Einstellen, dann Start. Weg 1: Summe verzögerter Impulse (Gl. 3.24); Weg 2: Zeitschritte der Leitungsgleichungen (Gl. 2.3/2.6).
Kennwerte (gerechnet)
—
u(x,t) längs der Leitung — Weg 1 durchgezogen, Weg 2 gestrichelt
Oszilloskop: Spannung über der Zeit an drei festen Stellen — Weg 1 Linien, Weg 2 Punkte
Drei Messpunkte wie drei Tastköpfe: am Eingang x = 0 (blau), in der Leitungsmitte x = l/2 (grün), am Ende x = l (rot). Die Kurven wachsen mit der Zeit; die Zeitachse reicht von 0 bis 8 τ₀. Linie = geschlossene Lösung (Weg 1), Punkte = Zeitschrittverfahren (Weg 2); liegen Punkte auf den Linien, stimmen beide Wege. Ablesen: Laufzeit τ₀ zwischen blauem und rotem Einsatz, Verdopplung am Leerlauf, Vorzeichenwechsel am Kurzschluss, Teiler Z_w/(R_i+Z_w) am Eingang.
Verzweigung 1 auf 2 (Abschnitt 6)
Leitung, Quelle (Form, E₀, T, R_i) und Abschluss Z_a gelten wie auf dem Reiter Labor; alle drei Leitungen haben die Länge l. In jedem der drei Zweige liegt derselbe Widerstand R zum Sternpunkt (Gl. 6.11).
—
Anpasswiderstand R (alle drei Zweige gleich)
—
Zeitlupe (wie Labor: 2 ns/s)
Weg 1: Summe verzögerter Impulse mit den Faktoren Z_w/(R_i+Z_w), r_q, r_a und den Sternfaktoren r, t (Gl. 6.13); Weg 2: Leapfrog auf drei Leitungen mit dem Sternknoten (Gl. 7.3–7.5).
u(x,t) auf den drei Leitungen — Weg 1 durchgezogen, Weg 2 gestrichelt
Oszilloskop: Eingang, Sternpunkt u_S, Ende von Leitung 2 — Weg 1 Linien, Weg 2 Punkte
Bei R = Z_w/3 läuft nichts zum Generator zurück (r = 0) und an jeder abgehenden Leitung kommt die halbe Spannung an (Gl. 6.16). Bei R = 0 ist r = −1/3, t = 2/3 (Gl. 6.10). Linie = Weg 1, Punkte = Weg 2.
Wie diese Seite rechnet
Die Simulation benutzt keine eigenen Formeln. Jeder Rechenschritt ist eine nummerierte
Gleichung aus dem Manuskript im Reiter nebenan; die Nummer steht an jedem Schritt. Unten stehen beide Wege
Schritt für Schritt, mit den Zahlen, die gerade eingestellt sind — so lässt sich jeder Schritt von Hand
nachrechnen.
—
A · Von der Geometrie zu den Kennwerten der Leitung
B · Weg 1: die geschlossene Lösung (Laplace und Verschiebungssatz)
C · Weg 2: das Zeitschrittverfahren (dieselben Leitungsgleichungen, ohne Laplace)
D · Der Sternpunkt im Reiter „Verzweigung"
E · Warum beide Wege dasselbe ergeben müssen
Weg 1 löst die Leitungsgleichungen im Bildbereich geschlossen und transformiert mit dem Verschiebungssatz
zurück; Weg 2 löst dieselben Gleichungen (2.3) und (2.6) im Zeitbereich schrittweise, ohne je eine
Laplace-Transformation zu benutzen. Zwei Verfahren, eine Quelle: Wenn beide Kurven im Labor-Reiter
übereinanderliegen, ist das kein Zufall, sondern die Probe. Beim Zeitschritt
Δt = Δx/v ist das Leapfrog-Verfahren für die verlustlose Leitung sogar exakt — der
Impuls springt je Schritt genau eine Zelle weiter, und die Abweichung bleibt auf Rundungsresten stehen
(gemessen: —).
Die Telegraphengleichung — von den Maxwellschen
Gleichungen zum Impuls auf der Leitung
Zwei getrennte, geschlossene Lösungswege: Laplace in
der Zeit mit dem Verschiebungssatz, und die doppelte
Laplace-Transformation. Fassung 1.4, 28. Oktober 2026
Prof. Dr.-Ing. Ralph Wystup, M.Sc. — erarbeitet
zusammen mit der KI (Claude, Anthropic); jede Gleichung mit einem
CAS-Skript nachgerechnet
Worum es geht
Ein Rechteckimpuls wird auf eine Doppelleitung gegeben. Was kommt
wann am anderen Ende an, und warum in derselben Form? Dieses Manuskript
führt die Antwort von den Maxwellschen Gleichungen bis zur Zahl, auf
zwei voneinander unabhängigen Wegen, die sauber getrennt bleiben:
Weg A (Vorlesung): Die Leitung wird als Kette von
Vierpolen aufgefasst. Daraus folgen die Leitungsgleichungen; die
Laplace-Transformation in der Zeit macht sie zu
gewöhnlichen Differentialgleichungen im Ort. Für die verlustlose,
angepasste Leitung liefert der Verschiebungssatz das
Ergebnis: Die Leitung ist ein ideales Laufzeitglied.
Weg B (zweiter, unabhängiger Ansatz): Die
Wellengleichung selbst wird doppelt
Laplace-transformiert, in Zeit und Ort. Übrig bleibt eine
algebraische Gleichung; die Rücktransformation liefert von selbst die
d’Alembert-Lösung, zwei gegenläufige Wellen.
Die Beläge der Doppelleitung (Kapazität,
Induktivität je Länge) werden aus den Feldern hergeleitet; mit ihnen
wird der Wellenwiderstand, der in Weg A als Abkürzung entsteht, zur
Zahl.
Alle Zwischenschritte stehen im Text. Jede Gleichung wurde mit einem
CAS-Skript (sympy) nachgerechnet, der Impuls zusätzlich numerisch im
Zeitbereich (Abschnitt 8). Was im Text als Annahme eingeht, ist als
Annahme bezeichnet.
Bezeichnungen.
Spannung,
Strom an der Stelle
zur Zeit
;
Beläge je Länge
(Widerstand),
(Induktivität),
(Ableitung),
(Kapazität); Laplace-Variable
für die Zeit,
für den Ort;
.
