Bereich steigen die Kurven nur noch schwach — das ist der Early-Effekt.
Zweiter Quadrant: Stromsteuerkennlinie $I_C(I_B)$. Die Krümmung nach unten zeigt
Zweiter Quadrant: Stromsteuerkennlinie IC(IB). Die Krümmung nach unten zeigt, dass die Stromverstärkung mit dem Strom abnimmt; die vier Kurven für verschiedene UCE liegen fast aufeinander.
Dritter Quadrant: Eingangskennlinie $U_{BE}(I_B)$ — die Diodenkennlinie des Basi
Dritter Quadrant: Eingangskennlinie UBE(IB) — die Diodenkennlinie des Basis-Emitter-Übergangs, in logarithmischer Betrachtung eine Gerade.
Vierter Quadrant: Rückwirkung $U_{BE}(U_{CE})$. Der Effekt ist klein — wenige Mi
Vierter Quadrant: Rückwirkung UBE(UCE). Der Effekt ist klein — wenige Millivolt über den ganzen Bereich — und genau das ist die Aussage: die Rückwirkung eines Bipolartransistors in Emitterschaltung ist gering.

Für die Auswertung wurde ein zweiter Datensatz verwendet, der als Textdatei vorliegt und einen Kleinsignaltransistor BC337-25 beschreibt: fünf Dateien mit den Feldern Ic/Vbe, Ic/Vce, Ic/Ib, hFE/Vce und hFE/Ic, jeweils mit fünf Kurven und den Spaltenköpfen Trace:, Tag:, Colour:. Der Grund für den Wechsel ist der Messbereich: der Leistungstransistor arbeitet bei Basisströmen um 1 mA, der Kleinsignaltransistor bei 8 … 40 µA, und für den Vergleich mit einem Kleinsignalmodell ist der zweite Bereich der lehrreichere. Über die Herkunft der Dateien ist im Arbeitsbereich nichts weiter hinterlegt als die Dateien selbst.

Die Kennfelder lassen sich in jedem Rechenwerkzeug weiterverarbeiten; hier eine
Die Kennfelder lassen sich in jedem Rechenwerkzeug weiterverarbeiten; hier eine Flächenanpassung IC(IB, UCE) als Zwischenschritt.

5 Vom Kennfeld zum Modell

5.1 Die Modellgleichungen

Verwendet wird ein reduziertes Gummel-Poon-Modell mit vier Gleichungen. Es ist bewusst klein gehalten: jede Gleichung beschreibt genau einen im Kennfeld sichtbaren Effekt, und es kommt kein Parameter vor, der sich nicht an einer Stelle des Kennfelds ablesen ließe. Mit der Temperaturspannung VT = 25,852 mV (T = 300 K):

(1) Der Kollektorstrom (Shockley mit Early-Faktor)

IC(UBE, UCE) = IS · exp((UBE)/(n VT))·(1 + (UCE)/(VA))

Der erste Faktor ist die Diodengleichung des Basis-Emitter-Übergangs, der zweite die Basisweitenmodulation: die Ausgangskennlinie steigt im aktiven Bereich linear an und schneidet die verlängerte Achse bei -VA.

(2) Die stromabhängige Stromverstärkung

βeff(IC) = (βF)/(√(1 + IC/IKF))

Das ist die Hochstrominjektion: bei großen Strömen fällt die Stromverstärkung ab.

(3) Der Basisstrom mit Bahnwiderstand

IB = (IS)/(βeff)·exp((UBE - IB RBB)/(n VT))·(1 + (UCE)/(VAB))

RBB ist der Bahnwiderstand der Basiszuleitung: bei großem Basisstrom liegt nicht die volle Klemmenspannung am Übergang. Die Gleichung ist implizit — IB steht auf beiden Seiten — und wird durch Einsetzen gelöst (Abschnitt 5.6).

(4) Die Umkehrung (UBE aus vorgegebenem IC):

UBE = n VT · ln((IC)/(IS(1 + UCE/VA)))

Das ist Gleichung (1) nach UBE aufgelöst und wird überall dort gebraucht, wo ein Arbeitspunkt über den Kollektorstrom vorgegeben ist.

Sieben Parameter treten auf: n, IS, βF, VA, IKF, RBB, VAB.

5.2 Erster Weg: merkmalsweise Ablesung

Der erste Weg braucht keinen Rechner, nur Logarithmenpapier und ein Lineal. Er bestimmt vier der sieben Parameter unmittelbar aus je einem Merkmal des Kennfelds.

n und IS aus der Gummel-Kurve. Logarithmiert man Gleichung (1),

ln IC = ln[IS(1+(UCE)/(VA))] + (UBE)/(n VT),

so ist ln IC über UBE eine Gerade. Aus ihrer Steigung m folgt

n = (1)/(m VT),

aus dem Achsenabschnitt IS. An den vier brauchbaren Kurven des Datensatzes ergaben sich n = 0,993; 0,999; 0,989; 1,036, also n = 1,004 im Mittel, und IS zwischen 3,3·10-14 A und 9,6·10-14 A, im Mittel 5,26·10-14 A.

VA aus der Ausgangskennlinie. Die Gerade im aktiven Bereich verlängert man nach links; ihr Schnittpunkt mit der UCE-Achse liegt bei -VA. Aus den fünf Basisstromkurven: 107,3 V; 123,8 V; 137,1 V; 158,1 V; 203,9 V — Mittel 146,0 V. Die große Streuung ist keine Schlamperei, sondern die Aussage selbst: der Early-Effekt ist bei diesem Bauteil schwach, und aus einer fast waagerechten Geraden lässt sich ein weit entfernter Schnittpunkt nur ungenau bestimmen. Abschnitt 5.5 bestätigt das.

βF aus der Stromsteuerkennlinie. Die Steigung von IC über IB ergab je nach UCE 263; 270; 276; 279 — Mittel 272. Der größte gemessene Wert von hFE über alle Daten ist 275. Beide Wege stimmen auf 1 % überein.

IKF, RBB, VAB lassen sich so nicht bestimmen: im gemessenen Bereich bis 9,3 mA ist kein Hochstromabfall sichtbar, und die Daten sind bei konstantem Basisstrom aufgenommen, so dass der Bahnwiderstand sich nicht abhebt. Das Ergebnis der Ablesung ist an dieser Stelle also nicht eine Zahl, sondern die Schranke IKF gg 9 mA.

Die merkmalsweise Extraktion: Gummel-Gerade, Early-Schnittpunkt, Steigung der St
Die merkmalsweise Extraktion: Gummel-Gerade, Early-Schnittpunkt, Steigung der Stromsteuerkennlinie.

5.3 Zweiter Weg: Gesamtausgleich über alle Kurven

Der zweite Weg minimiert den Gesamtfehler aller fünf Kennfelder gleichzeitig. Als Gütemaß dient der Mittelwert der datensatzweisen mittleren quadratischen Abweichung — jeder Datensatz zählt gleich viel, damit nicht der mit den meisten Punkten das Ergebnis allein bestimmt:

Q(p) = (1)/(M)Σ[j=1..M] (1)/(Nj)Σ[i=1..Nj] rji(p)2

Bei der Gummel-Kurve ist r = ln IC,Modell - ln IC,Mess (weil dort der Strom über vier Zehnerpotenzen läuft), bei allen anderen Kennfeldern der relative Fehler r = (xModell - xMess)/xMess.

Minimiert wird mit dem Simplexverfahren nach Nelder und Mead: ein Vielflach aus acht Punkten im siebendimensionalen Parameterraum wird gespiegelt, gestreckt, gestaucht oder zusammengezogen, bis es sich um das Minimum zusammenzieht. Es braucht keine Ableitungen — richtig gewählt, weil zwei der Parameter (IKF, RBB) über Zehnerpotenzen laufen und deshalb logarithmisch geführt werden.

Ergebnis (Startwerte aus Abschnitt 5.2):

ParameterStartGesamtausgleich
n1,0041,004
IS4,85·10-14 A4,765·10-14 A
βF272253,2
VA146,0 V126,6 V
VAB200 V1390 V
RBB20 Ω18,8 Ω
IKF0,1 A4,05 A

Der Fehler je Kennfeld sinkt dabei deutlich:

Kennfeldvorhernachher
Gummel ln IC0,0640,064
Ausgangskennlinie2,658 %0,620 %
hFE(UCE)3,001 %0,732 %
hFE(IC)2,554 %0,548 %
IC(IB)2,425 %0,579 %
Gesamtausgleich: Messung als Punkte, Modell als Linien, in allen fünf Kennfelder
Gesamtausgleich: Messung als Punkte, Modell als Linien, in allen fünf Kennfeldern gleichzeitig.

5.4 Dritter Weg: das erweiterte Modell

Nimmt man den Leckterm des Basisstroms hinzu (zwei weitere Parameter ISE, NE für die Rekombination in der Sperrschicht) und hält IKF, RBB, VAB auf Datenblattwerten fest, so bleiben vier freie Parameter. Das Ergebnis: n = 1,004, IS = 4,726·10-14 A, βF = 249,9, VA = 103,3 V, ISE = 3,534·10-15 A, NE = 1,350.

Der Vergleich mit dem Datenblatt des BC337-25 fällt so aus:

ParameterAusgleichDatenblatt
IS4,73·10-14 A4,13·10-14 A
βF250292
VA103 V146 V

Die Abweichung bei βF ist keine Überraschung: der Buchstabe „25" im Typnamen bezeichnet eine Auswahlgruppe mit einer Streubreite von etwa 160 bis 400. Das vermessene Bauteil liegt in der Gruppe, nicht in deren Mitte.