Transformierte tragen Großbuchstaben oder einen Querstrich.
Von den
Maxwellschen Gleichungen zur Wellengleichung
Die Gleichungen
In differentieller Form, mit den Materialgleichungen
,
,
(lineares, homogenes, isotropes Medium):
Hochfrequenznäherung
Bei schnellen Vorgängen überwiegt der Verschiebungsstrom den
Leitungsstrom:
,
bei harmonischer Zeitabhängigkeit
.
Damit entfällt
im Durchflutungsgesetz, und ohne freie Ladungen
()
bleibt
Rotation der Rotation
Die Vektoridentität. Für ein zweimal stetig
differenzierbares Vektorfeld
gilt
wobei
komponentenweise zu lesen ist. Man sieht es an der
-Komponente
(die anderen folgen durch zyklisches Vertauschen). Die Rotation hat die
Komponenten
also ist
Ausmultipliziert und um
ergänzt (einmal addiert, einmal subtrahiert):
also
,
was (1.3a) ist. (Das CAS-Skript prüft die Identität für ein allgemeines
Feld in allen drei Komponenten.)
Einsetzen der Feldgleichungen. Man bildet die
Rotation des Induktionsgesetzes
auf beiden Seiten. Weil Orts- und Zeitableitung bei hinreichend glatten
Feldern vertauschbar sind, darf
an
vorbei:
Jetzt das Durchflutungsgesetz in der Hochfrequenznäherung,
:
Gleichsetzen. Die linke Seite von (1.3c) ist nach
(1.3a)
,
und
(Gaußsches Gesetz mit
).
Das ergibt die Gleichung in der Form der Vorlesung (Folie 11/12):
Ohne freie Ladungen,
,
fällt der Gradiententerm weg, und nach Multiplikation mit
bleibt die Wellengleichung
Dasselbe für
.
Rotation des Durchflutungsgesetzes:
;
mit (1.3a) und
(hier ohne jede Annahme über Ladungen) folgt
,
dieselbe Gleichung.
Bei harmonischer Zeitabhängigkeit
entsteht die Helmholtz-Form
mit
;
sie wird hier nicht weiter verwendet, weil wir keine harmonische
Welle, sondern einen Impuls untersuchen.
Der eindimensionale Fall
Hängt das Feld nur von einer Koordinate
ab (ebene Welle, oder das Feld zwischen den Leitern einer Leitung längs
der Leitungsachse), bleibt für jede Feldkomponente, etwa
,
Diese Gleichung ist der Ausgangspunkt von Weg B. Weg A geht nicht vom
Feld, sondern von Spannung und Strom auf der Leitung aus und kommt auf
eine Gleichung derselben Gestalt.
Weg A, Teil 1: Die
Leitung als Vierpolkette
Das Ersatzschaltbild
des Leitungselements
Ein Leitungsstück der Länge
hat den Längswiderstand
,
die Längsinduktivität
,
die Querableitung
und die Querkapazität
(Bild: Längszweig
,
,
dann Querzweig
,
dann die Klemmen bei
).
Ersatzschaltbild eines Leitungselements
der Länge
.
Maschensatz über den Längszweig:
Umgestellt und durch
geteilt:
und für
Knotensatz am Querzweig (der Strom, der in den
Querzweig fließt, fehlt am Ausgang):
(2.3) und (2.6) sind die Leitungsgleichungen (in der
Vorlesung Gln. 4.27 und 4.30). Dabei ist die Spannung im Querzweig
statt
angesetzt; der Unterschied ist von zweiter Ordnung in
und verschwindet im Grenzübergang.
Die
Telegraphengleichung im Zeitbereich
Leitet man (2.3) nach
ab und setzt (2.6) ein,
so entsteht die Telegraphengleichung
Für
ist das genau die Wellengleichung (1.5) mit
.
Dieselbe Gleichung gilt für
.
Die Beziehung zu den Feldern (Abschnitt 6) macht aus der Analogie eine
Identität:
.
Weg
A, Teil 2: Laplace in der Zeit und der Verschiebungssatz
Transformation in der Zeit
Für beliebige Eingangssignale ist die Laplace-Transformation in
das Werkzeug der Wahl. Mit dem Ableitungssatz
wird aus (2.3) und (2.6)
Wir betrachten den energielosen Anfangszustand:
,
für alle
.
Dann
Das sind gewöhnliche Differentialgleichungen im Ort;
ist ein Parameter. Angenommen wird außerdem eine
homogene Leitung:
hängen nicht von
ab.
Nebenrechnung 1:
Elimination des Stroms
Aus der ersten Gleichung (3.2):
.
Nach
abgeleitet und in die zweite eingesetzt:
Mit der Abkürzung (Fortpflanzungs- oder Ausbreitungskonstante)
lautet (3.3)
Nebenrechnung 2:
Exponentialansatz
Ansatz
:
,
also
Die allgemeine Lösung von (3.5) ist deshalb
Nebenrechnung 3: Der Strom
Aus (3.2) mit (3.7):
Mit
folgt
Die Wurzel ist der Kehrwert einer Größe von der Dimension eines
Widerstands. Man nennt
den Wellenwiderstand der Leitung und schreibt die
Lösung der Leitungsgleichungen als
und
sind in
konstant, hängen aber im Allgemeinen von
ab; sie folgen aus den Randbedingungen. Der erste Summand ist die
hinlaufende, der zweite die
rücklaufende Welle.
Die verlustlose Leitung
Bei Energie- und Nachrichtenleitungen hält man
und
klein. Idealisiert:
Nebenrechnung 4:
und
.
Also
ist jetzt reell und von
unabhängig; die Exponentialfunktionen sind reine Verschiebungsoperatoren
in
.
Randbedingungen:
Generator mit
,
Abschluss
Die Leitung der Länge
wird am Eingang von einer Quelle mit der Urspannung
(Innenwiderstand null) gespeist und am Ende mit
abgeschlossen;
für
.
Im Bildbereich mit
:
Nebenrechnung 5: Einsetzen von (3.12a/b) in
(3.13):
Aus (3.15b) folgt
,
also
Die rücklaufende Welle verschwindet: Am angepassten
Ende wird nichts reflektiert. Spannung und Strom im Bildbereich:
Der Verschiebungssatz und
der Impuls
Der Verschiebungssatz (Rechtsverschiebung im Zeitbereich) lautet
mit der Sprungfunktion
.