Das erweiterte Modell mit Leckterm im Vergleich zur Messung.
Das erweiterte Modell mit Leckterm im Vergleich zur Messung.

5.5 Was aus diesen Daten überhaupt bestimmbar ist

Ein angepasster Parameter ist nicht dasselbe wie ein bestimmter Parameter. Die Probe ist einfach: man ändert einen Parameter um 20 % und sieht nach, um welchen Faktor das Gütemaß Q dabei wächst. Wächst es stark, ist der Parameter durch die Daten festgelegt; bleibt es fast gleich, ist es eine flache Mulde, und jeder Wert darin ist gleich gut.

ParameterQ wächst um den FaktorUrteil
n3211,81gut bestimmt
βF38,50gut bestimmt
IS8,87gut bestimmt
VA1,06schwach
RBB1,01nicht bestimmbar
VAB1,00nicht bestimmbar
IKF1,00nicht bestimmbar

Das ist das ehrlichste Ergebnis dieses Abschnitts. Drei der sieben Parameter sind aus diesen Messungen nicht zu gewinnen — nicht weil das Verfahren schlecht wäre, sondern weil die Messung den Bereich nicht berührt, in dem sie wirken: IKF wirkt erst bei Strömen weit über 10 mA, RBB erst bei Basisströmen im Milliamperebereich, VAB überhaupt nur, wenn man die Rückwirkung auf den Basisstrom genau genug misst. Wer sie braucht, muss andere Messungen fahren, nicht besser rechnen.

5.6 Wie die implizite Gleichung gelöst wird

Gleichung (3) hat IB auf beiden Seiten. Gelöst wird sie durch wiederholtes Einsetzen: man beginnt mit IB(0) = IC/βeff (also ohne Bahnwiderstand) und rechnet

IB(k+1) = (IS)/(βeff)·exp((UBE - IB(k) RBB)/(n VT))·(1+(UCE)/(VAB))

bis sich nichts mehr ändert. Das Verfahren zieht zusammen, solange |∂ IB(k+1)/∂ IB(k)| = IB RBB/(n VT) lt; 1 ist, also solange der Spannungsabfall am Bahnwiderstand klein gegen die Temperaturspannung bleibt. Bei IB = 20 µA und RBB = 18,8 Ω ist dieser Abfall 0,4 mV gegen 26 mV — das Verfahren braucht dort drei bis vier Schritte.

Wird umgekehrt UBE zu einem vorgegebenen IB gesucht, hilft die Halbierung: IB(UBE) wächst streng monoton, also genügt es, das Suchfenster [0,2 V; 1,0 V] 50-mal zu halbieren. Das ist langsamer als Newton, kann aber nicht davonlaufen — bei einer Exponentialfunktion ein Vorzug.

5.7 Zwei Parametersätze und ihr Abstand

Im Projekt sind zwei Parametersätze in Gebrauch, und das ist Absicht: sie sind zwei unabhängige Wege zum selben Ziel und zeigen, wie weit das Ergebnis trägt.

ArbeitssatzFitsatz
Herkunfterweitertes Modell (5.4) + VA aus Ablesung (5.2)Gesamtausgleich (5.3)
n1,0041,004
IS4,726·10-14 A4,765·10-14 A
βF249,9253,2
VA146,0 V126,6 V
IKF0,9 A4,05 A
RBB60 Ω18,8 Ω
VAB106 V1390 V

An denselben Messdaten gemessen (Programm bjt_kennwerte.py):

KennfeldArbeitssatz RMS / größteFitsatz RMS / größte
IC(UCE), 146 Punkte2,510 % / 6,128 %0,621 % / 1,771 %
IC(IB), 69 Punkte2,093 % / 5,389 %0,573 % / 1,299 %
hFE(UCE), 146 Punkte2,696 % / 6,058 %0,739 % / 2,216 %
Gummel ln IC, 31 Punkte0,068 / 0,1560,064 / 0,137

Der Fitsatz trifft die Messung viermal genauer. Für alles Folgende — Kleinsignal, Vierpol, Browser-Seite — wird deshalb der Fitsatz verwendet und der Arbeitssatz als Gegenprobe mitgeführt.

6 Kleinsignal: die h-Parameter

6.1 Was ein h-Parameter ist

Im Arbeitspunkt wird die Kennfläche durch ihre Tangentialebene ersetzt. Als unabhängige Größen wählt man in Emitterschaltung den Eingangsstrom IB und die Ausgangsspannung UCE; die abhängigen sind Eingangsspannung UBE und Ausgangsstrom IC. Das ergibt die Hybridform:

⎡ uBE ; iC ⎤ = ⎡ h11e h12e ; h21e h22e ⎤ ⎡ iB ; uCE ⎤

mit

h11e = (∂ UBE)/(∂ IB)|UCE, h12e = (∂ UBE)/(∂ UCE)|IB, h21e = (∂ IC)/(∂ IB)|UCE, h22e = (∂ IC)/(∂ UCE)|IB.