In (3.17) steht genau diese Form mit
.
Die Rücktransformation ist deshalb ohne jede Tabelle möglich:
Das Ergebnis besagt:
Der Spannungsverlauf an der Stelle
ist der Verlauf der Urspannung, verschoben um
,
in unveränderter Form. Ein Rechteckimpuls der Dauer
am Eingang erscheint bei
als derselbe Rechteckimpuls, beginnend bei
.
Der Strom ist überall die Spannung geteilt durch
.
Ein Zustand bewegt sich mit der Geschwindigkeit
über die Leitung.
Der Eingangswiderstand ist
,
reell, unabhängig von
.
Die angepasste verlustlose Leitung ist also ein ideales
Laufzeitglied mit der Totzeit
;
in der Schreibweise der Regelungstechnik
.
Der Verschiebungssatz am Rechteckimpuls:
gleiche Form, um
später.
Fehlanpassung:
Reflexionen als verschobene Impulse
Schließt man die Leitung mit einem beliebigen Widerstand
ab, lauten die Randbedingungen
,
.
Dieselbe Rechnung wie in Nebenrechnung 5 liefert für das Verhältnis von
rück- zu hinlaufender Welle am Ende den
Reflexionsfaktor
also
bei Anpassung,
im Leerlauf,
im Kurzschluss. Am Generator mit
wird mit
reflektiert (die Spannung ist dort eingeprägt). Jede Reflexion ist im
Bildbereich ein weiterer Faktor
und ein Faktor
bzw.
;
mit dem Verschiebungssatz ist der Verlauf an der Stelle
die Summe verzögerter, skalierter Kopien des Eingangsimpulses:
Am offenen Ende verdoppelt sich die Impulsspannung
(),
am Kurzschluss wird sie null; Abschnitt 8 zeigt beide Fälle
gerechnet.
Quelle mit Innenwiderstand
Hat der Generator den Innenwiderstand
,
lautet die Randbedingung am Eingang
.
Mit (3.12a/b) und
folgt (CAS-Posten 25–27)
Drei Dinge stecken darin: Der Impuls tritt mit dem
Spannungsteiler
in die Leitung ein (die Leitung wirkt am Eingang wie der Widerstand
);
am Ende wird mit
,
am Generator mit
reflektiert; und
ist die geometrische Reihe der Mehrfachreflexionen,
jede um die doppelte Laufzeit
verzögert. Für die verlustlose Leitung
()
liefert der Verschiebungssatz Glied für Glied
Für
ist
und (3.24) geht in (3.22) über; für
ist
:
Nur noch ein Hin- und ein Rücklauf, danach ist Ruhe — die vom Ende
reflektierte Welle wird im Generator vollständig aufgenommen. Gleichung
(3.24) ist die Rechenvorschrift der Simulation in der Laborseite
(Abschnitt 8).
Weg-Zeit-Bild der Reflexionen bei
Leerlauf: am Ende
,
am Generator
()
;
jede Linie ist ein verzögerter Impuls aus (3.22).
Weg
B: Die doppelte Laplace-Transformation der Wellengleichung
Dieser Weg ist vom Ersatzschaltbild unabhängig. Er beginnt bei der
Wellengleichung (1.5) für eine Feldkomponente, hier
,
und transformiert beide Variablen:
und
,
Beide Transformationen sind lineare Integrale und vertauschbar. Die
Ableitungssätze liefern je Variable die Anfangs- bzw. Randwerte:
Dabei bezeichnet
die Ortstransformierte des Anfangsfeldes,
die Zeittransformierte des Randwerts bei
,
Indizes
,
die Ableitungen.
Fall 1: Quelle am Rand, Ruhe
für
Anfangswerte null
(,
).
Am Rand
sei der Verlauf
vorgegeben,
.
Annahme (so im zweiten Ansatz): die Steigung am Rand
verschwindet,
.
Einsetzen in (1.5):
Aus der partiellen Differentialgleichung ist eine algebraische
Gleichung geworden.
Rücktransformation des Ortes
():
Aus der Tabelle
,
hier
:
Rücktransformation der Zeit
()
mit dem Verschiebungssatz (3.18), angewandt auf
:
Das ist die d’Alembert-Lösung: Das Randsignal
zerfällt in zwei halb so große Wellen, eine läuft in
-Richtung,
eine in
-Richtung,
beide unverzerrt mit
.
Die Superposition ist hier nicht angesetzt, sondern entsteht aus dem
Bruch in (4.5).
Einordnung der Annahme. Die Steigungsbedingung
ist eine Wahl, keine Folgerung. Lässt man
in (4.3) stehen, ist
Mit
wird daraus
,
also allein die hinlaufende Welle
:
das ist die Lösung für eine halbunendliche, nach rechts abgeschlossene
Anordnung (Weg A, Gl. 3.19, mit
).
Beide Wege stimmen überein, sobald man am Rand dieselbe Bedingung
stellt; der Term
in (4.7) gehört zu einer Welle, die von rechts auf den Rand zuläuft und
dort die Steigung aufhebt.
Fall 2: Anfangsimpuls im Raum
Jetzt sei zur Zeit
ein räumlicher Impuls vorhanden,
,
in Ruhe:
;
die Randwerte bei
werden für das unendlich ausgedehnte Medium null gesetzt. Transformation
zuerst im Ort, dann in der Zeit:
Auflösen:
Zeit zurück:
mit
:
Ort zurück mit dem Verschiebungssatz im Ort,
:
Ein losgelassener Impuls zerfällt augenblicklich in zwei halb so
große Impulse gleicher Form, die mit
auseinanderlaufen. Für den Gaußpuls
heißt das
;
das CAS-Skript bestätigt, dass (4.11) die Wellengleichung, die
Anfangsform und die Anfangsruhe erfüllt. (Die Rücktransformation von
setzt voraus, dass
für das halbseitige Ortsintegral definiert ist; für einen im Innern
liegenden, hinreichend weit vom Rand entfernten Puls ist das
erfüllt.)
Weg B, Fall 2: Der Gaußpuls
zerfällt in zwei halb so hohe Pulse, die mit
auseinanderlaufen (Gl. 4.11).