Jeder der vier ist die Steigung einer Tangente in genau einem der vier Quadranten. Das ist der Grund, warum das Vierquadrantenbild so gezeichnet wird: es ist kein Anschauungsbild, sondern die grafische Fassung dieser vier Ableitungen.

6.2 Herleitung aus dem Modell

Das Modell gibt nicht unmittelbar UBE(IB), sondern IB(UBE, UCE) und IC(UBE, UCE). Man bildet deshalb zuerst die vier Leitwerte

gm = (∂ IC)/(∂ UBE), go = (∂ IC)/(∂ UCE), gπ = (∂ IB)/(∂ UBE), gµ = (∂ IB)/(∂ UCE)

und rechnet daraus um. Aus iB = gπ uBE + gµ uCE folgt unmittelbar

uBE = (1)/(gπ) iB - (gµ)/(gπ) uCE ⟹ h11e = (1)/(gπ), h12e = -(gµ)/(gπ).

Einsetzen in iC = gm uBE + go uCE ergibt

iC = (gm)/(gπ) iB + (go - (gm gµ)/(gπ)) uCE ⟹ h21e = (gm)/(gπ), h22e = go - (gm gµ)/(gπ).

Damit ist der Übergang vom Kennfeld zum Vierpol vollständig hergeleitet — ohne ein Ersatzschaltbild vorauszusetzen. Die Leitwerte selbst werden als zentrale Differenzen gerechnet, etwa

gm ≈ (IC(UBE+δ, UCE) - IC(UBE-δ, UCE))/(2δ), δ = 0,1 mV,

weil Gleichung (3) implizit ist und sich nicht geschlossen ableiten lässt. Die Schrittweite ist ein Kompromiss: zu groß, und die Krümmung fälscht das Ergebnis; zu klein, und die Auslöschung gleicher Zahlen frisst die Stellen auf. Bei δ = 0,1 mV gegen n VT = 26 mV liegt der Verfahrensfehler bei (δ/nVT)2/6 ≈ 2,5·10-6 — vernachlässigbar.

Zur Gegenprobe von Hand: für den Kollektorstrom ist die Ableitung geschlossen bekannt,

gm = (∂ IC)/(∂ UBE) = (IC)/(n VT) = (5 mA)/(1,004 · 25,852 mV) = 192,6 mS,

und genau diesen Wert liefert auch die numerische Differenz.

6.3 Die Zahlen im Arbeitspunkt

Arbeitspunkt IC = 5,00 mA, UCE = 5,00 V. Aus Gleichung (4) folgt zuerst UBE, daraus über Gleichung (3) der Basisstrom:

ArbeitssatzFitsatzAbstand
UBE658,0 mV657,7 mV0,05 %
IB18,58 µA18,82 µA1,3 %
h11e1452,7 Ω1397,2 Ω3,8 %
h21e279,8269,13,8 %
h22e33,02 µS34,39 µS4,2 %
h12e-4,99·10-7-1,87·10-5—
gm192,64 mS192,64 mS0

Drei Beobachtungen:

Die Probe „h21e ≈ βF" geht auf: 269 gegen 253 beim Fitsatz. Die Differenz ist kein Fehler, sondern der Unterschied zwischen Gleichstromverstärkung (IC/IB) und Wechselstromverstärkung (∂ IC/∂ IB); letztere ist größer, solange hFE mit dem Strom noch steigt.

Die vier h-Parameter als Tangenten in ihren vier Kennfeldern. Punkte: Messung. L
Die vier h-Parameter als Tangenten in ihren vier Kennfeldern. Punkte: Messung. Linie: Modell. Gestrichelt: die Tangente, deren Steigung der jeweilige h-Parameter ist.
Das Vierquadranten-Kennfeld mit dem durchgezogenen Arbeitspunkt. Die Messpunkte
Das Vierquadranten-Kennfeld mit dem durchgezogenen Arbeitspunkt. Die Messpunkte in den Quadranten 3 und 4 sind aus je zwei Messdateien über den gemeinsamen Kollektorstrom rekonstruiert.

7 Vom h-Vierpol zur Kettenmatrix

7.1 Warum A-Parameter

Die Hybridform ist zum Messen bequem, zum Zusammensetzen aber unbrauchbar: schaltet man zwei Vierpole hintereinander, so lassen sich ihre h-Matrizen nicht einfach multiplizieren. Die Kettenform kann das. Sie beschreibt Eingang durch Ausgang:

⎡ u1 ; i1 ⎤ = A⎡ u2 ; -i2 ⎤, A = ⎡ A11 A12 ; A21 A22 ⎤

und für eine Kette gilt schlicht Ages = A1A2·s.

7.2 Die Umrechnung h arrow A

Mit Δh = h11h22 - h12h21 lautet sie

A = (1)/(h21)⎡ -Δh -h11 ; -h22 -1 ⎤.

Herleitung in zwei Zeilen: die zweite Hybridzeile i2 = h21i1 + h22u2 nach i1 aufgelöst gibt i1 = (i2 - h22u2)/h21; das in die erste Zeile u1 = h11i1 + h12u2 eingesetzt gibt u1 = (h11/h21)i2 + (h12 - h11h22/h21)u2. Mit dem Vorzeichenwechsel des Kettenzählpfeils (-i2 statt i2) steht die Matrix da.

7.3 Querwiderstände

Ein Widerstand, der quer vom Signalweg gegen Masse liegt (der Basiswiderstand gegen die Betriebsspannung ist für das Kleinsignal dasselbe, weil die Betriebsspannung Wechselstrommasse ist), hat die Kettenmatrix

AR = ⎡ 1 0 ; 1/R 1 ⎤,

denn er lässt die Spannung durch (u1 = u2) und zweigt den Strom u2/R ab.

7.4 Die Emitterschaltung, durchgerechnet

Schaltung: UCC = 15 V, RC = 1 kΩ, Basisvorwiderstand RB von UCC zur Basis, Last RL = 10 kΩ, Quellwiderstand Ri = 1 kΩ.

Schritt 1 — Arbeitspunkt. Zwei Maschen, zwei Unbekannte (UBE, UCE), und rechts stehen die Modellgleichungen:

f1 = (UCC-UBE)/(RB) - IB(UBE,UCE) = 0
f2 = (UCC-UCE)/(RC) - IC(UBE,UCE) = 0

Gelöst wird mit Newton-Raphson. Die Jacobi-Matrix wird numerisch gebildet (das Modell ist implizit), die Schrittweite wird begrenzt — |Δ UBE| ≤ 50 mV, |Δ UCE| ≤ 2 V — weil eine Exponentialfunktion einen ungebremsten Newton-Schritt sonst über alle Zahlgrenzen trägt. Als Rückfallebene dient eine verschachtelte Halbierung.

Der Basiswiderstand wurde so gewählt, dass UCE = UCC/2 herauskäme: exakt 532,1 kΩ, nächster Wert der Reihe E24 510 kΩ. Mit diesem Reihenwert liegt der Arbeitspunkt nach 6 Newton-Schritten bei

ArbeitssatzFitsatz
UBE669,3 mV668,2 mV
IB28,10 µA28,10 µA
UCE7,17 V7,36 V
IC7,83 mA7,64 mA
hFE = IC/IB279272

Dass UCE nicht genau 7,5 V wird, ist die Folge des E24-Sprungs von 532 auf 510 kΩ: 4 % mehr Basisstrom, 4 % mehr Kollektorstrom, 0,3 V weniger UCE.

Schritt 2 — h-Parameter in diesem Arbeitspunkt (nicht im Arbeitspunkt aus Abschnitt 6.3 — Kleinsignalparameter gelten nur dort, wo sie gerechnet wurden). Fitsatz: h11e = 941,5 Ω, h12e = -1,874·10-5, h21e = 277,0, h22e = 51,49 µS, Δh = 0,05367.

Schritt 3 — Kettenmatrizen. Der Transistor:

AT = ⎡ -1,93749·10-4 -3,39893 ; -1,85876·10-7 -3,60997·10-3 ⎤

dazu die beiden Querwiderstände mit 1/RB = 1,961 µS und 1/RC = 1,000 mS.

Schritt 4 — Kette. In Signalrichtung:

Ages = ARB AT ARC = ⎡ -3,59268·10-3 -3,39893 ; -3,80289·10-6 -3,61664·10-3 ⎤

Schritt 5 — Beschaltung. Aus den A-Parametern folgen die Kennwerte der beschalteten Stufe unmittelbar:

rein = (A11RL + A12)/(A21RL + A22), raus = (A22Ri + A12)/(A21Ri + A11),
Av = (u2)/(u1) = (RL)/(A11RL + A12), Ai = (1)/(A21RL + A22), Avs = Av·(rein)/(rein+Ri).
KennwertArbeitssatzFitsatz
rein978 Ω944 Ω
raus951 Ω949 Ω
Av-262,0 (48,4 dB)-254,3 (48,1 dB)
Ai-25,6-24,0
Avs-129,5 (42,2 dB)-123,5 (41,8 dB)

Die Gegenprobe von Hand: die Spannungsverstärkung einer Emitterschaltung ist Av ≈ -gm (RC ∥ RL ∥ ro). Mit gm = IC/(nVT) = 7,64 mA/25,95 mV = 294 mS, RC ∥ RL = 909 Ω und ro = 1/h22e = 19,4 kΩ ergibt sich 909 ∥ 19421 = 868 Ω und Av ≈ -255,6. Zwischen Handformel und Kettenrechnung liegen damit 0,5 % — das ist der Anteil, den der Basiswiderstand und die Rückwirkung beitragen und den die Handformel weglässt.

raus ≈ RC ∥ ro = 1000 ∥ 19400 = 951 Ω — auch das stimmt. rein ≈ h11e ∥ RB = 941,5 ∥ 510000 = 939,7 Ω; die Kettenrechnung sagt 944 Ω, der Rest ist die Rückwirkung über h12e.