Was die beiden
Wege trennt und was sie verbindet
Weg A
Weg B
Ausgangspunkt
Ersatzschaltbild, Leitungsgleichungen (2.3)/(2.6)
Wellengleichung (1.5) aus Maxwell
Transformiert
nur die Zeit
Zeit und Ort
Was übrig bleibt
gewöhnliche DGL im Ort, Exponentialansatz
algebraische Gleichung
Randbedingungen
,
— Generator und Abschluss
Wert und Steigung bei
bzw. Anfangspuls
Ergebnis
,
Reflexionen als Summe verzögerter Impulse
,
d’Alembert
Wellenwiderstand
entsteht als
kommt nicht vor (nur ein Feld)
Weg A liefert Spannung und Strom und damit
und die Anpassung; Weg B liefert den Beweis, dass die Wellengleichung
ohne jeden Ansatz zwei gegenläufige Wellen enthält. Beide benutzen den
Verschiebungssatz als letzten Schritt.
Die Beläge der Doppelleitung
Zwei parallele Drähte mit Radius
im Abstand
,
Länge
,
Medium
,
.
Kapazitätsbelag
Zum Kapazitätsbelag: Querschnitt der
Doppelleitung mit den Linienladungen
und
,
den Abständen
und
und dem Aufpunkt
auf der Verbindungslinie (Abstand
vom Leiter
,
vom Leiter
).
Potential einer Linienladung. Eine Linienladung
(Ladung je Länge) hat nach dem Gaußschen Gesetz im Abstand
die Feldstärke
;
ihr Potential ist das Integral
.
Die Konstante ist für beide Ladungen dieselbe und fällt in jeder
Potentialdifferenz heraus.
Potential auf den Leitern. Am Rand des Leiters
(Abstand
von der eigenen Achse, Abstand
von der Achse des Leiters
,
weil
)
überlagern sich die Potentiale beider Ladungen:
denn
.
Am Leiter
vertauschen sich die Rollen (eigene Ladung
im Abstand
,
fremde
im Abstand
):
Spannung. Die Spannung zwischen den Leitern ist die
Potentialdifferenz. Mit
wird aus der Differenz eine Summe:
Kapazitätsbelag. Kapazität je Länge ist Ladung je
Länge durch Spannung:
(CAS-Posten „(5.1)“, „(5.2)”: die Logarithmenschritte sind einzeln
nachgerechnet.)
Unabhängige Gegenprobe über das Feld. Statt der
Potentiale summiert man die Feldstärken auf der Verbindungslinie der
Drahtachsen. Im Abstand
von der Achse des Leiters
(und
von der des Leiters
)
zeigen beide Beiträge in dieselbe Richtung:
Also
,
was für
in (5.3) übergeht. Die exakte Lösung der Doppelleitung
(Spiegelladungen liegen nicht in den Drahtachsen, sondern bei
)
lautet
;
wegen
für große
ist auch sie für
gleich (5.3). Für
mm,
mm:
,
,
— die Näherung (5.3) liegt 0,08 % neben der exakten Lösung (CAS-Posten
„Kapazitätsbelag unabhängig”).
Induktivitätsbelag
Zum Induktivitätsbelag: die beiden Drähte
der Länge
mit den Strömen
und
,
das Feld
des Leiters 1 (Kreise), die Fläche
zwischen den Drähten (von
bis
,
Breite
)
und das Flächenelement
.
Der Strom
in Leiter 1 erzeugt im Abstand
das Feld
.
Der Fluss durch die Fläche zwischen den Drähten (Länge
,
)
ist
Zwischen den Drähten addieren sich die Flüsse beider Leiter
konstruktiv (außerhalb heben sie sich teilweise auf):
.
Mit
und
:
Die exakte äußere Induktivität ist entsprechend
;
der innere Anteil
je Leiter (Feld im Drahtinnern) ist bei hohen Frequenzen durch die
Stromverdrängung unterdrückt und wird hier nicht mitgezählt. Das Produkt
ist in exakter wie in genäherter Form
.
Wellenwiderstand und
Geschwindigkeit
Mit (3.12a):
Die Geometrie kürzt sich aus der Geschwindigkeit heraus: Der Impuls
läuft mit der Lichtgeschwindigkeit des Mediums, gleichgültig wie dick
die Drähte sind. Nur der Wellenwiderstand hängt von
ab. In Luft
()
ist
;
für
mm,
mm:
Ein 3 m langes Stück hat die Laufzeit
ns.
Anpassung an Stoßstellen
Die Stoßstelle zweier
Leitungen
Eine Welle läuft auf Leitung 1 (Wellenwiderstand
,
Geschwindigkeit
,
Bereich
)
nach rechts und trifft bei
auf Leitung 2
(,
,
Bereich
).
Nach (3.12a/b) und dem Verschiebungssatz besteht die Lösung auf jeder
Leitung aus einer hin- und einer rücklaufenden Welle; der Strom der
rücklaufenden Welle trägt nach (3.12b) das Minuszeichen. Auf Leitung 2
läuft nichts zurück, solange ihr Ende angepasst ist oder die dortige
Reflexion noch unterwegs ist. Also:
ist der einlaufende Impuls (bekannt),
der reflektierte und
der durchgelassene Impuls (gesucht). An der Stoßstelle gelten
die Kirchhoffschen Regeln: Die Spannung ist stetig, weil beide
Leitungen am selben Klemmenpaar hängen, und der Strom ist stetig, weil
kein Querzweig abzweigt:
Mit (6.1a/b) an der Stelle
,
alle Funktionen zur selben Zeit
genommen und abgekürzt
usw., entsteht das lineare Gleichungssystem für die
beiden Unbekannten
und
:
Nach Unbekannten geordnet, in Matrixform:
Lösung durch Einsetzen. Aus der ersten Zeile
,
in die zweite:
Damit sind Reflexions- und Durchlassfaktor
Lösung mit der Cramerschen Regel (Gegenprobe): Die
Determinante von (6.4) ist
,
und
Proben.
:
,
,
die Welle läuft unverändert weiter.
(Leerlauf):
,
,
die Spannung verdoppelt sich wie in (3.22).
(Kurzschluss):
,
.
Ein Abschlusswiderstand
ist der Sonderfall, in dem „Leitung 2” ein Widerstand ist,
:
(6.6) geht in (3.21) über. Der durchgelassene Impuls behält seine Form
und Dauer; seine räumliche Länge ändert sich von
auf
.