Die Emitterschaltung: Arbeitspunkt im Ausgangskennlinienfeld mit Arbeitsgerade,
Die Emitterschaltung: Arbeitspunkt im Ausgangskennlinienfeld mit Arbeitsgerade, Kleinsignalgrößen und Aussteuergrenzen.

8 Der Transistor als Vierpol — die Klammer

Der Transistor als Vierpol: Eingangstor Basis-Emitter, Ausgangstor Kollektor-Emi
Der Transistor als Vierpol: Eingangstor Basis-Emitter, Ausgangstor Kollektor-Emitter, Zählpfeile hinein.

Der Bogen dieses Manuskripts lässt sich in einem Satz sagen: der Messplatz stellt zwei Größen ein und misst zwei, das Modell verbindet die vier durch Gleichungen, und die Ableitungen dieser Gleichungen im Arbeitspunkt sind die Vierpolparameter. Jede Stufe prüft die vorige:

StufeZweiter, unabhängiger Weg
Umrechnung Register arrow VoltBauteilwerte der Schaltpläne gegen die Angaben im Übersichtsplan (12,32 V / 12,10 V gegen „0 … 12 V")
SteckwiderständeRückrechnung aus drei Bedienblättern, Streuung 0,4 %
Modellparametermerkmalsweise Ablesung gegen Gesamtausgleich gegen erweitertes Modell
BestimmbarkeitEmpfindlichkeit des Gütemaßes statt Behauptung
h-Parameternumerische Differenz gegen die geschlossene Formel gm = IC/(nVT)
VerstärkerkennwerteKettenmatrix gegen die Handformel Av ≈ -gm(RC ∥ RL ∥ ro)
Ganze Kettezwei Parametersätze, Abstand im Ergebnis unter 5 %

9 Beiliegende Programme

DateiWas sie tut
bjt_extract.pymerkmalsweise Ablesung (Abschnitt 5.2)
bjt_fit.pyGesamtausgleich über alle Kennfelder, Bestimmbarkeit (5.3, 5.5)
bjt_gesamt.pyerweitertes Modell mit Leckterm, Datenblattvergleich (5.4)
bjt_analyse.py, bjt_verify.py, bjt_modell_vergleich.pyZwischenschritte und Gegenproben
bjt_dashboard.pyalle Kennfelder und Parameter auf einem Blatt
bjt_hparam.pyh-Parameter im Arbeitspunkt mit Tangentenbild (Abschnitt 6)
bjt_4quadrant.pyVierquadranten-Kennfeld mit durchgezogenem Arbeitspunkt
bjt_verstaerker.pyEmitterschaltung: Newton-Arbeitspunkt, Kettenmatrix (Abschnitt 7)
bjt_kennwerte.pyvergleicht beide Parametersätze an denselben Daten und schreibt alle Zahlen dieses Manuskripts nach kennwerte.json
geraetekonstanten.pyrechnet die Umrechnungen aus Abschnitt 2 aus den Bauteilwerten und schreibt sie nach geraet.json
Kennlinien-Schreiber.ino, ad_da.cpp, modbus.cpp, config.hdie Firmware des Messplatzes

Alle Auswerteprogramme brauchen nur numpy und matplotlib und laufen im Ordner der Messdateien.

10 Was offen ist

  1. RC ist nicht dokumentiert. Der Wert lässt sich aus den vorliegenden Blättern nicht zurückrechnen (Abschnitt 2.5). Die Browser-Seite führt ihn deshalb als Eingabe; wer das Gerät in der Hand hat, sollte ihn nachtragen.
  2. Die Messdatei-Herkunft. Die fünf Textdateien des BC337-25 tragen keine Geräteangabe. Für die Auswertung ist das gleichgültig, für die Nachvollziehbarkeit nicht.
  3. Die Regelparameter. Die beiden Regler des Bedienblatts sind als PID-Blöcke ausgeführt; ihre Beiwerte liegen im Projekt des Leitstands und nicht im Arbeitsbereich. Die Browser-Seite bildet die Kaskade deshalb mit einem einfachen Integralregler nach und weist das aus.
  4. Der vierte Quadrant am Leistungstransistor. Die Rückwirkung ist so klein, dass sie im vorliegenden Blatt nahe an der Auflösungsgrenze des Messwegs liegt (Abschnitt 3.3). Eine Messung mit größerem RC und kleinerem Bereich wäre aussagekräftiger.

1 Wozu diese Anleitung

Das Manuskript erklärt, warum der Messplatz so rechnet. Diese Anleitung sagt, was zu tun ist, damit er misst — in der Reihenfolge, in der es getan wird. Sie setzt den Aufbau als fertig voraus: bestückte Leiterplatte, Firmware aufgespielt, Netzteil vorhanden.

2 Was gebraucht wird

TeilAngabe
Leiterplatte„Kennlinien-Schreiber V2.0" mit aufgestecktem Mikrorechnermodul
Speisung24 V Gleichspannung an der zweipoligen Klemme, mindestens 1 A
Verbindung zum RechnerUSB-Kabel zum Mikrorechnermodul (ist zugleich die serielle Schnittstelle)
SteckwiderständeRC im Kollektorzweig, RB im Basiszweig; Richtwerte RB = 7,5 kΩ, RB_GND = 1 kΩ
Prüflingnpn- oder pnp-Transistor, an der jeweiligen Klemmenreihe
Leitstandein Programm, das Modbus RTU über eine serielle Schnittstelle spricht

Die Klemmenreihen sind auf der Leiterplatte beschriftet: oben NPN: Rc C E B Rb GND, darunter PNP: E C Rb B Rc GND. Ein Prüfling wird immer an genau eine der beiden Reihen gelegt.

3 Die Widerstände wählen

Die drei gesteckten Widerstände legen die Messbereiche fest. Für den Kollektorzweig gilt: der Abfall über RC geht dem Prüfling an Spannung verloren.

URC1 = UCE + IC RC ≤ 12,3 V

Beispiel: soll UCE bis 10 V reichen und IC bis 60 mA, so darf IC RC ≤ 2,3 V sein, also RC ≤ 38 Ω. Mit RC = 33 Ω beträgt die Stromauflösung kAD/RC = 184,7 µV/33 Ω = 5,6 µA je Zählschritt — bei 60 mA sind das 0,009 %.

Für den Basiszweig gilt dasselbe:

URB1 = UBE + IB RB + (RB)/(RB_GND) UBE ≤ 12,3 V

Der dritte Summand ist der Ableitstrom durch RB_GND, der ebenfalls durch RB fließen muss. Mit RB = 7,5 kΩ, RB_GND = 1 kΩ und UBE = 0,7 V bleiben für IB RB noch 12,3 - 0,7 - 5,3 = 6,3 V, also IB ≤ 0,84 mA. Für Leistungstransistoren mit Basisströmen um 1 mA ist RB also kleiner zu wählen; für Kleinsignaltransistoren mit 10 … 50 µA darf er deutlich größer sein, was die Auflösung verbessert.

Die Auflösung des Basisstroms hängt an beiden Widerständen:

Δ IB = kAD√(((1)/(RB))2 + ((1)/(RB)+(1)/(RB_GND))2)

Mit RB = 7,5 kΩ und RB_GND = 1 kΩ sind das 272 nA; bei IB = 20 µA also 1,4 %. Der Ableitwiderstand ist dabei der größere Anteil: mit RB_GND = 10 kΩ sinkt die Zahl auf 62 nA.

Zwei Faustregeln: RB so groß wie möglich, solange die Spannungsrechnung oben noch aufgeht — und RB_GND so groß, wie der Aufbau es ohne Zappeln erlaubt. Beides verbessert die Auflösung, und beides kostet Spannungsreserve am Speisepunkt.

4 Anschließen — in dieser Reihenfolge

  1. Speisung aus.
  2. Steckwiderstände einsetzen. Die Werte notieren; der Leitstand braucht sie, sonst rechnet er falsche Ströme aus richtigen Spannungen.
  3. Prüfling an die passende Klemmenreihe. Bei Leistungstransistoren im Metallgehäuse ist das Gehäuse der Kollektor — beim Ablegen auf eine leitende Unterlage aufpassen.
  4. USB-Kabel zum Rechner. Der Mikrorechner läuft damit schon, die Endstufen aber nicht.
  5. Speisung ein. Die Leuchtdiode am Mikrorechnermodul zeigt jeden gültigen Modbus-Rahmen durch kurzes Aufleuchten an.

Abbauen in umgekehrter Reihenfolge; besonders: Speisung aus, bevor der Prüfling gewechselt wird.

5 Den Leitstand einrichten

5.1 Schnittstelle

FeldWert
Schnittstelledie serielle Schnittstelle des Mikrorechnermoduls
Übertragungsrate115200 Bit/s, 8 Datenbits, keine Parität, 1 Stoppbit
Teilnehmeradresse1
Wortreihenfolgeeinfache 16-Bit-Register, keine Umordnung (es gibt keine 32-Bit-Werte)
Abfragezyklus100 … 500 ms

Nur ein Programm darf die Schnittstelle belegen. Ein noch offenes Terminal oder ein zweites Prüfprogramm blockiert sie; der Leitstand meldet dann „keine Antwort", obwohl das Gerät in Ordnung ist.