Leistungsbilanz. Mit
für jede laufende Welle ist
,
,
,
und
Die Stoßstelle selbst verbraucht nichts; was nicht weiterläuft, läuft
zurück.
Verzweigung: eine
Leitung speist mehrere
Gehen von der Stoßstelle
Leitungen mit
ab, liegen sie alle am selben Knoten. Die Spannung ist für alle
dieselbe,
,
der Strom teilt sich auf:
Das ist (6.3) mit
(Parallelschaltung der abgehenden Leitungen), also
Beispiel: Eine
50--Leitung
speist zwei
50--Leitungen:
,
,
.
Ein Drittel der Spannung läuft mit umgekehrtem Vorzeichen zurück; von
der Leistung geht
zurück und je
in jede abgehende Leitung, zusammen
.
Verlustfreie Anpassung: Bekommen die
abgehenden Leitungen je
,
ist
und
,
:
Die ganze Leistung läuft weiter. Bei Leiterbahnen legt die Geometrie
(Bahnbreite über der Massefläche) den Wellenwiderstand fest; eine
50--Zuleitung
auf drei Bahnen zu je 150
ist so angepasst. Der Übergang von 50 auf 150
in der Zuleitung selbst muss dann stetig sein, siehe unten.
Reflexionsfreier
Sternpunkt mit Widerständen
Sollen die abgehenden Leitungen denselben Wellenwiderstand
behalten wie die speisende, legt man in jeden der
Zweige einen Widerstand
zum Sternpunkt S (Bild). Von jedem Zweig aus muss die Anordnung wie
aussehen. Das Gleichungssystem für die einlaufende
Welle
auf Leitung 1, mit den Unbekannten
,
,
(Leitungsende 1),
(Sternpunkt),
,
(,
nur hinlaufende Wellen auf den abgehenden Leitungen):
Das sind
Gleichungen für ebenso viele Unbekannte. Auflösung: Aus
den Zweigen
folgt
,
für alle
gleich; der Knoten gibt
,
also
;
Zweig 1 liefert
ist der Widerstand, den Leitung 1 am Sternpunkt sieht:
in Reihe mit der Parallelschaltung der
anderen Zweige zu je
.
Mit der ersten Zeile von (6.11):
Reflexionsfrei heißt
:
Für den Verteiler 1 auf 2
(
Zweige) bei 50
,
wie in der Vorlesung gerechnet:
Für 1 auf 3
()
wird
.
Weil (6.12) von jedem Zweig aus gleich aussieht, ist der Stern nach
allen Seiten angepasst: Auch ein Impuls, der auf einer abgehenden
Leitung zurückkommt, sieht
.
Was ankommt. Mit
ist
,
und
:
Beim Verteiler 1 auf 2 kommt an jeder abgehenden Leitung die halbe
Spannung an, ein Viertel der Leistung; die andere Hälfte der Leistung
wird in den drei Widerständen zu Wärme. Das ist der Preis der
Widerstandsanpassung gegenüber der verlustfreien Anpassung über
.
Sternpunkt-Verteiler 1 auf 2:
in jedem Zweig (Gl. 6.15).
Stetiger Übergang:
die verjüngte Leiterbahn
Ändert sich der Wellenwiderstand nicht sprunghaft, sondern stetig von
auf
über die Länge
,
zerlegt man den Übergang in viele kleine Stufen. Eine Stufe
reflektiert nach (6.6)
Die Stufe an der Stelle
wird vom Impuls zur Zeit
erreicht, ihre Reflexion ist bei
weitere
später zurück; am Anfang des Übergangs erscheint also
(Mehrfachreflexionen zwischen den Stufen vernachlässigt, erste
Näherung)
Für einen Übergang, der in
linear ist,
:
Rechteckimpuls der Dauer
:
(6.18) ist eine Faltung des Rechtecks mit einem Rechteck der Dauer
;
ist ein Trapez mit der Höhe
Ein kurzer Impuls
()
wird um so schwächer reflektiert, je länger der Übergang gegen die
Impulslänge
ist; ein Sprung
()
wird immer mit
reflektiert (für
:
0,55 in erster Näherung, exakt
nach (6.6)).
Sinus der Wellenlänge
,
:
Mit
im Argument wird (6.18) zu
Die Reflexion verschwindet bei
und bleibt für
unter
.
Daher die Regel der Vorlesung: Die Bahn verjüngt sich über mindestens
der größten vorkommenden Wellenlänge; kürzer geht, ist
aber nicht mehr angepasst.
Das CAS-Skript rechnet (6.6)–(6.8), (6.10), (6.14a/b)–(6.16) und die
Integrale (6.19)/(6.20) nach (Posten „Stoßstelle”, „Verzweigung”,
„Sternpunkt”, „Übergang”).
Prüfung durch Rechnung
CAS-Skript und
Abdeckungsnachweis
pruefung/cas_telegraphengleichung.py (sympy) rechnet
jede Gleichung dieses Manuskripts nach und sagt je Posten RICHTIG oder
FALSCH; Ergebnis 115 von 115 RICHTIG. Jeder Posten
nennt in seinem Namen die Gleichungsnummern, die er prüft, und
pruefung/abdeckung.py hält diese Liste gegen alle
nummerierten Gleichungen des Manuskripts und gegen die Rechenregeln der
Laborseite. Sein Ergebnis:
Abdeckung vollständig: alle 92 Gleichungen des Manuskripts
und alle 18 Rechenregeln der Laborseite sind mit dem CAS
nachgerechnet.
Fünf Gleichungen rechnen nichts aus, sondern setzen etwas fest; sie
stehen im Abdeckungsskript einzeln mit Grund: (1.1) die Maxwellschen
Gleichungen selbst (ihre Umformung in (1.2) ist geprüft), (3.11) die
Idealisierung
,
(4.1) die Definition der doppelten Transformation (an einer Testfunktion
dennoch nachgerechnet), (6.2) die Stetigkeitsforderung an der Stoßstelle
und (6.11) das Gleichungssystem des Sternpunkts als Aufstellung — die
Folgerungen aus allen fünf sind gerechnet.