5.2 Kanaltabelle

Die Register sind in zwei Blöcken einzutragen — die Stellregister werden geschrieben, die Messregister gelesen:

Nr.TypAnzahlAdressversatzBedeutung
1WO (16)20Stellwerte: 0 = Kollektorzweig, 1 = Basiszweig
2WI (4)84Messwerte: 4…7 roh, 8…11 als Mittelwert

Die Zahl in Klammern ist der Modbus-Funktionscode. Das Gerät versteht zum Lesen die Codes 3 und 4, zum Schreiben 6 und 16 (und quittiert 1, 2, 5, 8, 15). Wer nur die Mittelwerte braucht, trägt stattdessen einen Block WI (4), Anzahl 4, Versatz 8 ein.

Ein Schreibbefehl auf die Register 4 und höher wird quittiert, aber nicht ausgeführt — Messwerte lassen sich nicht überschreiben.

5.3 Umrechnungen im Leitstand

Diese fünf Zeilen sind alles, was der Leitstand rechnen muss:

GrößeFormel
Klemmenspannung aus MessregisterU = 184,659 µV · Registerwert
Stellregister aus SollspannungRegisterwert = U / 188,010 µV
KollektorstromIC = (URC1 - URC2) / RC
BasisstromIB = (URB1 - URB2)/RB - URB2/RB_GND
Kollektor-Emitter-SpannungUCE = URC2

Dabei sind URC1, URC2, URB1, URB2 die Register 8, 9, 10, 11 (Mittelwerte) beziehungsweise 4, 5, 6, 7 (roh).

5.4 Die beiden Regler

Der Leitstand regelt in Kaskade:

Der innere Kreis muss deutlich schneller eingestellt sein als der äußere — mindestens um den Faktor drei bis fünf. Wird diese Regel verletzt, schaukeln sich beide gegeneinander auf, und die Kennlinie zeigt ein Zittern, das kein Bauteileffekt ist.

6 Eine Kennlinie aufnehmen

  1. Basisstrom-Sollwert auf die erste Stufe setzen (Beispiel: 0,2 mA) und warten, bis der äußere Kreis steht.
  2. UCE-Sollwert von 0 an in Schritten erhöhen (Beispiel: 0,1 V). Bei jedem Schritt warten, bis beide Regelabweichungen unter der Schranke liegen.
  3. Den Punkt (UCE, IC) ablegen.
  4. Nach der letzten UCE-Stufe zur nächsten Basisstromstufe gehen und bei 2 fortfahren.
  5. Fertig, wenn die letzte UCE-Stufe der letzten Basisstromstufe erreicht ist.

Für die anderen Quadranten werden Soll- und Laufgröße vertauscht: im zweiten Quadranten läuft der Basisstrom und UCE steht fest, im dritten und vierten wird zusätzlich UBE aus Register 11 aufgezeichnet.

Schrittweite: in Bereichen, in denen sich IC kaum ändert (also im aktiven Bereich), darf die Schrittweite wachsen. Im Knie unterhalb von 0,5 V sollte sie klein bleiben — dort steckt die Aussage über die Sättigungsspannung.

7 Prüfen, ob alles stimmt

Vom Sichtbaren zum Messbaren:

  1. Rahmen kommen an. Die Leuchtdiode blinkt im Takt des Abfragezyklus. Tut sie das nicht, stimmen Schnittstelle, Übertragungsrate oder Adresse nicht.
  2. Messwerte bewegen sich. Ohne Prüfling und ohne Stellwert müssen alle vier Messregister nahe Null stehen.
  3. Stellweg wirkt. Register 0 auf den Wert 10000 (dezimal) setzen: URC1 muss auf 10000 · 188,010 µV = 1,88 V gehen, und Register 8 muss 1,88 V/184,659 µV = 10181 (dezimal) anzeigen — 1,8 % über dem Stellwert, weil Stell- und Messweg verschiedene Referenzen haben. Weicht es stark ab, ist ein Bauteil im Teiler oder in der Gegenkopplung falsch.
  4. Kurzschlussprobe. RC durch eine Brücke ersetzen: dann müssen die Register 8 und 9 gleich sein, also IC = 0. Ist die Differenz größer als zwei Zählschritte, liegt ein Versatz zwischen den Kanälen vor, den der Leitstand herausrechnen muss.
  5. Erst dann den Prüfling einsetzen.

8 Stolperfallen

9 Im Fehlerfall

BeobachtungZuerst prüfen
keine AntwortSchnittstelle belegt? Adresse 1? 115200 Bit/s?
Leuchtdiode blinkt, Werte bleiben 0Speisung 24 V fehlt — der Mikrorechner läuft über USB auch ohne sie
alle Messwerte am AnschlagStellwert zu groß, oder Prüfling fehlt und der Basiszweig steht offen
Ströme negativRC oder RB vertauscht, oder Prüfling an der falschen Klemmenreihe
Kennlinie zittertReglerbeiwerte (5.4)
Kennlinie bricht bei kleinem UCE senkrecht abfehlende Regelreserve, siehe oben