Geprüft werden unter anderem: die Vektoridentität
(1.3a) und die Wellengleichung an der ebenen Welle
(1.4)/(1.5); der Übergang von (1.1) auf (1.2) mit dem Kriterium
;
Maschen- und Knotensatz (2.1)–(2.6) samt Grenzübergang
über die Taylorentwicklung; die Laplace-Transformation mit Anfangswerten
(3.1); die Elimination (3.3),
(3.6), der Strom (3.8) und
(3.9); die Randbedingungen (3.13)–(3.16) mit dem Kürzen von
;
die Rücktransformation von
für Spannung und Strom (3.19); dass (3.22) der
Sonderfall
von (3.24) ist, Glied für Glied; für Weg B die Definition und die beiden
Ableitungsregeln der doppelten Transformation (4.1)–(4.3) an einer
Testfunktion, (4.4)–(4.11) mit den
-Rücktransformationen;
die Beläge (5.1a)–(5.8) einschließlich der unabhängigen Nachrechnung
unten; die Stoßstelle (6.1a)–(6.10) samt Cramer-Gegenprobe und
Leistungsbilanz; der Sternpunkt (6.12)–(6.16); der stetige Übergang
(6.17)–(6.20); der Gaußimpuls (7.1)/(7.2) und der Sternknoten des
Zeitschrittverfahrens (7.3a)–(7.5).
Die Beläge unabhängig
nachgerechnet
Die Herleitung von
und
in Abschnitt 5 benutzt zweimal dieselbe Näherung: die Ersatzladung wird
in die Drahtmitte gelegt und der Fluss von
bis
gezählt. Beides ist streng genommen falsch, und das CAS zeigt, um wie
viel:
Die Ersatzladung sitzt im Spiegelpunkt. Zwei
Linienladungen
im Abstand
von der Mitte erzeugen Kreise als Äquipotentialflächen. Das CAS rechnet
nach: mit
ist das Verhältnis
auf der Drahtoberfläche von der Umfangskoordinate
unabhängig — die Oberfläche ist also wirklich eine Äquipotentialfläche.
Mit
wird
,
das Verhältnis
und
.
Daraus
und für
geht
in
über — das ist (5.3).
Der Fluss beider Leiter. Integriert man
beider Drähte zwischen den Oberflächen, von
bis
,
liefert das CAS
statt (5.5) — dieselbe Abweichung wie bei der Feldintegration für
,
und derselbe Grenzwert für
.
Die Gegenprobe, die beide bindet:
muss für jede TEM-Leitung gelten, und das CAS bestätigt es für die
genäherte wie für die exakte Form. Daraus folgt umgekehrt
— die Geometriefunktion ist in beiden Belägen dieselbe, nur einmal im
Zähler und einmal im Nenner. Ebenso geprüft:
und
.
In Zahlen, für
mm und
mm:
pF/m genähert gegen
pF/m exakt,
H/m
gegen
H/m.
Die Näherung liegt 0,08 % daneben, und
ist in beiden Formen auf
genau
.
Für die Laufzeit und den Wellenwiderstand der Laborseite ist das ohne
Belang; wer es genauer braucht, setzt
ein.
Der Impuls im Zeitbereich
pruefung/impuls_auf_leitung.py löst die
Leitungsgleichungen (2.3)/(2.6) ohne Laplace numerisch
(Leapfrog: Spannung an Knoten, Strom auf halben Zellen, 1500 Zellen,
Zeitschritt
;
die Randknoten sind halbe Zellen, deren Widerstandszweig mit der
Trapezregel behandelt wird) für die Leitung aus (5.8), 3 m lang, mit
einem Rechteckimpuls 1 V, 2 ns (sechs Fälle) und mit dem Gaußimpuls
(7.1) (siebter Fall), und vergleicht an der Leitungsmitte mit der
geschlossenen Lösung (3.24):
Quelle, Abschluss
größte Abweichung Leapfrog gegen (3.24)
Spannung am Ende
,
(Anpassung)
V
1,000 V, einmal, bei
ns
,
Leerlauf
V
2,000 V (Verdopplung), dann Mehrfachreflexion
,
Kurzschluss
V
0 V; der Impuls kehrt mit
zurück
,
V
1,125 V
()
,
Leerlauf
V
1,000 V
(),
danach Ruhe
,
V
0,222 V
()
Gaußimpuls (7.1),
,
V
1,125 V
Rechteckimpuls 1 V, 2 ns auf der
angepassten Doppelleitung: Momentaufnahmen längs der Leitung. Der Impuls
läuft unverzerrt mit
.Spannung in der Leitungsmitte (Leapfrog
und geschlossene Lösung decken sich) und am Leitungsende für Anpassung,
Leerlauf und Kurzschluss. Leerlauf: Verdopplung am Ende, Rückkehr mit
am Abschluss und
am Generator; Kurzschluss: Rückkehr mit
.
Die Übereinstimmung bis auf Rundungsreste ist kein Zufall: Beim
Zeitschritt
ist das Leapfrog-Verfahren für die verlustlose Leitung exakt, der Impuls
springt je Schritt genau eine Zelle weiter. Ein Befund aus dem Bau des
Skripts: Behandelt man den Widerstandszweig eines Randknotens explizit
oder nimmt die Quellspannung nur zur Schrittzeit statt gemittelt über
den Schritt, weicht die Lösung um 0,25 bis 1 V ab (Zeitlage um einen
halben Schritt, bei
Instabilität); erst die Trapezregel an beiden Enden macht alle sieben
Fälle auf
V gleich. Derselbe Kern, in JavaScript übertragen, treibt die Laborseite
Telegraphen_Labor_1.5.html (Reiter Labor: Impuls, Quelle
mit
,
Abschluss
,
Wellenwiderstand live, Impulslänge, feine Spannungsskala mit der
Amplitude an jedem Impuls, Zeitlupe; Reiter Verzweigung: Sternpunkt 1
auf 2 mit
;
Reiter Rechenweg: siehe unten; Reiter Manuskript: dieser Text); beide
Wege werden dort live gegeneinander gezeichnet, und
labor/pruefe_kern.js hält den Kern in Node gegen die
Python-Zahlen
(
V).
Der
Gaußimpuls: woher der Ansatz kommt und wie er gerechnet wird
Die Laborseite bietet neben dem Rechteck einen
Gaußimpuls als Urspannung an. Der Ansatz ist
ist so gewählt, dass
die Halbwertsbreite ist:
,
dieselbe Zahl
wie die Dauer des Rechtecks. Der Scheitel liegt bei
,
damit der Impuls „aus der Ruhe” beginnt:
;
der energielose Anfangszustand (3.1) ist damit bis auf diesen Rest
erfüllt (CAS-Posten „Gaußimpuls”).
Warum ein Gaußimpuls. Der Rechteckimpuls hat zwei
Sprünge; dort existieren die Ableitungen nicht, auf die sich Weg B
stützt (d’Alembert verlangt zweimal differenzierbare Funktionen,
Abschnitt „Einordnung der Annahme”), und ein realer Treiber liefert
ohnehin endliche Flanken. Der Gaußimpuls ist beliebig oft
differenzierbar, hat keine Überschwinger und ein Spektrum, das wieder
eine Gaußfunktion ist: Alle Rechenregeln gelten für ihn ohne
Einschränkung. In Weg B, Fall 2, tritt die Gaußfunktion als
räumlicher Anfangsimpuls
auf (Gl. 4.11); hier ist sie eine zeitliche Urspannung.
Beides hängt über den Verschiebungssatz zusammen: Die Quelle prägt nach
(3.19) auf der Leitung
ein, also räumlich wieder eine Gaußfunktion mit der
Impulslänge (Halbwertsbreite im Ort)
bei
ns in Luft
m. Die Laborseite zeigt
neben der Dauer an.
Wie gerechnet wird. Weg 1 setzt (7.1) in (3.24) ein:
Jedes Glied ist eine verschobene, mit
bzw.
skalierte Gaußfunktion, nichts weiter. Weg 2 tastet (7.1) an den
Schrittzeiten
ab und führt sie über die Trapezregel des Quellknotens
()
in die Leapfrog-Schritte ein; die Leitung selbst wird bei
exakt behandelt. Für den Gaußimpuls 1 V,
ns, 3 m, 1500 Zellen weichen beide Wege in der Leitungsmitte um
höchstens
V voneinander ab (siebter Fall in
pruefung/impuls_auf_leitung.py und in
labor/pruefe_kern.js).
Befund beim Bau (28.10.2026): Setzt man die
Gaußfunktion in (3.24) ohne den Faktor
ein, weichen die Wege um
V voneinander ab, unabhängig von der Zellenzahl (1500, 3000, 6000 Zellen
gemessen), und zwar genau um
:
Weg 1 enthielte dann den Ausläufer der Gaußfunktion vor
,
den der Zeitschritt, der aus der Ruhe startet, nicht kennt. Der
Verschiebungssatz (3.18) trägt den Faktor
nicht umsonst; mit
für
(Voraussetzung in (3.13)) liegen beide Wege wieder bei
V. Der Ansatz (7.1) ist deshalb genau genommen
,
mit dem Sprung
bei
.
Der
Sternpunkt im Zeitschrittverfahren und der Reiter „Verzweigung”
Die Laborseite hat einen dritten Reiter Verzweigung:
dieselbe Leitung, Quelle und derselbe Abschluss wie auf dem Reiter
Labor, aber Leitung 1 endet im Sternpunkt eines Verteilers 1 auf 2
(Abschnitt 6), alle drei Zweige mit demselben Widerstand
,
wahlweise optimal
(6.14b) oder frei einstellbar. Beide Wege rechnen wieder aus derselben
Quelle:
Weg 1 ist die Summe verzögerter Impulse wie in
(3.24), nur mit mehr Verzweigungen: Ein Impuls, der den Stern erreicht,
läuft mit
nach (6.13) zurück und mit
in jede der
anderen Leitungen weiter (aus
und
);
am Generator gilt
,
am Abschluss
.
Die Laborseite verfolgt jeden Impuls als Strahl (Leitung, Richtung,
Amplitude, Startzeit) und bricht ab, wenn die Amplitude unter
fällt oder die Zeit 8
überschreitet.
Weg 2 ist das Leapfrog-Verfahren auf drei Leitungen.
Der Sternpunkt besteht aus drei halben Endzellen (je
),
die über je
am Knoten S hängen; S selbst hat keine Kapazität. Mit der Trapezregel
für den Widerstandszweig und
(so dass
)
lautet der Schritt für die Endspannung
jeder Leitung
(
= Strom aus der Leitung in den Endknoten):
Die Knotenregel in S bei gleichem
heißt
zu jeder Zeit, also auch
.
Summiert man (7.3b) über
,
fällt
heraus:
Für
fallen die drei Endknoten zu einem zusammen (Kapazität
):
Kein Gleichungssystem muss gelöst werden; (7.4) ist die geschlossene
Auflösung. Der Python-Nachbau (impuls_auf_leitung.py, Fälle
8–10) und der Kern der Laborseite rechnen beide Wege gegeneinander:
Fall (Rechteck 1 V, 2 ns,
m je Leitung)
,
am Stern
größte Abweichung Weg 2 gegen Weg 1
Ende Leitung 2
,
,
,
V (Python),
V (Kern)
0,5625 V
,
,
Leerlauf
,
V,
V
1,3333 V
,
,
,
V,
V
0,1667 V
Ein Befund beim Bau: Die Strahlensumme wertet
aus, und
ist in Gleitkommazahlen nicht exakt null; an der Impulsflanke entschied
das Vorzeichen dieses Restes über einen ganzen Abtastwert (0,375 V). Das
Argument wird deshalb auf
gerundet, in beiden Fassungen.
Der
Reiter „Rechenweg”: die Simulation Schritt für Schritt
Eine Simulation ist nur so viel wert wie die Gleichungen, nach denen
sie rechnet. Damit das nachprüfbar bleibt und nicht geglaubt werden
muss, trägt die Laborseite einen eigenen Reiter
Rechenweg. Er zeigt sechzehn Schritte, jeden mit drei
Angaben: der Gleichung aus diesem Manuskript (die Nummer steht als Marke
daneben), der Formel, und denselben Zahlen, die gerade eingestellt sind
— eingesetzt, ausgerechnet, mit Zwischenergebnis. Wer will, rechnet
jeden Schritt auf Papier nach.
Teil
Schritte
Gleichungen
A — von der Geometrie zu den Kennwerten
1–3
(5.3), (5.5), (5.6), (5.7)
B — Weg 1: die geschlossene Lösung
4–8
(3.21), (3.23), (7.1), (3.24), (3.18)/(3.19)
C — Weg 2: das Zeitschrittverfahren
9–13
(2.3), (2.6), (3.23), (3.21)
D — der Sternpunkt
14–16
(6.12), (6.13), (6.16), (7.3a)–(7.5)
Teil B zeigt für die eingestellte Leitung die ersten Glieder der
Reihe (3.24) einzeln: Amplitude und Verzögerung jedes verzögerten
Impulses, so dass sichtbar wird, dass hinter der Simulation nichts
weiter steckt als derselbe Impuls, mehrfach verschoben und skaliert.
Teil C zeigt die beiden Halbschritte des Leapfrog-Verfahrens mit den
tatsächlichen Werten von
und
und beide Randknoten.
Dass der Reiter keine Gleichung nennen kann, die nicht nachgerechnet
ist, prüft pruefung/abdeckung.py mit: Es liest die
Gleichungsnummern aus dem Reiter, aus dem Rechenkern und aus diesem
Manuskript und hält alle drei gegen die Liste der CAS-Posten.
Was beim Nachrechnen
gefunden wurde
Jeder Fehler steht hier mit dem Grund, warum er zuerst durchging —
das ist der Teil, der sich auf die nächste Arbeit übertragen lässt.
Das Ersatzschaltbild (Bild 1) war falsch
gezeichnet. Die senkrechte Linie des Querzweigs lief
durchgezogen durch das Rechteck von
und zwischen den Platten von
hindurch — gezeichnet wäre damit ein Kurzschluss über beide Bauteile.
Nicht aufgefallen war es, weil die Prüfung an den Gleichungen
ansetzte und das Bild nur angesehen, nicht gelesen wurde. Berichtigt am
28.10.2026: die Leitung endet jetzt am Bauteil und setzt dahinter wieder
an.
Die Spannungsteilung am Sternpunkt war im Text mit
angegeben. Richtig ist
(6.16). Der Satz stand in der Prosa und hatte keinen CAS-Posten; seit
der Abdeckungsprüfung hat jede Zahl einen.
Der Gaußimpuls ohne
.
In (3.24) eingesetzt, wichen die beiden Wege um
V voneinander ab, unabhängig von der Zellenzahl — genau um
.
Der Verschiebungssatz (3.18) trägt den Sprungfaktor nicht umsonst. Mit
für
liegen beide Wege bei
V.
Gleitkommareste an der Impulsflanke.
ist nicht exakt null; an der Flanke eines Rechtecks entschied dieses
Rest-Vorzeichen über einen ganzen Abtastwert (0,375 V). Das Argument der
Strahlensumme wird deshalb auf
gerundet, in beiden Fassungen.
Die Randknoten des Zeitschrittverfahrens nur mit
der Trapezregel und gemittelter Quellspannung exakt; explizit gerechnet
weicht die Lösung um 0,25 bis 1 V ab und wird für
instabil.
Folien 9 und 10 der Vorlesungspräsentation tragen
die Integralform des Durchflutungssatzes mit einem Minuszeichen; richtig
ist das Pluszeichen (siehe Quellen).
Die Laborseite 1.4 rechnete nicht und wurde
zurückgezogen. Die Hilfsfunktion des neuen Reiters hieß
schritt() — genauso wie der Zeitschritt des Labors, der
dadurch überschrieben wurde: Start, Schritt und jede Rechnung liefen ins
Leere. Aufgefallen ist es dem Auftraggeber, nicht der Prüfung, denn die
prüfte nur, dass die Seite lädt und dass kein Fehler
in der Konsole steht — beides war der Fall, weil eine überschriebene
Funktion in JavaScript keinen Fehler wirft. Zwei Prüfmittel sind daraus
entstanden: labor/vollprobe.js spielt alle 55
Bedienschritte durch (jeder Reiter, jeder Knopf, jede Eingabe bis an die
Ränder) und meldet jeden Schritt, der länger als vier Sekunden braucht;
labor/pruefe_seite.js nimmt die Seite seitdem mit
harten Sollwerten ab — die Zeit muss laufen, beide Wege
müssen sich auf
V decken, beide Startknöpfe müssen die Simulation vorantreiben — und
endet mit Fehler, wenn eines davon nicht stimmt. Eine Seite, die lädt,
ist noch keine Seite, die rechnet.
Stoßstelle: Spannung und Strom stetig → zwei Gleichungen, zwei
Unbekannte →
,
;
Verzweigung:
;
Sternpunkt mit Widerständen:
(1 auf 2:
,
halbe Spannung, halbe Leistung in Wärme); stetiger Übergang: Länge
der größten Wellenlänge.
Quellen
Vorlesung „Telegraphengleichung” (Präsentation 26.03.2026) mit den
Lehrbuchauszügen zu Ersatzschaltbild, Operatorform und verlustloser
Leitung (Gln. 4.25–4.43, 5.1–5.16); die Gliederung dieser Auszüge
(„Konzentriertes Ersatzschaltbild für das Leitungselement”, „Dynamische
Vorgänge auf verlustlosen Leitungen”) entspricht P. Vielhauer,
Passive lineare Netzwerke (Inhaltsverzeichnis: gbv.de).
Handblätter „C-Doppelleitung” und „Berechnung der Induktivität einer
Doppelleitung” (Vorlesung Felder und Wellen, Wystup).
L. Debnath: The double Laplace transforms and their properties
with applications to functional, integral and partial differential
equations, Int. J. Appl. Comput. Math. 2 (2016) 223–241 (Übersicht:
researchgate).
T. A. Estrin, T. J. Higgins: The solution of boundary value
problems by multiple Laplace transformation, J. Franklin Inst. 252
(1951) 153–167 (Ursprung der doppelten Laplace-Transformation).
Leitungstheorie, Wellenwiderstand der Doppelleitung
in Luft: Wikipedia
Leitungstheorie; M. Schlup: Einführung in die
Leitungstheorie (2012).
Laplace-Transformation, Verschiebungssatz: Skript TU Graz,
Signaltransformationen (2020).
O. Heaviside (1850–1925), Begründer der Operatorenrechnung und der
Leitungstheorie in dieser Form.
Befund an der Vorlesungspräsentation (28.10.2026):
Auf den Folien 9 und 10 trägt die Integralform des Durchflutungssatzes
ein Minuszeichen,
;
richtig ist das Pluszeichen (Stokes auf
).
Die Differentialform auf Folie 8 und die Gleichung mit
auf Folie 10 sind richtig.